Digitalisierung der Gesundheitsbranche


Medizinische Qualitätssicherung am 25. Mai 2020 von Dr. med. Nonnenmacher

Die Digitalisierung geht mit großen Schritten voran. Kaum ein Feld bleibt davon unberührt, das gilt uneingeschränkt auch für den Gesundheitsbereich. Doch so, wie viele Menschen in anderen Bereichen nicht auf den ersten Blick erkennen, welche Vorteile Digitalisierung für sie dort haben kann, verhält es sich auch im Medizinischen. Dieser Artikel klärt deshalb über die 5 großen Vorteile auf.

Allein wegen des Smartphones trägt jeder auch das Medizinwissen der Welt jederzeit mit sich – auch für Laien verständlich aufbereitet. © stokkete - stock.adobe.com

Inhaltsverzeichnis

Uneingeschränkte Information

Wer diese Zeilen liest, ist bereits medizinisch-digitaler Nutznießer. Denn MedLexi.de ist ein Informationsportal für den Verbraucher. Wer sich beispielsweise bei uns in der Kategorie der Krankheiten umsieht, bekommt allein durch die Digitalisierung Informationen, die noch vor wenigen Jahren ausschließlich Fachpersonal vorbehalten waren.

Die einzigen Alternativen waren Enzyklopädien – oft für Laien schwer verständlich formuliert, notwendigerweise in ihrem Umfang stark limitiert und andauernd davon bedroht, nicht mehr aktuell zu sein. Die medizinische Branche ist eine, in der Aktualisierungen, Wissenserweiterungen, auch Umdenken in rasanter Abfolge geschehen. Da ist das Medium Buch kein adäquater Träger für ständig aktuelle Informationen.

Doch sind digitale Informationen nicht nur hinsichtlich der leichteren Aktualisierbarkeit einer Webseite ein Gewinn. Denn es gilt auch, dass Speicherplatz ungleich billiger ist als Papier und Buchdruck. MedLexi.de würde in Buchform mehrere Bände füllen und erhebliche Beträge kosten – Medizinwissen bliebe somit auf eine zahlungskräftige Klientel beschränkt.

Die Digitalisierung hat Gesundheitswissen demokratisiert. Sie hat es zugänglicher gemacht, niedrigschwelliger, leichter verständlich. Und das ist nicht nur ein informativer Gewinn, sondern trägt direkt zur Volksgesundheit bei – denn jeder kann sich jederzeit kostenlos darüber informieren, was gut für ihn ist.

Abnahme von Aufgaben

Wir leben in einer Zeit, in der ein Daumenwisch auf dem Smartphone-Display das Licht, den Fernsehsender, die Heizung, sogar die Haustür bedienen kann. Und so, wie die Digitalisierung uns im Haushalt unzählige große und kleine Aufgaben erleichtert, arbeitet sie auch im medizinischen Bereich.

Beginnen wir bei den Versicherungen. Hier fungiert die Firma Clark zwar auch als digitaler Versicherungsmanager, ihr Hauptverdienst ist jedoch, dass die Clark Experten für den Nutzer per Chat oder Telefon erreichbar sind und den Nutzer indivudell beraten. Nur, weil die App algorithmenbasiert ist, bekommt der Nutzer keine One-Size-Fits-All-Versicherung, sondern ein individuell auf seine Bedürfnisse zugeschnittenes Angebot. In die App trägt der Nutzer all seine Versicherungsdaten ein, etwa Summen, Fristen und dergleichen. Das hat dreierlei Effekte:

1. Der simpelste Nutzen besteht darin, dass sämtliche Versicherungsunterlagen nach der Unterzeichnung im Schrank bleiben dürfen. Alle relevanten Informationen sind in der App und können dort übersichtlich eingesehen und bearbeitet werden.

2. Alle Verträge können auf Wunsch geprüft und bewertet werden.

3. Wahlweise können Alternativen bei anderen Versicherern automatisch durchsucht und vorgeschlagen werden – in dem Fall übernimmt der Dienst sogar die Kündigung.

Doch Digitalisierung kann noch mehr abnehmen. Sie erinnert uns an die Einnahme von Medikamenten bis hinab zur exakten Tablettenanzahl. Sie hilft beim Sport, bei der Vorsorge, erinnert an Behandlungs- und Vorsorgetermine. Ja, die gemeinnützige Plattform washabich.de liefert sogar Übersetzungen von Patientenbefunden – durchgeführt durch freiwillige Medizinstudenten der oberen Semester. Durch all das werden auch komplexe medizinische Punkte für Laien beherrschbar und somit sicherer.

Vereinfachte Kommunikation

Wenn in einigen Jahren Medizinstudenten mit wichtigen historischen Momenten konfrontiert werden, wird in Deutschland höchstwahrscheinlich auch 2018 Erwähnung finden. Das Jahr, in dem auch auf gesetzlichem Wege das möglich wurde, was technisch schon längst gegeben war: Telemedizin.

Seit nunmehr zwei Jahren ist es auch deutschen Medizinern vollumfänglich gestattet, im Rahmen des ärztlich Vertretbaren Patienten aus der Ferne zu behandeln. Nicht weniger als ein wirklicher Meilenstein – der allerdings nur durch die Digitalisierung zu einem solchen werden konnte:

  • Die Möglichkeiten der Videotelefonie,
  • Diverse Programme zum Sammeln medizinischer Daten,
  • Programme zur Digitalisierung und Übersendung,

erst sie machten es möglich, dass medizinische Kommunikation neue Wege einschlagen konnte. Allerdings darf dabei nicht vergessen werden, dass der Prozess schon an dem Tag begann, an dem die ersten Kassenpatienten die Krankenversichertenkarte mit Chip bekamen, das war 1995.

Schon dieses Detail vereinfachte sowohl die Kommunikation Patient-Arzt wie die zwischen Ärzten, weil zumindest die Basisdaten auf einem einheitlichen Medium gespeichert waren. Und insgesamt wurde dadurch die Kommunikation nicht bloß vereinfacht, sondern das gesamte kommunikative Prozedere inklusive der administrativen Arbeit wesentlich beschleunigt – denn wo natürlich auch Patientenakten nur noch elektronisch gepflegt werden, kann eigentlich nie wieder etwas verlorengehen, unleserlich sein.

Beschleunigte, präzisierte, vereinfachte Behandlung

Eine der großen Stärken medizinischer Digitaltechnik ist es, Fehlervermeidung im großen Stil zu betreiben.

Wohl jeder Leser dürfte bei seinem Hausarzt bereits mit einem digitalen Blutdruckmessgerät in Kontakt gekommen sein. Vielleicht einem Laser-Fieberthermometer, einem Fingerclip zur Messung der Sauerstoffsättigung. Eventuell wurde er auch geröntgt. Nicht auf Film, sondern so, dass die Bilder direkt auf dem Bildschirm erschienen.

Es sind vor allem solche Allgemein-Anwendungen, die besonders prägnant zeigen, wie bedeutsam Digitaltechnik in der Medizin geworden ist. Denn auch der bestausgebildetste Medizinier ist immer „nur“ ein Mensch mit Fehlerpotenzial. In der Medizin können diese von besonderer Tragweite sein – etwa, weil Diagnosen falsch erstellt, Krankheiten nicht korrekt behandelt, Werte falsch interpretiert werden.

Es gibt einen Grund, warum Medizin eines derjenigen Felder war, die besonders früh und schnell digitale Techniken integrierten. Am Anfang war es die Tatsache, dass diese präziser und vielfach schneller sind als ihre analogen Vorgänger – denken wir an ein simples Fieberthermometer mit Digitaldisplay anstatt Quecksilbersäule.

Doch je weiter die Entwicklung voranschritt, desto fähiger wurde die Technik. Heute befinden wir uns an einem Punkt, an dem der menschliche Arzt zwar immer noch die Entscheidungshoheit hat. Aber er kann sich dabei auf eine gigantische Breite an Programmen und Techniken verlassen, die alles, was Fehlerpotenzial hat, hinterfragen, überprüfen und somit vereinfachen und rückversichern.

Schon vor 20 Jahren führten Chirurgen über einen Operationsroboter eine Gallenblasenentfernung durch – quer über den Atlantik. Heute zeigt die im Zulauf befindliche 5G-Technik, was möglich ist, wenn gigantische Datenmengen in Echtzeit übertragen werden können. Einfach ausgedrückt: Ihretwegen lassen sich Operationen durch Roboterhand durchführen, die noch besser und sicherer sind als es die ruhigsten Chirurgenhände jemals könnten. Welche Bedeutung dies auch für die Versorgung entlegener Gebiete mit zeitgenössischen Operationsmethoden hat, lässt sich absehen.

Entlastung der Pflegekräfte

Pflegekräfte gibt es nicht nur in Deutschland zu wenige. Das Problem wird in allen Staaten mit alternder Bevölkerung immer drängender. Doch wo die Digitalisierung diesen Kräften schon bei den administrativen Aufgaben sprichwörtlich unter die Arme greift, kann sie es schon heute und noch mehr in Zukunft auch buchstäblich.

Wir stehen an der Schwelle einer Epoche, in der der Pflegeroboter nicht mehr nur ein Gimmick auf Messen ist. Mittlerweile ist die KI wirklich soweit, dass sie den Menschen in diesem Segment ergänzen kann – die einzigen Skeptiker scheinen tatsächlich diejenigen zu sein, denen die Roboter die Arbeit erleichtern sollen. Da das jedoch die einzige verbliebene Hürde ist, dürfte sie leicht zu überwinden sein.

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