Ernährung und Diät bei Lebererkrankung


Viele Menschen werden sogleich beim Hören oder Lesen des Satzes Ernährung und Diät bei Lebererkrankung abwehrend die Hände heben, weil sie glauben, eine Kostvorschrift bestehe nur aus Verboten. Das hat seinen Grund nicht selten darin, dass der Arzt bisher meist bei Erkrankungen eine große Reihe von Nahrungsmitteln auf eine Verbotsliste setzte, anstatt zuerst das Erlaubte zu nennen und auch die Möglichkeiten der Abwechslung im Diätspeiseplan zu zeigen.

Inhaltsverzeichnis

Gelbsucht als typische Lebererkrankung

Infogramm zur Anatomie und Aufbau der Leber. Klicken, um zu vergrößern.

Die Lebererkrankungen treten außerordentlich häufig auf, doch können wir durch die genaue Kenntnis der Stoffwechselvorgänge in der Leber und ihrer Beeinflussungsmöglichkeiten die früher so gefürchteten Folgeerscheinungen dieser Art von Erkrankungen vermeiden oder zumindest stark abschwächen.

Eine bedeutende Rolle kommt dabei der Ernährungsbehandlung zu. Es soll daher hier unsere Aufgabe sein, das Verständnis des Lesers und seine Aufmerksamkeit für eine einfach zu handhabende Nahrungszubereitung bei Lebererkrankung zu wecken.

Unter den Lebererkrankungen kommt heute der epidemischen Gelbsucht (Virushepatitis) eine große Bedeutung zu. Kinder zeigen eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber dieser Infektionskrankheit. Allerdings verläuft diese Erkrankung bei ganz jungen Menschen zumeist leicht, während sie beim Erwachsenen des Öfteren die Funktion der Leberzellen mehr oder weniger stark beeinträchtigt.

Diese Tatsache berechtigt aber nicht dazu, die Gelbsucht bei Kindern zu bagatellisieren, sondern erfordert die gleiche sorgfältige Beachtung ärztlicher und diätischer Maßnahmen wie beim Erwachsenen.

Verlauf von Lebererkranungen

In den ersten 14 Tagen der epidemischen Gelbsucht fühlt sich der Erkrankte besonders unwohl und hat oft starke Beschwerden im Bereich des Magen-Darmtrakts. Auch ist der Appetit auffällig vermindert. In diesem akuten Zustand bedarf die Leber besonderer Schonung.

Von allen Nahrungsmitteln beanspruchen Eiweiße, beispielsweise Fleisch und Wurst, auch Milch und Käse sowie Eier und Fette (Butter, Margarine, Öle, Schmalz) die Stoffwechseltätigkeit der Leber ganz beträchtlich, denn diese ist es, die die Eiweißstoffe für den menschlichen Organismus umwandeln muß. Dagegen wird sie von den Kohlenhydraten der Nahrung gar nicht belastet.

Wir bevorzugen daher in den ersten 14 Tagen der Erkrankung (oft kürzere, sehr selten längere Zeit) eine kohlenhydratreiche Kost. Darunter versteht man vor allem stärkehaltige Produkte, deren Art gewechselt werden kann. Es können also Haferflocken, Vollkornmehle, Naturreis, Müsli, aber auch Nudeln, Grieß und Maisstärke Verwendung finden, wobei wir den Vollkornprodukten wegen ihres höheren Vitamin- und Mineralgehaltes den Vorzug geben.

Alle diese Produkte kann man durch entsprechende küchentechnische Vorbereitung soweit aufschließen, dass sie den Verdauungskanal nur wenig beanspruchen. Schon im Mund beginnt die Einwirkung kohlenhydratspaltender Wirkstoffe (Fermente) auf die Nahrung, wodurch Magen und Darm wesentlich entlastet werden. Stärke wird im Darm zu Traubenzucker bzw.

Fruchtzucker gespalten und aufgesogen. Diesen Zuckerarten, die vom Darm aus über den Blutweg der Leber zufließen, wirken ernährend und schützend auf die Leber. Wegen dieser leberzellschützenden Wirkung, die in gleicher Weise auf Vitamine und Mineralien zutrifft, wird der Traubenzucker gern zum Süßen der Speisen und getränke verwandt.

Ernährung & Diät bei Lebererkrankungen

Küchentechnisch werden diese genannten Nahrungsmittel in reichlich Flüssigkeit, Wasser oder fettlos zubereiteter Gemüsebrühe, gekocht. In Verbindung mit Getreideerzeugnissen können auch Fruchtsuppen und –breie zubereitet werden.

Stets sollte Rohkost, ein geriebener Apfel – auch in Verbindung mit eingeweichten rohen Haferflocken oder Müsli -, frisch gewonnene rohe Obst- und Gemüsesäfte, die man auch in gekochte Speisen hineingegeben kann, verabreicht werden. Die Frischkost ist nicht nur sehr bekömmlich, sondern unterstützt die Leber in der Wiederaufnahme ihrer vollen Stoffwechselleistungsfähigkeit.

Von den Brotsorten sollte vor allem das aus Vollkornprodukten hergestellte und sehr gut verträgliche Knäckebrot genossen werden, aber auch altbackene Brötchen, geröstetes altbackenes Weißbrot und Zwieback kommen in Betracht. Als Brotaufstrich können Bienenhonig, auch Kunsthonig, Marmelade und Gelees genommen werden.

Als Getränk empfehlen wir die verschiedenen Teesorten. Schwarzer Tee fördert die Leberdurchblutung und ist daher ärztlich sehr vertretbar. Kaffee dagegen muss wegen seiner Reizwirkung auf die Magen- und Darmwände entschieden abgelehnt werden. Auch Alkohol ist wegen seiner leberzellschädigenden Wirkung unbedingt zu meiden. Die Gesamtflüssigkeitsmenge ist in der akuten Krankheitsperiode auf etwa ein Liter (Suppen usw. einbegriffen) zu beschränken, da die Leber auch in den Wasserhaushalt des Körpers stark eingreift.

Ernährungstipps

Das Würzen der Speisen ist allerdings eine Kunst für sich, da wir im Entzündungszustand der Leber vom Salz abraten müssen, dass jede Entzündung im Körper verschlimmert. Deshalb sollten nur Petersilie und Kräuter aller Art verwendet werden. Im folgenden seien einige Ernährungstipps gegeben:

1. Frühstück:

Tee mit Traubenzucker gesüßt oder Malzkaffee. Zwieback, Toast oder Knäckebrot mit Marmelade oder Gelee.

2. Frühstück:

Ein Teller Haferflockensuppe oder Müsli mit Fruchtsaft oder Vollkornmehlsuppe.

Mittagessen:

Gerstenschleim oder Grießbrei mit Apfelkompott oder Gemüsebrühe mit Reis. Als Nachtisch Müsli mit Apfel.

Nachmittag:

Hagebuttentee mit Traubenzucker, Knäckebrot, Zwieback, Toast mit Marmelade oder Gelee.

Abendbrot:

Brühgrießsuppe oder Weizenvollkornbrei.

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Eiweiß ist wichtig

Je mehr Eiweißkörper das Blut enthält, desto besser kann sich unser Körper vor derartigen Erkrankungen schützen.

Nach diesem ziemlich strengen Tagen kann man langsam zu einer vor allem eiweißhaltigen Diät übergehen. In erster Linie kommt hierbei dem Eiweiß tierischer Herkunft, also Milch, Eiern, Fleisch, eine besonders große Bedeutung zu, da sie Träger der lebenswichtigen Aminosäuren sind. Diese wiederum stellen die Bausteine unserer menschlichen Eiweißsubstanzen dar und sind somit besonders wichtig für die Abwehrfunktionen des Körpers gegenüber allen Infektionskrankheiten.

Je mehr Eiweißkörper das Blut enthält, desto besser kann sich unser Körper vor derartigen Erkrankungen schützen. Aber auch die Leberzelle selbst braucht stets eine gewisse Menge Eiweiß. Sobald ihr dieser Nahrungsstoff über eine längere Zeit vorenthalten wird, reagiert sie sehr empfindlich.

Das Ziel der jetzt einsetzenden Ernährungsumstellung des Gelbsuchtkranken ist es, ihm eine Eiweißmenge von 1,5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht zuzuführen. Umgerechnet bedeutet das für einen Menschen von etwa 60 Kilogramm Körpergewicht eine Reineiweißmenge von 100 bis 120 Gramm. Bei der Zusammenstellung eines eiweißreichen Speisezettels geht es nicht ganz ohne zu rechnen ab, denn jedes Lebensmittel liefert ja nur eine bestimmte Menge des notwendigen täglichen Eiweißbedarfs:

Ein Ei zum Beispiel 10 bis 14 Gramm und 100 Gramm Fleisch etwa 20 Gramm. Doch da heute die Beratungsmöglichkeiten im Krankenhaus oder beim Arzt für den Erkrankten selbst gegeben sind, wird Ihnen der Arzt oder die Diätberaterin gern bei den Mengenberechnungen behilflich sein. Die genannte Menge von 100 bis 120 Gramm Eiweiß braucht aber nicht nur tierischer Herkunft zu sein. Es können auch zu einem Teil Eiweiße pflanzlicher Herkunft, Getreide und Sojaprodukte, verwendet werden.

Ernährung & Diät

Küchentechnisch ist bei dieser Kost wiederum einiges zu beachten: Gebratenes verträgt die Leber in dieser Zeit noch gar nicht, da durch die Lebererkrankung auch die Tätigkeit der Gallenblase stark behindert wird und alle Speisen, die Röst- und Fettanteile tragen, die höchsten Anforderungen an die Gallenproduktion und Gallenabgabe stellen.

Der Übergang von der sehr eiweißarmen zur eiweißreichen Kost muss allmählich erfolgen. Deshalb empfiehlt es sich, alle bisher verwendeten Suppen und Breie zunächst mit wenig Milch zuzubereiten, deren Anteil von Tag zu Tag gesteigert werden kann. Denn können auch eiweißhaltige Getränke genossen werden, so zum Beispiel Sauer- und Buttermilch, Joghurt und Milchmischgetränke. Die rohe, unabgekochte oder auch abgekochte reine Milch wird meistens wegen noch ungenügender Magensaftbildung schlecht vertragen.

Quark als Eiweißlieferant

Eine besonders große Bedeutung kommt dem Quark zu, den man ja vielseitig zubereiten und somit Abwechslung in den Speisezettel bringen kann. Quark ist bekanntlich Träger der wichtigsten Aminosäuren und daher für die Leber besonders zuträglich. Im täglichen Speiseplan sollten stets ungefähr 100 Gramm Weißkäse enthalten sein.

Auch Eier, möglichst roh an Speisen gerührt, sollten verwendet werden. Dazu müssten sie allerdings so frisch wie möglich sein. Fleisch ist am besten als Schabefleisch verträglich und darf auch mit rohem Eigelb verarbeitet werden. Weitere vollwertige Eiweißträger sind magere Fisch- und Fleischsorten, die jedoch noch nicht gebraten werden dürfen.

Außer Kochen oder Garen im eigenen Saft kommt jetzt noch eine Garmachungsart in Frage, die das Essen besonders schmackhaft macht: das Dünsten, also dem Garmachen durch heiße und feuchte Luft.

Ohne Fett gehts nicht

Noch einige Worte zum Fett als Bestandteil der Nahrung selbst und als Zutat bei der Zubereitung: Als Fettsorten kommen vor allem Öle (Gehalt an ungesättigten Fettsäuren und Vitaminen) roh und erhitzt in Frage und Butter. Letztere wird wegen ihres günstigen Schmelzpunktes im Darmtrakt gut vertragen und ist ebenfalls wegen ihres Vitamingehaltes und als Träger der sogenannten kurzkettigen Fettsäuren für die Leber von Bedeutung. Die Gesamtfettmenge pro Tag sollte 50 bis 60 Gramm nicht übersteigen.

Auch hier darf der Übergang von der fettarmen Kost in den ersten 14 Tagen zu den angegebenen Mengen nur sehr langsam erfolgen. Man bedenke auch, dass vor allem in Wurstsorten, so in Teewurst und feiner Leberwurst, eine nicht unbeträchtliche Fettmenge versteckt ist, die einkalkuliert werden muss.

Wird das nicht beachtet, so wundert sich der Kranke dann oft, dass er Beschwerden im Oberbrauch hat und dass seine Genesung nur sehr langsame Schritte macht. Es ist daher am besten, wenn der Kranke in den ersten Wochen und Monaten nach der Erkrankung noch gar keine Wurst verzehrt.

Das Würzen der Speisen ist fast ebenso zu handhaben wie bei der Kost am Anfang der Krankheit. Man gewöhnt sich sehr schnell auch an salzarme Speisen, wenn man Küchenkräuter, Tomatensaft oder Tomatenmark und Hefeflocken zum Würzen verwendet.


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