Schönheitsoperation und Schönheitschirurgie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 4. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Schönheitsoperation und Schönheitschirurgie soll Thema dieses Ratgebers sein. Diese Begriffe sind heute in aller Munde und sollten daher fachlich erklärt werden, denn nicht selten verbergen sich hinter Schönheitsoperationen und Schönheitschirurgie Abzocke und Pfuscherei.
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Gründe für Schönheitsoperationen
Der Wunsch, vermeintliche Fehler seines Äußeren berichtigen zu lassen, ohne dass dabei eine Korrektur angeborener Formentstellungen oder eine chirurgische Rehabilitation nach Krankheit oder Unfall zur Debatte steht, entspringt am häufigsten dem zunehmenden Alter, obwohl das Alter der Patienten bei Schönheitsoperationen in den letzten Jahren erheblich gesunken ist.
Dennoch betrifft es vornehmlich die Alterszeichen der Haut. Wenn daher über chirurgische und kosmetische Eingriffe bei Lidsäcken, Tränensäcken, Runzeln und Falten des Gesichts gesprochen werden soll, ist wenigstens am Rande auch das Problem der alternden Haut zu berühren.
Die Haut ist nicht nur das lebenslänglich strapazierte Schicksalsleder des Körpers und sein am meisten ausgeprägtes Schmuckorgan, sondern kündigt auch wie die Jahresringe eines Baumes das Alter an. Zeiger dieses lebenden Chronometers sind große und kleine Falten, Tränensäcke, Runzeln, Lidsäcke, Warzen und Altersflecke. Mit dieser Uhr hat es aber durchaus eine Bewandtnis. Leonardo da Vinci, das universelle Genie der Renaissance, dessen unergründlich lächelnde Mona Lisa allseits bekannt ist, hat einmal von der "fisiognomia fallace" gesprochen, den trügerischen Gesichtszügen. Trügerisch nicht zuletzt deswegen, weil sie nicht nach irgendeiner konventionellen Normalzeit gestellt sind, sondern stets wahre Ortszeit zeigen. Die wahre Ortszeit aber ist das biologische Alter, das mit dem kalendarischen Lebensalter nicht immer übereinstimmt. So kommt es, dass der eine früher gealtert scheint, der andere aber erst später.
Neben dem Alter gibt es freilich noch andere Beweggründe, und sie sind nicht alle gleich tragfähig. Wer sich einen einzelnen, klar benennbaren Zug korrigieren lassen möchte und dabei weiß, dass sein Leben danach dasselbe sein wird, geht mit anderen Voraussetzungen zum Arzt als jemand, der sich vom Skalpell eine neue Lebenslage verspricht. Eingangs war von Abzocke und Pfuscherei die Rede, und beide finden ihren Nährboden gerade dort, wo der Wunsch groß und die Kenntnis klein ist.
Wer sich schützen will, fragt nach der Facharztbezeichnung und nicht nach dem Werbetext, lässt sich Honorar, Narkose, Aufenthalt und Nachbehandlung schriftlich aufschlüsseln, nimmt sich zwischen Beratung und Entscheidung Zeit und misstraut jedem Angebot, das mit Rabatten, Paketpreisen oder ablaufenden Fristen arbeitet. Ein seriöser Arzt drängt nicht; er rät im Zweifel ab und benennt, was er nicht versprechen kann. Auch mit gegenübergestellten Bildern von vorher und nachher wirbt er nicht, denn solche Darstellungen sind für Schönheitsoperationen ohne medizinische Notwendigkeit gesetzlich untersagt. Und schließlich gilt: Die Kosten eines rein kosmetischen Eingriffs trägt der Patient selbst, samt aller Nachbehandlungen, die sich daraus ergeben können. Wer das im Blick behält, kann sich dem eigentlichen Anlass ruhiger nähern – jenem Auseinanderfallen von biologischem und kalendarischem Alter, das die Zeiger der inneren Uhr vorstellt.
Hautalterung, Falten & Tränensäcke
Daneben entwickelt sich später, begünstigt durch häufigen Wechsel zwischen Fettanlagerung und Fettschwund der Unterhaut, eine regelrechte Erschlaffung der Haut und Bindegewebshaut, die sich, im Gegensatz zu den feinen Fältchen und Runzeln der Oberfläche, wohl für etliche Jahre operativ korrigieren lässt. "Die erste Falte im Gesicht einer Frau entsteht durch die Furcht, dass man ihr Alter erraten könne", hat der Schriftsteller John Priestley einmal geäußert. Da bei diesem Anlass der kritische Blick in den Spiegel mit zusammengekniffenen Augen eine entscheidende Rolle spielt, mag es sein, dass sich die "Krähenfüße" und Falten in Augennähe nicht selten als frühestes Alterszeichen einstellen.
Dass die Haut altert, hat im Übrigen zwei voneinander unabhängige Ursachen, und nur die eine ist unvermeidlich. Die innere, mit den Jahren fortschreitende Alterung lässt die Kollagen- und Elastinfasern der Lederhaut schwinden; das Bindegewebe verliert an Spannkraft, die Haut wird dünner und trockener. Die äußere Alterung kommt hinzu und ist zum größten Teil ein Werk des Lichts: Ultraviolette Strahlung dringt bis in die Lederhaut vor und schädigt dort genau jene Fasern, auf denen die Straffheit beruht. Wer viel in der Sonne oder auf der Sonnenbank war, trägt die Rechnung Jahrzehnte später im Gesicht; der Vergleich der lichtgeschützten Innenseite des Oberarms mit dem Handrücken desselben Menschen macht den Unterschied ohne jede Messtechnik sichtbar. Auch das Rauchen beschleunigt den Vorgang, weil es die feinen Hautgefäße verengt und die Versorgung des Gewebes verschlechtert. Der wirksamste Beitrag zur Faltenvorbeugung ist demnach kein Eingriff, sondern der Verzicht auf beides – eine Einsicht, die weniger Aufhebens macht als jede Operation und doch weiter trägt.
Zum Erschlaffen neigen besonders auch die Augenlider. Das kann soweit gehen, dass sie sich schürzenartig doppeln und regelrechte Lidsäcke bilden, die im Volksmund vor allem am Unterlid als "Tränensäcke" bekannt sind. Erschlafft auch das Oberlid, kommt es auch zu einer funktionellen Störung, weil sich das Auge nur mit Schwierigkeit weit genug öffnen lässt. Der Betroffene wirkt schläfrig und müde, scheint uninteressiert und ist tatsächlich regelrecht sehbehindert. In diesem Zustand ist die Korrektur natürlich schon kein Eingriff mit ausschließlich kosmetischer Zielsetzung mehr.
Wir sind übrigens nicht, wie das Georg Bartisch 1583 im berühmten Dresdner "Augendienst" so eindrucksvoll abgebildet hat, darauf angewiesen, die überhängenden Lider in eine Schraubzwinge zu klemmen. Wir können sie operativ verkürzen, dadurch straffen und Sichtbehinderung wie Entstellung in einem beheben. Selbst die "Krähenfüße" in der Nachbarschaft der Lider lassen sich zuweilen gleichzeitig beeinflussen. Unter Berücksichtigung der besonderen Bedeutung der Augenpartie für das Aussehen kann man sich leicht vorstellen, dass eine derartige Schönheitsoperation dem vorher entstellten Gesicht einen völlig anderen Ausdruck verleiht und die Augen wieder leuchten lässt. Dabei wird das Oberlid durch Ausschneiden eines ellipsenförmigen Hautstückes verkürzt, während die Schnittführung beim Unterlid entweder mondsichelförmig unterhalb der Wimpernreihe am oberen Lidrand verläuft oder aber am unteren Lidrand, wo der Tränensack überhängt, um zugleich überschüssiges Fettgewebe beseitigen zu können. Um die notwendige Straffung zu erzielen, wird unten am äußeren Lidrand oft noch ein dreieckiger Hautzwickel mit entfernt.
Möglichkeiten
Mehr Kopfzerbrechen bereiten Fältchen und Falten, die durch eine bestimmte, oft millionenfach wiederholte gefühlsbetonte Mimik entstehen und schon ausgeprägt sein können, ehe die Haut an sich erschlafft. Am bekanntesten sind die senkrechten "Wutfalten" bzw. "Zornfalten" an der Stirn, aber auch die vom unteren Teil der Nasenflügel wie ein Malabarenbart kurvig zu den Mundwinkeln abwärts ziehenden Nasen-Lippen-Falten, die einem sonst noch jungen Gesicht einen traurig-vergrämten Ausdruck verleihen, sind nicht ungeläufig.
Hier ist guter Rat insofern teuer, als durch solche Muskelfunktionen bedingte Falten einer operativen Korrektur entweder schwer zugänglich sind oder aber die Schnittführung so unglücklich verlaufen müsste, dass die späteren Narben den früheren Falten an unerwünschter Auffälligkeit nicht nachständen.
Hilfe ist trotzdem möglich, und zwar durch Unterspritzung dieser selten übergroßen Falten mit einem Füllmaterial. Lange Zeit wurde dafür ein zähflüssiges Silikonpräparat verwendet. Das ging, geeignete Präparate vorausgesetzt, schnell; der Erfolg war sofort sichtbar und zu kontrollieren. Silikon ist ein Sammelbegriff für verschiedene, langkettige chemische Verbindungen von Sauerstoff- und Siliziumatomen, die zum Teil seltsame und unerwartete Werkstoffeigenschaften haben und seit der Mitte des 20. Jahrhunderts entsprechend ausgenutzt wurden.
Heutige Füllmaterialien halten je nach Präparat mehrere Monate bis etwa zwei Jahre; die Unterspritzung kann wiederholt werden. Von flüssigem Silikon ist man dabei längst abgekommen: Es wird vom Körper nicht abgebaut, kann noch Jahre später im Gewebe wandern, Knoten und anhaltende Entzündungen hervorrufen und lässt sich kaum wieder entfernen – ganz ähnlich den Paraffineinspritzungen, die man schon früher aus denselben Gründen fürchtete. Heute werden zur Faltenunterspritzung abbaubare Füllmaterialien wie Hyaluronsäure verwendet; mimisch bedingte Falten wie die Zornfalte lassen sich zudem mit Botulinumtoxin behandeln.
Während senkrechte Stirnfalten sich nicht zur operativen Korrektur eignen, sind längsverlaufende "Denkerfalten" zu entfernen, indem man einen Schnitt entsprechender Länge parallel dazu eben hinter den Stirnhaaransatz legt, von dort aus die Haut von ihrer Unterlage abhebt, strafft und den überschüssigen Streifen herausschneidet. Sinngemäß wird die Operation des durch Fetteinlagerung verursachten Doppelkinns vorgenommen.
Der Schnitt, von dem aus zugleich Fett und überschüssige Haut entfernt werden, erfolgt unterhalb des Kinns. Man kann ihn und damit die spätere Narbe ziemlich unauffällig in einer der ohnehin am Hals vorhandenen Hautfalten verlegen. Das Operationsfeld für die Denkerfalten liegt sowieso im Haarbereich. Damit sind die wichtigsten Operationsarten der einfachen Faltenoperationen, die je nach Lage der Dinge selbstverständlich allerlei Abwandlungen erfahren können, erwähnt.
Früher oder später, durchschnittlich im 4. Lebensjahrzehnt, beginnt die Elastizität der Haut zusehends nachzulassen. Das Gesicht bekommt mehr und mehr welk-schlaffe Falten, die nun erhebliche Änderungen der bindegewebigen Hautschichten und des Unterhautfettes anzeigen. Dieser Zustand ist, wenn man ihn nicht mehr ertragen kann, nur durch eine große Gesichtsspannung zu beheben. Ein "Face Lifting", wie diese Operation allgemein heißt.
Dabei wird von zwei symmetrischen, nicht gerade kleinen Hautschnitten aus, die aber links und rechts im seitlichen Haarbereich verlaufen und dort, wo sie um das Ohr herumführen, in die Ohrfalte gelegt werden können, die Haut mit einer Spezialschere bis weit zur Gesichtsmitte hin, das heißt bis fast an den Mund heran, von der Unterlage getrennt, in Zugrichtung auf die Schnitte gestrafft, durch Ausschneiden von zwei dann überstehenden Zwickeln verkürzt und wieder vernäht. Dieser Eingriff dauert annähernd zwei Stunden. Die Liegezeit im Krankenhaus betrug früher ca. 10 bis 12 Tage; das stammt aus einer Zeit, in der solche Eingriffe durchweg stationär vorgenommen wurden. Heute ist ein Face Lifting je nach Umfang ambulant oder mit wenigen Tagen Klinikaufenthalt möglich.
Nicht immer muss die große Spannung ganz durchgeführt werden. Wenn die Erschlaffung der Haut noch geringfügig ist, sich auf den Schläfenbereich oder die Mund- und Halspartie beschränkt, kann man es zunächst auch mit einer Spannung der oberen oder unteren Gesichtshälfte bewenden lassen. In anderen Fällen wiederum ist ein Erfolg nur erreichbar, wenn die große Gesichtsspannung mit einer gleichzeitigen Lidoperation, wie sie geschildert wurde, verbunden wird. Das ist dann allerdings auch für den Arzt schon ein reichhaltiges Vormittagsprogramm.
Was den Umfang der Betäubung angeht, ist zu unterscheiden. Die geschilderten Lidkorrekturen und die kleineren Faltenoperationen kommen mit örtlicher Betäubung aus, gegebenenfalls ergänzt um ein dämpfendes Mittel. Die große Gesichtsspannung dagegen wird ebenso wie umfangreiche Eingriffe an Brust oder Rumpf in aller Regel in Vollnarkose vorgenommen; sie dauert zu lange und greift zu weit, als dass eine örtliche Betäubung genügte.
Nach jedem dieser Eingriffe braucht der Körper Zeit, die man ihm lassen muss. Schwellungen und Blutergüsse gehören dazu, treten nach Lidoperationen besonders auffällig hervor und klingen von selbst wieder ab; Kühlung, Hochlagern des Kopfes und körperliche Zurückhaltung befördern das. Die Narbe wiederum reift über Monate: Sie ist anfangs gerötet und derb und wird erst allmählich blass und weich, weshalb sich das endgültige Ergebnis überhaupt erst nach längerer Zeit beurteilen lässt. Frische Narben sind zudem lichtempfindlich und wollen vor der Sonne geschützt sein.
Auch die Lidkorrektur hat ihre eigenen Tücken. Wird zu viel Haut entfernt, kann das Unterlid nach außen kippen, das Auge schließt dann nicht mehr vollständig, und es kommt zu trockenen Augen mit Brennen und Fremdkörpergefühl; eine vorübergehende Trockenheit ist nach der Operation ohnehin nicht ungewöhnlich. Zu erwähnen bleibt schließlich die Kostenfrage. Rein kosmetische Eingriffe zahlt der Patient selbst. Nur wenn die überhängenden Oberlider das Sehen tatsächlich behindern und das durch eine augenärztliche Untersuchung des Gesichtsfeldes belegt ist, kann die Straffung als Behandlung einer Funktionsstörung von der Krankenkasse getragen werden.
Soviel also zu Schönheitsoperation und Schönheitschirurgie, sowie zu Runzeln und Falten auf der Haut. Zuweilen treten sie eher auf, als man die Kunst, alt zu sein, beherrscht. Manchmal hat man noch eine Stelle im Leben auszufüllen, in der die Umwelt sich keinen Gealterten vorstellen kann.
Im einen oder anderen Fall kann man geneigt sein, das biologische Alter seiner Haut vorübergehend noch einmal mit dem eigenen Wunsch oder dem fremden Ideal in Einklang zu bringen und die Zeiger des Alterns operativ verstellen zu lassen. Zur Regel kann diese gelegentlich notwendige Korrektur nicht werden, denn das Faltengesicht hat als Zeichen des Alters zugleich Teil an dessen Würde und entbehrt nur selten einer eigenen Art natürlich-ästhetischer Schönheit.
Quellen
- Heimburg, D. von, Richter, D. F., Lemperle, G.: Ästhetische Chirurgie.
ISBN: 9783609768649
- Berger, A., Hierner, R., Pallua, N. (Hrsg.): Plastische Chirurgie.
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- Momeni, A., Hirche, C. (Hrsg.): Facharztwissen Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie.
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- Kaufmann, R., Podda, M.: Dermatologische Operationen.
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- Katzenmeier, C., Lipp, V., Laufs, A.: Arztrecht.
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