Syndaktylie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 27. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Menschen mit Syndaktylie weisen eine angeborene Fehlbildung an Händen und Füßen auf. Auffällig sind zusammengewachsene Finger und Zehen. Syndaktylie kann alleine auftreten oder auch in Verbindung mit weiteren Erbkrankheiten.
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Was ist Syndaktylie?
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Bei der Syndaktylie kommt es in der embryonalen Entwicklungsphase zu einer Fehlbildung der Hände oder Füße. Die Trennung der Zehen und Finger, die zwischen der 5. und 7. Entwicklungswoche des Embryos stattfindet, ist gestört.
Die Syndaktylie gehört zu den häufigsten Handfehlbildungen, denn die einfache Syndaktylie betrifft etwa eines von 3000 Neugeborenen. Der Begriff stammt aus dem Griechischen: „Syn“ bedeutet zusammen und „daktylos“ Finger, die demzufolge zusammengewachsen sind. Im Extremfall gilt dies für alle Finger einer Hand. Die dritte Zwischenfingerfalte ist am häufigsten an der Hand und die zweite Zwischenzehenfalte an den Füßen betroffen.
Einzelne Zehen- und Fingerglieder teilen sich also nicht vollständig. Die Syndaktylie kommt relativ häufig vor. Aufgrund der Erkrankung ist die Beweglichkeit der Finger eingeschränkt. Sind alle Finger betroffen, ist die normale Greiffunktion nicht möglich. Dies wird als so genannte Löffelhand bezeichnet. Bei dieser Fehlbildung handelt es sich nur selten um den Teil eines übergreifenden genetischen Syndroms wie des Apert-Syndroms. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle tritt die Syndaktylie isoliert und ohne weitere Fehlbildungen auf.
Unter den Fehlbildungen der Hand ist sie die am häufigsten verbreitete. Unterschieden wird die Syndaktylie nach dem Grad der betroffenen Glieder: So kann es als kutane Syndaktylie zu einer Verbindung nur der Haut zwischen den betroffenen Gliedern kommen. Bei der ossären Syndaktylie verschmelzen hingegen Teile der Knochen. Die Trennung ist in den meisten Fällen der Syndaktylie möglich und wird nach Möglichkeit vor Beendigung des 3. Lebensjahres durchgeführt. Sind benachbarte Finger sehr unterschiedlich lang, etwa Daumen und Zeigefinger oder Ring- und Kleinfinger, wird deutlich früher operiert, häufig schon im ersten Lebensjahr. Andernfalls zieht der kürzere Finger den längeren beim Wachsen in eine Schiefstellung, die sich später nur noch schwer korrigieren lässt.
Ursachen
Die Ursache der Syndaktylie liegt im genetischen Bereich. Die Betroffenen verfügen über ein dominantes Gen, das diese Erbkrankheit verursacht. Bei einem Teil der Betroffenen lassen sich weitere Fälle in der Familie nachweisen; bei den übrigen entsteht die Veränderung neu, ohne dass Eltern oder Geschwister betroffen sind.
Durch den Defekt trennen sich die Gliedabschnitte nicht in der dafür vorgesehenen Entwicklungsphase des Embryos. Syndaktylie tritt nicht nur als Einzelerkrankung auf. Sie kann auch als Begleitsymptom anderer genetisch bedingter Erkrankungen auftreten. Allen ist gemeinsam, dass sie Einfluss auf die normale Entwicklung des Embryos haben.
Syndaktylien werden nur zu einem sehr geringen Anteil in der späteren Lebenszeit entwickelt. In diesen Fällen sind es exogene Syndaktylien. Zumeist gehen sie auf eine Verletzung oder ein Unfallgeschehen zurück, in dessen Folge die Abheilung der Haut oder der Knochen nicht medizinisch korrekt versorgt wurde oder versorgt werden konnte.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Die Syndaktylie macht sich in erster Linie durch die Fehlbildungen an den Händen und Füßen bemerkbar. Bei den betroffenen Personen sind die Finger und Zehen zusammengewachsen, woraus Probleme beim Bewegen und Greifen resultieren. Je nach Ausmaß der Erkrankung können selbst einfache Bewegungen nicht mehr durchgeführt werden.
Langfristig führt die Syndaktylie zu erheblichen Einschränkungen im Alltag. Bei der ossären Form bestehen zudem von Geburt an knöcherne Verbindungen zwischen den Fingern und Zehen, die äußerlich spürbar sind und die Gelenke in ihrer Bewegungsfähigkeit einschränken. Bei der sogenannten Akrosyndaktylie sind dagegen nur die Endabschnitte der Finger oder Zehen miteinander verwachsen, während die Glieder darunter frei bleiben.
Kennzeichnend sind für sie fensterartige Öffnungen in der Hautbrücke, die sich entzünden können; die verbundenen Finger sind dabei häufig unterschiedlich lang. Die Akrosyndaktylie ist meist nicht erblich, sondern entsteht durch Schnürringe der Eihaut während der Schwangerschaft. Syndaktylie und Akrosyndaktylie wirken sich an den Zehen meist nur ästhetisch aus, beeinträchtigen an den Fingern jedoch auch das Greifen, wobei sich im weiteren Verlauf der Erkrankung zusätzliche Bewegungseinschränkungen entwickeln können. Vor allem bei einer schweren Erkrankung besteht das Risiko, dass sich als Folge der zusammengewachsenen Glieder ernste Komplikationen ergeben.
Bei fehlender Behandlung verschlechtern sich Feinmotorik und Tastsinn zunehmend. Die betroffenen Kinder leiden oft auch seelisch unter den ästhetischen Auffälligkeiten. Dann können sich soziale Ängste oder sogar depressive Verstimmungen entwickeln. Eine frühzeitige Operation kann die Beschwerden bei einer rein häutigen Syndaktylie weitgehend beseitigen.
Diagnose & Verlauf
Die Syndaktylie ist nach der Geburt bereits durch die Sichtuntersuchung feststellbar. Durch bildgebende Verfahren wird in der Folge bestimmt, welche Form der Syndaktylie vorliegt. Auf diese Weise lassen sich bei der ossären Syndaktylie die verbindenden Knochenbrücken genauer bestimmen.
Zumeist ist schon pränatal die Syndaktylie bei den Vorsorgeuntersuchungen der Schwangeren zu erkennen. Dadurch können sich die Kindeseltern und die behandelnden Ärzte schon frühzeitig auf die Syndaktylie einstellen. Im Bereich der Zehenglieder handelt es sich in den meisten Fällen um ein ästhetisches Problem, das die Entwicklung des Kindes in der Regel nicht beeinträchtigt.
Anders stellt sich der Verlauf bei einer Syndaktylie an den Fingergliedern dar. Kinder benötigen die Fähigkeit zu greifen, um sich altersgerecht entwickeln zu können. Die unbehandelte Syndaktylie an den Händen kann zu Entwicklungsstörungen führen.
Komplikationen
Bei einer Syndaktylie rufen in erster Linie die zusammengewachsenen Finger und Zehen Komplikationen hervor. Je nachdem wie schwer die Fehlbildung ausfällt, gelingt es den betroffenen Kindern ohne fremde Hilfe nicht, die alltäglichen Aufgaben zu bewältigen. Dies kann dazu führen, dass die Betroffenen sich wesentlich langsamer als Gleichaltrige entwickeln und erst spät im Leben wirklich selbstständig werden.
Wird dem Kind nicht geholfen, kann dies zu Entwicklungsstörungen führen, da Feinmotorik und Tastsinn nicht ausreichend gefördert werden. Oft leiden die Betroffenen auch unter den kosmetischen Auffälligkeiten, die mit einer Syndaktylie verbunden sind und ziehen sich bereits früh aus dem sozialen Leben zurück. Auch Hänseleien und Mobbing sind nicht auszuschließen. Eine operative Behandlung der Fehlbildung kann immer Komplikationen hervorrufen.
So kommt es im Rahmen von chirurgischen Eingriffen gelegentlich zu Nervenverletzungen, Infektionen und Blutungen. Nach einem Eingriff können Wundheilungsstörungen und Nachblutungen auftreten. Aufgrund der Narbenbildung ist die ästhetische Beeinträchtigung unter Umständen noch auffälliger als zuvor. Zuletzt bergen auch die verordneten Medikamente ein gewisses Risiko. Gerade bei Kindern kann eine Fehldosierung oder eine unerkannte Vorerkrankung schnell zu unerwarteten Neben- oder Wechselwirkungen führen.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Die Syndaktylie wird im Normalfall bereits bei der Erstuntersuchung des Neugeborenen erkannt, häufig sogar schon bei den Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft. Eltern müssen in dieser Situation nicht selbst aktiv werden, weil die Geburtshelfer die Auffälligkeit melden und die weitere Abklärung einleiten.
Von sich aus sollten Eltern einen Kinderarzt oder eine handchirurgische Sprechstunde aufsuchen, wenn nach der Geburt keine Vorstellung erfolgt ist oder wenn ihnen die Verwachsung erst später auffällt. Denn die Trennung zusammengewachsener Finger ist an ein Zeitfenster gebunden: Sie wird in den meisten Fällen vor Ende des dritten Lebensjahres durchgeführt, bei benachbarten Fingern sehr unterschiedlicher Länge schon deutlich früher. Wird bei ungleich langen Nachbarfingern zu spät operiert, wächst der längere Finger schief und es können bleibende Gelenkfehlstellungen entstehen.
Ein Arzttermin ist außerdem angezeigt, wenn ein Kind die betroffene Hand auffällig wenig einsetzt, beim Greifen hinter Gleichaltrigen zurückbleibt oder wenn die Haut zwischen den verbundenen Fingern gerötet, wund oder nässend ist. Auch wenn ein Kind unter den Blicken anderer sichtbar leidet, sich zurückzieht oder in der Schule gehänselt wird, ist ärztlicher Rat sinnvoll.
Nach einer Trennungsoperation gilt eine eigene Regel: Werden die operierten Finger blass, bläulich oder schwarz, fühlen sie sich kalt an oder wird das Kind an der Hand gefühllos, ist das kein Fall für den nächsten Sprechstundentermin. Eine Durchblutungsstörung muss innerhalb weniger Stunden behandelt werden, weil das Gewebe sonst dauerhaft geschädigt wird. In diesem Fall wird unverzüglich die operierende Klinik verständigt; ist sie nicht sofort erreichbar oder geht es dem Kind schlecht, wird über den Notruf 112 der Rettungsdienst alarmiert. Ein sichtbar einschnürender Verband sollte dabei nach Rücksprache gelockert werden.
Behandlung & Therapie
Die Behandlung der Syndaktylie besteht in operativen Eingriffen, um die zusammengewachsenen Glieder zu trennen. Dies betrifft hauptsächlich die Fingerglieder, da die Trennung dort über eine ästhetische Korrektur hinaus geht.
Die Operation erfolgt bereits sehr früh. Ist die Syndaktylie nur kutan wie eine Schwimmhaut ausgeprägt, ist eine Operation sehr unproblematisch. Schwieriger ist es, wenn die Verschmelzung der Knochen so stark ausgeprägt ist, dass sich zwei Glieder mit gleicher Knochenanlage nicht bestimmen lassen. Bei der Trennungsoperation muss ebenso berücksichtigt werden, dass die Veränderungen meist ebenso die Nerven und Gefäße (Arterien und Venen) betreffen.
Daher ist eine sorgsame Trennung erforderlich. Bei einer Syndaktylie der Zehenglieder wird häufig auf eine Behandlung verzichtet und die Entscheidung dem Betroffenen selbst überlassen. Viele Menschen mit Syndaktylie der Zehenglieder verzichten ganz darauf, diese chirurgisch beheben zu lassen. Sie empfinden die zusammengewachsenen Glieder nicht als störend.
Je nach Grad der Syndaktylie ist von einer Operation auch abzuraten, da die ästhetische Beeinträchtigung durch die Narbenbildung noch auffälliger sein kann als die zuvor bestehende Deformation.
Vorbeugung
Eine Vorbeugung gegen die Syndaktylie ist nicht möglich. Es ist eine genetisch bedingte Deformation, die bereits beim Embryo angelegt ist. Auch bei pränataler Diagnose besteht allerdings für die Kindeseltern kein Grund zu erhöhter Sorge, wenn weitere Erkrankungen ausgeschlossen wurden. Die Syndaktylie an den Füßen ist meist eine rein optische Beeinträchtigung. An den Fingergliedern ist die operative Behandlung der Syndaktylie auch im Säuglingsalter gut durchführbar.
Nachsorge
Wichtig ist die Nachbehandlung, wenn die zusammengewachsenen Finger oder Zehen durch einen operativen Eingriff voneinander getrennt wurden. Im Vordergrund steht dabei die Verbandtechnik. Fällt der Verband zu klein aus, besteht das Risiko, dass er von einem Kind in der Nacht ungewollt abgestreift wird. Daher sollten die Verbände nach einer Syndaktylie-Operation groß genug sein, was einen gewissen Aufwand erfordert.
Wurden bei der Syndaktylie-Operation die Zehen voneinander getrennt, trägt der Patient für einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen einen Spezialschuh. Die Nachsorge kann ein niedergelassener Arzt übernehmen, der schon ausreichend Erfahrung mit dieser Art von Eingriffen gesammelt hat. In den meisten Fällen übernimmt jedoch das Krankenhaus die Nachbehandlung aufgrund des hohen Aufwands beim Wechseln der Verbände. In der Regel wird der Verband nach einer Syndaktylie-Operation rund zwei Wochen lang getragen. Anschließend findet das Ziehen der Fäden statt.
Zur Behandlung der Schmerzen erhält der Patient in den ersten ein bis zwei Tagen ein Analgetikum. Meist handelt es sich dabei um Paracetamol-Zäpfchen. Um gegen die Narben, die sich durch den chirurgischen Eingriff bilden, vorzugehen, werden spezielle Narbengele verabreicht. Sie helfen dabei, die Narben möglichst unauffällig zu halten. Nach einem Eingriff zum Trennen der Zehen kann der Einsatz von Gehstützen sinnvoll sein, was letztlich vom behandelnden Arzt entschieden wird.
Das können Sie selbst tun
Die Syndaktylie ist eine angeborene Erkrankung, die lediglich symptomatisch behandelt werden kann. Die betroffenen Personen benötigen die Unterstützung eines Facharztes und darüber hinaus auch im Alltag Hilfe.
Sollten mehrere Finger zusammengewachsen sein, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Allerdings bleiben bei komplexen, knöchernen Formen die Bewegungseinschränkungen oftmals dauerhaft bestehen. Die wichtigste Maßnahme besteht darin, regelmäßig Bewegungsübungen auszuführen. Sollten nach dem Eingriff Durchblutungsstörungen auftreten, erkennbar an blassen, bläulichen oder kalten Fingerspitzen, muss innerhalb weniger Stunden ein Arzt aufgesucht werden; ein Abwarten bis zum nächsten Tag kann das Gewebe unwiederbringlich schädigen. Wenn die Bewegungsübungen keine Besserung bringen, wird am besten noch einmal mit dem Arzt gesprochen. Manchmal ist die Störung derart stark ausgeprägt, dass eine Besserung der Bewegungsfähigkeit nicht mehr erreicht werden kann. Dann müssen unterstützende Hilfsmittel eingesetzt werden, um die Einschränkungen zu kompensieren.
Eine Operation wird meist noch vor dem dritten Lebensjahr des Kindes durchgeführt. Die Eltern müssen fortan sorgfältig auf die Hand- und Fingerbewegungen des Kindes achten und diese gegebenenfalls ausgleichen. Vor allem bei nicht gleich langen Fingern kann durch eine frühzeitige ärztliche Behandlung eine Gelenkdeformation vermieden werden. Voraussetzung ist, dass das Kind auch nach dem Eingriff medizinisch unterstützt wird. Die Aufgabe der Eltern ist es, den Krankheitsverlauf und die Einnahme etwaiger verordneter Schmerzmittel zu überwachen.
Quellen
- Sauerbier, M., Eisenschenk, A., Krimmer, H., Langer, M. F. (Hrsg.): Die Handchirurgie.
ISBN: 9783437236365
- Niethard, F. U., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie.
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- Speer, C. P., Gahr, M., Dötsch, J. (Hrsg.): Pädiatrie.
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- Wülker, N. (Hrsg.): Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie.
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