Scheidenentzündung (Vaginitis)

Letzte Aktualisierung am 21. August 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Die Scheidenentzündung, Vaginitis oder Kolpitis ist, neben dem Scheidenpilz (Vaginalpilz), eine der am häufigsten vorkommenden Genitalerkrankungen der Frau. Die Ursachen sind zumeist Bakterien und Erreger, die durch oft wechselnde Sexualpartner übertragen werden können. Aber auch eine mangelnde Hygiene kann die Ursache für eine Scheidenentzündung sein. Typisches Anzeichen ist eine vermehrte Bildung von Scheidenausfluss.

Inhaltsverzeichnis

Definition Scheidenentzündung (Vaginitis)

Die Scheidenentzündung, in der medizinischen Fachsprache auch als Vaginitis oder Kolpitis bezeichnet, ist eine vielverbreitete Erkrankung bei Frauen. Scheidenentzündungen gehören zu den häufigsten Frauenkrankheiten; fast jede Frau ist zumindest einmal in ihrem Leben von einer solchen betroffen.

Unter dem Begriff der Scheidenentzündung werden alle entzündlichen Erkrankungen dieses weiblichen Geschlechtsorgans zusammengefasst. Die Ursachen können dabei ganz vielfältiger Natur sein; besonders anfällig sind übrigens Frauen nach den Wechseljahren. Der Begriff Vaginitis wird aus dem Lateinischen abgeleitet; Vagina ist die lateinische Bezeichnung für die weibliche Scheide.

Im Normalfall dauert eine Scheidenentzündung nicht länger als zwei Wochen. Wird diese jedoch nicht richtig behandelt, kann sie schlimmstenfalls auch chronisch werden.

Ursachen

Haupterreger von Scheidenentzündung (Vaginitis) sind Bakterien und Pilze. Die Scheidenentzündung zählt damit zu den sexuell übertragbaren Krankheiten, die nicht selten beim Geschlechtsverkehr übertragen werden kann.

Doch auch durch mangelnde Körperhygiene kann eine Vaginitis schnell entstehen. Grundsätzlich ist bei dieser Erkrankung der Schutzmechanismus der weiblichen Scheide gestört. Das normale Milieu in der Scheide hat einen ph-Wert von vier; bei einer Scheidenentzündung ist dieser Wert verändert. Vor allem bei häufig wechselnden Sexualpartnern können unwillkommene Erreger ungehindert in die Scheide eindringen.

Doch auch die Einnahme von Antibiotika kann das natürliche Milieu in der Scheide negativ beeinflussen. Weiterhin kommen mechanische Einflüsse für die Entstehung dieser Erkrankung in Frage. Tampons können hier ebenso die Ursache sein wie die Verwendung eines Diaphragmas. Infolge einer Unterkühlung der Scheide kann es zu veränderten Blut- und Sauerstoffwerten in diesem Bereich kommen; auch dies kann eine Vaginitis hervorrufen.

Frauen, die unter Diabetes leiden, sind ebenfalls anfälliger für eine Entzündung der Scheide.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Von einer Vaginitis betroffene Frauen verspüren meist brennende Schmerzen, die unabhängig von mechanischer Reibung auftreten. Liegt der Vaginitis eine Pilzinfektion zugrunde, stellt sich zudem ein schmerzhafter Juckreiz im Intimbereich ein. Ist Herpes genitalis ursächlich, bilden sich im Bereich der Scheide Bläschen und andere Hautveränderungen.

Gemeinsam haben die verschiedenen Formen, dass die Beschwerden vorwiegend beim Wasserlassen und beim Geschlechtsverkehr auftreten. Daneben kann es zu Blutungen kommen, die außerhalb der Periode auftreten und meist intensiver als üblich sind. Typischerweise ist auch der Ausfluss verändert, der je nach Ursache wässrig, dickflüssig, blutig oder schleimig sein kann und einen ungewöhnlichen Geruch annimmt.

Bei einer Infektion mit dem Pilz Candida albicans ist der Ausfluss weißlich-gelb und geruchlos. Eine bakterielle Vaginose führt zu einem dünnflüssigen Ausfluss mit einem unangenehmen, leicht säuerlichen Geruch. Gelblich-grünlich ist der Ausfluss, wenn der Vaginitis eine Mischinfektion mit verschiedenen Bakterien zugrunde liegt.

Die Symptome einer Scheidenentzündung stellen sich nach der Infektion im Verlauf weniger Tage ein. Wird die Erkrankung zügig behandelt, klingen auch die Krankheitszeichen rasch wieder ab. Eine unbehandelte Vaginitis schränkt die Lebensqualität und das Wohlbefinden stark ein, zudem können chronische Beschwerden auftreten.

Krankheitsverlauf

Eines der am häufigsten vorkommenden Symptome bei einer Scheidenentzündung ist ein vermehrter Ausfluss. Dieser ist von Frau zu Frau verschieden und kann wässrig, eitrig, krümelig oder sogar blutig sein - meist aber ist er übel riechend. Der typische fischige Geruch deutet dabei auf ein bakterielles Ungleichgewicht in der Scheide hin.

Bei manchen Frauen gesellen sich zum Ausfluss noch weitere Symptome. Nicht selten sind beispielsweise brennende Schmerzen oder ein Juckreiz in der Scheide. Ebenfalls können die äußeren Geschlechtsorgane wie die Schamlippen betroffen sein; in diesem Fall brennen und jucken auch diese Organe.

Grundsätzlich heilt eine Scheidenentzündung mit der entsprechenden Therapie schnell von allein wieder. Komplikationen können allerdings dann auftreten, wenn sich die Entzündung auf die Gebärmutterschleimhaut ausbreitet - in diesem Fall kann es zu einer unangenehmen Entzündung der Gebärmutter sowie der Eierstöcke und Eileiter kommen.

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Wann sollte man zum Arzt gehen?

Erste Symptome einer Scheidenentzündung wie ein leichter Juckreiz im Intimbereich und unangenehm riechender Ausfluss können in vielen Fällen durch einfache Hausmittel gelindert werden: Bewährt haben sich vor allem Sitzbäder mit verdünntem Apfelessig und das stundenweise Tragen eines in Joghurt getauchten Tampons. Im Intimbereich sollte auf weite, luftdurchlässige Kleidung geachtet werden, für die Intimhygiene eignet sich klares Wasser besser als seifenhaltige Reinigungsprodukte. Bessern sich die Beschwerden innerhalb weniger Tage durch diese Maßnahmen nicht oder verschlechtern sie sich sogar, empfiehlt sich ein Besuch beim Gynäkologen, um herauszufinden, ob die Vaginitis durch Bakterien, Pilze oder andere Erreger wie etwa Trichomonaden verursacht wird.

Brennen in der Scheide und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sollten auch dann ärztlich abgeklärt werden, wenn kein verstärkter Ausfluss vorliegt. Andererseits kann weiß-krümeliger, gelblich oder dünnflüssiger Scheidenausfluss auch ohne Juckreiz oder sonstige Störungen des Wohlbefindens auftreten. Da eine unbehandelte Vaginitis auf Gebärmutter und Eileiter übergreifen kann, ist eine ärztliche Untersuchung dennoch ratsam. Zudem besteht die Gefahr, dass bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr die Krankheitserreger auf den Partner übertragen werden und ohne Behandlung ein fortdauernder „Ping-Pong-Effekt“ entsteht.

Schwangere Frauen sollten bei den ersten Anzeichen einer Scheidenentzündung wie Brennen, Juckreiz, Rötungen im Intimbereich oder ungewohntem Ausfluss umgehend den behandelnden Frauenarzt aufsuchen, um eine Gefährdung des Ungeborenen auszuschließen.

Behandlung

Die Behandlung einer Scheidenentzündung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Da die Krankheit sexuell übertragbar ist, ist es ratsam, auch den Partner gleich mit zu behandeln.

Eine Scheidenentzündung kann vom Frauenarzt meist recht eindeutig diagnostiziert werden. Die Schleimhaut ist häufig von Bläschen befallen und ist zudem geschwollen oder auch gerötet. Abstriche von dieser Schleimhaut geben nun Hinweis auf die Ursache beziehungsweise den Erreger der Erkrankung. Im Labor wird dieser Abstrich unter dem Mikroskop genau untersucht.

Antimykotika und Antibiotika sind die am häufigsten verschriebenen Medikamente gegen eine Scheidenentzündung. Doch auch spezielle Scheidenzäpfchen oder Cremes helfen in der Regel recht schnell gegen die Symptome einer Scheidenentzündung. Ein Geheimtipp übrigens, den jede Frau zu Hause anwenden kann, ist ein mit Joghurt getränkter Tampon. Dieser wird in die Scheide eingeführt und hilft dabei, das natürliche Milieu in diesem Bereich wieder herzustellen.

Grundsätzlich aber ist während einer Scheidenentzündung auf die Verwendung eines Tampons zu verzichten. Auch Scheidenspülungen sollten während dieser Zeit nicht angewandt werden; ebenso sollte man auf Geschlechtsverkehr verzichten.

Quellen

  • Beckermann, M.J.: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Schwabe, Basel 2004
  • Goerke, K., Steller, J., Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie. Urban & Fischer, München 2003
  • Kaufmann, M., Costa, S.-D., Scharl, A. (Hrsg.): Die Gynäkologie. Springer, Berlin 2013


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