Terlusollogie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 5. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Lehre der Terlusollogie ist eine Typenlehre des Violinisten Wilk und der Ärzte Hagena, die von zwei Atem- und Konstitutionstypen ausgeht. Mit typgerechter Bewegung, Atmung und Ernährung sollen Anwender ihre persönliche Konstitution verbessern können. Bislang sind die Zusammenhänge der Terlusollogie wissenschaftlich nicht erwiesen.
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Was ist die Terlusollogie?
Die Terlusollogie ist ein Konzept der Alternativmedizin. Es geht auf die Typenlehre des Violinisten Erich Wilk aus dem 20. Jahrhundert zurück. Die deutschen Ärzte Charlotte und Christian Hagena entwickelten auf Basis dieser Lehre eine Atemtyplehre, die vorwiegend in Deutschland, Österreich und der Schweiz verbreitet ist.
Das Konzept wird auch Atemtypenlehre nach Wilk oder solar/lunar-Konzept genannt. Das Wort „Terlusollogie“ ist eine registrierte Marke und entspricht einem Kunstwort, das sich aus den lateinischen Wörtern terra, luna und sol sowie dem griechischen Wort λόγος zusammensetzt. Damit ist die Terlusollogie eine Lehre von den Wechselbeziehungen der Erde, der Sonne und des Mondes. Auf Basis dieser wechselseitigen Beziehungen entwickelte Wilk verschiedene Atemtypen, die nach dieser Lehre die Konstitution des Menschen beeinflussen sollen.
Der Ausgangspunkt der Lehre lag nicht in der Medizin, sondern im Musikunterricht. Wilk beobachtete nach eigener Darstellung, dass dieselbe Anweisung zu Haltung und Atmung bei den einen Schülern half und bei den anderen das Gegenteil bewirkte, und schloss daraus auf zwei grundverschiedene Veranlagungen. Diesen Befund verband er mit Vorstellungen über den Einfluss von Sonne und Mond und ordnete die beiden Veranlagungen den Begriffen solar und lunar zu. Charlotte und Christian Hagena griffen die Einteilung später auf und formten sie zu einem Konstitutionsmodell aus, das über die Atmung hinaus Haltung, Bewegung, Ernährung und Lebensrhythmus umfasst. Aus dieser doppelten Herkunft erklärt sich, dass die Terlusollogie zugleich in der Musikpädagogik und im Gesundheitsbereich auftritt.
Einzuordnen ist sie unter den Konstitutionslehren, also unter den Versuchen, Menschen anhand weniger Grundtypen zu beschreiben und daraus Aussagen über Verhalten, Belastbarkeit und Krankheitsneigung abzuleiten. Solche Einteilungen kennen viele Traditionen, etwa die traditionelle chinesische Medizin oder der Ayurveda. Die Besonderheit der Terlusollogie liegt darin, dass sie den Typ nicht aus dem gegenwärtigen Körperbau ableitet, sondern aus dem Zeitpunkt der Geburt. Die wissenschaftliche Medizin arbeitet nicht mit solchen Typen. Sie beschreibt Menschen anhand einzelner messbarer Größen wie Lungenfunktion, Körperzusammensetzung oder Belastbarkeit, die sich im Lauf des Lebens verändern.
Wie der Typ bestimmt wird, beschreibt die Lehre in zwei Schritten. Rechnerisch wird zunächst aus dem Geburtsdatum und, soweit bekannt, der Geburtsstunde abgelesen, ob zum Zeitpunkt der ersten eigenen Atemzüge der lunare oder der solare Anteil überwog; dafür gibt es Tabellen und inzwischen auch Rechner im Netz. In einem zweiten Schritt soll der so ermittelte Typ am Menschen selbst bestätigt werden, indem Anwender Körperhaltung, Gang, Handhaltung, Sprechweise und die Reaktion auf bestimmte Bewegungen beobachten. Weichen Rechnung und Beobachtung voneinander ab, hat nach Darstellung der Lehre die Beobachtung Vorrang. Ein Prüfverfahren, das unabhängige Beobachter zu übereinstimmenden Zuordnungen führen würde, ist damit nicht gegeben.
Von der Astrologie grenzen Vertreter der Lehre sie ausdrücklich ab: Sie arbeite weder mit Sternzeichen noch mit Planetenstellungen, sondern allein mit der Mondphase und dem Stand im Sonnenjahr, und sie sage nichts über künftige Ereignisse voraus. Der gemeinsame Zug bleibt gleichwohl bestehen, dass aus dem Zeitpunkt der Geburt auf dauerhafte Eigenschaften eines Menschen geschlossen wird.
Der Begriff Atemtyp wird auch außerhalb der Terlusollogie verwendet, dort aber in anderer Bedeutung. In Atemtherapie und Logopädie meint er die beobachtbare Frage, ob jemand überwiegend in den Brustkorb oder in den Bauch atmet und ob die Atmung flach oder tief, ruhig oder unregelmäßig verläuft. Das sind veränderliche Muster, die sich durch Übung, Haltung, Anspannung und Erkrankungen verschieben. Mit den beiden angeborenen Typen der Terlusollogie hat diese Verwendung des Wortes nichts zu tun; die Verwechslung beider Bedeutungen ist eine häufige Quelle von Missverständnissen.
Verbreitet wird die Lehre über Bücher, Seminare und Ausbildungen privater Institute und einzelner Lehrer. Ein geschützter Berufsabschluss ist damit nicht verbunden, eine staatlich geregelte Ausbildung gibt es nicht, und die Terlusollogie zählt weder zu den ärztlichen Weiterbildungen noch zu den Heilmitteln, die von der gesetzlichen Krankenversicherung getragen werden. Wer eine Beratung oder einen Kurs in Anspruch nimmt, trägt die Kosten selbst.
In der Ausbildung der Gesundheitsberufe ist die Lehre nicht verankert. In den Ausbildungsordnungen für Physiotherapie, Logopädie und Pflege kommt sie nicht vor, und die Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften nennen sie nicht. Einzelne Angehörige dieser Berufe arbeiten dennoch mit ihr; das beruht dann auf einer privat erworbenen Zusatzausbildung und nicht auf dem Berufsbild. Für den Ratsuchenden ist das ein wichtiger Unterschied: Eine Therapeutin, die eine terlusollogische Zusatzausbildung anbietet, tut das neben ihrer eigentlichen Qualifikation, nicht als deren Bestandteil, und rechnet die Leistung gesondert ab.
Funktion, Wirkung & Ziele
Physikalisch lässt sich die Größenordnung dieser Anziehungskräfte angeben. Die Gezeitenkräfte von Sonne und Mond wirken auf die Wassermassen der Ozeane, weil sich dort über Tausende von Kilometern hinweg winzige Kraftunterschiede aufsummieren. Auf einen einzelnen Körper von der Größe eines Menschen bezogen ist dieser Unterschied verschwindend gering; er wird von der Anziehung naher Gegenstände in der Umgebung übertroffen. Aus der Existenz der Gezeiten folgt deshalb kein Einfluss auf die Atmung. Auch für die Mondphase selbst ließ sich bislang kein gesicherter Einfluss auf Schlaf, Geburtenzahl oder Krankheitsverläufe nachweisen, obwohl gerade dazu wiederholt große Datenbestände ausgewertet wurden.
Auf der Basis der solaren und lunaren Einflüsse entwickelte Wilk zwei unterschiedliche Atemtypen, die C. und C. Hagena als Grundlage zweier Konstitutionstypen dienen. Der lunare Einatemtyp wird in Wilks Lehre vom solaren Ausatemtyp unterschieden. Der Tag der Geburt soll darüber entscheiden, zu welchem Atemtyp ein Mensch zu rechnen ist. Bei der ersten selbstständigen Atmung überwiegt entweder der lunare oder der solare Typ. Dieser Zusammenhang prägt den Menschen aus Sicht der Terlusollogie ein Leben lang. Für den lunaren Anteil bestimmt die Terlusollogie Werte zwischen einem Prozent bei Neumond und 100 Prozent bei Vollmond. Der solare Anteil liegt der Lehre nach zwischen einem Prozent am 21. Dezember und 100 Prozent am 21. Juni. Winter- und Sommeranfang prägen damit neben den Mondphasen das Grundkonzept.
Die beiden Atemtypen unterscheiden sich vor allem in der Art der Atmung. Sie nutzen den Brust- und Bauchraum unterschiedlich für die Atmung und betonen auch die Atemphasen der Ein- und Ausatmung in unterschiedlichem Maß. Als kausale Folge der unterschiedlichen Atmungsarten sollen sich zwei verschiedene Konstitutionstypen entwickeln. Sie unterscheiden sich in erster Linie hinsichtlich ihrer Körperhaltung, aber auch durch ihre Art der Bewegung und Ernährung. Eine dauerhafte Abweichung von den atemtypischen Merkmalen soll die Leistungsfähigkeit der Typen vermindern und zu einer gesundheitlichen Beeinträchtigung führen. Die Terlusollogie ist ein ganzheitlicher Ansatz, der sich auf alle Lebensbereiche bezieht.
Genauer beschreibt die Lehre den lunaren Typ als Einatemtyp: Bei ihm liege die Betonung auf dem Einatmen, das aktiv geschehe, während das Ausatmen von selbst folge; die Atembewegung setze eher in der oberen Brust an, die Haltung sei aufgerichtet, die Bewegungen seien ausholender. Der solare Typ gilt ihr als Ausatemtyp, bei dem die Ausatmung betont werde, die Atembewegung tiefer im Bauchraum liege und Haltung wie Bewegung gesammelter wirkten. Atemphysiologisch trifft diese Zweiteilung nicht zu: Das Einatmen ist bei jedem Menschen der aktive, von Zwerchfell und Zwischenrippenmuskeln getriebene Vorgang, während das ruhige Ausatmen überwiegend passiv durch die Rückstellkräfte von Lunge und Brustkorb erfolgt. Wie tief und in welchen Abschnitten jemand atmet, hängt von Körperbau, Trainingszustand, Haltung und Belastung ab und ist veränderlich.
Das Ziel der Lehre ist die Ermittlung des eigenen Atemtyps und die Ausrichtung danach. Für den lunaren Typ hält die Lehre einen sportlichen Hintergrund für förderlich. Lunare Typen bleiben in Bewegung und werden vor allem abends munter. Sie stehen selten ruhig und ihre Körperhaltung wirkt diffus. Herausforderungen und harte Wege liegen ihnen. Der dazu gegensätzliche, solare Typ strahlt Ruhe aus und ist ein statischer Typ. Er ist ein Morgenmensch und geht früh zu Bett. Er liebt das Mittelmeerklima und die dortige Küche. Neben diesen Unterschieden herrschen zwischen den beiden Typen vor allem aus gesundheitlicher Sicht Unterschiede.
Solare müssen sich der Lehre nach um ihren Flüssigkeitshaushalt zum Beispiel keine Sorgen machen, sind in bewegungsarmen Tätigkeiten am besten aufgehoben und profitieren von klimatischen Extremen. Lunare brauchen der Lehre nach im Winter keinen Schal. Sie sollen sich vor Nikotin hüten, während Nikotin für Solare weniger schädlich sein soll. Mit Alkoholika verhält es sich gegenteilig. Für eine solche typabhängige Verträglichkeit gibt es keinen Beleg; Tabakrauch und Alkohol schädigen die Gesundheit unabhängig von Konstitutionsmerkmalen. Sowohl im Bereich der Ernährung als auch in allen anderen Bereichen des Lebens soll ein typgerechtes Verhalten die Konstitution verbessern. Das Kernstück der terlusollogischen Praxis ist die Arbeit mit den Wechselwirkungen zwischen Atmung, Haltung und Bewegung. Eine Serie von zwölf Körperübungen pro Atemtyp bildet die Grundlage und regt die Atemhilfsmuskulatur an.
Eine terlusollogische Beratung beginnt in der Regel mit der Bestimmung des Atemtyps und einem Gespräch über Beschwerden, Beruf und Gewohnheiten. Daran schließen sich die Körperübungen an, die dem jeweiligen Typ zugeordnet sind, sowie Hinweise zu Haltung, Bewegungsablauf, Schlaf, Kleidung und Ernährung. Die Übungen selbst sind einfache Dehn-, Aufricht- und Atembewegungen, wie sie ähnlich auch in der Gymnastik, der Atemtherapie und der Physiotherapie vorkommen. Dass Haltung und Atmung einander beeinflussen, ist unbestritten und der Grund, weshalb Atem- und Haltungsübungen zum anerkannten Bestand der Physiotherapie gehören. Was die Terlusollogie darüber hinaus behauptet, ist die Bindung dieser Übungen an zwei angeborene, vom Geburtstag bestimmte Typen. Genau diese Bindung ist der Teil der Lehre, für den ein Nachweis fehlt.
Ein zweites Anwendungsfeld ist die Stimm- und Instrumentalpädagogik. Dort wird aus dem Atemtyp abgeleitet, wie ein Sänger seinen Atem führen, wie ein Bläser ansetzen oder welche Musik einem Spieler liegen soll. Ob ein Unterricht, der sich an solchen Vorgaben ausrichtet, zu besseren Ergebnissen führt als einer, der sich am einzelnen Schüler orientiert, ist nicht untersucht.
Auch zur Ernährung macht die Lehre typbezogene Angaben, etwa wenn sie dem solaren Typ die mediterrane Küche zuordnet. Ernährungswissenschaftlich lässt sich daraus nichts ableiten: Welche Kost jemandem bekommt, hängt von Verträglichkeiten, Vorerkrankungen, Gewohnheiten und dem Energiebedarf ab, nicht vom Geburtsdatum. Eine typgerechte Ernährung im Sinne der Terlusollogie tritt deshalb nicht an die Stelle einer ernährungsmedizinischen Beratung, wenn Übergewicht, eine Unverträglichkeit oder eine chronische Erkrankung im Spiel ist.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Auch in asiatischen Techniken ist die Terlusollogie vertreten. Der wissenschaftliche Hintergrund der Lehre ist bislang allerdings dünn. Wissenschaftliche Publikationen zur Terlusollogie gibt es im Grunde gar nicht. Die Entwickler berufen sich weitestgehend auf eigene Anwendungserfahrungen. Der Sänger, Trainer und Sprecher Frederik Beyer befragte für seine Diplomarbeit etwa 500 Probanden zu den Annahmen der Terlusollogie. Die von ihm untersuchten Annahmen beurteilte er nach der Befragung als schlichtweg falsch. Diese Ergebnisse ließen ihn die Lehre als Pseudowissenschaft bezeichnen.
Obgleich die angeblich positiven Effekte der Terlusollogie also nicht als erwiesen gelten können, findet die Lehre von vielen Fachbereichen noch immer Zuspruch. Zumindest negative Folgen oder Risiken scheinen mit der typgerechten Atmung, Bewegung und Ernährung im Rahmen der Terlusollogie nicht in Zusammenhang zu stehen. Nichtsdestotrotz nennen gerade wissenschaftliche Autoren die Typenlehre heute häufig eine esoterische Spinnerei, der es an jeglichen Beweisen fehlt. Vor allem die moderne Medizin schreckt deshalb vor der Anwendung im großen Rahmen zurück.
Die Übungen selbst sind körperlich wenig belastend, und von ihnen geht kein erkennbarer Schaden aus. Bedeutsamer ist ein anderer Punkt: Beschwerden, die eine ärztliche Abklärung verlangen, können als Ausdruck einer nicht typgerechten Lebensführung gedeutet und dadurch später untersucht werden, als es gut wäre. Atemnot, anhaltender Husten, Brustschmerzen oder eine nachlassende Belastbarkeit müssen ärztlich abgeklärt werden, unabhängig davon, welchem Atemtyp sich jemand zurechnet.
Ein Merkmal der Lehre erschwert ihre Überprüfung zusätzlich. Weicht ein Mensch von der Beschreibung seines Typs ab, wird das innerhalb der Lehre nicht als Gegenbeispiel gewertet, sondern als Folge einer nicht typgerechten Lebensführung erklärt. Damit lässt sich jede Beobachtung in das Modell einfügen, und es gibt keinen denkbaren Befund, der einer Zuordnung widerspräche. Eine Aussage, die durch nichts widerlegt werden kann, lässt sich auch durch nichts bestätigen; auf diesen Punkt zielt der Vorwurf, es handle sich um eine Pseudowissenschaft.
Für den Leser bleibt damit eine einfache Unterscheidung. Beschreibungen von Haltung, Atmung und Bewegung lassen sich am eigenen Körper nachvollziehen und richten in aller Regel keinen Schaden an. Aussagen dagegen, die vom Geburtstag auf die Verträglichkeit von Genussmitteln, auf das passende Klima oder auf die richtige Ernährung schließen, gehen über das hinaus, was die Lehre zeigen kann.
Quellen
- Rutte, R., Sturm, S.: Atemtherapie.
ISBN: 9783662669617
- Brüne, L.: Reflektorische Atemtherapie.
ISBN: 9783948277369
- Kraft, K., Stange, R. (Hrsg.): Lehrbuch Naturheilverfahren.
ISBN: 9783830453338
- Melchart, D., Brenke, R. (Hrsg.): Naturheilverfahren.
ISBN: 9783794526154
- Schmiedel, V., Matejka, R. (Hrsg.): Leitfaden Naturheilkunde.
ISBN: 9783437056390
