Scrapie (Traberkrankheit)
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 23. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Scrapie oder Traberkrankheit ist eine seit über zweihundert Jahren bekannte, übertragbare Gehirnerkrankung bei Schafen und Ziegen. Für den Menschen ist Scrapie nach heutigem Kenntnisstand nicht gefährlich: Trotz dieser langen Beobachtungszeit gibt es keinen Beleg dafür, dass der Erreger auf den Menschen übergeht – anders als bei der BSE der Rinder.
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Was ist Scrapie?
Scrapie (Traberkrankheit) zählt zu den sogenannten Prionenkrankheiten, zu denen auch die beim Menschen auftretende Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, die BSE-Erkrankung bei Rindern, die CWD bei hirschartigen Tieren, die TME bei Nerzen und die FSE bei Katzen gehören.
Prionen sind fehlgebildete Proteine (Eiweiße), die im Gehirn Schäden verursachen. Es kommt bei Scrapie zu einer Ablagerung stärkeähnlicher Stoffe im Gehirn, die zu seiner Rückbildung führen. Das Gehirn entwickelt zunehmend eine schwammähnlich mit Löchern versehene (spongiforme) Struktur.
Von Scrapie-infizierten Schafen stammendes Tiermehl, das an Rinder verfüttert wurde, hat den Krankheitserreger übertragen und die BSE-Erkrankung ausgelöst. Lange galt das als gesicherter Ursprung der BSE-Epidemie. Nach heutigem Kenntnisstand ist dieser Zusammenhang jedoch nicht bewiesen; ebenso denkbar ist eine spontan beim Rind entstandene Prionenerkrankung, die anschließend über Tiermehl weiterverbreitet wurde. Die englische Bezeichnung Scrapie ist darauf zurückzuführen, dass sich kranke Schafe wegen starken Juckreizes oftmals die Wolle abscheuern. Der deutsche Name Traberkrankheit nimmt auf Auffälligkeiten beim Gang Bezug. Bei Auftreten der Tierseuche Scrapie besteht in Deutschland Anzeigepflicht: Bereits der Verdachtsfall muss dem zuständigen Veterinäramt gemeldet werden. Im Jahr 2011 wurden 19 Krankheitsfälle bekannt. Durch die Zucht auf widerstandsfähige Tiere sind die Fallzahlen seither weiter zurückgegangen. Unterschieden wird heute zwischen der klassischen, ansteckenden Scrapie und der atypischen Scrapie (Nor98), die offenbar spontan bei älteren Tieren entsteht und kaum übertragen wird.
Ursachen
Die fehlgebildeten Prionen ähneln in ihrer Wirkung als organische Giftstoffe den Viren. Doch anders als Bakterien und Viren sind die Prionen gegen Hitze widerstandsfähig und lassen sich auch nicht durch Desinfektionsmaßnahmen bekämpfen. Sie vermehren sich auch nicht wie Viren mit eigenem Erbgut, sondern zwingen körpereigenen Eiweißen ihre fehlerhafte Form auf.
Nach aktuellem Wissensstand handelt es sich bei der Traberkrankheit um eine übertragbare (transmissible) Krankheit, für deren Ausbruch eine entsprechende genetische Disposition von großer Bedeutung ist. Die Einzelheiten des Übertragungsweges galten lange als nicht erforscht. Nach heutigem Kenntnisstand erfolgt die Ansteckung vor allem rund um die Geburt über Fruchtwasser und Nachgeburt sowie über eine dauerhaft mit Prionen belastete Stallumgebung; wie empfänglich ein Tier ist, hängt maßgeblich von Varianten des Prionprotein-Gens (PRNP) ab.
Zwischen Ansteckung und Auftreten der Krankheitssymptome können bei Scrapie einige Jahre liegen, während der die Tiere noch gesund erscheinen. Zum Zeitpunkt der Erkrankung beträgt das Durchschnittsalter der Tiere bei Scrapie 3,5 Jahre.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Die Traberkrankheit führt bei Tieren in erster Linie zu Verhaltensauffälligkeiten. Erkrankte Tiere zeigen sich nervös oder schreckhaft und zittern zudem. Die Bewegungsabläufe sind ebenfalls beeinträchtigt, so dass die Tiere häufig taumeln, traben oder hoppeln. Im Krankheitsverlauf kommt es zu einem Gewichtsverlust und einem anhaltenden Juckreiz, durch welchen die Wolle beziehungsweise das Fell der Tiere abgescheuert wird.
Das weitere Symptombild variiert von Tier zu Tier stark, wobei Scrapie immer tödlich endet. Im Endstadium können die Tiere nicht mehr aufstehen und verenden innerhalb weniger Wochen bis Monate nach dem Auftreten der ersten Anzeichen.
Beim Menschen ist ein entsprechendes Krankheitsbild dagegen nicht bekannt. Trotz des jahrhundertelangen engen Kontakts von Schäfern, Tierärzten und Schlachtern mit erkrankten Tieren gibt es bis heute keinen Beleg dafür, dass der Scrapie-Erreger auf den Menschen übergeht. Anders als bei der BSE der Rinder, deren Erreger beim Menschen die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit auslösen kann, sind für Scrapie keine Erkrankungsfälle beim Menschen beschrieben.
Diagnose & Verlauf
Ein Symptom für eine Erkrankung an Scrapie ist ein verändertes Verhalten der Tiere, die schreckhaft und nervös erscheinen. Die Bewegungsabläufe der taumelnden, hoppelnden, trabenden oder oft zitternden Tiere sind gestört. Juckreiz lässt sie ihre Wolle abscheuern. Ferner nimmt das Gewicht der erkrankten Tiere ab. Allerdings entwickelt jedes Tier insbesondere im Anfangsstadium der Erkrankung mit Scrapie (Traberkrankheit) eine individuelle Symptomatik.
Eine sichere Diagnose von Scrapie kann derzeit erst nach dem Tod des Tieres durch Untersuchung einer Gewebeprobe aus dem Gehirn gestellt werden. Es wird zwar auch versucht, die Krankheit durch Untersuchung von Lymphgewebeproben bereits bei lebenden Tieren zu diagnostizieren, doch galten die Ergebnisse dieser Methode lange als nicht ausreichend gesichert. Inzwischen haben sich Gewebeproben aus dem dritten Augenlid oder aus der Enddarmschleimhaut als Untersuchungsverfahren am lebenden Tier etabliert; für die amtliche Feststellung der Tierseuche bleibt die Untersuchung des Gehirns nach dem Tod jedoch maßgeblich. Sobald die Traberkrankheit ausgebrochen ist, führt die Krankheit in allen Fällen innerhalb einiger Wochen oder Monate zum Tod.
Komplikationen
Die Erkrankung führt bei den betroffenen Tieren ausnahmslos zum Tod; ist die Krankheit einmal ausgebrochen, lässt sich das nicht mehr abwenden. Die Tiere leiden dabei in erster Linie an einer starken Unruhe und an Schreckhaftigkeit. Diese Beschwerden wirken sich sehr negativ auf das Befinden der Tiere aus.
Es kommt dabei zu einem starken Zittern und zu Angstreaktionen. Auch Gangstörungen und Störungen der Koordination können durch Scrapie auftreten und die Bewegungsfähigkeit der Tiere immer weiter einschränken. Die meisten erkrankten Tiere verlieren im Laufe der Erkrankung an Gewicht und leiden weiterhin an starkem Juckreiz, durch den sie sich die Wolle blutig scheuern.
Eine direkte und ursächliche Behandlung dieser Erkrankung ist nicht möglich. Lindern lassen sich allenfalls einzelne Beschwerden, die Erkrankung selbst kann nicht bekämpft werden. Möglicherweise kann in den nächsten Jahren eine Therapie entwickelt werden. Für die Herde besteht die eigentliche Gefahr darin, dass ein infiziertes Tier den Erreger über Jahre unbemerkt weitergibt, bevor es selbst erkrankt.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Beim Menschen tritt die Traberkrankheit nicht auf; ein Arztbesuch wegen einer eigenen Scrapie-Erkrankung ist daher nicht erforderlich. Auch wer beruflich oder als Halter Kontakt zu erkrankten Tieren hatte, muss keine Ansteckung befürchten, weil ein Übergang des Erregers auf den Menschen bislang nicht nachgewiesen wurde.
Gefragt ist stattdessen der Tierarzt. Bemerkt ein Halter bei einem Schaf oder einer Ziege Verhaltensauffälligkeiten, Zittern, einen taumelnden oder trabenden Gang, starken Juckreiz mit abgescheuerter Wolle oder eine unerklärliche Abmagerung, muss er umgehend einen Tierarzt hinzuziehen. Scrapie ist eine anzeigepflichtige Tierseuche: Bereits der Verdacht ist dem zuständigen Veterinäramt zu melden.
Eine Selbstheilung tritt bei der Traberkrankheit nicht ein. Nach dem Auftreten der ersten Symptome schreitet die Krankheit innerhalb von Wochen bis Monaten bis zum Tod des Tieres fort; eine Behandlung, die das aufhalten könnte, gibt es nicht.
Behandlung & Therapie
Therapeutische Möglichkeiten zur Behandlung der an Scrapie erkrankten Tiere gibt es wie bei allen anderen Prionenkrankheiten bisher nicht. Es wird allerdings versucht, die Ausbreitung von Scrapie (Traberkrankheit) zu verhindern, indem die Tiere prophylaktisch isoliert werden. Da aber zwischen der Infektion und dem Auftreten der ersten Krankheitssymptome von Scrapie Jahreszeiträume liegen können, erfolgt die Absonderung der betroffenen Tiere erst zu einem relativ späten Zeitpunkt und ist daher in ihrer Wirksamkeit begrenzt.
Nach Notschlachtung der an der Traberkrankheit erkrankten Tiere werden die Kadaver verbrannt, um Infektionsquellen zu beseitigen. Erste therapeutische Ansätze entwickelten Forscher der Universitäten Bonn und München, die mit einem neuen Behandlungsverfahren die Lebensdauer vergleichbar infizierter Mäuse verlängern konnten. Die Forscher setzten besondere RNA-Moleküle (Verwandte der DNS) ein, die sich an diejenigen Gene in den Gehirnzellen heften, die für die Herstellung der fehlerhaften Prionen verantwortlich sind.
Mit diesem Verfahren konnte die Produktion der pathologischen (krankmachenden) Eiweiße um 97 % reduziert werden. Die RNA-behandelten Tiere hatten aber nur dann eine um ein Drittel erhöhte Lebensdauer, wenn es gelang, die überwiegende Zahl ihrer Gehirnzellen zu schützen. Ob die Entwicklung einer Therapie möglich sein wird, die mittels dieses sogenannten RNA-Interferenz-Verfahrens sämtliche Gehirnzellen erreichen kann, wird von den Forschern allerdings bezweifelt. Die Erforschung einer effektiven Therapie für Scrapie wird noch einige Jahre in Anspruch nehmen. Bis heute ist aus diesen Ansätzen keine anwendbare Behandlung entstanden; für Scrapie wie für alle anderen Prionenkrankheiten steht weiterhin keine wirksame Therapie zur Verfügung.
Vorbeugung
Eine prophylaktische Maßnahme besteht in der Aussonderung und Notschlachtung von an Scrapie erkrankten Tieren. Wegen der langen Inkubationszeit ist die Isolation der Tiere allerdings nur begrenzt wirksam. Eine langfristige Möglichkeit zur Bekämpfung der Seuche Scrapie besteht in der Entwicklung von Zuchtprogrammen, bei denen mittels Gentest vorab die Krankheitsanfälligkeit der für die Zucht vorgesehenen Tiere ermittelt wird. Außerdem wird ein tierärztliches Monitoring durchgeführt, mit dem Ziegen- und Schafherden durch flächendeckende Stichproben auf Scrapie untersucht werden.
Nachsorge
Für die Traberkrankheit gibt es nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft keine Behandlungsmöglichkeit. Nachdem ein Tier an Scrapie erkrankt ist, tritt nach dem Auftreten der ersten Symptome in einem Zeitraum zwischen zwei Wochen und sechs Monaten der Tod ein. Aus diesem Grund ist eine Nachsorge nicht erforderlich.
Jedoch richten sich die Maßnahmen nach Auftreten der Erkrankung auf die Bekämpfung einer möglichen Seuche. Scrapie-Fälle müssen nach EU-Recht den zuständigen Behörden gemeldet werden. Die dann anschließenden Maßnahmen unterscheiden sich im Detail von Land zu Land. In der Regel werden erkrankte Tiere wie Schafe oder Ziegen getötet.
Die Tierkörper müssen anschließend sicher entsorgt werden, so dass von ihnen keine weitere Infektionsgefahr mehr ausgehen kann. Darüber hinaus werden im Zusammenhang mit der langen Inkubationszeit der Traberkrankheit meist ausgedehnte Quarantänemaßnahmen angeordnet. Mit ihnen soll erreicht werden, dass sich gesunde Tiere nicht infizieren.
Auch sollen noch unerkannte Erkrankungen bei anscheinend gesunden Tieren erkannt werden. Darüber hinaus kann der Amtsveterinärarzt anordnen, dass innerhalb eines Bestandes solche Tiere getötet werden, die zu einer Hochrisikogruppe gehören. Darüber hinaus richten sich Maßnahmen im Nachgang einer Scrapie-Erkrankung auch darauf, resistente Rassen zu züchten und so künftige Ausbrüche zu verhindern.
Das können Sie selbst tun
Einige Krankheiten lassen sich mit einer Selbstmedikation heilen. Altbewährte Rezepte versprechen zumindest eine Linderung der Beschwerden. Bei harmlosen Beschwerden kann ein Arztbesuch dadurch entbehrlich werden. Diese Selbsthilfemaßnahmen sind bei einem Verdacht auf Scrapie (Traberkrankheit) nicht möglich. Denn es existiert kein wirksames Mittel. Weder ein Tierarzt noch ein Halter kann eine Ziege oder ein Schaf heilen.
Geeignet ist nur die Isolation, um eine Ansteckung anderer Tiere zu verhindern. Anschließend wird das Tier notgeschlachtet. Der Kadaver wird zur Vermeidung jedweder Übertragung verbrannt.
Die Diagnose der Traberkrankheit bringt Schwierigkeiten mit sich. Sie kann bisher nur eindeutig an toten Tieren festgestellt werden. Tierhaltern bleiben damit zunächst nur Hinweise auf die Erkrankung. Die typischen Verhaltensveränderungen und Anzeichen besitzen aber nur begrenzte Aussagekraft. Der Alltag birgt dadurch ein hohes Maß an Unsicherheit.
Zudem erweist sich als problematisch, dass die Zeit bis zum Ausbruch der Scrapie zwei bis fünf Jahre beträgt. Ein infektiöses Tier kann somit unter Umständen die gesamte Herde unmerklich anstecken. In der Praxis empfiehlt es sich, dass Schaf- und Ziegenhalter zumindest einen Überblick über den Herdenbestand bewahren.
Quellen
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- Hufschmidt, A., Rauer, S., Glocker, F. X. (Hrsg.): Neurologie compact.
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- Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Innere Medizin.
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- Hof, H., Schlüter, D. (Hrsg.): Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie.
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