Plattfuß

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Der Plattfuß oder Senkfuß ist, neben dem Spreizfuß, eine der häufigsten Fußfehlstellungen. Vor allem das Längsgewölbe des Fußes ist hierbei stark abgeflacht, sodass der Fuß insgesamt fast vollständig beim Gehen auf dem Boden aufliegt. Der Plattfuß kann angeboren sein, entsteht aber weit häufiger erst im Laufe des Lebens.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Plattfuß?

Plattfuss
Schematische Darstellung zur Anatomie, Aufbau des Fußes sowie des Fußabdrucks bei einem Plattfuß. Klicken, um zu vergrößern.

Bei vielen Kindern wirkt der Fuß in den ersten Lebensjahren wie ein Plattfuß. Da der Plattfuß vorwiegend im Kindesalter auffällt, können ein Kinderarzt oder ein orthopädischer Facharzt die Veranlagung dazu bereits frühzeitig erkennen. Andere Betroffene, die unter dieser Fehlstellung einzelner Fußknochen leiden, haben sich diese Abnormalität im Laufe des Lebens zugezogen. Die Begriffe Senkfuß und Plattfuß bezeichnen dabei nicht genau dasselbe: Vom Senkfuß spricht man, wenn das Längsgewölbe abgeflacht ist, vom Plattfuß erst dann, wenn es vollständig aufgehoben ist und die Fußsohle im Stand ganz aufliegt.

Zu unterscheiden sind dabei mehrere ganz verschiedene Formen. Bei Kleinkindern ist das Längsgewölbe noch von einem Fettpolster ausgefüllt und die Bänder sind weich, sodass der Fuß beim Stehen einknickt. Dieser bewegliche kindliche Knick-Senk-Fuß ist bis ins Schulalter eine normale Entwicklungsstufe und wächst sich bei den allermeisten Kindern bis etwa zum zehnten Lebensjahr von selbst aus. Davon abzugrenzen ist zum einen der seltene angeborene, starre Plattfuß, der schon beim Neugeborenen auffällt und behandelt werden muss, zum anderen der erworbene Plattfuß des Erwachsenen, der sich erst im Lauf des Lebens entwickelt.

Der Fuß liegt platt auf dem Boden auf, wenn die Betroffenen stehen. Das Fußgewölbe, welches im Normalfall eine Hohlform aufweist, ist beim Plattfuß nicht oder kaum vorhanden, so dass der Fuß durchgedrückt werden kann und die normale statische Auswölbung vom Ballen des Vorderfußes zur Ferse hin fehlt. Die Beschwerdebilder, die sich beim Plattfuß zeigen, sind ein einhergehender Senkfuß, eine Veränderung des Randes des Fußes in Form einer Schiefstellung und schmerzhafte Erscheinungen, die sich an den Füßen selbst, in den Waden und den weiteren Bewegungselementen bis in den Rückenbereich hinein zeigen.

Ursachen

Ein sogenannter angeborener Plattfuß tritt meist in Verbindung mit anderen Fehlbildungen der knochigen Bereiche auf und kann genetische Ursachen besitzen. Der erworbene Plattfuß hat viele Ursachen, zu denen ein zu hohes Körpergewicht sowie ein ungünstiges Schuhwerk gehören. Die häufigste Einzelursache des erworbenen Plattfußes im Erwachsenenalter ist eine Funktionsstörung der Tibialis-posterior-Sehne an der Innenseite des Sprunggelenks. Diese Sehne hält das Längsgewölbe aktiv aufrecht; verschleißt oder überdehnt sie, sinkt das Gewölbe ein und die Ferse knickt nach außen. Außerdem bestehen Abnormalitäten beim Plattfuß nicht nur in den Knochenveränderungen selbst, sondern auch in einer unzureichenden Stabilität und Leistungsfähigkeit des sogenannten Halteapparates.

Dies betrifft insbesondere ungenügend stark ausgeprägte und beeinträchtigte Sehnen, Muskeln und Bänder, welche ein normales Fußgewölbe nicht aufrecht erhalten können. Daneben tragen eine überwiegend sitzende Haltung, langes Stehen, wenig Bewegung und ein extrem reduziertes Laufen von Kindern ohne Schuh, beispielsweise in Sand, dazu bei, dass ein Plattfuß durch eine Minderbeanspruchung der Halteeinheiten entstehen kann.

Darüber hinaus kommen als Ursachen für einen Plattfuß Erkrankungen wie Rachitis, Poliomyelitis und Krankheiten aus dem neurologischen und rheumatischen Bereich in Frage.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Senkfuss
Wenn das Längsgewölbe des Fußes abgeflacht ist, wird dies als Senkfuß bezeichnet. Klicken, um zu vergrößern.

Die Symptome für einen angeborenen Plattfuß sind bereits kurz nach der Geburt zu erkennen. Der Fuß zeigt eine Fehlstellung, bei der die nach außen gekrümmte Fußsohle sowie die abgeknickte, hochstehende Ferse bereits deutlich ausgeprägt sind. Außerdem ist der Vorderfuß nach außen abgespreizt. Die Kinder lernen dadurch das Gehen verhältnismäßig spät.

Die Bewegung ist eingeschränkt. Mit zunehmendem Alter treten häufig Schmerzen auf. Schmerzen sind in den ersten Lebensjahren dagegen untypisch und stellen sich meist erst später ein. Anders zeigen sich die Symptome bei im Jugendalter auftretenden Plattfüßen. Hier treten in der Regel stärkere Belastungsschmerzen auf. Dadurch entwickeln die betroffenen Jugendlichen eine Schonhaltung und hinken dadurch.

Ohne therapeutische Maßnahmen kann sich eine erhebliche Bewegungseinschränkung mit zunehmenden Schmerzen entwickeln. Bei erwachsenen Personen, bei denen sich ein Plattfuß einstellt, treten Beschwerden nach einer stärkeren Belastung auf. Diese sind in erster Linie bei der Senkung des Fußgewölbes zu verspüren. Beim kompletten Aufliegen der Fußsohle gehen die Schmerzen wieder zurück.

Die Schmerzen treten meistens an der Fußsohle sowie am inneren Fußrand auf. Aufgrund der Fehlstellung können jedoch auch Schmerzen im Bereich der Knie und der Hüfte auftreten. Durch die intensive Belastung bestimmter Fußbereiche können sich insbesondere bei übergewichtigen Menschen Druckstellen und Druckgeschwüre bilden. Diese beeinträchtigen zusätzlich die Bewegungsfähigkeit und verstärken das Schmerzempfinden.

Krankheitsverlauf

Ein Plattfuß entwickelt sich im Falle eines erworbenen Plattfußes aus einzelnen Halteelementen, welche eigentlich für die Stützung, Stabilisierung und Aufrechterhaltung des anatomisch normalen Fußgewölbes zuständig und nur unzureichend entwickelt sind.

Dies führt dazu, dass die Spannung in diesen Segmenten nachlässt und sich das Fußgewölbe im Laufe der Zeit absenkt, wenn diese Partien nicht gekräftigt und beansprucht werden.

Als Folge dessen entsteht eine unzureichende abfedernde Wirkung, sodass alle nachfolgenden und umliegenden Knochen und Gelenke einer stetigen Stauchung unterliegen und sich dies in Schmerzen oder Veränderungen des Fußes darstellt. Diese Erscheinungsform wird als Knick-Senkfuß bezeichnet und kann behandelt werden.

Komplikationen

Ein Plattfuß kann verschiedene Komplikationen hervorrufen. Zunächst geht die Fußfehlstellung mit einer raschen Ermüdung der Füße einher. Häufig kommt es zu Schmerzen und Verschleißerscheinungen an den Knochen und Gelenken. Bleibt die Valgusdeformation unbehandelt, kann es zu dauerhaften Gelenkschäden und Deformationen kommen.

Damit einhergehend treten Schmerzen und Fehlstellungen auf, die ihrerseits mit Komplikationen verbunden sind. Betroffen sind auch die Knie, die Hüfte und die Wirbelsäule, die aufgrund der Fehlstellung der Füße zunehmend überbeansprucht werden. Dies kann Haltungsschäden, eine Überdehnung der Bänder und Sehnen sowie arthritische Veränderungen in den Fußwurzelknochen begünstigen.

Generell steigt mit einem Plattfuß das Risiko für Arthrose. Mögliche Folgeerscheinungen sind Kopfschmerzen und chronische Beschwerden. Langfristig kann eine sogenannte Marschfraktur entstehen, ein Ermüdungsbruch der Mittelfußknochen, oder es entwickeln sich weitere Deformationen wie ein Knick-Senkfuß oder ein Spreizfuß. Bei der Behandlung eines Plattfußes können ebenfalls Komplikationen auftreten.

Ein operativer Eingriff birgt die typischen Risiken und kann Blutungen und Narben hervorrufen. In seltenen Fällen können weitere Fehlstellungen auftreten. Die verordneten Schmerzmittel können Neben- und Wechselwirkungen hervorrufen. Therapeutische Maßnahmen wie beispielsweise Einlagen können die Schweißbildung begünstigen und bei unsachgemäßer Anwendung weitere Beschwerden auslösen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein Plattfuß kann bereits bei der Geburt bestehen oder sich erst im Lauf des Lebens entwickeln. Beim beweglichen Knick-Senk-Fuß des Kindes ist keine Behandlung erforderlich, solange das Kind beschwerdefrei ist. Ärztlich abgeklärt werden sollte der Fuß eines Kindes aber dann, wenn er sich nicht mehr aufrichten lässt, wenn nur eine Seite betroffen ist, wenn Schmerzen auftreten oder wenn sich die Fehlstellung bis ins Schulalter nicht zurückbildet.

Bei Erwachsenen ist der Gang zum Arzt ratsam, sobald der Fuß schmerzt, rasch ermüdet oder sich das Gewölbe erkennbar absenkt. Die meisten Plattfüße lassen sich dann konservativ behandeln, etwa mit Einlagen, Krankengymnastik und angepasstem Schuhwerk; ein operativer Eingriff bleibt schweren und anhaltend schmerzhaften Fällen vorbehalten. Ein Plattfuß kann den gesamten Bewegungsablauf stören, sodass die betroffene Person über starke Schmerzen klagen kann.

Wird stetig auf eine ärztliche Behandlung verzichtet, kann es außerdem zu dauerhaften Folgeschäden kommen. Bleibt ein schmerzhafter Plattfuß unbehandelt, kann sich die Fehlstellung verstärken und mit der Zeit versteifen. Die Folge: Stechende Schmerzen bei bereits kleinsten Bewegungen, sodass ein normaler Bewegungsablauf nicht möglich ist. Mit einer entsprechenden Behandlung lassen sich diese Symptome in vielen Fällen deutlich lindern.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung eines Plattfußes oder Senkfußes ist immer möglich und besteht im Idealfall sowohl aus einer passiven als auch einer aktiven Behandlung. Die aktive Therapie basiert auf regelmäßiger gesunder Beanspruchung der Fußmuskulatur und auf gezielt ausgeführten krankengymnastischen Übungen. Diese tragen zur Stärkung des Halteapparates bei und können sowohl eine Schmerzfreiheit unterstützen als auch eine teilweise Rückbildung des Plattfußes und der einhergehenden Deformitäten gewährleisten.

Bei der passiven Behandlung eines Plattfußes nutzt der Orthopäde die Möglichkeiten, die durch geeignetes Schuhwerk umsetzbar sind, um eine künstliche Stabilisierung des Fußgewölbes zu realisieren. Diese Therapie beinhaltet meist das Tragen orthopädischer Einlagen. Lange Zeit wurden Einlagen auch Kindern mit einem beweglichen Knick-Senk-Fuß routinemäßig verordnet. Heute gelten sie beim beschwerdefreien kindlichen Knick-Senk-Fuß als nicht erforderlich, da sie das Fußgewölbe nicht dauerhaft formen können; verordnet werden sie Kindern nur noch bei Schmerzen oder bei einer ausgeprägten, nicht mehr ausgleichbaren Fehlstellung. Einige Betroffene, die als Folge überstandener Erkrankungen unter einem massiven Plattfuß mit Schmerzen bis in den Rücken hinein leiden, werden durch eine operative Methodik therapiert. Diese wird in der Regel erst ab dem achten Lebensjahr in Erwägung gezogen. Beim seltenen angeborenen, starren Plattfuß beginnt die Behandlung dagegen bereits im Säuglingsalter.

Nachsorge

In der Regel entfällt eine Nachsorge bei einem Plattfuß. Das geht darauf zurück, dass der Plattfuß zwar besteht, aber keine Einschränkung darstellt. Da sich keine Beschwerden abzeichnen, ergibt sich keine Notwendigkeit für planmäßige Untersuchungen. Der Patient stellt sich stattdessen bei akuten Anzeichen vor. Nach einem operativen Eingriff sind dagegen regelmäßige Kontrollen erforderlich, bis der Fuß wieder voll belastbar ist.

Erkrankte können aktiv einen Beitrag leisten, um einem erneuten Plattfuß vorzubeugen oder der Weiterentwicklung einer diagnostizierten Fehlstellung zu begegnen. Sie werden über geeignete Maßnahmen in einem Gespräch unterrichtet. Häufig tragen Patienten Einlagen, um die Belastung im Fuß gleichmäßiger zu verteilen und Beschwerden zu verringern.

Bei schweren Fällen verschreiben Ärzte auch orthopädische Schuhe und eine Krankengymnastik zur Stärkung der Muskulatur. Im Alltag sollten Betroffene auf eine zu große Belastung ihrer Füße verzichten und abwechslungsreiche Bewegungsabläufe bevorzugen. Müssen Personen mit einem Plattfuß dauerhaft orthopädische Hilfsmittel verwenden, benötigen sie regelmäßig neue Verordnungen.

Der Arzt nutzt dann die Möglichkeit, um den Status der Fehlstellung zu erheben. Dafür reicht normalerweise eine Begutachtung aus. In bestimmten Fällen kann auch mit einer Modelliermasse, einer elektronischen Messplatte oder einem Röntgenbild die Situation analysiert werden. Arzt und Patient können je nach Ausprägung der Erkrankung einen individuellen Rhythmus für weitere Vorstellungen vereinbaren.


Das können Sie selbst tun

Um im Alltag besser mit einem Plattfuß zu leben, gibt es Schuheinlegesohlen, die speziell der Fußform angepasst werden. Sie unterstützen das Fußgewölbe und verteilen die Belastung. Je nach Ausmaß der Beschwerden helfen maßgefertigte orthopädische Schuhe noch stärker, den Alltag trotz Plattfuß zu meistern.

Neben diesen käuflichen Mitteln helfen auch einfache Übungen, die sich problemlos im Alltag unterbringen lassen. Wenige Minuten regelmäßigen Trainings genügen, um die Beschwerden zu lindern. Allgemein sind alle krankengymnastischen Übungen hilfreich, die die Unterschenkel- und Fußmuskulatur und den Aufbau des Fußgewölbes stärken. Um mit dem Training besten Effekt zu erzielen, werden die Übungen barfuß durchgeführt. Sobald die Ausführung schmerzhaft wird, muss sie aber unbedingt eingestellt werden. Im Folgenden sind zwei Beispielübungen aufgeführt.

Zehenspitzenstand: Bei dieser Übung stellt sich der Betroffene bei nicht ganz durchgedrückten Knien hüftbreit auf. Dann werden beide Fersen vom Boden abgedrückt, diese Stellung zehn Sekunden gehalten und dann wieder langsam auf den Boden abgerollt. Der Prozess wird drei- bis fünfmal wiederholt. Verschieden feste Untergründe erhöhen den Trainingseffekt.

Tuchgreifer: Hierbei wird ein Tuch, beispielsweise ein Geschirrhandtuch, auf dem Boden ausgebreitet. Im Sitzen oder Stehen klemmt der Patient das Tuch zwischen Zehen und Fußballen ein. Dann wird es fünf Sekunden in der Luft gehalten. Diese Übung wird mit jedem Fuß bis zu zehnmal ausgeführt. Bei konsequentem Training wird nach und nach ein schwereres Tuch verwendet.

Quellen

  • Niethard, F. U., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Duale Reihe Orthopädie und Unfallchirurgie.
    ISBN: 9783132443150
  • Hefti, F.: Kinderorthopädie in der Praxis.
    ISBN: 9783642449949
  • Engelhardt, P., Schuh, R., Wanivenhaus, A. (Hrsg.): Orthopädische Fußchirurgie.
    ISBN: 9783642449925
  • Dohle, J., Rammelt, S. (Hrsg.): Expertise Fuß und Sprunggelenk.
    ISBN: 9783132017719
  • Wirth, C. J., Mutschler, W., Kohn, D., et al. (Hrsg.): Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie.
    ISBN: 9783131406439

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