Pflegekräfte - Mehr als Unterstützung in Betreuung

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 14. März 2025
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Rolle der Pflegekräfte in der Patientenbetreuung: Mehr als nur Unterstützung.

Pflegekräfte sind die unersetzbare Stütze des Gesundheitssystems. Doch ihre Rolle geht weit über die reine Unterstützung hinaus und umfasst sowohl medizinische als auch emotionale Aspekte der Patientenbetreuung. Doch was bedeutet das im Detail, und welche Herausforderungen stehen oft im Hintergrund?

Inhaltsverzeichnis

Pflegekräfte als Multitasker

Pflegekräfte spielen eine essenzielle Rolle in der Patientenbetreuung, indem sie nicht nur medizinische Versorgung leisten, sondern auch emotionale Unterstützung bieten und zur Genesung sowie Lebensqualität der Patienten maßgeblich beitragen.

Während sie Medikamente verabreichen, behalten sie gleichzeitig die Vitalzeichen mehrerer Patienten im Blick, beruhigen ängstliche Angehörige und dokumentieren alle Maßnahmen. Doch diese Fähigkeit kann auch zur Falle werden. Die sogenannte „Pflegelücke“ beschreibt das Phänomen, dass Pflegekräfte oft Aufgaben übernehmen müssen, die außerhalb ihres eigentlichen Kompetenzbereichs liegen.

So kommt es in überlasteten Krankenhäusern vor, dass Pflegekräfte Verwaltungsaufgaben, hauswirtschaftliche Tätigkeiten oder technische Aufgaben übernehmen, die nichts mit der direkten Patientenversorgung zu tun haben. Dies führt nicht nur zu Überforderung, sondern auch dazu, dass weniger Zeit für die eigentliche Pflege bleibt.

Diese zusätzlichen Tätigkeiten des Pflegepersonals sind aber unumgänglich für ein reibungsloses Funktionieren unseres bestehenden Gesundheitswesens: Oft sehen Pflegekräfte Dinge, die bei Ärzten oder anderem Fachpersonal untergehen würden und können so einen großartigen, positiven Beitrag zur Versorgung von Patienten beitragen.

Pflegekräfte als Frühwarnsystem in der Patientenversorgung

Oft sind es Pflegekräfte, die erste Anzeichen einer Verschlechterung des Gesundheitszustands erkennen – lange bevor Messgeräte alarmieren oder Ärzte zur Visite erscheinen. Der „klinische Blick“ ist eine entscheidende Fähigkeit erfahrener Pflegekräfte. Sie nehmen kleinste Veränderungen in der Atmung, Hautfarbe oder dem Verhalten eines Patienten wahr, die auf Komplikationen hindeuten könnten. Studien zeigen, dass Pflegekräfte durch ihre enge Patientenbegleitung dazu beitragen, schwerwiegende Komplikationen frühzeitig zu verhindern – ein Aspekt, der in der öffentlichen Wahrnehmung oft unterschätzt wird.

Ein Beispiel aus der Intensivpflege: Pflegekräfte bemerken oft schon durch minimale Abweichungen im Gesichtsausdruck eines beatmeten Patienten, dass sich Schmerzen oder Atemnot anbahnen. Diese frühzeitige Wahrnehmung kann lebensrettend sein.

„Übersetzer“ zwischen Patient und Arzt

In einem hektischen Klinikalltag bleibt Ärzten oft wenig Zeit für ausführliche Gespräche mit ihren Patienten. Hier übernehmen Pflegekräfte eine oft übersehene Schlüsselfunktion: Sie sind Vermittler zwischen Medizin und Alltag der Patienten. Gerade ältere oder schwer erkrankte Menschen fühlen sich von medizinischen Fachbegriffen überfordert. Pflegekräfte übersetzen komplexe Diagnosen und Therapieanweisungen in eine verständliche Sprache und sorgen so dafür, dass Patienten sowie ihre Angehörigen fundierte Entscheidungen treffen können.

Diese unerlässliche Unterstützung wird in folgendem Beispiel deutlich: Ein Diabetiker erhält von der Ärztin den Hinweis, seinen Blutzucker regelmäßig zu kontrollieren. Die Pflegekraft erklärt jedoch zusätzlich, wie genau er die Werte richtig misst, welche Symptome auf eine Unterzuckerung hindeuten und wie er in kritischen Situationen reagieren sollte. Diese patientennahe Betreuung geht weit über das hinaus, was in einem ärztlichen Gespräch oft möglich ist.

Psychosoziale Betreuung birgt emotionale Last

Pflegekräfte erbringen eine wertvolle psychosoziale Leistung, indem sie Patienten und deren Angehörige durch einfühlsame Gespräche, emotionale Unterstützung und soziale Begleitung in herausfordernden Lebenssituationen stärken.

Neben der medizinischen Versorgung bieten Pflegekräfte essentielle emotionale Unterstützung. Sie hören den Patienten zu, spenden Trost und helfen dabei, Ängste und Sorgen zu bewältigen. Durch eine offene und einfühlsame Kommunikation fördern sie das Vertrauen und stärken die Beziehung zwischen Patient und Pflegepersonal.

Diese zwischenmenschliche Interaktion ist entscheidend für den Heilungsprozess und das allgemeine Wohlbefinden der Patienten. Dies kann aber neben den körperlichen Anstrengungen auch psychisch enorm fordernd sein. Der enge Kontakt zu kranken Patienten bedeutet, dass Pflegekräfte täglich mit Leid und manchmal auch mit dem Tod konfrontiert werden.

Anders als Ärzte, die sich oft auf diagnostische und therapeutische Maßnahmen konzentrieren, begleiten Pflegekräfte Patienten über Wochen oder Monate und bauen intensive Bindungen auf. Dabei fehlt es oft an strukturierten Angeboten zur psychischen Entlastung – ein Aspekt, der in der Diskussion um Arbeitsbedingungen in der Pflege noch zu wenig Beachtung findet.

Gewalt gegen Pflegekräfte: Ein unterschätztes Problem im Gesundheitswesen

Studien zeigen, dass insbesondere in Notaufnahmen, psychiatrischen Einrichtungen und der Altenpflege Pflegekräfte regelmäßig verbalen oder physischen Übergriffen ausgesetzt sind. Die Ursachen sind vielfältig: Überforderung, Sprachbarrieren, Angst oder kognitive Beeinträchtigungen der Patienten können zu aggressivem Verhalten führen. Doch auch Angehörige reagieren in stressbelasteten Situationen nicht selten mit Drohungen oder körperlichen Attacken.

Das Problem wird häufig unterschätzt, weil Gewalt als „Teil des Berufs“ betrachtet oder aus Angst vor Konsequenzen nicht gemeldet wird. Dies führt zu langfristigen Belastungen für Pflegekräfte, die unter erhöhtem Stress, Angstzuständen oder sogar posttraumatischen Belastungsstörungen leiden können. Zudem verschärft die Gewaltproblematik in Gesundheitsberufen den Fachkräftemangel, da sich viele Pflegekräfte aus Sicherheitsgründen für andere Berufsfelder entscheiden.

Um dem entgegenzuwirken, sind Schulungen zur Deeskalation, sichere Arbeitsumgebungen und eine konsequente Strafverfolgung nötig. Auch die Sensibilisierung der Gesellschaft spielt eine zentrale Rolle, um die Wertschätzung für Pflegekräfte zu stärken und Gewalt in keinem Fall zu akzeptieren. Nur durch gezielte Maßnahmen kann diese besorgniserregende Entwicklung gestoppt werden.

Warum der Pflegeberuf attraktiver gemacht werden muss

Der Pflegeberuf muss attraktiver werden, um dem wachsenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und engagierte Fachkräfte langfristig für diese gesellschaftlich unverzichtbare Aufgabe zu gewinnen.

Der Pflegeberuf ist mit zahlreichen Herausforderungen verbunden. Pflegekräfte sind häufig hohen körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt. Lange Arbeitszeiten, Schichtdienste und der Umgang mit schwerkranken Patienten können zu Stress und Erschöpfung führen. Zudem wünschen sich viele Pflegekräfte eine angemessene Bezahlung, verlässliche Dienstpläne und mehr Unterstützung im Arbeitsalltag.

Der Fachkräftemangel in der Pflege hat längst kritische Ausmaße erreicht. Ein Hauptproblem: Viele junge Menschen scheuen sich vor dem Beruf, weil sie ihn als körperlich belastend und finanziell unattraktiv empfinden. Doch es gibt Wege, Pflege attraktiver zu gestalten.

Bessere Arbeitszeiten: Flexible Dienstmodelle und eine faire Dienstplangestaltung könnten die Work-Life-Balance verbessern.

Angemessene Bezahlung und Bereitschaft zur Überbezahlung spielt eine zentrale Rolle in der Diskussion um die Aufwertung des Berufsbildes und als Anreiz für Neueinsteiger.

Bereitschaft zur Erhöhung der Personalquoten, um bestehendes Personal nicht auszubrennen und langfristige Ausfälle oder Abgänge in andere Berufssparten zu verhindern.

Psychologische Unterstützung: Supervisionen und professionelle Begleitung sollten in Pflegeberufen Standard werden.

Mehr Entscheidungskompetenz: Pflegekräfte könnten mehr eigenständige Befugnisse erhalten, z. B. in der Medikation oder Wundversorgung, wie es in anderen Ländern bereits üblich ist.

Eine fundierte Ausbildung in der Pflege als Basis: Durch ausgeklügelte Finanzierungsmodelle kann sich eine Ausbildung oder Umschulung zu einem Pflegeberuf definitiv lohnen, zum Beispiel in einer Gesundheits- und Krankenpflegeschule. So kann langfristig gesehen eine aufgewertete Pflege nicht nur den Beruf attraktiver machen, sondern auch die Versorgungsqualität der Patienten verbessern.

Fazit: Pflegekräfte sind die tragende Säule des Gesundheitssystems

Die Arbeit von Pflegekräften verdient höchste Anerkennung. Sie leisten täglich Großes und tragen maßgeblich zur Gesundheit und zum Wohlbefinden der Gesellschaft bei. Es ist essenziell, dass ihre Leistungen gesehen und gewürdigt werden. Eine gesteigerte Wertschätzung kann nicht nur die Motivation der Pflegekräfte erhöhen, sondern auch dazu beitragen, den Pflegeberuf für Nachwuchskräfte attraktiver zu gestalten.

Pflegekräfte sind weit mehr als nur Unterstützende im Gesundheitswesen. Sie übernehmen eine Vielzahl von Aufgaben, die sowohl medizinische als auch emotionale Aspekte der Patientenbetreuung abdecken. Ihre Rolle ist unverzichtbar für das Funktionieren des Gesundheitssystems und das Wohl der Patienten. Es liegt in der Verantwortung der Gesellschaft und des Staates, ihre Arbeit zu schätzen und die Rahmenbedingungen – sowohl für die Ausbildung als auch die anschließende Ausübung des Berufs – so zu gestalten, dass sie ihre wertvolle Tätigkeit unter bestmöglichen Bedingungen ausüben können.

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