Legasthenie bei Erwachsenen - Herausforderungen und Lösungsvorschläge


Wenn sich Erwachsene schwer mit dem Lesen tun und große Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung trotz offensichtlicher Begabung haben, ist das im Alltag frustrierend. Entgegen der landläufigen Meinung, dass sich Legasthenie im Erwachsenenalter „auswächst“, bleiben die Schwierigkeiten bestehen. Die Gründe, weshalb Erwachsene nicht offen darüber sprechen und was sich dagegen tun lässt, werden in diesem Beitrag vorgestellt.

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Deshalb sprechen Betroffene nicht über ihre Legasthenie

Schreiben gehört zum Alltag. Eine gute Handschrift macht nicht nur Eindruck, sondern fördert auch die kognitive Leistung.
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Es gibt eine Reihe von Gründen, weshalb Betroffene schweigen. Ein Grund ist, dass sie gar nicht wissen, dass sie Legastheniker sind. Sie haben sich zwar in der Schule schwergetan, mussten aber nie einen Legasthenie-Test machen, der die Ursache tatsächlich festgestellt hätte.

Oft sind Legastheniker der Meinung, an ihrem Versagen selber schuld zu sein, weil sie vielleicht nicht intensiv genug gelernt haben. Andere wiederum halten sich schlicht für nicht begabt. Das negative Selbstbild zehrt am Selbstbewusstsein. Dass sie trotz der Schwierigkeiten die Schule gemeistert haben, verlangt Respekt.

Allein gelassen: Wenn keine Hilfe organisiert wird

In anderen Fällen, wenn Erziehungsberechtigte oder Pädagoge sehr wohl von der Legasthenie wussten, aber unterstützende Maßnahmen nicht gewährt wurden, wurde das betroffene Kind sich selbst überlassen. Stetige Misserfolge in der Schule können zermürben sein und jetzt im Erwachsenenalter möchte man sich nicht erneut mit diesem Problembesetzten Thema beschäftigen. Der Gedanke, der dahintersteckt lautet: „Jetzt kommt die Ausbildung (oder das Studium) und in diesem Zusammenhang kann ich mich auf meine Stärken konzentrieren. Ich komme ohne Unterstützungsmaßnahmen klar.“

Die Praxis zeigt, dass betroffene junge Menschen, die in die Ausbildung oder Weiterbildung oder sogar ins Studium wechseln, nicht nach Unterstützung fragen. Sie kommen gar nicht auf den Gedanken, dass ihnen ein sogenannter Nachteilsausgleich zusteht. Doch das tut es, wie in einem Ratgeber des Bundesverbands Legasthenie und Dyskalkulie e.V. erläutert wird.

Kurz gesagt: Oft spielen Scham eine große Rolle, fehlendes Selbstbewusstsein und die Sorge, als dumm oder faul abgestempelt zu werden. Wenn Arbeitgeber denken, dass die Legasthenie die Leistungsfähigkeit beeinträchtigt oder gar dazu führen könnte, sich nicht für ein Beruf zu qualifizieren, sorgt das für großen Druck bei Betroffenen. Doch es gibt Möglichkeiten, wie erwachsene Legastheniker ihren Arbeitsalltag verbessern können.

LRS-Förderungen im Erwachsenenalter

Von einer Lese-Rechtschreib-Schwäche sollte nur dann gesprochen werden, wenn diese wirklich von einem anerkannten Institut oder einem Fachmann „diagnostiziert“ wurde. Nicht immer handelt es sich wirklich um LRS, wenn Lernschwierigkeiten festgestellt werden.
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Eine gezielte Therapie kann die Lesefähigkeit und die Rechtschreibung verbessern. Dabei kann die Legasthenie-Therapie online in eigener Regie durchgeführt werden. Die Schulungsunterlagen starten zuerst auf einem eher kindlichen Niveau, doch davon sollten sich Erwachsene nicht irritieren lassen. Schließlich sind bestimmte Lesefähigkeiten und Rechtschreibfähigkeiten aus dem Grundschulwissen bei den Erwachsenen nicht abgesichert. Es müssen die Grundlagen geklärt werden.

Es ist ratsam, über den eigenen Schatten zu springen und daran zu denken, dass sie sich zunächst eine solide Basis schaffen müssen. Diese Basis besteht aus den grundlegenden Bereichen, die sicher beherrscht werden müssen. Nur dann wird die Therapie Erfolge erzielen.

Je nach persönlichem Kenntnisstand kann einige Zeit ins Land ziehen, bis alle Fehlerbereiche aufgeholt und in einem zufriedenstellenden Maße abgesichert sind. Zwar ist eine 100-prozentige Erfolgsquote nicht zu erwarten, aber die wenigsten Erwachsenen sind sich bei der Rechtschreibung zu hundert Prozent sicher. Es gibt in der Rechtschreibung einfach sehr viele Ausnahmeregelungen, sodass es schwerfällt, sich alles zu merken.

Technische Hilfsmittel für Legastheniker

Lesen lernen braucht Zeit, aber es lohnt sich! Wer viel liest, wird nicht nur immer besser im Lesen, sondern schult auch seine Rechtschreibung. Zudem ist Lesen nachweislich gut für das Gehirn und kann geistige Alterserscheinungen verlangsamen.

Eine Förderung im Erwachsenenalter erfordert Geduld. Es dauert, bis die Lesefähigkeit und die Rechtschreibung so gefestigt sind, dass Betroffene sich sicher fühlen. Wenn es zum Beispiel im Rahmen der Ausbildung, des Studiums oder einer Weiterbildung zum Prüfungssituation kommt, wenn viel Stoff gelernt und bearbeitet werden muss, brauchen Legastheniker besondere Strategien.

Sie haben nämlich mit zwei Dingen zu kämpfen: mit den inhaltlichen Anforderungen des Stoffs und mit der Legasthenie. Die Angst vor Fehlern blockiert die Leistungsfähigkeit und führt dazu, dass die Fehlerquote nach oben geht. Gezielte Hilfen sind deshalb empfehlenswert und sie können wie folgt aussehen:

  • Wenn jemand (oder etwas wie eine Vorlesesoftware) die prüfungsrelevanten Texte vorliest, kann sich der Legastheniker besser auf die Lösungsfindung konzentrieren, weil er die Information sofort aufnehmen kann und nicht erst den Text erarbeiten muss.
  • Spezielle Sprachsoftware hilft dabei, Hausarbeiten oder Abschlussarbeiten zu formulieren. Kommilitonen oder Freunde lesen abschließend Korrektur.
  • Angaben an der Tafel können abfotografiert werden, sodass alle Informationen zur häuslichen Nacharbeit vollständig vorliegen. So ist es nicht schlimm, wenn nicht alles mitgeschrieben werden kann.

Wenn die Schwächen der Legasthenie durch diese Hilfen ausgeglichen werden, können Betroffene viel Zeit sparen, den Lernerfolg verbessern und den Anteil eigenständiger Arbeit erhöhen. Das Selbstbewusstsein wächst und die Fähigkeit, mit den Einschränkungen positiv umzugehen steigt ebenfalls. Wenn den Schwächen auf diese Weise proaktiv begegnet wird, verschwindet ein großer Teil der Versagensängste.

Ausbildungsbetriebe, Schulen und Hochschulen müssen Verständnis entwickeln

Es ist wichtig, dass Ausbildungsbetriebe, Hochschulen, Schulen und Arbeitgeber verstehen, dass Hilfen zur Aufnahme, Wiedergabe und Verarbeitung von Informationen für Legastheniker so notwendig sind, wie die Brille für Menschen mit eingeschränkter Sehfähigkeit. Niemand würde einen Brillenträger verbieten, die Brille zu tragen, da er sie braucht, um ebenso gut zu sehen wie andere. Bei Legasthenikern ist es ähnlich. Sie brauchen entsprechende Hilfen, um dieselben Voraussetzungen beim Lernen zu haben, wie Menschen ohne Legasthenie.

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