Mandelentfernung

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 3. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Tonsillektomie oder Mandelentfernung bezeichnet die vollständige Entfernung der Gaumenmandeln mittels chirurgischer Verfahren. Sie ist eine der häufigsten Operationen, wenngleich sie heutzutage nicht mehr vorbeugend durchgeführt wird, wie dies in den 70er Jahren noch sehr häufig der Fall war.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Mandelentfernung?

Mandelentfernung
Die Tonsillektomie oder Mandelentfernung bezeichnet die vollständige Entfernung der Gaumenmandeln mittels chirurgischer Verfahren.

Die Tonsillektomie ist ein Routineeingriff, bei welchem die Gaumenmandeln chirurgisch entfernt werden und ist auch heute noch eine der häufigsten Operationen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich.

Bei der Operation wird zunächst der Gaumenbogen aufgeschnitten und anschließend werden die Mandeln aus dem Mandelbett entfernt. Zur Verfügung stehen dafür diverse Methoden, die heutzutage fast alle darauf abzielen, das Gewebe so zu veröden, dass es möglichst selten zu Nachblutungen kommt, die in sehr seltenen Fällen sogar tödlich enden können.

Funktion, Wirkung & Ziele

Noch in den 70er Jahren wurde die Tonsillektomie bei Kindern vorbeugend durchgeführt, um Entzündungen der Mandeln zu verhindern.

Heute geht man davon aus, dass die zum lymphatischen System gehörenden Tonsillen eine wichtige Arbeit im Immunsystem des Menschen übernehmen und deshalb wird eine Operation nur noch dann durchgeführt, wenn auch nach mehrmaliger Antibiotika-Behandlung die Entzündungen nicht abklingen wollen oder immer wieder zurückkehren. Auch wenn die Infektion bereits chronisch geworden ist, bleibt oft als letzter Ausweg nur die Entfernung der Tonsillen. Nach den heutigen Fachempfehlungen richtet sich die Entscheidung dabei vor allem nach der Zahl der ärztlich behandelten Halsentzündungen innerhalb der zurückliegenden zwölf Monate.

Oftmals geht die chronische Infektion auch mit einer Vereiterung der Mandeln einher. In diesem Falle wird die Tonsillektomie auch durchgeführt, um einer Streuwirkung in andere Teile des Körpers durch die für die Vereiterung verantwortlichen Bakterien entgegenzuwirken.

Wenn die Mandeln derart vergrößert sind, dass sie Kinder in ihrer Atmung behindern, oder wenn das Mandelgewebe wuchert, ist eine Operation an den Mandeln ebenfalls oftmals unumgänglich. Allerdings wird in diesen Fällen häufig eine sogenannte Tonsillotomie, eine Teilentfernung, durchgeführt und nur das wuchernde Gewebe entfernt. Die umgangssprachlich „Polypen“ genannten Wucherungen sind dagegen keine Gaumenmandeln, sondern die vergrößerte Rachenmandel; sie wird in einem eigenen Eingriff, der Adenotomie, entfernt.

Es gibt noch weitere Gründe, die eine Tonsillektomie nötig machen, wie beispielsweise chronische Schluckbeschwerden oder auch der Verdacht auf einen Tumor der Tonsillen, die allerdings nicht so häufig sind wie die weiter oben angeführten Ursachen.

Die Tonsillektomie ist in der Regel mit einem Klinikaufenthalt verbunden, der je nach Operationsverlauf, Krankengeschichte und Risiko einer Nachblutung 3 bis 8 Tage dauert. Der Eingriff selbst dauert etwa 30 Minuten und verläuft in der Regel unkompliziert.

Häufig wird die Tonsillektomie mit Hilfe eines sogenannten Elektrokauters durchgeführt. Dieses Gerät entfernt Mandelgewebe mittels starker Hitze und verödet es gleichzeitig, was die Wahrscheinlichkeit von Nachblutungen verringert. Weitere Methoden sind die Harmonic Skalpell Methode, die mit Ultraschall arbeitet, die Radiofrequenzablation, die mit hochfrequenten Radiowellen arbeitet und die Kohlendioxid-Laser-Tonsillektomie, eine spezielle Form der Laserchirurgie mit Hilfe eines Kohlendioxid-Lasers. Allen diesen Methoden ist gemeinsam, dass sie das Gewebe erhitzen und gleichzeitig veröden.

Eine Methode, die etwas anders arbeitet, als die bisher genannten, wird Thermische Schweißmethode genannt. Diese hat den Vorteil, dass sie das Mandelgewebe weit weniger erhitzt, was die Schmerzen des Patienten im Anschluss an die Operation sehr reduziert. Und auch die Bipolare Radiofrequenzablation ist eine neuere Methodik, die mit deutlich geringerer Hitzeentwicklung arbeitet und die Mandeln durch den Einsatz von hohen Radiofrequenzen entfernt.

Nach der Entfernung der Tonsillen werden die Blutgefäße abgebunden und eventuell auftretende Blutungen werden durch Elektrokoagulation gestillt, bei welcher ebenfalls Hitze eingesetzt wird, um die Blutungen zu stoppen.

Die Schmerzen nach einer Tonsillektomie werden von den Patienten häufig als sehr stark empfunden und können bis zu 4 Wochen anhalten. Eine mehrwöchige Schonzeit nach einer Tonsillektomie ist Pflicht. In dieser Zeit darf weder Sport getrieben werden, noch sollten Tätigkeiten durchgeführt werden, die den Hals- und Kopf-Bereich stark belasten oder zu einem Blutandrang zum Kopf führen, wie beispielsweise auch das Haarewaschen mit vornübergebeugtem Kopf.


Vorbereitung & Ablauf

Vor einer geplanten Tonsillektomie steht die Untersuchung beim HNO-Arzt. Er beurteilt Größe und Zustand der Mandeln, tastet die Lymphknoten am Hals ab und geht die Krankengeschichte durch: Wie viele Halsentzündungen gab es, wie wurden sie behandelt, wie lange dauerten sie, gab es Arbeits- oder Schulausfall. Diese Angaben entscheiden mit darüber, ob operiert wird, weshalb es hilfreich ist, Arztbriefe und Krankschreibungen zum Termin mitzubringen.

Besonderes Gewicht hat die Frage nach der Blutgerinnung, weil die Nachblutung die wichtigste Komplikation des Eingriffs ist. Erfragt werden deshalb Blutungsneigungen in der Familie, auffällig lange Blutungen nach früheren Zahnbehandlungen oder Verletzungen, häufiges Nasenbluten sowie die Einnahme gerinnungshemmender Medikamente. Bei Kindern wird dafür üblicherweise ein standardisierter Fragebogen verwendet. Ergeben sich Hinweise auf eine Störung, folgen Laboruntersuchungen der Blutgerinnung und gegebenenfalls die Vorstellung bei einer entsprechenden Fachabteilung. Vor der Narkose klärt zusätzlich die Anästhesie über Ablauf und Risiken auf und legt fest, ab wann der Patient nüchtern bleiben muss.

Der Eingriff selbst erfolgt in Vollnarkose. Der Patient liegt auf dem Rücken mit leicht überstrecktem Kopf, ein Mundsperrer hält den Mund geöffnet, und der Zugang verläuft ausschließlich über die Mundhöhle. Von außen bleibt daher keine Narbe sichtbar. Nach dem Ablösen der Mandeln aus ihrem Bett wird die Blutstillung sorgfältig kontrolliert, bevor die Narkose beendet wird. Anschließend wird der Patient im Aufwachraum überwacht. Weil eine Nachblutung auch Stunden später auftreten kann, ist in Deutschland ein stationärer Aufenthalt üblich; die Tonsillektomie wird nicht als ambulanter Eingriff durchgeführt, während dies bei der Teilentfernung im Einzelfall anders gehandhabt wird.

Abgrenzung: Teilentfernung und Rachenmandel

Neben der vollständigen Entfernung gibt es die Tonsillotomie, bei der nur der überstehende Teil der Gaumenmandel abgetragen wird und ein Rest des Gewebes samt seiner Kapsel im Mandelbett verbleibt. Sie kommt vor allem bei Kindern in Betracht, deren Mandeln so groß sind, dass sie die Atmung im Schlaf behindern oder das Schlucken stören, die aber keine wiederkehrenden Entzündungen haben. Da das Mandelbett nicht eröffnet wird und die größeren Gefäße unberührt bleiben, sind Schmerzen und Nachblutungsrisiko geringer als nach der vollständigen Entfernung. Der Preis dafür ist, dass sich das verbliebene Gewebe erneut entzünden und in einzelnen Fällen wieder vergrößern kann. Bei chronischen oder immer wiederkehrenden Entzündungen gilt die Teilentfernung deshalb nicht als geeignetes Verfahren.

Davon zu unterscheiden ist die Adenotomie, die Entfernung der Rachenmandel. Sie sitzt hinter der Nase im Nasenrachen und ist von außen nicht sichtbar. Ihre Vergrößerung ist bei Kindern häufig und äußert sich durch Mundatmung, Schnarchen, eine näselnde Sprache, ständig laufende Nase und wiederholte Mittelohrentzündungen oder einen Paukenerguss mit Hörminderung. Die umgangssprachlich als „Polypen“ bezeichneten Wucherungen sind also nicht die Gaumenmandeln, und ihre Entfernung ist ein anderer, deutlich kleinerer Eingriff, der häufig mit dem Einlegen von Paukenröhrchen verbunden wird. Beide Eingriffe können in einer Sitzung erfolgen, wenn beide Mandelarten Beschwerden verursachen.

Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Die häufigste Komplikation nach einer Tonsillektomie ist die Nachblutung, die in etwa zu 1 bis 4% aller Operationen auftritt. Kinder sollten deshalb in den ersten drei Wochen nach einer Tonsillektomie immer unter Beobachtung bleiben, da eine starke Nachblutung bei ihnen, aufgrund der Tatsache, dass sie über weit weniger Blut verfügen als Erwachsene, unter Umständen sogar tödlich enden kann, wenn nicht rechtzeitig hilfreich eingegriffen wird. Gerade bei kleinen Kindern besteht auch die Gefahr, dass sie am eigenen Blut ersticken oder dass das Blut in die Lungen gerät und dadurch einen Hustenreiz auslöst, was die Blutung wiederum verstärken kann.

Blutungen durch Ablösung von Wundschorf kommen in den Tagen 5 bis 8 nach einer Operation am häufigsten vor und sind nicht ungewöhnlich. Auch wenn sie von selbst wieder zum Stillstand kommen, ist jede Nachblutung umgehend ärztlich abklären zu lassen, da ihr eine stärkere Blutung folgen kann. Nur selten kommt es bei der Tonsillektomie zu Fällen, bei welchen eine weitere Operation vonnöten ist, um die Blutung zum Stillstand zu bringen.

Bei einer auftretenden starken Blutung sollte der Patient zunächst aufrecht hingesetzt werden, damit das Blut abfließen kann und nicht verschluckt wird; ist er bewusstlos, wird er in die stabile Seitenlage gebracht. Zugleich ist umgehend der Notruf 112 zu wählen. Von einem Transport im eigenen Fahrzeug ist abzuraten, weil eine solche Blutung unterwegs jederzeit lebensbedrohlich werden kann. Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes können kühlende Umschläge im Bereich des Nackens hilfreich sein, um den Blutfluss zumindest zu verlangsamen.

Nach der Operation: Essen, Schmerzen, Alltag

Die Wundflächen im Rachen bleiben offen und werden nicht vernäht; sie überziehen sich in den Tagen nach dem Eingriff mit einem weißlich-grauen Belag. Dieser Belag ist Teil der normalen Wundheilung und kein Eiter, auch wenn er unangenehm aussieht und einen deutlichen Mundgeruch verursachen kann. Er löst sich im Verlauf der Heilung von selbst ab. Viele Betroffene berichten außerdem über Ohrenschmerzen, die nicht vom Ohr ausgehen, sondern als fortgeleiteter Schmerz aus dem Rachen wahrgenommen werden.

Beim Essen und Trinken gilt in der Klinik meist die Vorgabe, kühle und weiche Kost zu bevorzugen und auf sehr Heißes, Scharfes, Säurehaltiges sowie auf harte, krümelige oder scharfkantige Speisen zu verzichten, weil sie die Wunde reizen können. Ausreichendes Trinken ist wichtig und zugleich schwierig, weil das Schlucken schmerzt; gerade bei Kindern achtet das Personal darauf, dass genug Flüssigkeit aufgenommen wird, notfalls über eine Infusion. Die Schmerzbehandlung wird von der behandelnden Klinik festgelegt und in der Regel nach einem festen Plan gegeben, damit die Schmerzen gar nicht erst stark werden. Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure sind dabei ungeeignet, weil sie die Blutgerinnung hemmen und damit das Risiko einer Nachblutung erhöhen; Betroffene sollten deshalb keine Schmerzmittel aus dem eigenen Vorrat einnehmen, ohne dies zuvor mit der Klinik oder der Praxis abzustimmen.

Für den Alltag gilt eine mehrwöchige Schonung. Neben dem Verzicht auf Sport und schweres Heben gehören dazu auch heißes Baden, Sauna, ausgiebiges Sonnenbaden und alles, was den Kreislauf stark anregt. Kinder werden für diese Zeit vom Schulsport befreit, Erwachsene sind meist einige Wochen krankgeschrieben. Ein wichtiger praktischer Hinweis betrifft die Erreichbarkeit ärztlicher Hilfe: Fachgesellschaften raten dazu, sich während der Zeit erhöhter Nachblutungsgefahr nicht weit von einer Klinik zu entfernen, die den Eingriff versorgen kann, und größere Reisen erst danach anzutreten.

Wann nicht operiert wird

Eine Tonsillektomie wird heute nur noch bei klarer Indikation vorgenommen. Einzelne oder gelegentliche Halsschmerzen sind kein Grund für den Eingriff, ebenso wenig große, aber entzündungsfreie Mandeln bei Erwachsenen ohne Beschwerden. Während einer akuten Mandelentzündung wird in der Regel abgewartet, bis die Entzündung abgeklungen ist, weil das Gewebe dann stärker durchblutet ist. Eine Ausnahme ist der Peritonsillarabszess, eine Eiteransammlung neben der Mandel: Hier kann der Eingriff auch im entzündeten Zustand notwendig werden.

Gegen die Operation oder für besondere Vorsichtsmaßnahmen sprechen außerdem angeborene oder erworbene Störungen der Blutgerinnung sowie die dauerhafte Einnahme gerinnungshemmender Medikamente, die vor dem Eingriff mit den behandelnden Ärzten abgestimmt werden muss. Bei Kindern mit einer offenen oder verborgenen Gaumenspalte wird besonders sorgfältig abgewogen, weil das Gaumensegel nach Eingriffen im Rachen den Nasenrachen unter Umständen nicht mehr vollständig abschließt und die Sprache dann näselnd klingen kann. Auch bei bestimmten neuromuskulären Erkrankungen und bei sehr kleinen Kindern wird die Entscheidung im Einzelfall und häufig zugunsten eines abwartenden Vorgehens getroffen.

Was der Eingriff bringt und was nicht

Bei Menschen mit häufigen, ärztlich behandelten Halsentzündungen nimmt die Zahl der Entzündungsepisoden nach der Operation ab. Der Gewinn ist dabei im ersten Jahr nach dem Eingriff am deutlichsten und wird danach geringer, weil die Häufigkeit solcher Entzündungen auch ohne Operation mit der Zeit von selbst zurückgeht. Genau darin liegt der Grund für die zurückhaltende Indikationsstellung: Je seltener die Entzündungen sind, desto kleiner ist der zu erwartende Nutzen im Verhältnis zu den Risiken des Eingriffs. Beschwerden, die nicht von den Mandeln ausgehen, bessern sich durch die Operation nicht; Mundgeruch etwa hat häufig andere Ursachen im Bereich von Zähnen und Zahnfleisch.

Ein weiteres Ziel des Eingriffs ist die Vermeidung von Folgeerkrankungen. Bestimmte Halsentzündungen werden durch Streptokokken verursacht, die in seltenen Fällen Reaktionen an anderen Organen auslösen können, etwa rheumatisches Fieber oder eine Nierenentzündung. Bei einer chronischen Mandelentzündung mit dauerhafter Keimbesiedlung kann die Entfernung deshalb auch aus dieser Überlegung heraus empfohlen werden.

Häufig gestellt wird die Frage, ob dem Körper mit den Mandeln ein wichtiger Teil der Abwehr fehlt. Die Gaumenmandeln gehören zu einem Ring aus lymphatischem Gewebe im Rachen, dem weitere Anteile angehören, unter anderem die Rachenmandel und Gewebeinseln am Zungengrund. Fachgesellschaften gehen davon aus, dass diese Anteile die Aufgaben übernehmen und nach der Entfernung der Gaumenmandeln keine bleibende Abwehrschwäche zu erwarten ist. Sicherheitshalber wird der Eingriff bei sehr kleinen Kindern, deren Abwehrsystem sich noch in der Entwicklung befindet, dennoch nur bei zwingender Notwendigkeit vorgenommen.

Quellen

  • Lenarz, T., Boenninghaus, H.-G.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
    ISBN: 9783642211300
  • Rettinger, G., Hosemann, W., Hüttenbrink, K.-B., et al. (Hrsg.): HNO-Operationslehre.
    ISBN: 9783134637052
  • Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Chirurgie.
    ISBN: 9783132431874
  • Gortner, L., Meyer, S., Sitzmann, F. C. (Hrsg.): Pädiatrie.
    ISBN: 9783131253347
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655

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