Scrofulose


Aktualisiert am 16. Mai 2019 von Dr. med. Nonnenmacher

Die Skrofulose war im Mittelalter eine weit verbreitete Hauterkrankung mit Halsdrüsengeschwulsten. Dieses Krankheitsbild wird heute mit Hauttuberkulose und allergischen Reaktionen in Zusammenhang gebracht. Die Therapie bestand während des Mittelalters vor allem aus einem Handauflegen durch den König.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Skrofulose?

Skrofulose ist die historische Bezeichnung für eine Hauterkrankung mit Halsdrüsengeschwulsten und einer Vergrößerung oder Zerstörung der Lymphknoten. Die heutige Medizin spricht in diesem Zusammenhang am ehesten von einer Hauttuberkulose. Der Begriff der Skrofulose war vor allem während des Mittelalters ein verbreiteter Begriff für verschiedene Erkrankungen der Hals- und Gesichtshaut. Das Auftreten der Erkrankung war in vielen Orten des Landes endemisch.

Die Skrofulose kam in bestimmten Orten also andauernd und gehäuft vor. Heute geht man im Zusammenhang damit von infektiösen Ursachen aus, wie sie auch für die Hauttuberkulose angenommen werden. Unter der Hauttuberkulose versteht der Mediziner der Gegenwart eine chronische oder akute Bakterieninfektion der Haut und Unterhaut. Nach Dornblüths klinischem Wörterbuch meinte die Skrofulose zum einen eine entzündliche und genetisch bedingte Überreaktion der Haut auf Umweltreize und zum anderen die Hauttuberkulose im Kindesalter, die mit chronischen Entzündungen einher ging.

Ursachen

Für die Tuberkulose typisch sind käsige Untergänge von Gewebe. Wenn für diese Gewebsuntergänge eine Neigung zum Einschmelzen besteht, dann kann sich das in Form von Hauttuberkulose äußern, wie sie im Mittelalter als Skrofulose beschrieben wurde. Die Ursache für eine Hauttuberkulose ist in aller Regel das Bakterium Mycobacterium tuberculosis. Eine infektiöse Ursache wie diese könne die mittelalterlich beschriebene Endemie der Erkrankung erklären.

Einige Wissenschaftler haben sich heute aber auch gänzlich von einem Zusammenhang zwischen der Tuberkulose und der Skrofulose entfernt und sprechen stattdessen von einer ursächlichen Allergie. Eine allergische Ursache würde zumindest die mittelalterlich beschriebenen Schwellungen der Lymphknoten in Kombination mit chronischem Schnupfen und entzündlichen Immunreaktionen erklären. Den mittelalterlichen Schriften zufolge waren von der Skrofulose vor allem Kinder bis zu 13 Jahren betroffen. Im Zusammenhang damit hinterfragen einige Wissenschaftler bis heute eine allergische Ursache und sprechen sich noch immer für Infektionen aus.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Leitsymptom der Skrofulose waren die Entzündungen der Drüsen. Diese Entzündungen wurden typischerweise von Ekzemen begleitet. Nasen- sowie Ohren- oder Augenentzündungen traten oft begleitsymptomisch dazu auf. Lang andauernde Verdauungsstörungen und Appetitlosigkeit wurden ebenso zu den wichtigsten Symptomen gezählt. Manchmal lagen zusätzlich Atembeschwerden vor.

Der symptomatische Hautausschlag der Patienten entwickelte sich oft zu erhabenen Geschwulsten, aus denen eitriger Ausfluss austrat. Selbst Gelenkentzündungen und andere Entzündungserscheinungen des Skeletts wurden in verschiedenen Schriften für die Skrofulose beschrieben. Heute ist allerdings nur noch schwer einzuschätzen, welche Symptome wirklich mit der Skrofulose in Verbindung gestanden haben und welche eventuell auf eine zeitgleich zur Skrofulose eingetretene Erkrankung zurückzuführen waren. Manche Schriften bezeichnen kalte und schwitzende Füße bei Kleinkindern als Frühsymptome der Skrofulose. Die Zuverlässigkeit dieser Aussage steht allerdings in Frage.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Erkrankung verlief während des Mittelalters äußerst langwierig. Manche Schriften sprechen von einer Krankheitsdauer um die zehn Jahre. Die Diagnose wurde in der Regel blickdiagnostisch gestellt, da sich mit den typischen Ekzemen der Krankheit ein mit bloßem Auge zu erkennendes Kriterium der Diagnostik bot. In einigen Fällen hat sich die Skrofulose während des Mittelalters im Verlauf auf das gesamte Lymphsystem ausgeweitet und damit das Erscheinungsbild einer Pseudoleukämie verursacht.

Komplikationen

Die Skrofulose ist in der Regel mit verschiedenen Beschwerden und Erkrankungen der Haut verbunden. Betroffene leiden an wiederkehrenden Entzündungen, die meist mit Juckreiz, Rötungen und Schmerzen verbunden sind. Begleitend dazu treten mitunter auch Mandelentzündungen oder Entzündungen der Ohren auf.

Eine Ohrenentzündung verursacht ebenfalls intensive Schmerzen, die bis in den Kopf oder Nacken ausstrahlen können. Im Allgemeinen kann sich die Skrofulose auf verschiedene Körperregionen ausbreiten und beispielsweise eine Blinddarmentzündung, eine Nasennebenhöhlenentzündung und andere Beschwerden auslösen. Bei Fehlstellungen von Kiefer und Gebiss können Probleme bei der Nahrungsaufnahme auftreten.

Die Behandlung einer Skrofulose birgt ebenfalls Risiken. So können die verordnen Medikamente Neben- und Wechselwirkungen hervorrufen. Nach der Einnahme von Phytotherapeutika können vereinzelt Störungen des Immunsystems auftreten. Auch klassische Arzneimittel rufen mitunter Beschwerden hervor – etwa Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden oder Hautirritationen.

Auch allergische Reaktionen können auftreten, die in Verbindung mit den ursprünglichen Symptomen mitunter weitere Beschwerden hervorrufen. Werden ohne Rücksprache mit dem Arzt Naturheilmittel eingenommen, kann dies zu einem Unwohlsein führen und unter Umständen Beschwerden der Haut, des Immunsystems, des Herz-Kreislauf-Systems oder des Magen-Darm-Traktes auslösen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei einer Scrofulose ist immer eine Behandlung durch einen Arzt notwendig. Es kann bei dieser Krankheit nicht zu einer Selbstheilung kommen, sodass der Betroffene immer auf eine medizinische Behandlung durch einen Arzt angewiesen ist. Je früher die Scrofulose erkannt wird, desto besser ist der weitere Verlauf dieser Krankheit. Ein Arzt ist dann aufzusuchen, wenn der Patient an starken Entzündungen an den Ohren oder den Augen leidet. Sollten diese ohne einen besonderen Grund auftreten und nicht wieder alleine verschwinden, so muss auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden.

Ebenfalls deuten Störungen der Verdauung und auch Atembeschwerden auf die Scrofulose hin und müssen ebenfalls von einem Mediziner behandelt werden. Der Betroffene weist nicht selten auch einen Ausschlag auf der Haut auf, welcher sich über den gesamten Körper ausbreiten kann. Die Scrofulose kann durch einen Allgemeinarzt erkannt werden. Bei der weiteren Behandlung ist allerdings ein Facharzt notwendig.

Behandlung & Therapie

Ab dem Mittelalter und bis in die frühe Neuzeit hinein wurde die Skrofulose in Frankreich und England vor allem vom König selbst behandelt. Damals glaubte das Volk an eine Berufung des Königs durch Gott und unterstellte ihm so die Fähigkeit, Skrofulose durch bloßes Handauflegen zu heilen. Die Heilung von Skrofulose-Patienten gehörte daher sowohl in Frankreich, als auch in England zu den alltäglichen Königsriten. Der rechtmäßig gesalbte König legte den Patienten also täglich die Hände auf.

Oft reisten die Kranken sogar aus weit entfernten Orten an, um vom König geheilt zu werden. Unter dem englischen König Karl II. erreichte das Handauflegen seinen Klimax. Er legte während seiner Herrschaft schätzungsweise 100.000 Menschen die Hände auf, um damit die Wiederherstellung der sakralen Königsherrschaft zu repräsentieren. In der Volksmedizin wurde die Skorfulose teilweise mit Arsen, Silicium, Heilpflanzen oder anderen Stoffen aus der Natur behandelt.

Körperliche Bewegungen und Sonnenlicht galten als Therapieempfehlungen. Auch einer Ernährung auf Basis von Milchprodukten wurden zum Teil heilende Wirkungen nachgesagt. Zusätzlich kam der salzhaltigen Hautpflege eine besondere Bedeutung zu. Ein Gemisch aus Lebertran, Eidotter und Zucker sollte die Schwellungen der Drüsen eindämmen. Später wurden den Patienten gegen Entzündungen der Knochen, der Gelenke und der Drüsen zum Teil auch operative Maßnahmen nahe gelegt.

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Vorbeugung

Im Mittelalter war die Volksmedizin der Ansicht, eine strenge Diät und strenge Hygienemaßnahmen könnten Erkrankungen wie der Skrofulose vorbeugen. Scharfe, sowie würzige und stark gesalzene Speisen wurden in diesem Zusammenhang zum Beispiel genauso verboten, wie Alkohol. Zweimal wöchentlich wurde zu einem lauwarmen Bad geraten. Auch der Seeluft und der Bergluft wurden oft präventive Effekte nachgesagt.

Nachsorge

Eine Skrofuluse bedarf einer umfassenden Nachsorge. Je nach Auslöser können im Rahmen der Nachsorge auch Naturheilmittel aus der Volksmedizin verordnet werden. Zu den wirksamen Heilmitteln gehört etwa Braunwurz (Scrophularia). Da die Ursache der Hautbeschwerden sehr unterschiedlich sein kann, muss die Nachsorge an den Auslöser ausgerichtet werden. Liegt den Beschwerden zum Beispiel eine Tuberkulose zugrunde, dauert die Nachsorge in der Regel zwei oder mehrere Jahre an.

In diesem Zeitraum werden in regelmäßigen Abständen Kontrolluntersuchungen durchgeführt. Der Arzt misst das Gewicht, nimmt Sputum ab und führt bei Bedarf eine Röntgenuntersuchung durch. Die Hautbeschwerden selbst verschwinden frühzeitig wieder. Die Nachsorge bei einer Skrofulose übernimmt der Dermatologe oder ein Allgemeinarzt. Bei chronischen Beschwerden können Massagen oder die Anwendung von Salben zur Nachsorge gehören.

Wenn die Skrofuluse Narben hervorgerufen hat, kann eine kosmetische Entfernung der Narben infrage kommen. Der zuständige Arzt kann den Patienten je nach Fall über die Möglichkeiten informieren. Bei Skrofulose ist nicht immer eine Nachsorge notwendig. In einigen Fällen heilt das Leiden von alleine wieder aus. Bei einer Spontanheilung ist keine umfassende Nachsorge vonnöten.

Das können Sie selbst tun

Gegen Scrofulose gibt es kaum Hilfe im Alltag, auch wenn die Geschichte dieser Erkrankung auf einige Möglichkeiten zur Selbsthilfe hinweist. Heutzutage ist es vor allem wichtig, dass die Patienten die verschriebenen Medikamente entsprechend der ärztlichen Empfehlung einnehmen. Dabei sind eventuelle Nebenwirkungen zu beachten, damit das Immunsystem nicht beeinträchtigt wird.

In diesem Zusammenhang sollten die Betroffenen regelmäßige Untersuchungen durchführen lassen, um allergische Reaktionen und andere Wechselwirkungen rechtzeitig zu erkennen. Auch die Einnahme von Naturheilmitteln ist unbedingt mit dem Arzt zu besprechen. Ansonsten erhöht sich das Risiko von Hautbeschwerden und Schwächungen des Herz-Kreislauf-Systems. Im Zusammenhang mit einer genauen, langfristigen Kontrolle des Gesundheitszustands ist es möglich, Probleme frühzeitig zu entdecken. So wird die Standardtherapie gut unterstützt.

In früheren Zeiten war laut Volksmedizin eine Diät in Kombination mit Verzicht auf Alkohol und einer besseren Hygiene hilfreich. Heute wissen die Ärzte, dass Alkohol tatsächlich eine schädigende Wirkung haben kann. Wie positiv die ehemals versprochene Präventiv-Wirkung von frischer See- oder Bergluft tatsächlich ist, lässt sich nicht genau nachweisen. Im Alltagsleben sind heute eher Selbsthilfegruppen gefragt, um das Gesundheitsbewusstsein zu stärken und die Erkrankung leichter zu ertragen.

Quellen

  • Dirschka, T., Hartwig, R.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2011
  • Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013


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