Redon-Drainage
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 4. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Redon-Drainage ist eine Hochvakuumdrainage zum Absaugen von Wundsekret nach massiven operativen Eingriffen. Diese wird noch während des eigentlichen Eingriffs im Operationsgebiet eingelegt und nach etwa 3 Tagen wieder gezogen. Eingelegt wird diese Drainage an Knochen, unter Muskelfaszien und im subkutanen Gewebe.
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Was ist die Redon-Drainage?
Bei der Redon-Drainage handelt es sich um eine sogenannte Saugdrainage oder auch eine Hochvakuumdrainage, die häufig nach invasiven chirurgischen Operationen in das Operationsgebiet gelegt wird. In der Regel liegt die Redon-Drainage innerhalb von Gelenken, unter der Muskelfaszie oder im Unterhautfettgewebe.
Die Drainage setzt sich aus einem wandstarken Drainageschlauch und einem Auffangbehälter zusammen. Der Auffangbehälter steht unter Unterdruck und leitet so Wundsekret und Blut aus dem Operationsgebiet. Des Weiteren werden durch den Sog die Wundflächen zusammengezogen, dadurch ist ein schnelleres Zusammenwachsen der Wundränder möglich. Durch den Unterdruck trägt die Drainage zur Seromprophylaxe bzw. Hämatomprophylaxe bei. Damit die Drainage wirken kann, muss der Sog über die gesamte Liegedauer erhalten bleiben. Die Hochvakuumdrainage arbeitet mit einem Sog von 900 mbar.
Abhängig von der Menge des abgeleiteten Wundsekrets wird die Redon-Drainage 48 – 72 Stunden postoperativ gezogen. Die Redon-Drainage gibt es in verschiedenen Größen mit einem kontrollierten und einem unkontrollierten Sog in die Vakuumflasche. Die Drainage ist nach dem Pariser Kieferchirurgen Henri Redon benannt.
Beschrieben wurde das Verfahren Mitte der 1950er Jahre. Es setzte sich rasch durch, weil es die bis dahin üblichen offenen Wundableitungen ablöste, den Verbandwechsel vereinfachte und erstmals erlaubte zu messen, wie viel Flüssigkeit eine Wunde tatsächlich absondert.
Drainagen unterscheiden sich danach, wodurch das Sekret nach außen befördert wird. Bei Schwerkraftdrainagen läuft die Flüssigkeit ohne Sog in einen tiefer gehängten Beutel, Kapillardrainagen leiten das Sekret über die Oberfläche eines weichen Streifens ab, und Spül-Saug-Systeme führen zusätzlich Spülflüssigkeit zu. Die Redon-Drainage gehört dagegen zu den Saugdrainagen und arbeitet mit dem stärksten Unterdruck dieser Gruppe. Sie ist außerdem ein geschlossenes System: Zwischen Wundhöhle und Auffangflasche besteht keine Verbindung zur Außenluft, was das Risiko einer Keimeinwanderung gegenüber offenen Ableitungen senkt.
Der Durchmesser des Drainageschlauchs wird wie bei anderen medizinischen Schläuchen in Charrière angegeben. Welche Größe gewählt wird, richtet sich nach dem Operationsgebiet und danach, wie viel Sekret erwartet wird und wie zähflüssig es voraussichtlich ist. Ein zu dünner Schlauch verstopft, ein zu dicker verletzt das Gewebe unnötig und hinterlässt eine größere Austrittsstelle.
Typische Einsatzgebiete sind Eingriffe, bei denen zwischen den Gewebeschichten ein Hohlraum zurückbleibt, der sich mit Wundflüssigkeit füllen kann. Dazu zählen Operationen an Hüft- und Kniegelenk, Eingriffe an der Wirbelsäule, größere Weichteileingriffe, Operationen an der Schilddrüse sowie Brustoperationen mit Entfernung von Lymphknoten. Nicht eingesetzt wird die Redon-Drainage in der freien Bauchhöhle, weil der starke Sog dort Darmwand und benachbarte Organe ansaugen und verletzen kann; hier kommen sogfreie oder nur schwach saugende Systeme zum Einsatz.
Von der Redon-Drainage zu unterscheiden ist die Vakuumtherapie offener Wunden, bei der ein Schwamm in die Wunde eingelegt, mit einer Folie luftdicht abgedeckt und an eine Pumpe angeschlossen wird. Auch sie arbeitet mit Unterdruck, verfolgt damit aber ein anderes Ziel: Sie soll eine offene, nicht verschlossene Wunde über längere Zeit reinigen und die Bildung neuen Gewebes anregen, während die Redon-Drainage einen bereits verschlossenen Hohlraum trocken halten soll.
Funktion, Wirkung & Ziele
Das Ende der Drainage, das innerhalb des Operationsgebiets eingelegt wird, besteht aus einem dünnen Kunststoffschlauch, der mehrfach perforiert ist. Als perforiert wird das Einbringen mehrerer Öffnungen am Schlauchende bezeichnet, um mehr Sekret absaugen zu können. Der Kunststoffschlauch wird beim Übergang vom internen in den externen Bereich mit einer kleinen Naht am Gewebe fixiert. Am externen Ende wird eine Kunststoffflasche angebracht, die das Wundsekret auffängt. Die Drainage wird durch einen Bajonettverschluss an der Vakuumflasche befestigt.
Durch den ständigen Unterdruck innerhalb der Drainage kommt es zu einem kontinuierlichen Absaugen des Wundsekrets. Der Unterdruck lässt nach einer gewissen Zeit innerhalb der Vakuumflasche nach. Um diesen wieder herzustellen, muss die Vakuumflasche ausgetauscht werden. Grundsätzlich gilt, dass ein luftdichter Verschluss der Wundhöhle gegeben sein muss, um eine funktionierende Hochvakuumdrainage einzulegen.
Die Hochvakuumdrainagen werden nach invasiven chirurgischen Eingriffen eingelegt, um den postoperativen Heilungsverlauf zu unterstützen. Durch das Absaugen der Wundflüssigkeit wird die Wundheilung beschleunigt, weil die Wundhöhle dadurch verkleinert wird. Die Wundränder werden aneinander gezogen und können schneller miteinander vernarben bzw. verwachsen. Bei operativen Eingriffen in der Bauchhöhle wird keine Redon-Drainage gelegt, da die Darmwand dadurch beschädigt werden kann. Die Drainage wird meistens nach 48 – 72 Stunden postoperativ entfernt. Müssen mehrere Hochvakuumdrainagen eingelegt werden, müssen diese beschriftet und die Menge des Sekrets entsprechend unterschiedlich dokumentiert werden. Lange Zeit wurde nach nahezu jedem größeren Eingriff routinemäßig eine Redon-Drainage eingelegt. Heute wird sie zurückhaltender eingesetzt, weil Untersuchungen für viele Operationen – etwa den Gelenkersatz an Hüfte und Knie – keinen Vorteil gegenüber dem Verzicht auf eine Drainage zeigen konnten.
Die Vakuumflasche muss lückenlos kontrolliert und protokolliert werden. Ist die Flasche voll oder das Ventil zeigt an, dass kein Vakuum mehr in der Flasche ist, muss diese ausgetauscht werden. Der Austausch muss unter aseptischen Bedingungen durchgeführt werden. Bevor die neue Flasche mit dem Drainageschlauch verbunden wird, sollte überprüft werden, ob die Vakuumbildung intakt und die Flasche unbeschädigt und steril ist. Zum Wechseln der Flasche und zum Umklemmen des Drainageschlauchs sollte vorher und nachher eine gründliche Händedesinfektion durchgeführt werden. Die eigentliche Durchführung erfolgt mit sterilen Handschuhen.
Die Hochvakuumdrainage wird nach etwa 3 Tagen gezogen, um das Risiko einer aufsteigenden Infektion zu senken. Vor dem Entfernen der Drainage kann dem Patienten ein Schmerzmittel verabreicht werden, da dies unangenehm oder auch schmerzhaft sein kann. Vor dem Ziehen muss zuerst der sterile Wundverband abgenommen werden und die Austrittsstelle der Drainage desinfiziert werden. Der behandelnde Arzt kann anschließend den Drainageschlauch umfassen und den Patienten auffordern tief ein- und auszuatmen. Während der Ausatmung kann der Schlauch gezogen werden. Zum Schluss wird die Wunde noch einmal gereinigt und mit sterilem Verbandsmaterial verbunden.
Wie viel Sekret eine Redon-Drainage fördert, ist nicht nur eine Frage der Entsorgung, sondern eine Verlaufsbeobachtung. Menge, Farbe und Beschaffenheit werden bei jeder Kontrolle festgehalten. In den ersten Stunden nach der Operation ist das Sekret meist blutig, hellt sich danach über eine blutig-seröse Phase zu einer klaren, gelblichen Flüssigkeit auf und wird zugleich weniger. Weicht der Verlauf davon ab, ist das ein Warnzeichen: Eine plötzlich stark ansteigende, hellrote Fördermenge spricht für eine Nachblutung, ein trübes oder übel riechendes Sekret für eine Infektion, und eine Fördermenge, die abrupt auf null fällt, für eine Verstopfung oder eine verrutschte Drainage – nicht für eine trockene Wunde.
Der Zeitpunkt des Ziehens richtet sich deshalb weniger nach dem Kalender als nach dieser Fördermenge. Der Arzt legt fest, unterhalb welcher Menge je Tag die Drainage entfernt werden kann. Weil das Infektionsrisiko mit jedem Tag steigt, an dem der Schlauch eine Verbindung zwischen Wundhöhle und Außenwelt bildet, wird eine Drainage im Zweifel eher früher als später gezogen.
Vor dem Ziehen wird außerdem der Sog aufgehoben, indem die Vakuumflasche abgeklemmt oder abgenommen wird. Unterbleibt das, saugt sich der Schlauch beim Herausziehen am Gewebe fest, was zusätzliche Schmerzen und Verletzungen verursachen kann. Nach dem Entfernen bleibt eine kleine Öffnung zurück, aus der noch für kurze Zeit Wundflüssigkeit nachlaufen kann. Sie wird mit einem sterilen Pflaster oder einem kleinen Verband versorgt und verschließt sich innerhalb weniger Tage von selbst. Zurück bleibt in der Regel eine punktförmige Narbe neben der eigentlichen Operationsnarbe.
Für den Patienten bedeutet eine Redon-Drainage vor allem, dass er Schlauch und Flasche in den ersten Tagen mit sich führt. Die Flasche wird beim Aufstehen an der Kleidung befestigt oder in einer Tasche getragen, damit kein Zug auf den Schlauch entsteht. Aufstehen, Gehen und Krankengymnastik sind mit liegender Drainage ausdrücklich erwünscht und werden dadurch nicht verhindert; die frühe Mobilisierung beugt Lungenentzündung und Thrombose vor. Wichtig ist, dass der Patient weiß, worauf er achten soll: nicht am Schlauch ziehen, ihn nicht knicken, nicht darauf liegen und dem Pflegepersonal melden, wenn der Verband durchnässt, die Flasche voll ist oder die Schmerzen an der Austrittsstelle zunehmen. Das Ziehen selbst dauert nur wenige Sekunden und wird meist als kurzer, brennender Zug empfunden; danach ist der Patient in seiner Beweglichkeit wieder frei.
Ob überhaupt eine Drainage eingelegt wird, entscheidet der Operateur am Ende des Eingriffs. Neben der Größe des entstandenen Hohlraums spielen die Blutungsneigung des Patienten, gerinnungshemmende Medikamente und die Frage eine Rolle, ob ein sich bildender Bluterguss die Wundheilung gefährden oder auf Nachbarstrukturen drücken würde. Nach Operationen am Hals etwa kann ein Bluterguss die Atemwege einengen, weshalb dort auf eine Ableitung selten verzichtet wird. Die Diskussion darüber, wann eine Drainage nützt und wann sie vor allem eine zusätzliche Eintrittspforte für Keime schafft, wird in der Chirurgie bis heute geführt.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Es kann zu einem erhöhten Blutverlust über die Hochvakuumdrainage kommen. Ursache dafür ist häufig die falsche Lage der Drainage innerhalb der Spongiosa. Die Vakuumflasche muss in regelmäßigen Abständen begutachtet und die Werte festgehalten werden. Gelegentlich kann es zu einer Verstopfung des Drainageschlauchs durch abgelöste Gewebestrukturen, Thromben, geronnenes Blut und Eiweiß- und Fettbestandteile kommen. Ist der Abfluss gestört, kann es zu einem infizierten Hämatom durch den Rückstau vom Wundsekret kommen.
Um einen guten Abfluss zu gewährleisten, sollte daher auch immer darauf geachtet werden, dass der Schlauch nicht abgeknickt wird und der Patient nicht auf dem Kunststoffschlauch liegt. Die Funktion der Redon-Drainage sollte daher regelmäßig kontrolliert werden, um möglichen Komplikationen vorzubeugen.
Beim Entfernen kann der Schlauch abreißen, wenn er festgewachsen ist oder versehentlich mit einer Naht eingeklemmt wurde. Bleibt ein Rest im Gewebe zurück, muss er in einem kleinen Eingriff geborgen werden, weil er sonst als Fremdkörper eine anhaltende Entzündung unterhält. Deshalb wird nach dem Ziehen geprüft, ob der Schlauch vollständig und unversehrt ist; diese Kontrolle gehört zur Dokumentation.
Je länger eine Drainage liegt, desto größer ist die Gefahr, dass Keime von der Haut entlang des Schlauchs in die Wunde einwandern. Aus einer solchen Besiedlung kann eine Wundinfektion und im ungünstigsten Fall eine Infektion des gesamten Operationsgebiets werden. Nach dem Einsetzen einer Endoprothese ist das eine gefürchtete Komplikation, weil sie den Austausch des Implantats erzwingen kann. Der Verband an der Austrittsstelle wird deshalb regelmäßig und unter sterilen Bedingungen gewechselt; Rötung, Schwellung, zunehmender Schmerz und Fieber sind Anlass, die Drainage zu überprüfen.
Auch die Austrittsstelle selbst kann Beschwerden bereiten. Der Schlauch drückt auf Haut und Gewebe, kann bei ungünstiger Lage einen Hautnerv reizen und ein taubes oder brennendes Areal hinterlassen, das sich meist über Wochen zurückbildet. Selten entsteht an der Austrittsstelle eine länger absondernde Fistel, die eigens behandelt werden muss.
Der oben genannte Blutverlust über die Drainage hat neben der falschen Lage noch eine zweite Ursache. Weil der Sog die Wundflächen nicht nur zusammenzieht, sondern auch kleine Gefäße offen halten kann, vermag eine Drainage die Blutung zu unterhalten, die sie ableiten soll. Bei größeren Mengen wird der Sog vorübergehend aufgehoben oder die Drainage abgeklemmt. Regelmäßige Kontrollen von Kreislauf und Blutbild gehören deshalb zur Überwachung eines Patienten mit stark fördernder Drainage. Vor allem aus diesem Grund wird heute vor jedem Eingriff abgewogen, ob der erwartete Nutzen einer Ableitung ihre Nachteile überwiegt.
Wo auf eine Drainage verzichtet wird, treten andere Maßnahmen an ihre Stelle: eine sorgfältige Blutstillung während der Operation, ein Kompressionsverband, die Hochlagerung der operierten Region und die engmaschige Kontrolle des Wundgebiets. Sammelt sich später doch Flüssigkeit an, lässt sie sich in vielen Fällen mit einer Nadel unter Ultraschallkontrolle abziehen, ohne dass ein Schlauch dauerhaft liegen muss. Ob dieser Weg möglich ist, entscheidet sich nach Art und Ausmaß des Eingriffs sowie nach den Begleitumständen des einzelnen Patienten; ein festes Schema, das für alle Operationen gilt, gibt es nicht. Auch die Redon-Drainage selbst hat sich verändert: Auffangflaschen aus Kunststoff mit einer Anzeige des verbliebenen Vakuums haben die früheren Glasflaschen abgelöst, und die geförderte Menge lässt sich an einer Skala ablesen, ohne das System zu öffnen.
Nicht zuletzt ist die Drainage ein Fremdkörper, den der Patient bemerkt. Die Sorge, sich beim Aufstehen den Schlauch herauszuziehen, hält manche Patienten davon ab, sich zu bewegen – gerade das aber wäre nach einer Operation wichtig. Eine verständliche Erklärung, wie die Drainage befestigt ist und worauf beim Aufstehen zu achten ist, gehört deshalb ebenso zur Sicherheit wie die Kontrolle der Vakuumflasche.
Quellen
- Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Chirurgie.
ISBN: 9783132431874
- Largiadèr, F., Saeger, H.-D., Keel, M., Bruns, C. (Hrsg.): Checkliste Chirurgie.
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- Schumpelick, V., Kasperk, R., Stumpf, M.: Operationsatlas Chirurgie.
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- Wagner, J. C., Germer, C.-T., Wiegering, A. (Hrsg.): Perioperative Medizin für die Allgemein- und Viszeralchirurgie.
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- Protz, K., Timm, J. H.: Moderne Wundversorgung.
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