Sicca-Syndrom

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 23. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Fast jeder hat es schon einmal erlebt: Die Augen jucken und brennen, sie sind gerötet und fühlen sich trocken und müde an. Oft kommt das Gefühl hinzu, einen Fremdkörper im Auge zu haben. Nicht wenige Menschen leiden unter einer reduzierten Tränenmenge oder einer ungewöhnlich schnellen Verdunstung des Tränenfilms, was eine Benetzungsstörung der Augen zur Folge haben kann. Ergebnis ist mitunter das sogenannte Sicca-Syndrom, bei dem es sich um eine ernstzunehmende Erkrankung handelt, die niemand auf die leichte Schulter nehmen sollte. Von einem Sicca-Syndrom spricht man allerdings erst dann, wenn die Beschwerden immer wiederkehren oder dauerhaft anhalten – einmalig trockene Augen nach einem langen Bildschirmtag sind noch keine Erkrankung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Sicca-Syndrom?

Sjoegren Syndrom
Gerötete, brennende Augen sind oft Anzeichen für ein Sicca-Syndrom.
© Kryuchka Yaroslav – stock.adobe.com

Beim Sicca-Syndrom, oft auch einfach als „trockenes Auge“ bezeichnet, handelt es sich um eine weitverbreitete Krankheit und eines der am häufigsten beklagten Probleme beim Augenarzt. Generell sind mehr Frauen als Männer davon betroffen.

Auch klagen insbesondere ältere Menschen über trockene und juckende Augen. Das Sicca-Syndrom kann für die Betroffenen nicht nur unangenehm, sondern auch gefährlich sein. Denn der Tränenfilm enthält neben glättenden und befeuchtenden Substanzen auch solche, die Keime vernichten und damit das Auge schützen.

Bei einer verringerten Tränenmenge ist dieser Schutz ebenfalls vermindert, was ein erhöhtes Risiko für eine chronische Horn- oder Bindehautentzündung darstellen kann.

Welche Ursachen hat das Sicca-Syndrom?

Das Sicca-Syndrom kann verschiedene Ursachen haben. Dazu gehören äußere Bedingungen, wie beispielsweise Umweltbelastungen oder eine dauerhafte Arbeit am Bildschirm. Auslöser der Beschwerden können ebenso hormonelle Veränderungen sein, etwa in den Wechseljahren oder in der Schwangerschaft.

Auch die Einnahme von Medikamenten wie der Antibabypille, von Betablockern oder Psychopharmaka kann trockene Augen verursachen. Vor allem im Winter können unter anderem trockene Heizungsluft und eine daraus resultierende verminderte Luftfeuchtigkeit zu einer stärkeren Verdunstung der Tränenflüssigkeit führen. Nicht selten ist das Sicca-Syndrom Begleiterscheinung einer anderen Krankheit, wie Rheuma, Neurodermitis oder Diabetes. Die wichtigste dieser Grunderkrankungen ist das Sjögren-Syndrom, eine Autoimmunerkrankung, bei der sich das Immunsystem gegen die Tränen- und Speicheldrüsen richtet. Wer neben trockenen Augen zusätzlich unter einem trockenen Mund und unter Gelenkbeschwerden oder anhaltender Erschöpfung leidet, sollte das deshalb ärztlich abklären lassen: Ein Sjögren-Syndrom gehört in die Hand eines Rheumatologen und wird mit Befeuchtungstropfen allein nicht behandelt.

Und auch nach einem chirurgischen Eingriff, wie beispielsweise einer Kataraktoperation oder einer Korrektur von Fehlsichtigkeit, kann es vermehrt zu trockenen Augen kommen. Dies ist vor allem Folge der Unterbrechung der sensiblen Innervation der Hornhaut.

Was sind die Symptome des Sicca-Syndroms?

Patienten, die am Sicca-Syndrom leiden, können völlig unterschiedliche Symptome aufweisen. Nicht alle Erkrankten zeigen sämtliche Symptome, aber die folgenden sind die häufigsten:

  • Brennen in den Augen
  • Schmerzen
  • Jucken
  • Rötungen der Lider
  • Druckgefühl in den Augen
  • Vermehrtes Tränen der Augen
  • Sekretbildung und verklebte Augen, vor allem am Morgen

Dass in dieser Liste sowohl Augentrockenheit als auch vermehrtes Tränen steht, ist kein Widerspruch: Der gereizten Augenoberfläche fehlt der stabile Tränenfilm, weshalb sie reflexartig eine dünnflüssige Tränenflut auslöst, die den Mangel nicht ausgleicht.

Die Krankheit lässt sich über verschiedene diagnostische Maßnahmen in unterschiedliche Schweregrade bzw. Verlaufsformen einteilen:

1. Leicht ausgeprägtes Sicca-Syndrom

Eine leicht ausgeprägte Form zeigt sich u. a. nach längerem Arbeiten vor einem Bildschirm. Dann röten sich die Augen, und die Betroffenen klagen über brennende und juckende Augen sowie verschwommenes Sehen. Nach einer Phase der Erholung bessern sich die Beschwerden in der Regel oder verschwinden völlig.

2. Schwer ausgeprägtes Sicca-Syndrom

In schwer ausgeprägten Fällen entwickelt sich die Krankheit häufig als Folge anderer Erkrankungen, beispielsweise Rheuma oder Diabetes. Auch die regelmäßige Einnahme von Medikamenten kann die Entstehung eines Sicca-Syndroms begünstigen. In solchen Fällen äußert es sich oft in schmerzenden und/oder verklebten Augen, einem starken Druck- und Fremdkörpergefühl und einer Einschränkung der Sehfähigkeit.

Entwicklung und Verlauf des Sicca-Syndroms

Gerötete Augen (Rote Augen)
Trockene Augen können zahlreiche, unterschiedliche Ursachen haben. Häufig sind trockene Augen auf eine Überanstrengung zurückzuführen; sie können aber auch durch eine Allergie oder durch bakterielle Infektionen entstehen.

Beim Sicca-Syndrom handelt es sich um eine chronische Erkrankung der Augen, die langfristig behandlungsbedürftig ist. Die mit der Krankheit einhergehenden Beschwerden beeinträchtigen nicht nur die Arbeitsleistung, sondern die gesamte Lebensqualität der Betroffenen.

Das Sicca-Syndrom entwickelt sich in den meisten Fällen langsam und schleichend. Anfangs gibt es noch keine bewusste Wahrnehmung der Symptome, Betroffene stellen höchstens Missempfindungen in bestimmten Situationen, wie beispielsweise in verrauchten Räumen fest. Sobald die äußeren Umstände verschwinden, tun dies auch die Symptome.

Dennoch besteht die Erkrankung unterschwellig weiter, was bedeutet, dass die Betroffenen zwar für eine bestimmte Zeit symptomfrei sind, die Krankheit aber weiterhin unterschwellig in sich tragen. Im weiteren Verlauf klagen Patienten vermehrt über Beeinträchtigungen und ständige Beschwerden. Diese reichen von permanenten Schmerzen bis hin zu einer starken Einschränkung der Sehfähigkeit.

Diagnose und Behandlung des Sicca-Syndroms

Um Augentrockenheit erfolgreich therapieren zu können, ist es zunächst wichtig, die Ursachen für deren Auftreten zu erkennen. Dabei sollte auch ein Augenmerk auf die Psyche des Patienten gelegt werden, da Betroffene in vielen Fällen zusätzlich zu den körperlichen Beschwerden an depressiven Verstimmungen infolge ihrer verringerten Lebensqualität leiden.

Zur Diagnose untersucht der Augenarzt die Augenoberfläche und die Lidränder unter der Spaltlampe. Mit dem Schirmer-Test wird über einen Papierstreifen im Unterlid gemessen, wie viel Tränenflüssigkeit gebildet wird; die Tränenfilmaufrisszeit zeigt umgekehrt, wie schnell der Tränenfilm nach dem Lidschlag aufreißt. Anfärbungen der Horn- und Bindehaut machen bereits geschädigte Stellen sichtbar. Bestehen Hinweise auf eine Autoimmunerkrankung, kommt eine Blutuntersuchung auf entsprechende Antikörper hinzu. Dies sind die wichtigsten Möglichkeiten für eine effektive Behandlung des Sicca-Syndroms:

1. Substitutionstherapie

Trockene Augen
Augentropfen oder bei schwer ausgeprägten Fällen ein Eigenserum können die Symptome oft lindern.

Bei der Substitutionstherapie handelt es sich um eine Behandlung mit Tränenersatzmitteln und die häufigste Therapie der Erkrankung. Hierbei werden Augentropfen und Gele verabreicht, die je nach Bedarf unterschiedlich zusammengesetzt sind. Für Patienten mit geringem Fettanteil der Tränenflüssigkeit sind besonders Präparate mit zusätzlichen Lipidkomponenten geeignet. In jedem Fall sollten unkonservierte Mittel Verwendung finden, da künstliche Konservierungsstoffe eine toxische Wirkung auf die Augenoberfläche und den Tränenfilm ausüben können.

2. Massage und Reinigung des Lidrandes

Bei einer Fehlfunktion der Talgdrüsen der Augenlider (Meibom-Drüsen) kann die Erwärmung der Augenlider, eine anschließende Massage und Reinigung des Lidrandes sehr erfolgreich sein und die Symptome der Augentrockenheit lindern oder sogar völlig beseitigen.

3. Akupunktur

Insbesondere Patienten, bei denen das Sicca-Syndrom psychische, wetter- oder arbeitsbedingte Ursachen hat, kann mit einer Akupunktur unter Umständen geholfen werden, die Symptome zu lindern.

Die Wirksamkeit der Akupunktur beim trockenen Auge ist allerdings umstritten; die vorliegenden Untersuchungen sind klein und widersprüchlich. Nach heutigem Kenntnisstand kann sie eine Behandlung des Tränenfilms allenfalls begleiten, aber nicht ersetzen.

Bei anhaltenden Beschwerden reichen Tränenersatzmittel häufig nicht aus. Dann kommen zusätzlich entzündungshemmende Augentropfen infrage – seit 2015 sind dafür Ciclosporin-A-Augentropfen in niedriger Dosierung zugelassen – allerdings nur für Erwachsene mit einer schweren Hornhautentzündung, bei denen Tränenersatzmittel nicht ausreichen. Ist die Tränenproduktion stark vermindert, lassen sich die Tränenpünktchen im Lidwinkel durch kleine Stöpsel verschließen, sodass die verbliebene Tränenflüssigkeit länger auf dem Auge bleibt. Liegt dem Sicca-Syndrom eine Autoimmunerkrankung zugrunde, muss zusätzlich diese Grunderkrankung behandelt werden.

Was können Betroffene selbst tun?

Wer lange am Computer arbeiten muss, sollte auf häufige Pausen achten, in denen sich die Augen erholen können. Auch ein absichtliches Blinzeln kann hier sehr hilfreich sein. Besonders im Winter muss der Raum regelmäßig gelüftet sowie nach Möglichkeit ein zusätzlicher Luftbefeuchter aufgestellt werden.

Grünpflanzen sind nicht nur ein sehr schöner Schmuck für jeden Raum, sie tragen auch wesentlich zur Verbesserung des Raumklimas bei. Frauen sollten auf hautverträgliche Kosmetika achten und am besten zu Bioprodukten greifen. Ein gründliches Abschminken vor dem Zubettgehen ist ebenfalls ein Muss.

Wer darüber hinaus auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung und genügend Schlaf achtet sowie Zigarettenrauch meidet, kann viel zur Linderung der Symptome beitragen.

Quellen

  • Witte, T., Schneider, M. (Hrsg.): Kollagenosen.
    ISBN: 9783110545821
  • Hettenkofer, H.-J., Schneider, M., Braun, J. (Hrsg.): Rheumatologie.
    ISBN: 9783136578063
  • Manger, B., Schulze-Koops, H. (Hrsg.): Checkliste Rheumatologie.
    ISBN: 9783131516848
  • Lang, G. K., Lang, S. J. (Hrsg.): Augenheilkunde.
    ISBN: 9783132454446
  • Lang, G. K., Lang, G. E., Auw-Hädrich, C. (Hrsg.): Entzündliche Augenerkrankungen.
    ISBN: 9783132402997

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