Epilepsie eine der häufigsten Nervenkrankheiten

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 18. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Epilepsie ist eine der häufigsten Nervenkrankheiten: eine chronische Erkrankung des Gehirns, bei der es wiederholt und ohne äußeren Anlass zu epileptischen Anfällen kommt. Dieser Ratgeber schildert die Entstehung der Anfälle, die Behandlung und das Leben mit der Erkrankung; die medizinischen Grundlagen sind im Hauptartikel Epilepsie beschrieben.

Bereits vor fast viertausend Jahren wurde über die Epilepsie geschrieben. Die ersten Berichte über sie finden wir im Babylonischen Gesetzbuch Hammurabis, das ungefähr 1900 Jahre vor unserer Zeitrechnung entstanden ist. Da man sich die Ursachen der Epilepsie damals nicht erklären konnte, nahm man an, der Kranke sei von einem bösen Geist besessen. Die große Mehrzahl der heutigen Menschen glaubt zwar nicht mehr an Geister und Dämonen, und doch hat sich bis in unsere Tage bei vielen eine fragwürdige Einstellung zu denen, die an dieser Krankheit leiden, erhalten. Deshalb und weil die Epilepsie eine der häufigsten Nervenkrankheiten ist, scheint es angebracht, auch einmal über diese Krankheit zu schreiben.

Inhaltsverzeichnis

Symptome & Anzeichen

Epilepsie
Infogramm zu den EEG-Veränderungen bei einem epileptischen Anfall. Bild anklicken, um zu vergrößern.

Seit einigen Jahren beobachten wir, dass die Anzahl der an Epilepsie leidenden Patienten ständig zunimmt. Diese Tatsache hat ganz reale Gründe, die unter anderem in Unfällen sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern zu suchen sind. Unglücksfälle sind nämlich häufig mit Kopfverletzungen verbunden. Wird dabei auch das Gehirn betroffen, dann ist eine ursächliche Bedingung für das spätere Auftreten von epileptischen Anfällen gegeben. Nach heutigem Kenntnisstand ist der Anstieg allerdings vor allem darauf zurückzuführen, dass die Bevölkerung älter wird – Schlaganfälle, Hirnblutungen und Demenzerkrankungen sind die häufigsten Auslöser neu auftretender Epilepsien im höheren Lebensalter – und dass die Erkrankung heute zuverlässiger erkannt wird.

Der epileptische Anfall, das wichtigste Symptom dieser Krankheit, geht häufig von einem bestimmten Punkt im Gehirn aus. Wir nennen ihn den epileptischen Herd (Fokus). Es dürfte auch für einen Laien nicht schwer sein, sich einen solchen Herd vorzustellen. Jeder weiß, dass nach einer tiefen Verletzung der Haut eine Narbe entsteht. Manchmal, besonders nach Verbrennungen höheren Grades, sind solche Narben strahlenförmig zusammengezogen. Dabei treten im Narbenzentrum oft Verdickungen auf, die besonders bei Wetterumschwung Schmerzen verursachen. Bei den generalisierten Epilepsien lässt sich dagegen kein einzelner Herd finden; hier ist die Erregbarkeit des gesamten Gehirns erhöht, meist aufgrund einer erblichen Veranlagung.

Ursachen & Gründe

Wenn man bedenkt, dass nach der Verletzung oberflächlicher Gebiete des Gehirns und der Hirnhäute auch solche Narben entstehen können, dann wird verständlich, dass sie einen dauerhaften Störfaktor darstellen, der die Hirnoberfläche reizt. Dabei geht es nicht nur um eine mechanische Reizung, sondern auch um Zirkulationsstörungen und Veränderungen des Gehirnstoffwechsels.

Von dieser Stelle aus wird unter bestimmten Umständen der Anfall ausgelöst. Daher der Ausdruck „Fokus“, der also durch eine Kopfverletzung während eines Unfalls zustande kommt, sehr oft aber auch Folge einer komplizierten Geburt ist, bei der das Köpfchen des Kindes zusammengedrückt wurde oder das Kind unter Sauerstoffmangel gelitten hat. Dank der heutigen Geburtshilfe sind Geburtskomplikationen als Ursache allerdings deutlich seltener geworden als noch vor einigen Jahrzehnten. Ein aktiver epileptischer Herd kann sich auf andere, ursprünglich nicht betroffene Gebiete des Hirns gewissermaßen ausbreiten.

Doch kommt es vor, dass der Organismus den Umfang dieses Herdes aus eigenen Kräften einengt und somit allmählich beseitigt, wie ja auch einige Zeit nach einer Hautverletzung der Narbenschmerz verschwinden kann. Jedem wird nun verständlich sein, dass es in einzelnen Fällen auch möglich ist, den Fokus operativ zu entfernen und damit den Anfallsleidenden von seiner Krankheit zu heilen. Aber auch da, wo eine Operation keinen endgültigen Erfolg verspricht, können wir helfen. Bei der Mehrzahl aller Epilepsiekranken kann mit Hilfe entsprechender Medikamente die Anfallsbereitschaft, also die Aktivität des epileptischen Herdes, bekämpft werden. Doch davon später.

Der Elektroenzephalographie (EEG) verdanken wir es, dass wir heute bedeutend mehr über das Entstehen eines Anfalls wissen als früher. In einem völlig gesunden Gehirn hat jede Zelle eine bestimmte Funktion. Sie nimmt Nervensignale auf, verarbeitet sie und gibt sie an andere Zellgruppen weiter. Diese geregelte Funktionsweise der Hirnzellen kann aber unter krankhaften Bedingungen gestört werden. Die Zellen fallen in eine synchronisierte, rhythmisch pulsierende Tätigkeit, welche alle anderen Funktionsmechanismen der betroffenen Zellen ausschließt. Daraus resultieren die Krämpfe des Betreffenden und seine Bewusstlosigkeit.

Diese krankhaften Störungen der Hirntätigkeit können mit Hilfe des Elektroenzephalographen auch auf der Kopfoberfläche als rhythmische, elektrische Entladungen registriert werden, während die normale Tätigkeit der Hirnzellen im Wachzustand durch das Hirnstrombild (EEG) als unregelmäßig gezackte Linie wiedergegeben wird. Deshalb ist das EEG eine so wichtige Methode in der Diagnostik der Anfallskrankheiten. Es ermöglicht uns sehr oft, Störungen im Gehirn auch dann nachzuweisen, wenn der Patient noch keine Anfälle hat. Das gibt dem Arzt die Möglichkeit, vorbeugend einzugreifen und das Auftreten von Anfällen zu verhindern. Nach heutigem Kenntnisstand wird eine medikamentöse Behandlung allerdings erst begonnen, wenn tatsächlich Anfälle aufgetreten sind; ein auffälliges EEG allein rechtfertigt sie nicht.

Gruppen & Typen

An dieser Stelle sei erwähnt, dass wir die wichtigsten epileptischen Anfälle in drei Gruppen einteilen: in den großen Krampfanfall, den kleinen und psychomotorischen Anfall. Bei dem ersten verliert der Kranke das Bewusstsein, fällt oft zu Boden (daher der volkstümliche Ausdruck Fallsucht, der heute als überholt gilt und nicht mehr verwendet wird) und bekommt Muskelkrämpfe, die sich sehr unterschiedlich äußern. Dieser Anfall dauert gewöhnlich nur einige Minuten und endet meist komplikationslos. Der kleine Anfall besteht nur in einem kurzen Verlust des Bewusstseins.

Der Kranke reagiert einige Sekunden nicht auf seine Umgebung, Fragen usw. und starrt vor sich hin. Hierbei gibt es keine Krämpfe. Bei dem sogenannten psychomotorischen Anfall (Psyche = Seele, motorisch = bewegend), der mehrere Minuten andauern kann, verliert der Betreffende ebenfalls das Bewusstsein, führt aber unbewusst automatisch verschiedene Bewegungen aus, die manchmal ziemlich kompliziert sind und verhältnismäßig koordiniert sein können - er geht hin und her, spricht unzusammenhängend usw. Diese alte Einteilung ist heute durch die Unterscheidung zwischen fokalen (herdförmigen) und generalisierten Anfällen ersetzt worden: Der große Krampfanfall entspricht dem generalisierten tonisch-klonischen Anfall, der kleine Anfall der Absence, der psychomotorische Anfall dem fokalen Anfall mit gestörtem Bewusstsein.

Die gestörte Tätigkeit der Hirnzellen kann durch sehr verschiedene Situationen hervorgerufen werden. Sehr häufig zum Beispiel kommen die Anfälle im Schlaf vor, wo die Hirnzellen durch keine von der Außenwelt induzierte Tätigkeit "gestört" werden und deswegen leichter in die automatische sogenannte Wellenrhythmik verfallen. (Hier sei zum Verständnis folgendes hinzugefügt: Der Wachzustand des menschlichen und tierischen Organismus wird durch Erregungsimpulse ausgelöst und aufrechterhalten, die dem Großhirn über die Nervenbahn aus der Umwelt oder dem Innern des Organismus mit Hilfe der sogenannten Sinnesorgane oder innerer Rezeptoren zugeleitet werden.)

Die Neigung der Nervenzellen zur rhythmischen Tätigkeit hängt vom Stoffwechsel ab und ist deshalb auch durch stoffwechselwirksame Mittel beeinflussbar. Daraus wird verständlich, dass die zweite Ursache für die Epilepsie neben den oben erläuterten Bedingungen die erhöhte Anfallsbereitschaft ist, die durch die besondere Stoffwechselsituation im Hirn zustande kommt.

Medikamente gegen Epileptische Anfälle

Der wichtigste Weg in der Behandlung der Epilepsie ist immer die Bekämpfung der erhöhten Anfallsbereitschaft. Das aber kann nur erreicht werden, wenn der Patient für längere Zeit, oft über Jahre regelmäßig antiepileptische Medikamente einnimmt. Fachlich heißen diese Mittel heute meist Anfallssuppressiva. Bei richtiger Dosierung und regelmäßigen ärztlichen Kontrollen sind sie gut verträglich. Nebenwirkungen sind dennoch möglich, weshalb Blutbild, Leberwerte und der Medikamentenspiegel im Blut überwacht werden. Frauen im gebärfähigen Alter sollten Valproat wegen der Gefahr schwerer Fehlbildungen und Entwicklungsstörungen des Kindes möglichst nicht einnehmen.

Eines jedoch ist wichtig: Die Dosis darf nie von heute auf morgen wesentlich herabgesetzt werden, und auch mit der Einnahme des Medikaments darf man nicht abrupt aufhören. Beides hat immer einen steilen Anstieg der Anfallsbereitschaft zur Folge. Der Abbruch der medikamentösen Behandlung kann sogar einen gefährlichen Anfall hervorrufen. Auch soll der Patient niemals ohne Verordnung des Arztes ein Medikament durch ein anderes ersetzen. Die Wirksamkeit der einzelnen Mittel ist meist sehr unterschiedlich, sodass der Wechsel von einem Medikament zum anderen einer Herabsetzung oder Steigerung der Dosis gleichkommt.

Lange Zeit wurde Epilepsiekranken eine gemischte, salzarme Kost empfohlen, die wenige Kohlenhydrate, aber viel Eiweiß enthält – also reichlich Fleisch, täglich Milch und Milchprodukte (Käse). Begründet wurde das damit, dass gerade Milchprodukte die Aminosäure Methionin enthalten, die den Stoffwechsel in den Hirnzellen zugunsten ihrer normalen Tätigkeit beeinflussen sollte. Ein Nutzen dieser Ernährungsweise ließ sich jedoch nie belegen. Heute wird stattdessen bei Kindern und Jugendlichen mit therapieresistenter Epilepsie die ketogene Diät eingesetzt: sehr fettreich, mit kaum Kohlenhydraten und nur mäßigem Eiweißanteil. Sie muss ärztlich begleitet werden. Auch die früher übliche Empfehlung, nicht zu viel zu trinken, gilt nicht mehr; eine Einschränkung der Trinkmenge ist nicht erforderlich.

Aussicht & Prognose

Die Prognosen von Epilepsien sind individuell so unterschiedlich wie ihre Ursachen. Patienten, die nur einen einzigen epileptischen Anfall erleiden, verbleiben im Weiteren oft frei von Beschwerden oder Folgeschäden. Treten innerhalb von 3-4 Jahren keine weiteren Anfälle auf und sind im EEG keine Auffälligkeiten mehr feststellbar, wird der Patient als geheilt angesehen.

Liegt beim Patienten eine Grunderkrankung vor, welche die Epilepsie auslöst, ist die Prognose abhängig von der zugrundeliegenden Erkrankung. Kann die Krankheit geheilt werden, verschwinden in der Regel auch die Anfälle. Ist die Epilepsie bzw. die ihr zugrundeliegende Erkrankung nicht heilbar, führt eine medikamentöse Therapie meist zu einer Reduktion der Beschwerden. Insgesamt werden rund zwei Drittel der Behandelten dauerhaft anfallsfrei. In besonders schweren Fällen der Epilepsie kann durch eine Therapie in 50-80 % der Fälle eine deutliche Verbesserung der Beschwerden innerhalb eines Jahres erreicht werden.

Eine statistisch verkürzte Lebenserwartung tritt nur bei schweren Formen der Epilepsie auf, bei denen den Anfällen eine Schädigung des Gehirns zugrunde liegt. Lässt sich keine klare Ursache für die Anfälle finden, ist die Lebenserwartung hingegen kaum eingeschränkt. Unabhängig davon besteht bei jeder Epilepsie ein geringes Risiko für einen plötzlichen unerwarteten Tod (SUDEP); es ist umso kleiner, je besser die Anfälle medikamentös kontrolliert sind.

Epilepsie vorbeugen

Epilepsie Ursachen und Symptome Teil 2
Der wichtigste Weg in der Behandlung der Epilepsie ist immer die Bekämpfung der erhöhten Anfallsbereitschaft.

Vorsicht ist vor allem beim Alkohol geboten. Bereits ein Glas Bier ruft manchmal einen starken Anfall hervor. Nach heutigem Kenntnisstand sind kleine Mengen für viele Betroffene allerdings unbedenklich; gefährlich sind vor allem größere Mengen, der Entzug danach und der damit meist verbundene Schlafmangel. Außerdem sollten die Betreffenden keinen Konflikten in der Familie oder auf der Arbeitsstelle ausgesetzt sein. Sie müssen ein ruhiges, gleichmäßiges Leben führen, das frei von Situationen ist, die Ärger, Verdruss, Erregung und Stress mit sich bringen. Die Arbeit hingegen - gleich ob körperlicher oder geistiger Art - schadet nicht, im Gegenteil, sie wirkt sich vorteilhaft aus, denn es scheint, als verhindere die Konzentration auf einen bestimmten Gegenstand, auf eine Arbeit das Entstehen von Anfällen.

Das ist verständlich, wenn man bedenkt, dass mit der Erfüllung einer tief im Bewusstsein verankerten Pflicht eine Fülle von äußeren und inneren Impulsen die Hirnrinde erreicht und in den Nervenzellen eine koordinierte Erregungstätigkeit auslöst. Die Gefahr der Verletzung des Kranken bei einem während der Arbeit vorgekommenen Anfall soll nicht unterschätzt, aber auch nicht überschätzt werden. Auch zu Hause kann er bei einem Anfall von der Treppe fallen oder sich anderswie verletzen. Diese Fälle sind jedoch relativ selten. Selbstverständlich darf ein Epilepsiekranker nie dort arbeiten, wo sein eigenes Leben oder das anderer bedroht ist, falls er einen Anfall erleidet.

Ein Kraftfahrzeug darf er erst wieder führen, wenn er über einen festgelegten Zeitraum – in der Regel mindestens zwölf Monate – anfallsfrei geblieben ist; darüber entscheidet der behandelnde Arzt. Schwimmen sollte er nie allein, und Duschen ist dem Baden vorzuziehen. Auch darf man ihn nicht für die Bedienung von Kränen, von Maschinen im Bergbau und Geräten beziehungsweise Apparaturen, die unter Hochspannung stehen, einsetzen. Es soll jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass dies manchmal von den lokalen Bedingungen der Firma abhängt. Die Einsicht des Kranken in solche Notwendigkeiten ist die eine, die Hilfe der Gesellschaft für den Anfallgefährdeten, ihm die Erlernung eines anderen Berufs zu ermöglichen, die andere Seite dieser Problematik. In diesem Zusammenhang sei erwähnt: Ein Mensch, der an epileptischen Anfällen leidet, sollte von seiner Umgebung nicht immer als Kranker angesehen werden. In der Zeit zwischen den Anfällen ist er gesund.

Auch hat die Epilepsie in der Mehrzahl der Fälle keinen Einfluss auf die geistige Leistungsfähigkeit des Betreffenden. Viele Genies und große Denker litten an dieser Krankheit und haben uns dennoch einige der schönsten Werke der Weltliteratur geschenkt. Überhaupt spielt die Umgebung eine sehr wichtige Rolle für die wirksame Behandlung der Epilepsie, deren Erfolg in keinem Fall nur von den Ärzten abhängt. Der Arzt stellt die Diagnose fest, bestimmt und kontrolliert die medikamentöse Therapie. Einmal im Monat, manchmal nur einmal im Jahr, spricht er für eine viertel oder halbe Stunde mit dem Patienten. Doch in der langen Zeit dazwischen lebt und arbeitet dieser mit einer kleineren oder größeren Anzahl von Menschen zusammen.


Verhalten gegenüber Epilepsiekranker

Deshalb hat sowohl die Einstellung der Gesellschaft dem Patienten gegenüber als auch die Einstellung des Patienten der Gesellschaft gegenüber einen großen Einfluss auf seinen Gesundheitszustand. Das wird jedoch nicht immer von den Gesunden bedacht. Viele von ihnen verhalten sich solchen Menschen gegenüber, die an Anfällen leiden, sehr negativ. Sie fürchten sich vor den Betreffenden, meiden sie oder begegnen ihnen sogar mit Abscheu. Der Epilepsiekranke reagiert nach einiger Zeit meist feindselig und misstrauisch auf seine Umgebung, was sich natürlich sehr ungünstig auf den Verlauf seiner Krankheit auswirkt.

Dagegen kann das freundliche, verständnisvolle und ruhige Benehmen der Mitarbeiter und Freunde sehr viel zur Besserung des Gesundheitszustandes und zur Heilung seiner Krankheit beitragen.

Kommen wir zur letzten und wichtigsten Frage, die so oft von den Patienten oder ihren Familienmitgliedern gestellt wird. Ist diese Krankheit heilbar? Nach statistischen Untersuchungsergebnissen kann heute bei richtiger Anwendung der üblichen Heilmethoden bei ungefähr zwei Dritteln aller Epilepsiekranken dauerhafte Anfallsfreiheit erreicht und der Gesundheitszustand des restlichen Drittels bedeutend verbessert werden, sodass die Anfälle nur noch sehr selten auftreten. Das sind natürlich nur Durchschnittszahlen. Wird der Patient von Anfang an fachgerecht behandelt, sind die Aussichten am besten.

Die Medizin ist also in ihrem Kampf gegen die Epilepsie gar nicht wehrlos. Die Behandlungsmethoden werden ständig vervollkommnet. In den letzten 20 bis 30 Jahren haben sich unsere Heilerfolge vervielfacht, und es ist kein übertriebener Optimismus, wenn wir annehmen, dass diese positive Entwicklung auch in den folgenden Jahren fortschreiten und sich die Hilfe für Epilepsiekranke weiter verbessern wird.

Nachsorge

Epilepsie ist eine der häufigsten Nervenkrankheiten. Die Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS) tritt in unterschiedlichen Formen und Schweregraden auf. Diese definieren den Behandlungsansatz und die Nachsorgemöglichkeiten.

Bei etwa zwei Dritteln der Patienten beschränkt sich die Nachsorge dank der guten Behandlungserfolge auf regelmäßige ärztliche Kontrollen der Medikamentendosierung und des EEG. Bei anderen Epileptikern hingegen können die Anfälle aber so gravierend sein, dass eine Nachsorge notwendig ist. Diese erfolgt manchmal in einem spezialisierten Nachsorge-Zentrum, in anderen Fällen im Klinikkontext. Ziel ist es, die Lebensqualität der Epileptiker zu verbessern. Das ist im Fall schwerer Epilepsien allerdings schwierig.

Manche Kinder mit bestimmten Epilepsieformen haben so viele Anfälle, dass ihre geistige Entwicklung dauerhaft beeinträchtigt wird. Prekär ist die Nachsorge bei pharmako-resistenten Epilepsien und chronischen Epilepsien. Hier bietet ein epilepsiechirurgischer Eingriff oft eine Lösung. Er gilt heute als etabliertes Verfahren und wird geprüft, sobald zwei geeignete Medikamente nicht ausreichend gewirkt haben. Weitere Möglichkeiten sind die Vagusnervstimulation und die ketogene Diät. Bei einzelnen schweren Epilepsieformen des Kindesalters – etwa dem Dravet-Syndrom und dem Lennox-Gastaut-Syndrom – ist zusätzlich das Cannabis-Präparat Cannabidiol zugelassen.

Bei selten auftretenden Epilepsien wie der FIRES-Epilepsie können nur wenige Spezialisten wie der Kieler Neurologe Dr. Andreas van Baalen die Nachsorge übernehmen. Der Zustand der von FIRES betroffenen Kinder kann sich mit streng überwachter ketogener Diät bessern. Er lässt sich aber nicht heilen. Viele der im Schulalter erkrankten Kinder behalten anschließend schwere Behinderungen zurück. Die Nachsorge wird durch Reha-Maßnahmen und gesundheitsverbessernde Maßnahmen wie Krankengymnastik unterstützt.

Das können Sie selbst tun

Viele Menschen mit Epilepsie zögern, wenn es darum geht ihren Mitmenschen von der Krankheit zu erzählen. Sie haben die Befürchtung vom Arbeitgeber abgelehnt zu werden oder vom Bekanntenkreis ausgegrenzt leben zu müssen. Das soziale Umfeld über die Epilepsie aufzuklären kann bei Betroffenen die Angst vor dem nächsten Anfall verringern. Die Gewissheit, von Menschen umgeben zu sein, die wissen, was im Falle einer epileptischen Krise zu tun ist, wirkt sich beruhigend auf Epileptiker aus. Das Krankheitsbild und die Häufigkeit der Anfälle verändern sich dabei nicht.

Zur Aufklärung gehören auch die Regeln für den Notfall: Wer einen Anfall miterlebt, räumt gefährliche Gegenstände beiseite, polstert den Kopf und sieht auf die Uhr. Der Krampfende darf nicht festgehalten werden, und es darf ihm nichts in den Mund geschoben werden – weder Löffel noch Beißkeil noch Finger; die verbreitete Vorstellung, man könne die Zunge verschlucken, ist ein Mythos. Nach dem Anfall wird der Betroffene in die stabile Seitenlage gebracht. Der Notruf 112 ist beim ersten Anfall zu wählen, ebenso wenn ein Anfall länger als fünf Minuten dauert, wenn sich Anfälle ohne zwischenzeitliche Erholung aneinanderreihen, bei Verletzungen und wenn der Betroffene nicht wieder zu sich kommt.

Äußere Umstände, wie Schlafmangel und Stress, können das Risiko eines Krampfanfalls erhöhen. Deswegen empfehlen Spezialisten den Menschen mit Epilepsie genügend Ruhephasen in den Alltag zu integrieren. Außerdem wird regelmäßige Bewegung für mehr Ausgeglichenheit und einen gesünderen Schlaf angeraten.

Bei der lichtempfindlichen Epilepsie ist es möglich, die Risikofaktoren, die einen Anfall hervorrufen, zu vermindern. Nur etwa drei bis fünf Prozent aller Menschen mit Epilepsie sind lichtempfindlich; bei ihnen werden Anfälle durch visuelle Reize ausgelöst. Diese können reduziert werden, wenn die Betroffenen Videospiele, wechselnde Lichteffekte, Fernsehen und Computerbildschirme vermeiden. Für alle übrigen Betroffenen ist die pauschale Warnung vor Flackerlicht dagegen unbegründet.

Quellen

  • Masuhr, K. F., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie.
    ISBN: 9783132410961
  • Berlit, P.: Klinische Neurologie.
    ISBN: 9783662606742
  • Brandt, T., Diener, H.-C., Gerloff, C., et al. (Hrsg.): Therapie und Verlauf neurologischer Erkrankungen.
    ISBN: 9783170399679
  • Schmitt, F. C. (Hrsg.): Epileptische Anfälle und Epilepsien im Erwachsenenalter.
    ISBN: 9783662591970
  • Diener, H.-C., Fink, G. R. (Hrsg.): Therapie-Handbuch Neurologie.
    ISBN: 9783437210044

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