Quetschwunden

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 27. Februar 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Quetschwunden können viele „Gesichter“ haben und kommen leider recht häufig vor. Meistens machen sie sich durch Schmerzen und durch bläulich-rote Verfärbungen und Schwellungen der Haut bemerkbar. Unter Umständen kann eine Quetschwunde jedoch auch offenliegen und daher sogar bluten und die Notwendigkeit einer schnellstmöglichen ärztlichen Versorgung mit sich ziehen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Quetschwunden?

Quetschwunden sind primär dadurch gekennzeichnet, dass es zu einer Verletzung zahlreicher kleiner Blutgefäße im Gewebe gekommen ist. Hierdurch kommt es schnell zu Schwellungen und zur Bildung eines Hämatoms.
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Unter einer Quetschwunde versteht man im Grunde nichts anderes, als eine durch eine Quetschung entstandene Beschädigung der Haut, des darunter befindlichen Gewebes und auch der umliegenden Muskeln und Sehnen.

Je nach der Stärke der Quetschwunde können aber auch die Knochen bei einer Quetschwunde beschädigt werden. Denn eine Quetschwunde ist noch lange nicht gleich der anderen.

Eine Quetschwunde kann also ebenso durch eine leichte Quetschung, beispielsweise durch das Einklemmen in einer Tür, Fenster oder Schublade, entstehen, als auch durch einen schweren Unfall. Etwa dann, wenn ein Körperteil von einem schweren Gegenstand eingeklemmt wird. Beste Beispiele hierfür können schwere Wunden sein, die bei einem Autounfall entstehen.

Ursachen

Quetschwunden entstehen meistens durch äußerliche Gewalteinwirkungen auf die betroffene Körperstelle. Die übergreifenden Ursachen können hier sehr vielfältig sein und von einem zu festen Handgriff an der später geschädigten Körperstelle, bis hin zu mechanischem Einwirken von außen reichen.

Ein unglücklicher Sturz kann schon genügen. Daher gehen Quetschwunden überwiegend mit anderen Verletzungen einher wie etwa Schnittwunden, Verstauchungen und Knochenbrüchen.

Da bei einer Quetschung vorwiegend die Haut und das Gewebe in Mitleidenschaft gezogen werden, weisen selbst leichte Quetschwunden schnell und oft Hämatome auf - fachsprachlich für blaue Flecken und Verfärbungen. Stärkere Quetschwunden weisen oft allerdings auch offenliegende Wunden auf, was wiederum ein höheres Infektionsrisiko mit sich bringt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Quetschwunden zeichnen sich durch eine starke Schädigung des Gewebes aus, die allerdings nicht in oberflächlichen Verletzungen besteht. So sind Quetschwunden primär dadurch gekennzeichnet, dass es zu einer Verletzung zahlreicher kleiner Blutgefäße im Gewebe gekommen ist. Hierdurch kommt es schnell zu Schwellungen und zur Bildung eines Hämatoms.

Dabei kann die betroffene Stelle rot und dunkelblau anlaufen. Die Quetschwunde betrifft in den meisten Fällen die mittleren und unteren Hautschichten sowie das sich unmittelbar darunter befindende Gewebe. Sie kann aber auch darunter liegende Knochen oder weiter innen liegendes Gewebe schädigen.

Es kommt an den betroffenen Stellen teils zu sehr starken Schmerzen und auch zu Bewegungseinschränkungen. Störungen der Sensibilität kommen vor. Mitunter werden die Stellen taub oder kribbeln unangenehm. Die Schwellungen können auch zu einem pochenden Schmerz führen.

Betrifft die Quetschung einen Finger oder einen Zeh, kommt es zu einer starken Verfärbung unterhalb des Nagels. Das Nagelbett kann sich im weiteren Verlauf ablösen. Bei schweren Quetschungen kommt es zu Nekrosen im Bereich der Wunde. Diese führen zu oftmals zu einer noch dunkleren Verfärbung. Bei schweren Wunden sind die Wundränder meist eingerissen und stark blutunterlaufen.

Diagnose & Verlauf

Quetschwunde

Eine Quetschwunde lässt sich meistens bereits sehr leicht mit dem bloßen Auge erkennen – auch von einem medizinischen Laien. Denn sie zeigt sich immer durch mehr oder weniger starke Hämatome, Schwellungen und auch Schmerzen.

Letztere äußern sich vor allem darin, dass die direkt betroffene Stelle der Quetschwunde sehr berührungsempfindlich ist. Oft schränkt eine Quetschwunde jedoch auch die Bewegungsfreiheit ein.

Weniger drastische Quetschwunden heilen überwiegend problemlos von selbst ab. Bei zu starken Beschwerden oder gar Wunden sollte man aber unbedingt einen Arzt aufsuchen. Denn bei einer Quetschwunde können auch starke innere Blutungen vorhanden sein.

Komplikationen

Eine Quetschwunde ist oft mit einem großen Blutverlust verbunden, der zum Schock führen kann. Liegt zusätzlich eine offene Hautverletzung vor, besteht ein erhöhtes Risiko einer Wundinfektion. In Folge von Nervenverletzungen können Sensibilitätsstörungen oder Lähmungserscheinungen in der betroffenen Region auftreten.

Ausgeprägte Quetschwunden in der Region des Unterarms oder des Unterschenkels können zum sogenannten Kompartmentsyndrom führen, bei dem es zu einem langsamen Druckanstieg im betroffenen Gewebe kommt. Dadurch wird die Blutzufuhr unterbrochen, wodurch die Muskeln, Blutgefäße und Nerven dauerhaften Schaden nehmen können. Bei schweren Verletzungen kann eine Quetschwunde eine Amputation der geschädigten Gliedmaßen notwendig machen.

Davon ab ist eine Behandlung oft auch mit Wundheilungsstörungen oder Infektionen verbunden. Vor allem offene Quetschwunden entzünden sich schnell, wenn beispielsweise eine reizende Salbe aufgetragen wird oder die Wunde nicht ausreichend gepflegt wird. Der Einsatz von Schmerzmitteln kann vereinzelt Beschwerden hervorrufen und die Betroffenen dadurch in ihrem Alltag einschränken.

Bei unerkannten Vorerkrankung und in Wechselwirkung mit anderen Medikamenten kommt es in seltenen Fällen zu ernsten Herz-Kreislauf-Beschwerden. Häufiger treten Nebenwirkungen wie Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen sowie allergische Reaktionen auf.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Mit Quetschwunden muss nicht immer ein Arzt aufgesucht werden. Falls die Beschwerden nach einer kurzen Zeit wieder von selbst verschwinden oder die Wunde nicht besonders weh tut, so muss kein Arzt aufgesucht werden, da es dabei meistens zu einer Selbstheilung kommt. Bei schweren Verletzungen oder bei sehr starken Schmerzen ist es allerdings empfehlenswert, einen Arzt aufzusuchen, um weitere Komplikationen zu vermeiden. Ein Arzt sollte dringend dann aufgesucht werden, wenn es zu einer sehr starken Schwellung kommt, die nicht wieder von alleine verschwindet. Ebenso bildet sich meistens ein Hämatom, welches mit Schmerzen verbunden sein kann. Auch bei Einschränkungen in der Bewegung oder bei starken Störungen der Sensibilität an dem betroffenen Bereich ist unmittelbar ein Arzt aufzusuchen, um die Quetschwunden richtig zu behandeln.

Dabei kann in erster Linie ein Allgemeinarzt oder das Krankenhaus aufgesucht werden. In Notfällen sollte der Notarzt gerufen werden. Meistens können Quetschwunden relativ gut behandelt werden und schränken die Lebenserwartung des Betroffenen nicht ein.

Behandlung & Therapie

In den meisten Fällen wird eine Quetschwunde durch Ruhe und eventuell auch durch abschwellende Mittel behandelt. Das bedeutet, dass man die betroffene Stelle bei Schwellungen beispielsweise kühlen und diese etwas ruhiger halten sollte.

Ist der Fuß betroffen, sollte man diesen also mit einem Kühlakku behandeln und einige Stunden hochlegen. Oder mindestens so lange, wie deutliche Schmerzen vorhanden sind. Zudem sind in der Apotheke zahlreiche Salben und Cremes erhältlich, die einer schnelleren Heilung von Quetschwunden zugutekommen. Schwächere und kleinere Quetschwunden können so oft bedenkenlos selbst behandelt werden. Vorsicht ist aber geboten, wenn man einen Knochenbruch oder auch ernsthafte innere Verletzungen nicht gänzlich ausschließen kann.

Ähnlich sieht es bei offenliegenden Quetschwunden aus und bei Verletzungen, die übernatürlich lange schmerzen oder für die Heilung benötigen. Durschnittlich benötigt eine Quetschwunde zwischen zwei bis sechs Wochen, um gänzlich abheilen zu können. Hier kommt es ganz auf die Schwere der Wunde an.


Vorbeugung

Eine Quetschwunde lässt sich nur sehr schwer vermeiden, da sie meistens durch Unfälle oder durch unbedachte Handlungen verursacht wird. Wirklich selbst tätig werden, kann man also eigentlich nur durch eine gehörige Portion Vorsicht. Bekanntlich lassen sich Verletzungen aber nicht immer vermeiden und verhindern.

Was sich allerdings verringern lässt, sind die Folgen einer Quetschwunde. Denn durch sofortiges Kühlen und Ruhigstellen der betroffenen Körperstelle lassen sich Schwellungen und Hämatome eventuell in Grenzen halten. Bei offenen Wunden muss man aber sehr vorsichtig sein. Man sollte die Wunde sofort reinigen und so gut es geht steril halten, um Entzündungen der Wunde zu vermeiden.

Nachsorge

Ähnlich wie vergleichbare Verletzungen sollten auch Quetschwunden nachsorgend behandelt werden. Der Facharzt kontrolliert die Heilung. Je nach Ausprägung der Verletzung wird bei der Nachsorge einer Narbenbildung oder Entzündung in der Wunde vorgebeugt. Weitere Ziele sind (akute) Schmerzlinderung, ein Abschwellen der gequetschten Partie und schließlich die vollständige Ausheilung ohne bleibende Schäden.

Bei geringen Verletzungen ist eine ärztliche Nachsorge in der Regel nicht nötig. Sie äußern sich durch einen Bluterguss und verheilen von selbst. Vorsichtiges Kühlen der betroffenen Stelle beschleunigen die Abschwellung zusätzlich. In einigen Fällen ist die Nachsorge nicht nur sinnvoll, sondern eine Notwendigkeit. Entzündete Quetschwunden, aufgerissenes Gewebe und großflächige, offene Verletzungen gehören unbedingt in ärztliche Behandlung.

Bei der Nachsorgebetreuung wird die Wunde gespült oder desinfiziert, gegebenenfalls auch genäht. Nachsorgende Kontrollen geben Aufschluss über den Heilungsstand. Entzündungen erfordern die Vergabe antibiotischer Mittel. Im Rahmen der Nachsorge wird überprüft, ob sich das Medikament als wirkungsvoll erweist und den entzündlichen Prozess eindämmt.

Quetschwunden können mit stärkerem Blutverlust einhergehen. Der Mangel wird bei der nachsorgenden Behandlung ausgeglichen. Ein Druckverband auf dem verletzten Bereich verhindert eine Nachblutung. Die Wunde wird dabei steril gehalten. Nachdem die Verletzung abgeheilt ist, kann der Verband entfernt werden.

Das können Sie selbst tun

Die meisten Quetschwunden sind blaue Flecken, die problemlos von selbst ausheilen. Im Zweifelsfall sollte der Patient aber kein Risiko eingehen, sondern einen Arzt zurate ziehen. Dies gilt insbesondere dann, wenn größere Areale betroffen sind oder die Wunde offen liegt. Möglicherweise besteht die Gefahr innerer Blutungen. Auch ein Knochen im Wundbereich könnte ebenfalls verletzt sein.

Je nach Größe und Art der Verletzung wird sie der Arzt chirurgisch säubern und verschließen. Dies ist wichtig, weil sich in gezackte Wundränder, wie sie bei einer Quetschwunde häufig sind, schnell Bakterien einnisten. Je nach Bakterienart führt dies nicht selten zum sogenannten Gasbrand, einer Infektion, die tödlich sein kann.

Gerade im Hinblick auf die Infektionsgefahr sollte die Wunde unbedingt steril gehalten und nach Anweisungen des Arztes gepflegt werden. Mehrmals tägliches Kühlen lindert die Schwellungen ebenso wie die Schmerzen und verbessert gleichzeitig die Durchblutung des ganzen Wundbereichs. Eine gute Durchblutung ist wichtig, damit Keime und Eiter schnell ausgeleitet und gleichzeitig der körpereigene Heilungsprozess eingeleitet werden kann. Allerdings sollte sich die Haut während der Kühlung nicht eiskalt anfühlen, sonst drohen Kälteschäden. Je nach Größe der Wunde sollte sich der Patient viel Ruhe gönnen und Geduld zeigen: Es kann bis zu sechs Wochen dauern, bis eine Quetschwunde völlig ausgeheilt ist.

Quellen

  • Braun, J., Dormann, A .J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

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