Kontrastmittel

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 6. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Um spezielle medizinische Untersuchungsverfahren sinnvoll und für die Betroffenen so effizient wie möglich umsetzen zu können, werden verschiedene Hilfsmittel benötigt. Zu diesen chemischen Substanzen gehören insbesondere die sogenannten Kontrastmittel.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Kontrastmittel?

Kontrastmittel
Angewendet werden Kontrastmittel in der Ultraschall- und Röntgendiagnostik sowie bei der Magnetresonanztomografie.

Kontrastmittel sind Stoffe, die nicht unmittelbar zur Therapie von Erkrankungen und zur Behebung der auftretenden Symptome angewendet werden. Der vorrangige Zweck von Kontrastmitteln besteht darin, die Erkennung von Erkrankungen und Abnormitäten an Organen zu unterstützen.

Der Einsatz der Kontrastmittel beschränkt sich in der Medizin hauptsächlich auf die als bildgebende Verfahren bezeichneten medizintechnischen Methoden. Angewendet werden die Kontrastmittel in der Ultraschall- und Röntgendiagnostik sowie bei der Magnetresonanztomografie. Diese Techniken werden wegen des bestehenden Bedarfs an Kontrastmitteln auch als Kontrastmitteldarstellungen bezeichnet.

Diverse Kontrastmittel müssen ganz spezifische Eigenschaften aufweisen und sollen keinerlei Wirkung auf den Organismus ausüben. Die meisten Kontrastmittel werden vom Körper wieder ausgeschieden; bei gadoliniumhaltigen Mitteln können jedoch Bestandteile im Gewebe zurückbleiben.

Geschichte & Entwicklung

Die Entdeckung und Entwicklung von Kontrastmitteln begann Ende des 19. Jahrhunderts, als die medizinische Bildgebung revolutioniert wurde. 1895 entdeckte Wilhelm Conrad Röntgen die Röntgenstrahlen, was die Grundlage für die radiologische Diagnostik legte. Schon bald wurde erkannt, dass Kontrastmittel erforderlich sind, um weiche Gewebe und Strukturen besser sichtbar zu machen, da diese auf Röntgenbildern wenig Kontrast bieten.

Das erste Kontrastmittel wurde 1896 von Walter Cannon entwickelt, der Bismutsubnitrat zur Darstellung des Magen-Darm-Traktes verwendete. 1923 wurde das erste iodhaltige Kontrastmittel für intravenöse Urogramme eingeführt, das auf Natriumiodid beruhte. Die besser verträglichen organischen Iodverbindungen entwickelte wenig später Moses Swick. Diese iodhaltigen Mittel verbesserten die Bildqualität erheblich und wurden in den folgenden Jahrzehnten weiterentwickelt.

In den 1970er Jahren wurde ein signifikanter Fortschritt mit der Einführung von nicht-ionischen iodhaltigen Kontrastmitteln erzielt, die besser verträglich und weniger toxisch waren. Gleichzeitig begann die Entwicklung von paramagnetischen Kontrastmitteln für die Magnetresonanztomographie (MRT), wobei Gadolinium-Verbindungen in den 1980er Jahren den Markt erreichten.

Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Kontrastmittel hat zu einer Verbesserung der diagnostischen Genauigkeit und Sicherheit geführt. Moderne Kontrastmittel sind hochspezialisiert und auf unterschiedliche Bildgebungsverfahren und medizinische Fragestellungen abgestimmt. Sie sind ein unverzichtbarer Bestandteil der modernen medizinischen Diagnostik und Therapieplanung.

Anwendung, Wirkung & Gebrauch

Neben der Röntgendiagnostik und der Sonografie wird auch die Magnetresonanztomografie häufig mit Kontrastmitteln durchgeführt. Durch Kontrastmittel ist es möglich, einzelne morphologische Strukturen besser optisch darstellen zu können.

Bei den Röntgenkontrastmitteln werden die physikalischen Gesetze der Strahlenabsorption ausgenutzt. In diesem Zusammenhang geht es darum, über ganz besondere chemische Partikel im Kontrastmittel bestimmte anatomische Strukturen zu verdunkeln. Über die Entstehung von Schatten ist eine gezielte Modifizierung von Informationen möglich, die vom Untersuchungsgerät ausgesendet werden. Dies ist die Grundlage für die Erhöhung der Bildqualität der diagnostischen Kontrastmitteldarstellungen.

Die einzelnen Röntgenkontrastmittel weisen eine unterschiedliche Strahlenabsorption auf. Außerdem sind die Kontrastmittel in Bezug auf deren Zusammensetzung unterschiedlich beschaffen. Sie weichen durch ihr molekulares Gewicht, ihre Osmolarität und Viskosität voneinander ab. Das machen sich die medizintechnischen Verfahren zunutze und arbeiten mit verschiedenen Kontrastmitteln, um eine bestmögliche Güte der Darstellungen zu erzielen.

Kontrastmittel für das MRT beruhen nicht auf einem Dichteunterschied. Sie enthalten magnetische Metallionen, die die Relaxationszeiten des Gewebewassers verkürzen und dadurch das Bildsignal verändern.

Verwendete Substanzen

Nicht alle eingesetzten Kontrastmittel basieren auf ein und demselben Prinzip. Kontrastmittel in der Radiologie weisen entweder eine hohe oder eine geringe Dichte auf und werden als röntgenpositive oder röntgennegative Stoffe bezeichnet.

Für den Patienten oder die Patientin stellen sich die Kontrastmittel als Flüssigkeiten dar, die entweder über den Mund oder über eine Injektion in den Organismus eingebracht werden. Im medizinischen Fachbereich werden jedoch zahlreiche Kontrastmittel verabreicht, die sich in deren chemischer und physikalischer Struktur voneinander unterscheiden.

In der Röntgendiagnostik werden Kontrastmittel in Form von Suspensionen aus Bariumsulfat verabreicht. Darüber hinaus beinhalten viele Kontrastmittel für Röntgenaufnahmen Iod.

Im Bereich der Untersuchungen mittels Ultraschall werden wiederum ganz andere Kontrastmittel bevorzugt. In medizinischen Fachkreisen sind diese Kontrastmittel als sogenannte Echokontrastverstärker bekannt. Die Kontrastmittel beinhalten meist Bläschen aus Luft oder einem gut verträglichen Gas und ähneln meist einem Schaum. Die Bläschen werfen den Ultraschall besonders stark zurück, wodurch mit diesen Kontrastmitteln eine bessere Ultraschalluntersuchung realisiert werden kann.

Bei der Magnetresonanztomografie haben sich mittlerweile die extra- und intrazellulären Kontrastmittel bewährt. Die letztgenannte Gruppe der Kontrastmittel wird recht selten ausgewählt. In diese Klasse der Kontrastmittel gehören die als superparamagnetische Eisenteilchen bezeichneten Partikel.

Außerdem werden Substanzen verabreicht, die eine chemische Verbindung mit Mangan eingehen. Extrazelluläre Kontrastmittel sind typische Darstellungshilfen beim MRT. Diese Kontrastmittel bewegen sich im Gegensatz zu den intrazellulären (intra = innen) Kontrastmitteln außerhalb der Organzellen. Diese Kontrastmittel enthalten Gadolinium-Ionen und beschleunigen die Magnetisierung des Wassers in den Geweben.


Risiken & Nebenwirkungen

Im Allgemeinen sind moderne Kontrastmittel gut verträglich, gesundheitliche Folgeerscheinungen sind jedoch nicht ausgeschlossen. In der Regel werden die Kontrastmittel unbemerkt auf normalem Weg ausgeschieden und verursachen keine Beschwerden. Einige Menschen können eine Allergie oder eine Unverträglichkeit gegen Kontrastmittel aufbauen. Als weitere Nebenwirkungen bei oral zu verabreichenden Kontrastmitteln können leichter Durchfall oder Übelkeit auftreten. Dies liegt jedoch meist an der großen Flüssigkeitsmenge, in welcher das Kontrastmittel gelöst ist. Iodhaltige Kontrastmittel können außerdem bei einer bestehenden Schilddrüsenüberfunktion oder einer Schilddrüsenautonomie die Überfunktion verstärken und eine thyreotoxische Krise auslösen. Lange Zeit galt zudem, dass Kontrastmittel den Körper vollständig wieder verlassen. Nach heutigem Kenntnisstand können sich Bestandteile gadoliniumhaltiger Mittel im Gehirn und in anderen Geweben ablagern; die Europäische Arzneimittel-Agentur setzte deshalb 2017 vorsorglich die Zulassung mehrerer sogenannter linearer Gadolinium-Präparate aus, auch wenn Schäden durch diese Ablagerungen bislang nicht nachgewiesen sind.

Anwendung & Sicherheit

Kontrastmittel werden in der medizinischen Bildgebung verwendet, um Strukturen und Organe besser sichtbar zu machen. Sie werden in verschiedenen bildgebenden Verfahren wie Röntgen, Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT) und Ultraschall eingesetzt. Kontrastmittel können intravenös, oral oder rektal verabreicht werden, abhängig von der zu untersuchenden Körperregion. Iodhaltige Kontrastmittel sind häufig für Röntgen und CT im Einsatz, während Gadolinium-basierte Kontrastmittel in der MRT eingesetzt werden.

Die Sicherheit von Kontrastmitteln ist ein wichtiges Thema. Moderne Kontrastmittel sind in der Regel gut verträglich, es können jedoch Nebenwirkungen auftreten, die von milden Reaktionen wie Übelkeit und Kopfschmerzen bis hin zu schweren allergischen Reaktionen reichen können. Besonders bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen ist Vorsicht geboten, da iodhaltige Kontrastmittel nephrotoxisch wirken können. Gadolinium-basierte Kontrastmittel können bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz eine seltene, aber ernsthafte Erkrankung namens nephrogene systemische Fibrose verursachen.

Die Qualitätskontrolle bei der Herstellung von Kontrastmitteln ist streng reguliert, um Sicherheit und Wirksamkeit zu gewährleisten. Hersteller müssen umfassende klinische Studien durchführen und regulatorische Anforderungen erfüllen, bevor ein Kontrastmittel zugelassen wird. Die Produktion erfolgt unter sterilen Bedingungen, und jede Charge wird auf Reinheit, Konzentration und Sterilität geprüft. Internationale Normen und Richtlinien, wie die der FDA und der EMA, stellen sicher, dass Kontrastmittel hohen Qualitätsstandards entsprechen und kontinuierlich überwacht werden.

Alternativen

Neben den iod- und gadoliniumhaltigen Kontrastmitteln gibt es alternative Medikamente und Methoden zur Verbesserung der diagnostischen Bildgebung, insbesondere für Patienten, die diese Mittel nicht vertragen oder bei denen deren Einsatz riskant ist. Eine wichtige Alternative sind Ultraschall-Kontrastmittel, die aus Mikrobläschen bestehen und bei der Sonographie eingesetzt werden, um Blutfluss und Gewebestrukturen besser sichtbar zu machen. Diese sind weniger invasiv und haben ein geringeres allergisches Potenzial.

Optische Bildgebungsverfahren wie die Fluoreszenzbildgebung nutzen fluoreszierende Farbstoffe, die an bestimmte Gewebe binden und bei Bestrahlung mit Licht sichtbar werden. Diese Methode ist vor allem in der präklinischen Forschung und bei bestimmten chirurgischen Anwendungen von Bedeutung.

Ein weiteres alternatives Verfahren ist die Positronen-Emissions-Tomographie (PET), oft in Kombination mit der Computertomographie (PET/CT). Hierbei werden radioaktive Tracer verwendet, die Stoffwechselprozesse im Körper sichtbar machen. Diese Methode ist besonders nützlich in der Onkologie zur Erkennung und Überwachung von Tumoren.

Im Vergleich zu herkömmlichen Kontrastmitteln bieten diese alternativen Methoden spezifische Vorteile. Ultraschall-Kontrastmittel sind beispielsweise sicherer bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion. Die Fluoreszenzbildgebung kann hochspezifische molekulare Informationen liefern, während die PET/CT eine hervorragende funktionelle und anatomische Bildgebung kombiniert.

Allerdings haben sie auch Einschränkungen: Ultraschall hat eine begrenzte Tiefenpenetration, Fluoreszenzfarbstoffe können teuer und in ihrer Anwendung komplex sein, und PET/CT erfordert den Umgang mit radioaktiven Substanzen. Jede dieser Methoden ergänzt die diagnostischen Möglichkeiten und bietet in bestimmten klinischen Szenarien entscheidende Vorteile.

Forschung & Zukunft

Aktuelle Trends in der Forschung zu Kontrastmitteln konzentrieren sich auf die Entwicklung sicherer, effektiverer und spezifischerer Substanzen. Ein bedeutender Trend ist die Erforschung nanopartikelbasierter Kontrastmittel, die aufgrund ihrer geringen Größe und ihrer Fähigkeit, gezielt bestimmte Gewebe oder Zelltypen anzusteuern, vielversprechend sind. Diese Nanopartikel können mit verschiedenen bildgebenden Modalitäten wie MRT, CT und Ultraschall verwendet werden und bieten verbesserte Kontrasteigenschaften sowie die Möglichkeit der gezielten Abgabe von Medikamenten.

Ein weiterer wichtiger Forschungsbereich ist die Entwicklung von multimodalen Kontrastmitteln, die mehrere Bildgebungsverfahren kombinieren. Diese Kontrastmittel können beispielsweise sowohl für die MRT als auch für die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) verwendet werden, was eine detailliertere und umfassendere Diagnostik ermöglicht.

Biokompatible und abbaubare Kontrastmittel gewinnen ebenfalls an Bedeutung. Diese neuen Substanzen zielen darauf ab, die Sicherheit für Patienten zu erhöhen, indem sie das Risiko von Langzeitkomplikationen und toxischen Effekten verringern. Besonders interessant sind hierbei Kontrastmittel auf Basis natürlicher Polymere und Proteine, die vom Körper leicht abgebaut und ausgeschieden werden können.

In der klinischen Anwendung gibt es zudem Fortschritte bei theranostischen Kontrastmitteln, die sowohl diagnostische als auch therapeutische Funktionen erfüllen. Diese Mittel können beispielsweise zur Bildgebung und gleichzeitig zur gezielten Abgabe von Krebstherapeutika genutzt werden, was eine präzise und personalisierte Behandlung ermöglicht.

Diese Entwicklungen zeigen, dass die Forschung im Bereich der Kontrastmittel kontinuierlich voranschreitet, um die Bildgebungsqualität zu verbessern und gleichzeitig die Sicherheit und Effektivität der diagnostischen und therapeutischen Anwendungen zu erhöhen.

Rechtliche Einordnung

Kontrastmittel heilen nichts und lindern nichts – rechtlich sind sie dennoch Arzneimittel. Das Arzneimittelgesetz definiert als Arzneimittel nicht nur Stoffe, die Krankheiten heilen, lindern oder verhüten sollen, sondern auch solche, die einem Menschen verabreicht werden können, um eine medizinische Diagnose zu erstellen. Genau dieser zweite Fall trifft auf Kontrastmittel zu. Aus der Einordnung folgt der gesamte Apparat des Arzneimittelrechts: Ein Fertigarzneimittel darf erst in den Verkehr gebracht werden, wenn es die zuständige Bundesoberbehörde zugelassen oder die Europäische Union eine Genehmigung erteilt hat, und der Hersteller muss dafür Qualität, Unbedenklichkeit und Wirksamkeit belegen. „Wirksamkeit“ bedeutet hier nicht eine Wirkung auf die Erkrankung, sondern die zuverlässige Darstellung dessen, was dargestellt werden soll.

Abgrenzung zur Nuklearmedizin

Regelmäßig verwechselt werden Kontrastmittel mit den Substanzen, die in der Nuklearmedizin zum Einsatz kommen – etwa bei der Szintigraphie oder der Positronen-Emissions-Tomographie. Der Unterschied liegt darin, woher die Strahlung kommt. Bei einer Röntgenaufnahme oder einer Computertomographie erzeugt das Gerät die Strahlung, durchleuchtet den Körper von außen und misst, was ankommt; das Kontrastmittel verändert nur, wie stark einzelne Strukturen diese Strahlung abschwächen. Bei einer nuklearmedizinischen Untersuchung wird dagegen ein radioaktives Arzneimittel verabreicht, dessen Verteilung im Körper mit besonderen Messgeräten sichtbar gemacht wird – die Strahlung kommt hier aus dem Patienten selbst. Beide Verfahren beantworten deshalb verschiedene Fragen: Die Röntgendiagnostik zeigt Form und Struktur, die Nuklearmedizin ergänzt sie um Aussagen über Stoffwechsel und Funktion.

Nierenfunktion und ein neu vermessenes Risiko

Wenige Fragen rund um Kontrastmittel sind so gründlich neu bewertet worden wie die nach der Niere. Lange wurde jede Verschlechterung der Nierenwerte, die kurz nach einer Untersuchung mit iodhaltigem Kontrastmittel auftrat, dem Kontrastmittel zugeschrieben. Die Fachgesellschaften trennen heute zwei Begriffe, die genau diesen Kurzschluss verhindern sollen: Der eine bezeichnet lediglich eine Nierenschädigung, die zeitlich auf die Kontrastmittelgabe folgt – gleichgültig, wodurch sie verursacht wurde; der andere bezeichnet die Nierenschädigung, die das Kontrastmittel tatsächlich verursacht hat. Der erste Begriff beschreibt einen zeitlichen Zusammenhang, der zweite eine Ursache.

Der Unterschied hat praktische Folgen, denn nur wenige der veröffentlichten Untersuchungen verfügten über eine geeignete Vergleichsgruppe, an der sich beides auseinanderhalten ließe. Das Committee on Drugs and Contrast Media des American College of Radiology hält die durch Kontrastmittel verursachte Nierenschädigung ausdrücklich für real, zugleich aber für selten, und weist darauf hin, dass die bisherige Literatur dazu stark durch Verzerrung und Begriffsvermengung belastet ist. Für gadoliniumhaltige Mittel gilt in den zugelassenen Anwendungen, dass sie eine solche Schädigung entweder nicht hervorrufen oder dies äußerst selten tun.

Daran hängt auch eine häufig genannte Wechselwirkung. Das Diabetesmittel Metformin wird unverändert über die Niere ausgeschieden. Iodhaltige Kontrastmittel sind für Menschen, die es einnehmen, kein eigenständiger Risikofaktor – ein Problem entsteht erst, wenn es nach der Untersuchung tatsächlich zu einer Nierenschädigung kommt: Dann kann sich das Mittel im Körper anreichern, und in der Folge droht eine Übersäuerung des Blutes durch Milchsäure. Vorsichtsmaßnahmen setzen deshalb nicht am Kontrastmittel an, sondern an der Nierenfunktion.

Bariumsulfat und seine Grenzen

Die im Magen-Darm-Trakt eingesetzten Bariumsulfat-Suspensionen werden nicht aufgenommen und verlassen den Körper unverändert. Genau darauf beruht ihre Sicherheit – und zugleich ihre wichtigste Einschränkung. Tritt Bariumsulfat durch ein Loch in der Darm- oder Speiseröhrenwand in die Bauchhöhle oder in den Mittelfellraum aus, bleibt es dort liegen und kann eine Bauchfellentzündung beziehungsweise eine Entzündung des Mittelfellraums auslösen; am schwersten wiegt ein Austritt aus dem Dickdarm. Ist eine solche Perforation bekannt oder wird sie vermutet, werden deshalb wasserlösliche iodhaltige Mittel bevorzugt. Bleibt die vermutete undichte Stelle damit unentdeckt, kann anschließend doch noch Bariumsulfat eingesetzt werden, denn kleine Lecks zeigen sich mitunter erst mit ihm.

Lineare und makrozyklische Gadoliniumverbindungen

Warum die europäische Überprüfung von 2017 einige gadoliniumhaltige Mittel traf und andere nicht, erklärt sich aus dem Bau ihrer Moleküle. Gadolinium ist als freies Metallion für den Körper nicht verträglich; verwendbar wird es erst, wenn es in einem Trägermolekül fest eingeschlossen ist. Bei den linearen Verbindungen umschließt dieser Träger das Ion wie ein offener Arm, bei den makrozyklischen wie ein geschlossener Ring. Die Prüfung ergab, dass die linearen Verbindungen mehr Gadolinium freisetzen als die makrozyklischen. Ausgesetzt wurden daher mehrere lineare Mittel, während andere auf bestimmte Untersuchungen der Leberdurchblutung beschränkt blieben; die makrozyklischen Verbindungen durften weiter verwendet werden.

Quellen

  • Reiser, M., Kuhn, F.-P., Debus, J.: Duale Reihe Radiologie.
    ISBN: 9783132444621
  • Kauffmann, G., Sauer, R., Weber, W. (Hrsg.): Radiologie.
    ISBN: 9783437594267
  • Zechmann, C. M., Biedenstein, S., Giesel, F. L.: Bildgebende Verfahren.
    ISBN: 9783437414732
  • Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
    ISBN: 9783804746541
  • Kuhlmann, U., Böhler, J., Luft, F. C., et al. (Hrsg.): Nephrologie.
    ISBN: 9783131572868

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