Schizophrenie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 23. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Schizophrenie ist eine psychische Erkrankung, welche die Persönlichkeit des Erkrankten komplett beeinflusst. Oftmals haben die Betroffenen ein gestörtes Realitätsverhältnis, welches sich beispielsweise durch Wahnvorstellungen und Halluzinationen äußert. Meist tritt die Schizophrenie erstmals in den Jahren zwischen Pubertät und etwa 35 Jahren auf.
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Was ist Schizophrenie?
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Schizophrenie ist eine psychische Störung, die alle Wahrnehmungen des Erkrankten betrifft. Sowohl die innere, als auch die äußere Wahrnehmung verändern sich zum Teil erheblich. Davon betroffen sind Gefühlsleben und Denken des Erkrankten. Auch der Antrieb und die Motorik verändern sich. Entgegen einem weit verbreiteten Irrtum bedeutet Schizophrenie jedoch nicht „gespaltene Persönlichkeit“: Ein Wechsel zwischen mehreren Persönlichkeiten gehört nicht zur Schizophrenie, sondern kennzeichnet die dissoziative Identitätsstörung, ein völlig anderes Krankheitsbild.
Die Schizophrenie tritt meist in Schüben auf. Ein Krankheitsschub wird auch Psychose genannt. Dabei können die Betroffen den Bezug zur Realität komplett verlieren. Die Psychiatrie unterscheidet je nach den Symptomen verschiedene Formen der Schizophrenie. Bei einer Paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie treten Halluzinationen und Wahnvorstellungen auf.
Eine Katatone Schizophrenie wird von Symptomen in der Motorik geprägt. Ist hauptsächlich das Gefühlsleben gestört, handelt es sich um eine Hebephrene Schizophrenie. Bei Antriebsmangel, sozialem Rückzug und Gefühlsarmut spricht man von einer Residualen Schizophrenie. Die neueren Klassifikationssysteme DSM-5 und ICD-11 haben diese Einteilung in Unterformen allerdings aufgegeben, weil sich die Untergruppen im Verlauf als wenig beständig und für die Behandlung als wenig aussagekräftig erwiesen haben.
Ursachen
Auch psychosoziale Faktoren könnten eine Ursache für eine Schizophrenie sein. Jedoch ist es bislang wissenschaftlich nicht bewiesen, dass Probleme in Familie, Partnerschaft oder Beruf ursächlich für den Ausbruch einer Schizophrenie verantwortlich sind. Biochemische Ursachen sind bislang noch nicht abschließend wissenschaftlich bewiesen. Jedoch wurde nachgewiesen, dass im Gehirn eines Schizophrenen die Andockstellen für Dopamin überempfindlich reagieren. Dopamin ist ein Botenstoff, der Nervenimpulse weitergibt.
Neuroanatomische Ursachen werden ebenfalls als Ursache der Schizophrenie vermutet. So wurde festgestellt, dass sich bei einigen Erkrankten eine erweiterte, mit Gehirnflüssigkeit gefüllte Kammer im Gehirn befindet. Darüber hinaus ist die Hirndurchblutung beim Vorliegen einer Schizophrenie verändert.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Ein markantes Symptom der Schizophrenie ist der Wahn. Die Erkrankten leiden unter absurden Wahnvorstellungen, die keine reale Grundlage haben. Trotzdem erscheinen diese Vorstellungen Menschen mit Schizophrenie als realistisch, sodass auch eine logische Argumentation ihre Meinung nicht ändern kann. Ein Beispiel für eine Wahnvorstellung ist der Verfolgungswahn.
Die Betroffenen denken, dass sie verfolgt und bedroht werden. Bei einem Beziehungswahn beziehen sie hingegen alle möglichen Ereignisse auf ihre Person. Das Denken verändert sich im Verlauf der Erkrankung deutlich. Die Gedankengänge reißen plötzlich ab und/oder sind zerfahren. Ein weiteres Symptom der Schizophrenie ist die Ich-Störung.
Die Grenze zwischen der eigenen Person und der Außenwelt ist verschwommen, Teile des eigenen Körpers oder der Gedanken werden als fremd wahrgenommen. Ebenso leiden Menschen mit Schizophrenie häufig unter Halluzinationen. Diese manifestieren sich meist in einer akustischen Form und werden von den Patienten als äußerst bedrohlich empfunden.
Menschen mit Schizophrenie sind häufig antriebslos, kraftlos oder apathisch. Sie haben wenig Interesse an sozialen Kontakten oder Freizeitaktivitäten. Die Gefühlsregungen sind abgeflacht, die Betroffenen sind reizbar, misstrauisch oder depressiv. Nicht alle Anzeichen der Schizophrenie sind immer gleich stark vorhanden. Sie variieren sowohl im Krankheitsverlauf als auch von Patient zu Patient.
Krankheitsverlauf
Der Krankheitsverlauf einer Schizophrenie ist bei jedem Betroffenen individuell verschieden. Bei vielen Erkrankten treten bereits Monate oder gar Jahre vor dem wirklichen Ausbruch der Schizophrenie erste Anzeichen auf. Jedoch weisen diese ersten Anzeichen noch nicht eindeutig auf die Schizophrenie hin.
So gehen die Betroffenen beispielsweise auf Distanz und ziehen sich zurück. Häufig sind sie depressiv und nehmen die Realität verzerrt wahr. Diese Vorstufe der Schizophrenie wird Prodromalphase genannt. Bricht die Schizophrenie akut aus, treten Halluzinationen, Wahnvorstellungen (z.B. Verfolgungswahn) und Ich-Störungen auf.
Darüber hinaus kommt es zu Denkstörungen, Gefühlsarmut und Antriebsschwäche. Jedoch sind die Ausprägung und die Kombination der Symptome bei jedem Patienten verschieden. Eine akute Phase kann wenige Wochen bis einige Monate andauern. Danach klingt sie wieder ab. Der Krankheitsverlauf einer Schizophrenie kann in Schüben ablaufen. Dabei kann es passieren, dass nach jedem erneuten Ausbruch ein Teil der Symptome auf Dauer bestehen bleibt. Dies nennt man Chronifizierung der Schizophrenie.
Komplikationen
Eine mögliche Komplikation der Schizophrenie besteht in der Verschlechterung der Symptome. Dies ist bei rund einem Drittel der Betroffenen der Fall, während jeweils ein weiteres Drittel eine Verbesserung oder keine signifikante Veränderung erlebt. Viele Schizophrene leiden unter einer chronischen körperlichen Krankheit.
Neuroleptika beziehungsweise Antipsychotika sind Medikamente, die bei Schizophrenie zum Einsatz kommen können. Diese Psychopharmaka können ebenfalls Komplikationen hervorrufen. Einige Wirkstoffe aus der Gruppe der atypischen Antipsychotika scheinen das Risiko für Diabetes mellitus zu erhöhen. Andere Neuroleptika erhöhen die Wahrscheinlichkeit dafür, dass der Betroffene ein Parkinsonoid entwickelt.
Ein Parkinsonoid ist ein medikamenteninduziertes Parkinson-Syndrom, das der neurodegenerativen Erkrankung ähnelt. Die Symptome gehen jedoch nicht wie bei Parkinson auf einen Schwund der Substantia nigra zurück, sondern auf die Einnahme eines Medikaments. Weitere potenzielle Nebenwirkungen von Antipsychotika umfassen Krampfanfälle, Bewegungsstörungen und/oder eine Zunahme des Körpergewichts.
Eine schwere, aber seltene Komplikation von Neuroleptika ist das maligne neuroleptische Syndrom, das bei 0,2 Prozent der Patienten auftritt, die Antipsychotika einnehmen. Neuere Untersuchungen gehen bei den heute überwiegend verordneten atypischen Antipsychotika von einer deutlich niedrigeren Häufigkeit aus; die Angaben liegen dort im Bereich von etwa 0,02 bis 0,1 Prozent. Typische Symptome umfassen unter anderem Fieber, Rigor und Bewusstseinstrübung. Konkret heißt das: hohes Fieber, eine ausgeprägte Muskelsteife am ganzen Körper und eine zunehmende Verwirrtheit bis hin zur Bewusstlosigkeit, oft begleitet von starkem Schwitzen, schnellem Puls und Blutdruckschwankungen. Das maligne neuroleptische Syndrom ist lebensbedrohlich und muss deshalb sofort notfallmedizinisch behandelt werden. Im Einzelfall wägt der behandelnde Arzt ab, ob Vorteile oder Risiken eines Medikaments für einen bestimmten Patienten überwiegen.
Komplikationen sind auch auf psychischer Ebene möglich. Jeder zweite Schizophrene leidet unter einer weiteren psychischen Krankheit. Die häufigsten Komorbiditäten sind Angststörungen, affektive Störungen und Störungen durch psychotrope Substanzen.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Die Konsultation eines Arztes ist angezeigt, sobald sich ein auffälliges Verhalten des Betroffenen zeigt, welches als von der Norm abweichend beschrieben wird. Halluzinationen, das Sehen und Wahrnehmen imaginärer Wesenheiten oder Eingebungen mit Handlungsaufforderungen sind besorgniserregend. Die Abklärung durch einen Arzt ist notwendig, sobald es zu Stimmenhören, einem aggressiven Auftreten oder einer Gefährdung für den Betroffenen selbst sowie Menschen der unmittelbaren Umgebung kommt.
Werden soziale Regeln nicht eingehalten, kommt es zu emotionalen Verletzungen der Angehörigen oder werden Teile des eigenen Körpers als fremd wahrgenommen, ist ein Arztbesuch vonnöten. Viele Patienten rechtfertigen ihre Handlungen, indem sie davon überzeugt sind, dass ihnen die Gedanken von einer externen Quelle übermittelt wurden und von dort kontrolliert werden. Von einer Schizophrenie abzugrenzen sind religiöse oder spirituelle Eingebungen ohne einen Krankheitswert.
Kann die Bewältigung des Alltags nicht ohne Hilfe erfolgen oder löst das Verhalten des Betroffenen Angst bei den Mitmenschen aus, besteht Handlungsbedarf. Ein Arzt wird benötigt, da Patienten mit einer Schizophrenie eine medikamentöse Therapie benötigen. Ein Rückzug aus dem sozialen Leben, Isolation oder ein starkes Misstrauen allen Menschen gegenüber sind charakteristisch für die Erkrankung und sollten ärztlich überwacht werden. Bei einem depressiven Verhalten wird ebenfalls ärztliche Hilfe benötigt.
In bestimmten Situationen zählt jede Minute. Treten bei einem Menschen, der Neuroleptika beziehungsweise Antipsychotika einnimmt, hohes Fieber, eine ausgeprägte Muskelsteife und Verwirrtheit oder Bewusstseinstrübung auf, kann ein malignes neuroleptisches Syndrom vorliegen – dann ist unverzüglich der Notruf 112 zu wählen. Das Gleiche gilt bei akuter Suizidgefahr, bei Suizidankündigungen sowie dann, wenn der Betroffene sich selbst oder andere Menschen unmittelbar gefährdet. Bis der Rettungsdienst eintrifft, sollte der Betroffene nicht allein gelassen werden.
Behandlung & Therapie
Da für die Entstehung einer Schizophrenie viele unterschiedliche Faktoren verantwortlich sein können, wird bei der Behandlung eine mehrdimensionale Therapie angewandt. Sie besteht aus der Behandlung der Patienten mit Psychopharmaka, einer Psychotherapie und einer Soziotherapie. Im Bereich der Psychotherapie wird teilweise eine unterstützende Psychotherapie angewandt.
Diese Therapie gibt den Betroffenen Unterstützung im Umgang mit ihrer Krankheit. Darüber hinaus werden alle Methoden der Verhaltenstherapie angewandt. Die Therapie richtet sich immer nach dem individuellen Krankheitsbild des Patienten. Eine Soziotherapie unterstützt den Betroffen bei allen Fähigkeiten, die für das alltägliche Leben wichtig sind. Soziotherapien können zum Beispiel Arbeits- oder Beschäftigungstherapien sein.
Aber auch Rehabilitationsangebote gehören unter Umständen zu einer Soziotherapie. Die Behandlung einer Schizophrenie beginnt normalerweise mit einer stationären Behandlung in einer Klinik. Danach erfolgt die Behandlung in einer Tagesklinik. Meist wechselt der Patient anschließend in eine therapeutisch begleitete Wohngemeinschaft, in der er trotz Schizophrenie ein selbständiges Leben führen kann. Diese Abfolge gilt jedoch nicht für jeden Betroffenen: Heute wird außerhalb akuter Krankheitsphasen ein großer Teil der Patienten ambulant behandelt und lebt weiterhin in der eigenen Wohnung.
Vorbeugung
Da bei einer Schizophrenie erbliche Faktoren eine große Rolle spielen, ist eine generelle Vorbeugung gegen die Erkrankung nicht möglich. Liegt jedoch eine erbliche Vorbelastung vor, wird geraten, jeglichen Stress zu vermeiden und auf Drogenkonsum zu verzichten, da diese Faktoren einen Ausbruch der Schizophrenie begünstigen können.
Nachsorge
Da es sich bei der Schizophrenie um eine schwerwiegende psychische Erkrankung handelt, gestaltet sich die Nachsorge für die Betroffenen oftmals schwierig. Die Therapie zur Behandlung der Krankheit ist ein langwieriger Prozess, dessen Dauer häufig nicht absehbar ist. Nach erfolgter Ersttherapie ist Patienten weitere psychiatrische Betreuung und Unterstützung zu empfehlen. Diese soll das Auftreten möglicher Folgeerscheinungen reduzieren und eindämmen.
Eine vollständige Heilung der Erkrankung ist nur selten möglich. Betroffene müssen somit stetig an ihrem Wohlergehen arbeiten. Die Nachsorge betrifft aus diesem Grunde allen voran das Umfeld der Erkrankten. Freunde, Familienmitglieder und Lebensgefährten sollten daher eng mit den Therapeuten und Ärzten zusammenarbeiten um die Betroffenen tatkräftig bei der Nachsorge zu unterstützen.
Eine aktive eigene Nachsorge ist den meisten Erkrankten aufgrund des vielschichtigen Krankheitsbildes nicht möglich. Die andauernden Auswirkungen machen die Möglichkeit zur Krankheitseinsicht schier unmöglich. Das Herausfiltern schlechter Verhaltensgewohnheiten stellt für Erkrankte eine beinahe unlösbare Aufgabe dar. Das gilt allerdings vor allem für akute Krankheitsphasen. Außerhalb davon können viele Betroffene sehr wohl aktiv an ihrer Nachsorge mitwirken.
Positive Veränderungen und Maßnahmen können Betroffene allein kaum bewältigen, weshalb die vorbezeichnete Unterstützung des Umfelds von massiver Bedeutung ist. Zudem kann in den meisten Fällen nicht auf eine medizinische Weiterbehandlung in Form von Medikamenten verzichtet werden. Therapeutische Maßnahmen können das Wohlbefinden des Betroffenen immens steigern und Beschwerden vorbeugen.
Das können Sie selbst tun
Viele Betroffene und Angehörige erleben die Schizophrenie als eine Krankheit, die nur durch Medikamente beeinflusst werden kann. Obwohl Medikamente eine wichtige Rolle in der Therapie spielen, bildet die Selbsthilfe einen weiteren wichtigen Baustein. Um die Behandlung zu erleichtern und die Einschränkungen zu minimieren, ist es wichtig, das erneute Auftreten der Symptome möglichst früh zu entdecken. Ein wichtiger Bestandteil der Selbsthilfe besteht deshalb darin, sich die eigenen Schizophrenie-Symptome bewusst zu machen und bei ihrem Wiederauftreten einen Arzt oder Therapeuten aufzusuchen. Auch Angehörige können schizophrene Menschen bei dieser Aufgabe unterstützen.
Kritische Lebensereignisse und ein hohes Stresslevel können psychotische Symptome erneut hervorrufen bzw. verstärken. Allerdings reagieren nicht alle Schizophrenen negativ auf Stress – die eigene Erfahrung kann dabei helfen, die zukünftigen Reaktionen auf Stress bei der Arbeit oder Konflikte in der Familie einzuschätzen und sich entsprechend darauf vorzubereiten.
Wenn bei einem Patienten die psychotischen Symptome durch Stress verstärkt werden, können allgemeine stressreduzierende Maßnahmen im Alltag hilfreich sein. Dabei ist jedoch zu beachten, dass Entspannungsverfahren wie autogenes Training und progressive Muskelrelaxation, die sonst gern genutzt werden, bei psychotischen Symptomen nicht empfohlen sind. Stattdessen kann es sinnvoll sein, z. B. ausreichend Pausen im Alltag zu planen und bei Problemen rechtzeitig um Hilfe zu bitten.
Quellen
- Falkai, P., Laux, G., Deister, A., Möller, H.-J.: Duale Reihe Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie.
ISBN: 9783132432673
- Falkai, P., Laux, G., Kapfhammer, H.-P., Möller, H.-J. (Hrsg.): Psychiatrie, Psychosomatik, Psychotherapie.
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- Falkai, P., Wittchen, H.-U. (Hrsg.): Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen DSM-5-TR.
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- Berger, M. (Hrsg.): Psychische Erkrankungen.
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- Scharfetter, C.: Allgemeine Psychopathologie.
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