Lobotomie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 3. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Lobotomie war ein chirurgischer Eingriff im menschlichen Gehirn, bei dem Nervenbahnen durchtrennt wurden. Ziel war es, schwere psychische Erkrankungen und in Einzelfällen auch chronische Schmerzen zu lindern; heute wird das Verfahren nicht mehr angewendet.
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Was ist die Lobotomie?
Die Lobotomie war ein chirurgisches Verfahren. Bei einem operativen Eingriff wurden gezielt Nervenbahnen des zentralen Nervensystems durchtrennt. Die Trennung war dauerhaft.
Die Nerven im Gehirn können sich nicht mehr selbst regenerieren oder erneut zusammenwachsen. Durch diesen Schritt sollten chronische Schmerzen oder dauerhafte Beschwerden des Patienten gelindert oder beseitigt werden. Betroffen waren Nervenbahnen, die sich zwischen dem Thalamus und dem Frontallappen befinden. Die Lobotomie ist bis heute ein sehr umstrittenes Verfahren. Obwohl der portugiesische Neurologe António Egas Moniz, der das Verfahren entwickelte, dafür im Jahr 1949 den Nobelpreis für Medizin erhielt, wurde die Methode bereits in den 1950er Jahren kritisch betrachtet. Verbreitet wurde sie vor allem durch den US-amerikanischen Neurologen Walter J. Freeman.
Die aufgetretenen Nebenwirkungen waren als sehr schwer und meist lebensverändernd einzustufen. Oft litten die Patienten nach einem Eingriff lebenslang unter einer schweren Behinderung sowie starken psychischen Folgen. Viele der Patienten benötigten nach einem Eingriff eine permanente medizinische Betreuung. Oft mussten sie in Pflegeheime eingewiesen werden, die sie bis zum Ende ihres Lebens nicht mehr verlassen konnten. Aus diesem Grund wird die Methode von Medizinern heutzutage nicht mehr genutzt. Stattdessen werden verschiedene Psychopharmaka eingesetzt.
Funktion, Wirkung & Ziele
Menschen, die als unheilbar krank galten und als Patienten in Nerven- oder Heilanstalten eingewiesen wurden, sollten eine dauerhafte Verbesserung ihres Gesundheitszustandes erleben. Die Lobotomie wurde durchgeführt, um vorrangig verschiedene psychische Erkrankungen oder geistige Zustände zu lindern. Die Mediziner gingen sogar von einer dauerhaften Heilung aus. Wurde diese nicht erreicht, so befanden sie, dass die Ergebnisse im Vergleich zum vorherigen Zustand eine wesentliche Verbesserung darstellten. In einem operativen Eingriff wurden als erkrankt eingestufte Nervenbahnen zwischen dem Thalamus und dem Frontallappen gezielt durchtrennt.
Ziel war es, dass als defekt eingestufte Signalstränge ihre Tätigkeit nicht mehr fortsetzen sollten. Nach der Auffassung der Mediziner wurden in den Nervenbahnen, die zum Zwischenhirn führen, Wahrnehmungen und Gedanken transportiert. Diese verbänden sich mit den Gefühlen des Menschen und seien bei den Patienten falsch verknüpft. Die Schnitte durch die Nervenfasern sollten Gewebe des Gehirns durchtrennen. Damit, so die Annahme, werde die Grundlage geschaffen, dass der menschliche Organismus neue Nervenfasern bilde. Die gesunden Fasern sollten dann im Laufe des Heilungsprozesses die Persönlichkeit des erkrankten Menschen positiv verändern. Die Vermutung war, dass das menschliche Gehirn plastisch ist und nach dem Verlust von Nervenfasern neue Vernetzungen entstehen, die automatisch als gesund einzustufen sind.
Bei den peripheren Nervenfasern im Gesicht ist eine solche Regeneration tatsächlich zu beobachten. Nach einigen Wochen oder Monaten regenerieren sich beschädigte Nervenbahnen insbesondere im Bereich der Wangenknochen. Sie sind anschließend voll funktionstüchtig und vorherige Schmerzen sind oftmals verschwunden. Diese Erkenntnisse nutzten Forscher und übertrugen ihre Theorien auf andere Bereiche des menschlichen Organismus, obwohl sich Nervenfasern im Gehirn anders als im peripheren Nervensystem nicht auf diese Weise erneuern. Neurowissenschaftlich bekamen Forscher Vorstellungen davon, in welchen Hirnregionen bestimmte Prozesse ablaufen. Sie sahen Ursachen für seelische Erkrankungen, Schizophrenie, Angstzustände oder eine Depression in defekten Nervenbahnen und Gewebe des Gehirns. Auch die Suchterkrankung Alkoholismus zählten sie dazu.
In der Überzeugung, auch Lernstörungen oder psychische Belastungen die durch das Erleben des Krieges entstanden, mit der Durchtrennung der Nervenfasern heilen zu können, führten sie die Lobotomie durch. Patienten, die zuvor ein auffälliges Verhalten hatten, das trotz Therapien oder Medikamente nicht verbessert werden konnte, sollten wieder umgänglicher werden.
Die Verbesserung des Sozialverhaltens sowie der Persönlichkeit wurde angestrebt. Mediziner versprachen sich eine Linderung von einer dauerhaften inneren Anspannung, Panikstörungen oder Wahnvorstellungen. Die Überzeugung, dass der menschliche Organismus eine Art Selbstheilung durch das Entstehen neuer Nerven vornehmen würde, führte dazu, dass kranke Nervenfasern oft auch auf eine brutale Weise mit einem Stahlnagel durch die Augenhöhle getrennt wurden.
Geschichte & Entwicklung
Einen Vorläufer hatte die Lobotomie im späten 19. Jahrhundert. Der Schweizer Psychiater Gottlieb Burckhardt, Leiter einer Anstalt im Kanton Neuenburg, entfernte ab 1888 bei sechs Patienten Teile der Hirnrinde, um deren Erregungszustände zu dämpfen. Ein Patient starb, andere trugen Sprachstörungen und Krampfanfälle davon. Als Burckhardt seine Ergebnisse veröffentlichte, lehnte die Fachwelt sie ab, und der Ansatz wurde für Jahrzehnte nicht weiterverfolgt.
Wieder aufgegriffen wurde er 1935 in Lissabon. Dort entwickelte der portugiesische Neurologe António Egas Moniz die Leukotomie, führte sie aber nicht selbst aus: Operiert wurde von dem Neurochirurgen Pedro Almeida Lima. Der Nobelpreis, den Moniz 1949 gemeinsam mit Walter Rudolf Hess erhielt, verlieh dem Verfahren zusätzliches Gewicht.
In den Vereinigten Staaten führten 1936 der Neurologe Walter J. Freeman und der Neurochirurg James W. Watts den Eingriff ein. Freeman selbst besaß keine chirurgische Ausbildung - ein Umstand, der später zu einem Kernpunkt der Auseinandersetzung wurde. 1946 entwickelte er den transorbitalen Zugang, der ohne Bohrlöcher und ohne Operationssaal auskam; anfangs benutzte er dafür einen umgebauten Eispickel, später ein eigens gefertigtes Instrument. Gerade weil der Eingriff damit auch außerhalb von Kliniken möglich wurde, verbreitete er sich rasch. Zu den bekanntesten Betroffenen zählte Rosemary Kennedy, die 1941 von Freeman und Watts operiert wurde und danach lebenslang schwerstbehindert blieb.
Wie viele Menschen weltweit lobotomiert wurden, lässt sich nicht verlässlich beziffern. Die vorliegenden Angaben widersprechen einander, und schon die zeitgenössischen Erhebungen blieben hinter der tatsächlichen Zahl zurück. Belegt ist, dass es sich um Zehntausende handelte und dass das Verfahren in mehr als vierzig Ländern angewendet wurde. Genauere Zahlen liegen dort vor, wo Register geführt wurden: In Schweden wurden zwischen 1944 und 1966 rund 4500 Eingriffe gezählt. Aus einzelnen gut untersuchten Einrichtungen ist außerdem bekannt, dass Frauen überproportional betroffen waren - in einer schwedischen Klinik entfielen etwa zwei Drittel von über siebenhundert Eingriffen auf Frauen. Eine länderübergreifende Statistik zum Geschlechterverhältnis gibt es nicht.
Der Rückgang setzte in den 1950er-Jahren ein. Ausschlaggebend war vor allem, dass ab 1952 mit dem Wirkstoff Chlorpromazin erstmals ein Medikament zur Verfügung stand, mit dem sich schwere psychotische Zustände dämpfen ließen; seine Wirkung bei psychisch Kranken untersuchten in Paris Jean Delay und Pierre Deniker. Hinzu kamen die wachsende öffentliche Kritik und die Berichte über bleibende Persönlichkeitsveränderungen der Behandelten. In der Sowjetunion war die Lobotomie bereits 1950 durch eine Anordnung des Gesundheitsministeriums verboten worden - allerdings aus weltanschaulichen Gründen, weil sie mit der dort maßgeblichen Lehre Pawlows unvereinbar schien, und nicht vorrangig zum Schutz der Patienten.
Durchführung & Ablauf
Die Lobotomie war kein einheitliches Verfahren. Es gab mehrere Zugangswege, die sich in Aufwand, Voraussetzungen und Genauigkeit erheblich voneinander unterschieden - ein Umstand, der schon zur Zeit ihrer Anwendung für Streit sorgte.
Beim ursprünglichen Vorgehen wurden dem narkotisierten Patienten seitlich am Schädel kleine Bohrlöcher angelegt. Durch sie führte der Operateur ein schmales, stabförmiges Instrument in das Marklager des Stirnhirns ein. An dessen Spitze ließ sich eine Drahtschlinge oder eine kleine Klinge ausfahren; durch eine Drehbewegung wurden damit die Nervenbahnen im Zielgebiet durchtrennt. Der Eingriff fand im Operationssaal statt und setzte chirurgische Erfahrung voraus.
Der aus heutiger Sicht schwerwiegendste technische Mangel lag darin, dass der Operateur das Zielgebiet nicht sehen konnte. Er orientierte sich an äußeren Maßen des Schädels und am Widerstand des Gewebes. Weder ließ sich vorher genau festlegen, welche Fasern getroffen würden, noch war hinterher zu überprüfen, wie viel Gewebe tatsächlich durchtrennt worden war. Bildgebende Verfahren, mit denen sich der Verlauf hätte kontrollieren lassen, standen nicht zur Verfügung. Schon aus diesem Grund fielen die Ergebnisse selbst bei gleicher Absicht des Operateurs sehr unterschiedlich aus.
Später verbreitete sich ein Zugang, der ohne Bohrlöcher auskam. Dabei wurde ein spitzes, ahlenähnliches Instrument am oberen Rand der Augenhöhle zwischen Augapfel und Knochen eingeführt und mit Schlägen eines kleinen Hammers durch die dünne knöcherne Decke der Augenhöhle getrieben. Anschließend schwenkte der Anwender es im Stirnhirn hin und her. Als Betäubung diente vielfach ein unmittelbar zuvor durch Strom ausgelöster Krampfanfall, der die Behandelten kurzzeitig bewusstlos machte; die Elektrokrampftherapie wurde hier also nicht als Behandlung, sondern als Ersatz für eine Narkose eingesetzt.
Dieser Weg dauerte nur wenige Minuten, verlangte weder eine neurochirurgische Ausbildung noch einen sterilen Operationssaal und konnte deshalb auch außerhalb von Kliniken angewendet werden. Genau darin lag der Grund für seine rasche Ausbreitung in überfüllten Anstalten - und zugleich der Ansatzpunkt der schärfsten Kritik: Fachleute aus der Neurochirurgie lehnten das Vorgehen als unsteril, unkontrolliert und in seinen Folgen unabsehbar ab.
Eine Nachbehandlung im heutigen Sinn gab es nicht. Die Behandelten wurden beobachtet und, soweit möglich, wieder an den Alltag der Einrichtung herangeführt. Ob und in welchem Maß jemand danach wieder selbständig leben konnte, ließ sich im Voraus nicht abschätzen.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Es gibt dokumentierte Fälle, bei denen eine häusliche Versorgung trotz großer Aufwände nicht mehr gewährleistet werden konnte. Vorhandene Erkrankungen wie Depressionen oder Alexithymie nahmen zu. Patienten zeigten ein apathisches Verhalten. Teilnahmslosigkeit und Gefühlsblindheit waren die Folgen. Die Betroffenen waren nicht mehr in der Lage, Emotionen zu erleben und Gefühle zu entwickeln. Die Bildung von Empathie war nicht mehr möglich. Darüber hinaus kam es bei Patienten nach dem Eingriff zu einer verminderten Intelligenz. Vorhandene Lernschwächen waren verstärkt und neues Wissen konnte nicht mehr in der Form erworben werden, wie es vor dem Eingriff der Fall war.
Damit war es einigen Patienten nicht mehr möglich, ihren Alltag selbständig zu bewältigen. Sie benötigten Unterstützung bei den einfachsten Aufgaben. Die Persönlichkeit erlebte bei vielen Patienten einen Wandel. Epileptische Anfälle traten auf, obwohl diese vor dem Eingriff nicht erlebt wurden. Es kam nach einer Lobotomie oft zu Einschränkungen der gesamten Motorik. Bewegungsabläufe konnten nicht vollständig durchgeführt werden. Trotz therapeutischer Begleitung verbesserte sich dieser Zustand nicht mehr in einem ausreichenden Maß. In vielen Fällen ist nach dem operativen Eingriff Inkontinenz dokumentiert worden.
Kritik & wissenschaftliche Einordnung
Aus heutiger Sicht ist die Lobotomie weniger als Behandlungsverfahren von Interesse denn als Beispiel dafür, wie ein Eingriff sich weit verbreiten konnte, ohne je belastbar überprüft worden zu sein. Der Kritik lagen mehrere Punkte zugrunde, die einander verstärkten.
Es gab keine Untersuchungen, die den Zustand behandelter und unbehandelter Patienten unter vergleichbaren Bedingungen gegenübergestellt hätten. Was als Erfolg galt, war zudem nicht einheitlich festgelegt und wurde häufig von denselben Ärzten beurteilt, die den Eingriff vorgenommen hatten. Vielfach floss in die Bewertung ein, ob ein Mensch auf der Station ruhiger und leichter zu versorgen war - ein Maßstab, der das Interesse der Einrichtung und nicht das Befinden des Patienten abbildete. Verluste an Antrieb, Urteilskraft und emotionaler Ansprechbarkeit wurden dabei teils als hinnehmbarer Preis verbucht, teils gar nicht erfasst.
Erschwerend kam hinzu, dass die Durchtrennung der Nervenbahnen nicht rückgängig zu machen war. Ein Behandlungsversuch, der sich als schädlich erwies, ließ sich nicht abbrechen und nicht korrigieren, wie es bei einem Medikament möglich gewesen wäre. Damit trug jede einzelne Entscheidung ein Gewicht, das in keinem Verhältnis zur schmalen Wissensgrundlage stand.
Auch die Frage der Einwilligung wurde später scharf kritisiert. Viele der Behandelten waren aufgrund ihrer Erkrankung nicht in der Lage, Tragweite und Folgen des Eingriffs zu überblicken; entschieden wurde häufig durch Angehörige oder durch die Leitung der Einrichtung. Ein Aufklärungsgespräch nach heutigem Verständnis, das über zu erwartende Dauerschäden und über Alternativen informiert, fand nicht statt. In manchen Fällen wurde der Eingriff auch bei Menschen vorgenommen, deren Verhalten vor allem als störend empfunden wurde.
Umstritten blieb rückblickend ebenso die Auszeichnung des Verfahrens mit dem Nobelpreis. Sie trug dazu bei, dass die Methode als wissenschaftlich anerkannt galt und sich rascher ausbreitete. Zurückgenommen wurde die Auszeichnung nicht; entsprechende Forderungen wurden zwar erhoben, doch werden verliehene Nobelpreise grundsätzlich nicht widerrufen. In der Medizinethik dient die Geschichte der Lobotomie seither als Lehrstück dafür, wie eine in sich schlüssige Theorie, fehlende Behandlungsalternativen und die Not überfüllter Einrichtungen zusammenwirken konnten - und weshalb ein neues Verfahren geprüft sein muss, bevor es in großer Zahl angewendet wird.
Was an die Stelle der Lobotomie getreten ist
Die Behandlung schwerer psychischer Erkrankungen stützt sich heute auf ganz andere Mittel. Im Vordergrund stehen Medikamente - je nach Krankheitsbild etwa Neuroleptika, Antidepressiva oder eine Lithiumtherapie - sowie die Psychotherapie, dazu soziale und rehabilitative Hilfen. Der entscheidende Unterschied zur Lobotomie liegt weniger im Wirkort als in der Umkehrbarkeit: Ein Medikament lässt sich absetzen, wenn es nicht hilft oder schadet; eine durchtrennte Nervenbahn nicht.
Chirurgische Eingriffe am Gehirn zur Behandlung psychischer Erkrankungen sind damit nicht vollständig verschwunden. Es gibt sie weiterhin, jedoch unter Bedingungen, die sich von der Lobotomie grundlegend unterscheiden und die man nebeneinanderstellen muss, um den Abstand zu erkennen. Der Operateur arbeitet nicht mehr blind, sondern bestimmt den Zielpunkt anhand von Schnittbildern des Gehirns. Statt großflächig Verbindungen zu durchtrennen, werden sehr kleine, genau umschriebene Bezirke ausgeschaltet. Infrage kommt das nur bei schwersten, über lange Zeit bestehenden Erkrankungen, bei denen sämtliche etablierten Behandlungen erfolglos geblieben sind. Über die Indikation entscheidet nicht ein einzelner Arzt, sondern ein Gremium aus mehreren Fachrichtungen; hinzu kommen die Zustimmung einer Ethikkommission und die eigene, informierte Einwilligung des Patienten. Angewendet wird dies an wenigen spezialisierten Zentren und in geringer Zahl.
Einen weiteren Weg stellt die tiefe Hirnstimulation dar. Dabei werden dünne Elektroden in genau festgelegte Bereiche des Gehirns eingebracht und über ein unter der Haut liegendes Gerät mit elektrischen Impulsen versorgt. Zerstört wird dabei kein Gewebe. Stärke und Muster der Reizung lassen sich von außen verändern, und die Stimulation kann abgeschaltet werden - womit genau jene Eigenschaft gegeben ist, die der Lobotomie fehlte. Erprobt wird das Verfahren unter anderem bei schwersten Zwangsstörungen und Depressionen, die auf keine andere Behandlung angesprochen haben; es ist dort kein Regelverfahren, sondern bleibt einzelnen Zentren und wissenschaftlichen Untersuchungen vorbehalten.
Für Laien ist die Abgrenzung wichtig: Diese Eingriffe sind keine zeitgemäße Fassung der Lobotomie. Gemeinsam ist ihnen mit ihr allein, dass sie am Gehirn ansetzen. Alles Übrige - die Genauigkeit des Zugangs, das Ausmaß des Eingriffs, die Umkehrbarkeit, die Prüfung der Indikation und die Rolle der Einwilligung - ist verschieden. Gerade darin liegt die Lehre, die aus der Geschichte der Psychochirurgie gezogen wurde.
Quellen
- Falkai, P. (Hrsg.): Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie.
ISBN: 9783132432659
- Falkai, P., Wittchen, H.-U. (Hrsg.): Diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen.
ISBN: 9783801732172
- Moskopp, D., Wassmann, H. (Hrsg.): Neurochirurgie.
ISBN: 9783132435797
- Berlit, P. (Hrsg.): Klinische Neurologie.
ISBN: 9783662606742
- Heuft, G., Conrad, R. (Hrsg.): Lehrbuch Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.
ISBN: 9783608402179
