Vorhautverengung

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Vorhautverengung (Phimose) ist eine bei vielen Jungen und wenigen Männern festzustellende Anomalie des die Peniseichel bedeckenden äußeren Vorhautringes. In den allermeisten Fällen ist diese zumeist harmlose Anomalie von lediglich vorübergehender Natur. In der Regel ist bei der Vorhautverengung kein medizinischer Eingriff erforderlich.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Vorhautverengung?

Vorhautverengung
Wer an einer Vorhautverengung leidet, kann die Vorhaut nur unter Schmerzen oder gar nicht zurückziehen. Eine sogenannte Vorhautverklebung (physiologische Phimose) besteht allerdings bei jedem Kind.
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Bei der Vorhautverengung handelt es sich um einen Zustand, bei dem die bewegliche Vorhaut (Präputium) sich nicht so bewegen lässt, dass die Eichel freiliegt.

Die Vorhautverengung tritt in zwei Grundformen auf: Entweder kann die Vorhaut überhaupt nicht oder lediglich teilweise über die Eichel gezogen werden. In beiden Fällen ist der Versuch, die Vorhaut über die Eichel zu ziehen, regelmäßig mit Spannungsgefühlen oder mit Schmerzen verbunden.

Zu unterscheiden ist die Vorhautverengung von der oft mit ihr verwechselten, sehr häufigen Vorhautverklebung (physiologische Phimose), bei der als Folge entwicklungsbedingter Prozesse das innere Vorhautblatt an der Eichel festklebt. Die physiologische Phimose löst sich in der Regel im Lauf der Kindheit, bei manchen Jungen erst in der Pubertät.

Ursachen

Die Vorhautverengung kann angeborene Ursachen haben, kann aber auch erworben werden. Durch Entzündungen oder Einrisse kann es zu Narbenbildungen kommen, die bei Jungen und Männern mit ursprünglich normaler Vorhautöffnung zu Schrumpfgewebe an der Vorhaut führen.

Durch die Schrumpfung wird dann eine erworbene Vorhautverengung bewirkt. Diabetiker sind für diese Form der Vorhautverengung besonders anfällig. Ferner können bestimmte Hauterkrankungen für das Auftreten von Vorhautverengung verantwortlich sein. Eine Vorhautverengung kann aber auch auf ein zu frühes oder gewaltsames Zurückstreifen der Vorhaut bei Babys oder Kleinkindern zurückgehen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Wer an einer Vorhautverengung leidet, kann die Vorhaut nur unter Schmerzen oder gar nicht zurückziehen. Eine sogenannte Vorhautverklebung (physiologische Phimose) besteht allerdings bei jedem Kind. Eine nicht zurückziehbare Vorhaut ist im Kindesalter normal und kann sich bis zum Ende der Pubertät von selbst lösen. Von einer behandlungsbedürftigen Phimose spricht man erst, wenn wiederkehrende Entzündungen, Schmerzen oder Probleme beim Wasserlassen hinzukommen oder der Vorhautring vernarbt ist. Bleibende Narben am Vorhautring sind ein Hinweis darauf, dass sich die Enge nicht mehr von selbst zurückbildet.

Ein weiteres Symptom bei einer verengten Vorhaut ist, dass es bei einer Erektion zu Einrissen oder Spannungsgefühlen kommen kann. Darüber hinaus bläht sich die Vorhaut beim Wasserlassen auf und der Harn lässt sich nur schwer entleeren. Sehr häufig sind Vorhaut und Eichel entzündet und auf der Eichel sind auch weiße Ablagerungen sichtbar, die aufgrund der erschwerten Intimhygiene entstehen. Wird die Vorhaut gewaltsam zurückgestreift, so kann es zu einer Paraphimose kommen.

In diesem Fall kommt es zu einem Einklemmen der Vorhaut hinter dem sogenannten Eichelkranz und es ist nicht möglich, sie wieder in die ursprüngliche Position zu bringen. Typisch dafür sind dann Symptome wie starke Schmerzen und ein Ödem in der Eichel. Eine Vorhautverengung kann aber auch symptomlos verlaufen, ist jedoch dann häufig die Ursache für Probleme beim Geschlechtsverkehr, beim Urinieren oder für Harnwegsinfekte.

Diagnose & Verlauf

Von einer Vorhautverengung wird allgemein erst dann gesprochen, wenn sich die Vorhautverklebung nicht wie üblich im Lauf der Kindheit – bei manchen Jungen erst in der Pubertät – von selbst löst.

Die überwiegende Zahl der Fälle von Vorhautverengung stellt kein ernstzunehmendes körperliches Problem dar und muss nicht behandelt werden. Bei einer Vorhautverengung kann allerdings eine zu enge Vorhaut nach dem Zurückziehen die Blutzufuhr hinter der Eichel abschnüren (Paraphimose). Dadurch kann es zum Absterben von Gewebe kommen und bei unterlassener Behandlung im Extremfall schließlich sogar zum Verlust der Eichel.

Eine Behandlung ist auch angezeigt, wenn sich unter der zu engen Vorhaut vermehrt Entzündungen entwickeln oder sich aufgrund der Vorhautverengung Urin unter der Vorhaut staut, so dass es wegen der Vorhautverengung zu Beschwerden beim Harnlassen kommt.

Komplikationen

Eine unbehandelte Vorhautverengung kann im weiteren Verlauf zu verschiedenen Komplikationen führen. Erfolgt trotz ausgeprägter Phimose keine Behandlung, kann dies zu einer chronischen Entzündung von Eichel und Vorhaut führen. Dadurch steigt wiederum das Risiko für die Entstehung eines Peniskarzinoms. Wenn die verengte Vorhaut zu Problemen beim Wasserlassen führt, kann dies Harnwegsinfekte hervorrufen.

Im schlimmsten Fall begünstigt die Phimose einen akuten Harnverhalt, bei dem die betroffenen Jungen und Männer ihre Harnblase nicht mehr spontan entleeren können. Eine weitere mögliche Komplikation der Vorhautverengung ist die Paraphimose. Diese Folgeerkrankung tritt auf, wenn sich die zurückgestreifte Vorhaut nicht mehr nach vorn über die Eichel schieben lässt und dadurch die Blutzirkulation im Penis beeinträchtigt. Im schlimmsten Fall kann dies zu einer Gewebsnekrose in der Eichel führen.

Wird die Phimose frühzeitig erkannt, verläuft die Behandlung in der Regel komplikationsarm. Probleme können auftreten, wenn das Kind allergisch auf die Kortison-Salbe reagiert, die zur Dehnung der Vorhaut verordnet wird. Wird die Vorhaut zu rasch gedehnt, besteht zudem die Gefahr, dass die Haut einreißt. Eine operative Behandlung kann zu Infektionen und in seltenen Fällen auch zu Verletzungen führen. Nebenwirkungen auf die Narkosemittel sind nicht auszuschließen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Betroffen sein können naturgemäß nur Jungen und Männer. Ein erhöhtes Risiko haben Jungen mit wiederholten Vorhaut- und Eichelentzündungen sowie Männer mit Diabetes oder einer vernarbenden Hauterkrankung des Vorhautrings (Lichen sclerosus). Störungen beim Toilettengang, Schmerzen im Bereich des äußeren männlichen Geschlechts oder Hautveränderungen am Penis sollten von einem Arzt kontrolliert werden. Kommt es zu einem Unwohlsein, einem Krankheitsgefühl oder einer inneren Gereiztheit, ist ebenfalls eine Abklärung der Ursache anzuraten.

Bläht sich die Vorhaut beim Wasserlassen ballonartig auf, treten wiederholt Entzündungen von Vorhaut und Eichel auf oder kommt es zu schmerzhaften Einrissen, ist eine ärztliche Untersuchung angezeigt. Dasselbe gilt, wenn Jugendliche bei der Erektion Schmerzen oder ein starkes Spannungsgefühl verspüren. Ein Arzt wird benötigt, damit nach der Stellung der Diagnose ein individueller Behandlungsplan erarbeitet werden kann.

Kann die Vorhaut nicht beschwerdefrei vollständig zurückgeschoben werden, sollte grundsätzlich ein Arzt konsultiert werden. Während des Wachstumsprozesses des Kindes ist dieser Vorgang regelmäßig von einem Kinderarzt kontrollieren zu lassen. Heranwachsende sollten von ihren Erziehungsberechtigten über die Funktionstätigkeit des männlichen Geschlechts ausreichend aufgeklärt und informiert werden. Zur Vermeidung von Komplikationen oder Folgestörungen empfiehlt es sich, unmittelbar nach der Wahrnehmung von Beeinträchtigungen einen Arzt zu konsultieren.

Lässt sich die zurückgestreifte Vorhaut nicht mehr über die Eichel nach vorn schieben und schwillt die Eichel an, fahren Eltern oder Betroffene sofort in die nächste Notaufnahme oder rufen den Rettungsdienst unter der Rufnummer 112. Diese sogenannte Paraphimose ist ein Notfall, weil die Eichel innerhalb weniger Stunden abgeschnürt werden kann. Ist lediglich die Praxis außerhalb der Sprechzeiten geschlossen und die Schwellung gering, hilft alternativ der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Rufnummer 116 117.

Behandlung & Therapie

Die Vorhautverengung verschwindet in der Regel als Folge natürlicher Dehnungsprozesse: Betrifft sie im Grundschulalter noch einen kleinen Teil der Jungen, so ist es im Jugendalter nur noch etwa ein Prozent. Als Folge der Vorhautverengung können erhebliche psychologische, mit Ängsten verbundene Irritationen beim betroffenen Jungen auftreten, die aber zumeist durch ein sensibel geführtes Informationsgespräch leicht aus der Welt geschafft werden können.

In den Fällen, in denen eine medizinische Behandlung der Vorhautverengung erforderlich ist, steht eine Normalisierung des Verhältnisses von Eichelgröße zur Dehnbarkeit der Vorhautöffnung im Vordergrund. Bei gering ausgeprägter Vorhautverengung können Behandlungen mit kortisonhaltigen Salben ausreichend sein. Lange Zeit galt die Beschneidung als Standardbehandlung. Heute wird die Salbe mit behutsamen Dehnübungen kombiniert; bei der Mehrzahl der Jungen erübrigt sich damit eine Operation.

Bleibt die Salbenbehandlung erfolglos, ist ein operatives Verfahren nötig, um die mit der Vorhautverengung in Zusammenhang stehenden Beschwerden beim Harnlassen oder bei der Erektion zu beseitigen. Bei dem nur wenige Minuten dauernden, zumeist ambulant vorgenommenen, „Beschneidung“ (Zirkumzision) genannten, operativen Eingriff gibt es mehrere Varianten. Üblicherweise werden lediglich vordere Teile der Vorhaut entfernt. Seltener ist die Entfernung der gesamten Vorhaut erforderlich.

Bei Kleinstkindern wird gelegentlich die Plastibell-Methode angewendet. Auch dabei handelt es sich um eine Beschneidung: Die Vorhaut wird unter Betäubung über einer Kunststoffglocke durchtrennt; der verbliebene Rest stirbt ab und fällt mit dem Ring nach einigen Tagen ab. In Deutschland spielt das Verfahren kaum eine Rolle.


Vorbeugung

Der angeborenen Vorhautverengung kann nicht vorgebeugt werden. Um eine erworbene Vorhautverengung zu verhindern, sollte auf jeden Fall darauf verzichtet werden, irrigen volksmedizinischen Traditionen zu entsprechen, und die Vorhaut von Kleinkindern durch Zurückstreifen mit Gewalt zu dehnen. Unbedingt erforderlich ist es auch, bei häufigen Entzündungen der Eichel, Vorhaut oder Harnwege frühzeitig zum Arzt zu gehen, um eine Narbenbildung zu vermeiden, die zur Vorhautverengung führen könnte.

Nachsorge

Oftmals wird eine Vorhautverengung nicht medizinisch behandelt. Dies ist vor allem bei betroffenen Jungen unter zehn Jahren der Fall, wenn diese ansonsten beschwerdefrei sind. In solchen Fällen ist jedoch eine regelmäßige Kontrolle im Zuge einer Nachsorge notwendig. Die Untersuchungen finden in Abständen von etwa sechs bis zwölf Monaten beim Kinderarzt statt. Dieser stellt anhand einer Tastuntersuchung fest, ob Veränderungen an der Vorhaut auftreten oder Harnwegsinfekte sowie Entzündungen vorliegen.

In einigen Fällen wird die Vorhautverengung operativ durch eine vollständige oder teilweise Beschneidung behandelt. Nach einem solchen Eingriff sind mehrere Nachsorgeuntersuchungen notwendig. Diese werden üblicherweise von einem Urologen durchgeführt. Am Folgetag der Beschneidung wird der bei der Operation angelegte Verband gewechselt, um dem Entstehen von Infektionen vorzubeugen. Zudem wird kontrolliert, ob Blutungen aufgetreten sind.

Eine weitere Untersuchung ist etwa eine Woche nach dem Eingriff notwendig, um eventuelle Komplikationen rechtzeitig zu erkennen. Das Abheilen der Operationswunde dauert in etwa zwei bis vier Wochen. In der Regel werden sich selbst auflösende Nähte verwendet. Daher ist es nicht notwendig, diese von einem Arzt entfernen zu lassen. Sofern keine Komplikationen auftreten, sind über diese beiden Termine hinaus keine weiteren regelmäßigen Kontrolluntersuchungen notwendig. Eltern versorgen die Operationswunde ihres Kindes nach ärztlicher Anweisung täglich mit einer Salbe; Jugendliche und Erwachsene tun dies selbst.

Das können Sie selbst tun

Eltern sollten niemals versuchen, die Vorhaut ihres Kindes mit Kraft zurückzuziehen, denn dies kann sehr schmerzhaft sein. Zudem kommt es dadurch zu kleinen Verletzungen, die vernarben können und die betroffene Vorhautöffnung noch mehr verengen. Zudem besteht dann die Gefahr, dass die Vorhaut hinter der Eichel hängenbleibt und sich auch nicht mehr alleine zurückschieben lässt.

Die Vorhaut bildet einen Ring, der die benötigte Blutzufuhr der Eichel immer mehr abschnürt, dies wird auch „spanischer Kragen“ genannt. Das ist ein Notfall: Eltern oder Betroffene fahren sofort in die nächste Notaufnahme oder rufen den Rettungsdienst unter der Rufnummer 112. Die Vorhautverengung bedarf besonders gründlicher Genitalhygiene sowie Pflege. Es ist jedoch ausreichend, nur den äußeren Penis mit einer milden Seife zu säubern. Auch in den ersten Lebensjahren gilt, dass es nicht nötig ist die Vorhaut für die Reinigung des Penis ganz zurückzuschieben. Es reicht vollkommen aus, den Penis von außen vorsichtig zu waschen.

In keinem Fall sollte versucht werden den Platz zwischen der Vorhaut und der Eichel mit Gegenständen wie beispielsweise Wattestäbchen zu säubern, denn das kann die ohnehin empfindliche Haut sehr schädigen und starke Schmerzen verursachen. Eine Reinigung unter der Vorhaut ist nur dann sinnvoll, wenn sich die bestehenden Verklebungen zwischen der Vorhaut und der Eichel gelöst haben.

Quellen

  • Stein, R., Beetz, R., Thüroff, J. W. (Hrsg.): Kinderurologie in Klinik und Praxis.
    ISBN: 9783131593238
  • Michel, M. S., Thüroff, J. W., Janetschek, G., Wirth, M. (Hrsg.): Die Urologie.
    ISBN: 9783662634011
  • Gasser, T., Eberli, D., Thomas, C.: Basiswissen Urologie.
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  • Schmelz, H.-U., Sparwasser, C., Ruf, C., Nestler, T.: Facharztwissen Urologie.
    ISBN: 9783662744864
  • Meyer, S. (Hrsg.): Duale Reihe Pädiatrie.
    ISBN: 9783132446212

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