Quetschwunden

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Quetschwunden können viele „Gesichter“ haben und kommen leider recht häufig vor. Meistens machen sie sich durch Schmerzen und durch bläulich-rote Verfärbungen und Schwellungen der Haut bemerkbar. Unter Umständen kann eine Quetschwunde jedoch auch offenliegen und daher sogar bluten und die Notwendigkeit einer schnellstmöglichen ärztlichen Versorgung nach sich ziehen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Quetschwunden?

Quetschwunden
Quetschwunden sind primär dadurch gekennzeichnet, dass es zu einer Verletzung zahlreicher kleiner Blutgefäße im Gewebe gekommen ist. Hierdurch kommt es schnell zu Schwellungen und zur Bildung eines Hämatoms.
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Unter einer Quetschwunde versteht man im Grunde nichts anderes als eine durch eine Quetschung entstandene Beschädigung der Haut, des darunter befindlichen Gewebes und auch der umliegenden Muskeln und Sehnen.

Je nach der Stärke der Quetschwunde können aber auch die Knochen bei einer Quetschwunde beschädigt werden. Denn eine Quetschwunde ist noch lange nicht gleich der anderen.

Eine Quetschwunde kann also ebenso durch eine leichte Quetschung, beispielsweise durch das Einklemmen in einer Tür, Fenster oder Schublade, entstehen, als auch durch einen schweren Unfall. Etwa dann, wenn ein Körperteil von einem schweren Gegenstand eingeklemmt wird. Beste Beispiele hierfür können schwere Wunden sein, die bei einem Autounfall entstehen.

Ursachen

Quetschwunden entstehen meistens durch äußerliche Gewalteinwirkungen auf die betroffene Körperstelle. Die übergreifenden Ursachen können hier sehr vielfältig sein und von einem zu festen Handgriff an der später geschädigten Körperstelle bis hin zu mechanischem Einwirken von außen reichen.

Ein unglücklicher Sturz kann schon genügen. Daher gehen Quetschwunden überwiegend mit anderen Verletzungen einher wie etwa Schnittwunden, Verstauchungen und Knochenbrüchen.

Da bei einer Quetschung vorwiegend die Haut und das Gewebe in Mitleidenschaft gezogen werden, weisen selbst leichte Quetschwunden schnell und oft Hämatome auf - fachsprachlich für blaue Flecken und Verfärbungen. Stärkere Quetschwunden weisen oft allerdings auch offenliegende Wunden auf, was wiederum ein höheres Infektionsrisiko mit sich bringt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Quetschwunden zeichnen sich durch eine starke Schädigung des Gewebes aus, die allerdings nicht in oberflächlichen Verletzungen besteht. So sind Quetschwunden primär dadurch gekennzeichnet, dass es zu einer Verletzung zahlreicher kleiner Blutgefäße im Gewebe gekommen ist. Hierdurch kommt es schnell zu Schwellungen und zur Bildung eines Hämatoms.

Dabei kann die betroffene Stelle rot und dunkelblau anlaufen. Die Quetschwunde betrifft in den meisten Fällen die mittleren und unteren Hautschichten sowie das sich unmittelbar darunter befindende Gewebe. Sie kann aber auch darunter liegende Knochen oder weiter innen liegendes Gewebe schädigen.

Es kommt an den betroffenen Stellen teils zu sehr starken Schmerzen und auch zu Bewegungseinschränkungen. Störungen der Sensibilität kommen vor. Mitunter werden die Stellen taub oder kribbeln unangenehm. Die Schwellungen können auch zu einem pochenden Schmerz führen.

Betrifft die Quetschung einen Finger oder einen Zeh, kommt es zu einer starken Verfärbung unterhalb des Nagels. Ein solcher Bluterguss unter dem Nagel pocht oft heftig, weil das Blut nicht abfließen kann; der Arzt kann ihn durch ein winziges Loch im Nagel entlasten, was die Schmerzen sofort lindert. Das Nagelbett kann sich im weiteren Verlauf ablösen. Bei schweren Quetschungen kommt es zu Nekrosen im Bereich der Wunde. Diese führen oftmals zu einer noch dunkleren Verfärbung. Bei schweren Wunden sind die Wundränder meist eingerissen und stark blutunterlaufen.

Diagnose & Verlauf

Quetschwunde

Eine Quetschwunde lässt sich meistens bereits sehr leicht mit dem bloßen Auge erkennen – auch von einem medizinischen Laien. Denn sie zeigt sich meist durch mehr oder weniger starke Hämatome, Schwellungen und auch Schmerzen. Eine schwere Quetschung kann anfangs allerdings unauffällig aussehen, während im Inneren bereits Muskeln, Gefäße, Sehnen oder Knochen geschädigt sind.

Letztere äußern sich vor allem darin, dass die direkt betroffene Stelle der Quetschwunde sehr berührungsempfindlich ist. Oft schränkt eine Quetschwunde jedoch auch die Bewegungsfreiheit ein.

Weniger drastische Quetschwunden heilen überwiegend problemlos von selbst ab. Bei zu starken Beschwerden oder gar Wunden sollte man aber unbedingt einen Arzt aufsuchen. Denn bei einer Quetschwunde können auch starke innere Blutungen vorhanden sein.

Komplikationen

Eine schwere Quetschwunde kann mit einem großen Blutverlust verbunden sein, der zu einem Schock führen kann. Liegt zusätzlich eine offene Hautverletzung vor, besteht ein erhöhtes Risiko einer Wundinfektion. In Folge von Nervenverletzungen können Sensibilitätsstörungen oder Lähmungserscheinungen in der betroffenen Region auftreten.

Ausgeprägte Quetschwunden in der Region des Unterarms oder des Unterschenkels können zum sogenannten Kompartmentsyndrom führen, bei dem es zu einem zunehmenden Druckanstieg im betroffenen Gewebe kommt. Dadurch wird die Blutzufuhr unterbrochen, wodurch die Muskeln, Blutgefäße und Nerven dauerhaften Schaden nehmen können. Das Kompartmentsyndrom ist ein Notfall: Nimmt der Schmerz in Ruhe unverhältnismäßig stark zu, fühlt sich der Muskel prall und hart an oder werden Haut und Zehen beziehungsweise Finger taub, blass und kalt, muss der Druck innerhalb weniger Stunden operativ entlastet werden. Bei schweren Verletzungen kann eine Quetschwunde eine Amputation der geschädigten Gliedmaßen notwendig machen.

Werden große Muskelgruppen längere Zeit gequetscht, etwa bei einem eingeklemmten oder verschütteten Menschen, kann nach der Befreiung ein Crush-Syndrom entstehen. Dabei gelangen Zerfallsprodukte aus dem zerstörten Muskel in das Blut und können die Nieren versagen lassen. Auch dann, wenn die Haut unverletzt aussieht, gehören solche großflächigen Quetschungen deshalb sofort in ärztliche Behandlung.

Davon ab ist eine Behandlung oft auch mit Wundheilungsstörungen oder Infektionen verbunden. Vor allem offene Quetschwunden entzünden sich schnell, wenn beispielsweise eine reizende Salbe aufgetragen wird oder die Wunde nicht ausreichend gepflegt wird. Der Einsatz von Schmerzmitteln kann vereinzelt Beschwerden hervorrufen und die Betroffenen dadurch in ihrem Alltag einschränken.

Bei unerkannten Vorerkrankungen und in Wechselwirkung mit anderen Medikamenten kommt es in seltenen Fällen zu ernsten Herz-Kreislauf-Beschwerden. Häufiger treten Nebenwirkungen wie Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen sowie allergische Reaktionen auf.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Mit Quetschwunden muss nicht immer ein Arzt aufgesucht werden. Handelt es sich um eine kleine, geschlossene Quetschung, tut die Stelle kaum weh und gehen die Beschwerden nach kurzer Zeit von selbst zurück, so heilt sie meistens ohne Behandlung ab. Das gilt allerdings nur, solange sich die Beschwerden bessern: Nimmt der Schmerz in den Stunden danach zu, schwillt die Stelle immer stärker an, wird sie taub oder lässt sie sich nicht mehr bewegen, gehört die Verletzung in jedem Fall zum Arzt. Ebenso gilt das für großflächige Quetschungen, für Quetschungen an Kopf, Bauch oder Brustkorb und für Menschen, die Medikamente zur Blutverdünnung einnehmen. Bei schweren Verletzungen oder bei sehr starken Schmerzen ist es allerdings empfehlenswert, einen Arzt aufzusuchen, um weitere Komplikationen zu vermeiden. Ein Arzt sollte dringend dann aufgesucht werden, wenn es zu einer sehr starken Schwellung kommt, die nicht wieder von alleine verschwindet. Ebenso bildet sich meistens ein Hämatom, welches mit Schmerzen verbunden sein kann. Auch bei Einschränkungen in der Bewegung oder bei starken Störungen der Sensibilität an dem betroffenen Bereich ist unmittelbar ein Arzt aufzusuchen, um die Quetschwunden richtig zu behandeln.

Dabei kann in erster Linie ein Allgemeinarzt oder das Krankenhaus aufgesucht werden. In Notfällen sollte der Notarzt gerufen werden. Meistens können Quetschwunden relativ gut behandelt werden und schränken die Lebenserwartung des Betroffenen nicht ein.

Bei einer offenen Quetschwunde ist außerdem an den Tetanusschutz zu denken. Liegt die letzte Impfung gegen Tetanus (Wundstarrkrampf) bei einer verschmutzten oder tiefen Wunde mehr als fünf Jahre zurück, wird sie aufgefrischt; bei kleinen, sauberen Wunden gilt ein Abstand von zehn Jahren.

Ein Notfall liegt vor, wenn ein Körperteil eingeklemmt war oder großflächig gequetscht wurde, wenn eine Blutung sich nicht stillen lässt, wenn die Gliedmaße blass, kalt oder gefühllos wird oder wenn der Schmerz in Ruhe immer stärker wird. In diesen Fällen ist sofort der Notruf 112 zu wählen.

Behandlung & Therapie

In den meisten Fällen wird eine Quetschwunde durch Ruhe und eventuell auch durch abschwellende Mittel behandelt. Das bedeutet, dass man die betroffene Stelle bei Schwellungen beispielsweise kühlen und diese etwas ruhiger halten sollte.

Ist der Fuß betroffen, sollte man diesen also mit einem Kühlakku behandeln und einige Stunden hochlegen. Oder mindestens so lange, wie deutliche Schmerzen vorhanden sind. Der Kühlakku gehört dabei nie direkt auf die Haut, sondern in ein Tuch gewickelt, und gekühlt wird jeweils höchstens etwa 20 Minuten, sonst drohen Kälteschäden. Zudem sind in der Apotheke zahlreiche Salben und Cremes erhältlich, die einer schnelleren Heilung von Quetschwunden zugutekommen. Schwächere und kleinere Quetschwunden können so oft bedenkenlos selbst behandelt werden. Vorsicht ist aber geboten, wenn man einen Knochenbruch oder auch ernsthafte innere Verletzungen nicht gänzlich ausschließen kann.

Ähnlich sieht es bei offenliegenden Quetschwunden aus und bei Verletzungen, die ungewöhnlich lange schmerzen oder zum Abheilen ungewöhnlich lange brauchen. Durchschnittlich benötigt eine Quetschwunde zwischen zwei und sechs Wochen, um gänzlich abheilen zu können. Hier kommt es ganz auf die Schwere der Wunde an.


Vorbeugung

Eine Quetschwunde lässt sich nur sehr schwer vermeiden, da sie meistens durch Unfälle oder durch unbedachte Handlungen verursacht wird. Wirklich selbst tätig werden kann man also eigentlich nur durch eine gehörige Portion Vorsicht. Bekanntlich lassen sich Verletzungen aber nicht immer vermeiden und verhindern.

Was sich allerdings verringern lässt, sind die Folgen einer Quetschwunde. Denn durch sofortiges Kühlen und Ruhigstellen der betroffenen Körperstelle lassen sich Schwellungen und Hämatome eventuell in Grenzen halten. Bei offenen Wunden muss man aber sehr vorsichtig sein. Man sollte die Wunde sofort reinigen und so gut es geht steril halten, um Entzündungen der Wunde zu vermeiden.

Nachsorge

Ähnlich wie vergleichbare Verletzungen sollten auch Quetschwunden nachsorgend behandelt werden. Der Facharzt kontrolliert die Heilung. Je nach Ausprägung der Verletzung wird bei der Nachsorge einer Narbenbildung oder Entzündung in der Wunde vorgebeugt. Weitere Ziele sind (akute) Schmerzlinderung, ein Abschwellen der gequetschten Partie und schließlich die vollständige Ausheilung ohne bleibende Schäden.

Bei geringen Verletzungen ist eine ärztliche Nachsorge in der Regel nicht nötig. Sie äußern sich durch einen Bluterguss und verheilen von selbst. Vorsichtiges Kühlen der betroffenen Stelle beschleunigt die Abschwellung zusätzlich. In einigen Fällen ist die Nachsorge nicht nur sinnvoll, sondern eine Notwendigkeit. Entzündete Quetschwunden, aufgerissenes Gewebe und großflächige, offene Verletzungen gehören unbedingt in ärztliche Behandlung.

Bei der Nachsorgebetreuung wird die Wunde gespült oder desinfiziert, gegebenenfalls auch genäht. Nachsorgende Kontrollen geben Aufschluss über den Heilungsstand. Infizierte Wunden erfordern die Gabe antibiotischer Mittel. Im Rahmen der Nachsorge wird überprüft, ob sich das Medikament als wirkungsvoll erweist und den entzündlichen Prozess eindämmt.

Quetschwunden können mit stärkerem Blutverlust einhergehen. Der Mangel wird bei der nachsorgenden Behandlung ausgeglichen. Ein Druckverband auf dem verletzten Bereich verhindert eine Nachblutung. Die Wunde wird dabei steril gehalten. Nachdem die Verletzung abgeheilt ist, kann der Verband entfernt werden.

Das können Sie selbst tun

Die meisten Quetschwunden sind blaue Flecken, die problemlos von selbst ausheilen. Im Zweifelsfall sollte der Patient aber kein Risiko eingehen, sondern einen Arzt zurate ziehen. Dies gilt insbesondere dann, wenn größere Areale betroffen sind oder die Wunde offen liegt. Möglicherweise besteht die Gefahr innerer Blutungen. Auch ein Knochen im Wundbereich könnte ebenfalls verletzt sein.

Je nach Größe und Art der Verletzung wird sie der Arzt chirurgisch säubern und verschließen. Dies ist wichtig, weil sich in gezackte Wundränder, wie sie bei einer Quetschwunde häufig sind, schnell Bakterien einnisten. Je nach Bakterienart führt dies in seltenen Fällen zum sogenannten Gasbrand, einer Infektion, die tödlich sein kann.

Gerade im Hinblick auf die Infektionsgefahr sollte die Wunde unbedingt steril gehalten und nach Anweisungen des Arztes gepflegt werden. Mehrmals tägliches Kühlen lindert die Schwellungen ebenso wie die Schmerzen. Die Blutgefäße ziehen sich dabei zusammen, sodass weniger Blut in das Gewebe austritt. Eine gute Durchblutung ist für die Heilung dennoch wichtig, damit Keime und Eiter schnell ausgeleitet und gleichzeitig der körpereigene Heilungsprozess eingeleitet werden kann; deshalb wird nur für kurze Zeit und nicht dauerhaft gekühlt. Allerdings sollte sich die Haut während der Kühlung nicht eiskalt anfühlen, sonst drohen Kälteschäden. Je nach Größe der Wunde sollte sich der Patient viel Ruhe gönnen und Geduld zeigen: Es kann bis zu sechs Wochen dauern, bis eine Quetschwunde völlig ausgeheilt ist.

Quellen

  • Weigel, B., Nerlich, M. (Hrsg.): Praxisbuch Unfallchirurgie.
    ISBN: 9783642107887
  • Ruchholtz, S., Wirtz, D.C. (Hrsg.): Orthopädie und Unfallchirurgie essentials.
    ISBN: 9783132456310
  • Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Chirurgie.
    ISBN: 9783132431874
  • Madea, B. (Hrsg.): Rechtsmedizin.
    ISBN: 9783662634349
  • Kretz, F.-J., Schäffer, J., Terboven, T. (Hrsg.): Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie.
    ISBN: 9783662725863

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