Scrofulose

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 23. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Skrofulose war im Mittelalter eine weit verbreitete Hauterkrankung mit Halsdrüsengeschwulsten. Dieses Krankheitsbild wird heute mit Hauttuberkulose und allergischen Reaktionen in Zusammenhang gebracht. Die Therapie bestand während des Mittelalters vor allem aus einem Handauflegen durch den König. Nach heutigem Verständnis steckt hinter dem Krankheitsbild in den meisten Fällen eine Tuberkulose der Halslymphknoten, die über Monate mit Antibiotika behandelt werden muss.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Skrofulose?

Scrofulose
Die Ursache für eine Hauttuberkulose ist in aller Regel das Bakterium Mycobacterium tuberculosis. Eine infektiöse Ursache wie diese könnte die mittelalterlich beschriebene Endemie der Erkrankung erklären.
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Skrofulose ist die historische Bezeichnung für eine Hauterkrankung mit Halsdrüsengeschwulsten und einer Vergrößerung oder Zerstörung der Lymphknoten. Die heutige Medizin spricht in diesem Zusammenhang am ehesten von einer Hauttuberkulose. Der Sache nach handelt es sich um eine Tuberkulose der Halslymphknoten, die bis zur Haut durchbricht; die Fachsprache bezeichnet diese Form heute als Skrofuloderm. Der Begriff der Skrofulose war vor allem während des Mittelalters ein verbreiteter Begriff für verschiedene Erkrankungen der Hals- und Gesichtshaut. Das Auftreten der Erkrankung war in vielen Orten des Landes endemisch.

Die Skrofulose kam in bestimmten Orten also andauernd und gehäuft vor. Heute geht man im Zusammenhang damit von infektiösen Ursachen aus, wie sie auch für die Hauttuberkulose angenommen werden. Unter der Hauttuberkulose versteht der Mediziner der Gegenwart eine chronische oder akute Bakterieninfektion der Haut und Unterhaut. Nach Dornblüths klinischem Wörterbuch meinte die Skrofulose zum einen eine entzündliche und genetisch bedingte Überreaktion der Haut auf Umweltreize und zum anderen die Hauttuberkulose im Kindesalter, die mit chronischen Entzündungen einherging.

Ursachen

Für die Tuberkulose typisch sind käsige Untergänge von Gewebe. Wenn für diese Gewebsuntergänge eine Neigung zum Einschmelzen besteht, dann kann sich das in Form von Hauttuberkulose äußern, wie sie im Mittelalter als Skrofulose beschrieben wurde. Die Ursache für eine Hauttuberkulose ist in aller Regel das Bakterium Mycobacterium tuberculosis. Eine infektiöse Ursache wie diese könnte die mittelalterlich beschriebene Endemie der Erkrankung erklären.

Einige Wissenschaftler haben sich heute aber auch gänzlich von einem Zusammenhang zwischen der Tuberkulose und der Skrofulose entfernt und sprechen stattdessen von einer ursächlichen Allergie. Eine allergische Ursache würde zumindest die mittelalterlich beschriebenen Schwellungen der Lymphknoten in Kombination mit chronischem Schnupfen und entzündlichen Immunreaktionen erklären. Den mittelalterlichen Schriften zufolge waren von der Skrofulose vor allem Kinder bis zu 13 Jahren betroffen. Im Zusammenhang damit hinterfragen einige Wissenschaftler bis heute eine allergische Ursache und sprechen sich noch immer für Infektionen aus. In der heutigen Medizin gilt die Skrofulose als Erscheinungsform einer Mykobakterien-Infektion. Bei Erwachsenen steckt dahinter meist eine Tuberkulose; bei kleinen Kindern ist in Mitteleuropa dagegen häufig eine Infektion mit nichttuberkulösen Mykobakterien die Ursache, die nicht über Monate mit Antibiotika, sondern durch die vollständige operative Entfernung des befallenen Lymphknotens behandelt wird. Die allergische Deutung bezieht sich auf den historischen Sammelbegriff, unter dem früher auch nicht-tuberkulöse Hautleiden zusammengefasst wurden.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Leitsymptom der Skrofulose waren die Entzündungen der Drüsen. Diese Entzündungen wurden typischerweise von Ekzemen begleitet. Nasen- sowie Ohren- oder Augenentzündungen traten oft begleitsymptomisch dazu auf. Lang andauernde Verdauungsstörungen und Appetitlosigkeit wurden ebenso zu den wichtigsten Symptomen gezählt. Manchmal lagen zusätzlich Atembeschwerden vor.

Der symptomatische Hautausschlag der Patienten entwickelte sich oft zu erhabenen Geschwulsten, aus denen eitriger Ausfluss austrat. Selbst Gelenkentzündungen und andere Entzündungserscheinungen des Skeletts wurden in verschiedenen Schriften für die Skrofulose beschrieben. Heute ist allerdings nur noch schwer einzuschätzen, welche Symptome wirklich mit der Skrofulose in Verbindung gestanden haben und welche eventuell auf eine zeitgleich zur Skrofulose eingetretene Erkrankung zurückzuführen waren. Manche Schriften bezeichnen kalte und schwitzende Füße bei Kleinkindern als Frühsymptome der Skrofulose. Die Zuverlässigkeit dieser Aussage steht allerdings in Frage.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Erkrankung verlief während des Mittelalters äußerst langwierig. Manche Schriften sprechen von einer Krankheitsdauer um die zehn Jahre. Die Diagnose wurde in der Regel blickdiagnostisch gestellt, da sich mit den typischen Ekzemen der Krankheit ein mit bloßem Auge zu erkennendes Kriterium der Diagnostik bot. In einigen Fällen hat sich die Skrofulose während des Mittelalters im Verlauf auf das gesamte Lymphsystem ausgeweitet und damit das Erscheinungsbild einer Pseudoleukämie verursacht.

Heute wird die Erkrankung durch eine Gewebe- oder Eiterprobe aus dem betroffenen Lymphknoten gesichert: Der Erreger lässt sich mikroskopisch, in der Kultur und mit der PCR nachweisen. Ergänzend kommen Bluttests auf eine Tuberkulose-Infektion (Interferon-Gamma-Tests) und bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Computertomographie zum Einsatz. Der früher übliche Tuberkulin-Hauttest spielt dabei nur noch eine untergeordnete Rolle.

Komplikationen

Die Skrofulose ist in der Regel mit verschiedenen Beschwerden und Erkrankungen der Haut verbunden. Betroffene leiden an wiederkehrenden Entzündungen, die meist mit Juckreiz, Rötungen und Schmerzen verbunden sind. Begleitend dazu treten mitunter auch Mandelentzündungen oder Entzündungen der Ohren auf.

Eine Ohrenentzündung verursacht ebenfalls intensive Schmerzen, die bis in den Kopf oder Nacken ausstrahlen können. Im Allgemeinen kann sich die zugrunde liegende Tuberkulose auf verschiedene Körperregionen ausbreiten und beispielsweise die Lunge, die Knochen oder die Gelenke befallen. Unbehandelt schmelzen die betroffenen Lymphknoten ein und brechen als schlecht heilende Fisteln nach außen durch; im ungünstigsten Fall streut der Erreger über die Blutbahn und löst eine lebensbedrohliche Miliartuberkulose aus. Bei Fehlstellungen von Kiefer und Gebiss können Probleme bei der Nahrungsaufnahme auftreten.

Die Behandlung einer Skrofulose birgt ebenfalls Risiken. So können die verordneten Medikamente Neben- und Wechselwirkungen hervorrufen. Nach der Einnahme von Phytotherapeutika können vereinzelt Störungen des Immunsystems auftreten. Auch klassische Arzneimittel rufen mitunter Beschwerden hervor – etwa Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden oder Hautirritationen.

Auch allergische Reaktionen können auftreten, die in Verbindung mit den ursprünglichen Symptomen mitunter weitere Beschwerden hervorrufen. Werden ohne Rücksprache mit dem Arzt Naturheilmittel eingenommen, kann dies zu einem Unwohlsein führen und unter Umständen Beschwerden der Haut, des Immunsystems, des Herz-Kreislauf-Systems oder des Magen-Darm-Traktes auslösen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei einer Scrofulose ist immer eine Behandlung durch einen Arzt notwendig. Es kann bei dieser Krankheit nicht zu einer Selbstheilung kommen, sodass der Betroffene immer auf eine medizinische Behandlung durch einen Arzt angewiesen ist. Je früher die Scrofulose erkannt wird, desto besser ist der weitere Verlauf dieser Krankheit. Ein Arzt ist dann aufzusuchen, wenn der Patient an starken Entzündungen an den Ohren oder den Augen leidet. Sollten diese ohne einen besonderen Grund auftreten und nicht wieder alleine verschwinden, so muss auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden.

Ebenfalls deuten Störungen der Verdauung und auch Atembeschwerden auf die Scrofulose hin und müssen ebenfalls von einem Mediziner behandelt werden. Der Betroffene weist nicht selten auch einen Ausschlag auf der Haut auf, welcher sich über den gesamten Körper ausbreiten kann. Die Scrofulose kann durch einen Allgemeinarzt erkannt werden. Bei der weiteren Behandlung ist allerdings ein Facharzt notwendig. Vor allem gehört jede Schwellung der Halslymphknoten, die länger als vier Wochen besteht, sich verhärtet oder die Haut vorwölbt, ärztlich abgeklärt. Das gilt erst recht, wenn Nachtschweiß, Fieber, ungewollter Gewichtsverlust oder ein Aufbrechen der Haut hinzukommen. Bestätigt sich eine Tuberkulose, ist der Arzt gesetzlich verpflichtet, die Erkrankung dem Gesundheitsamt zu melden.

Behandlung & Therapie

Heute wird die Erkrankung ursächlich behandelt. Steht eine Tuberkulose dahinter, erhalten die Patienten über mehrere Monate eine Kombination von Antibiotika: In den ersten zwei Monaten in der Regel vier Wirkstoffe – Isoniazid, Rifampicin, Pyrazinamid und Ethambutol –, anschließend über mindestens vier weitere Monate noch zwei davon. Die Medikamente müssen dabei ohne Unterbrechung eingenommen werden, weil sonst widerstandsfähige Erreger entstehen können. Ein operativer Eingriff bleibt Einzelfällen vorbehalten, etwa wenn ein eingeschmolzener Lymphknoten entlastet werden muss.

Ab dem Mittelalter und bis in die frühe Neuzeit hinein wurde die Skrofulose in Frankreich und England vor allem vom König selbst behandelt. Damals glaubte das Volk an eine Berufung des Königs durch Gott und unterstellte ihm so die Fähigkeit, Skrofulose durch bloßes Handauflegen zu heilen. Die Heilung von Skrofulose-Patienten gehörte daher sowohl in Frankreich, als auch in England zu den alltäglichen Königsriten. Der rechtmäßig gesalbte König legte den Patienten also täglich die Hände auf.

Oft reisten die Kranken sogar aus weit entfernten Orten an, um vom König geheilt zu werden. Unter dem englischen König Karl II. erreichte das Handauflegen seinen Klimax. Er legte während seiner Herrschaft schätzungsweise 100.000 Menschen die Hände auf, um damit die Wiederherstellung der sakralen Königsherrschaft zu repräsentieren. In der Volksmedizin wurde die Skrofulose teilweise mit Arsen, Silicium, Heilpflanzen oder anderen Stoffen aus der Natur behandelt.

Körperliche Bewegungen und Sonnenlicht galten als Therapieempfehlungen. Auch einer Ernährung auf Basis von Milchprodukten wurden zum Teil heilende Wirkungen nachgesagt. Zusätzlich kam der salzhaltigen Hautpflege eine besondere Bedeutung zu. Ein Gemisch aus Lebertran, Eidotter und Zucker sollte die Schwellungen der Drüsen eindämmen. Später wurden den Patienten gegen Entzündungen der Knochen, der Gelenke und der Drüsen zum Teil auch operative Maßnahmen nahe gelegt.


Vorbeugung

Im Mittelalter war die Volksmedizin der Ansicht, eine strenge Diät und strenge Hygienemaßnahmen könnten Erkrankungen wie der Skrofulose vorbeugen. Scharfe, sowie würzige und stark gesalzene Speisen wurden in diesem Zusammenhang zum Beispiel genauso verboten, wie Alkohol. Zweimal wöchentlich wurde zu einem lauwarmen Bad geraten. Auch der Seeluft und der Bergluft wurden oft präventive Effekte nachgesagt.

Nachsorge

Eine Skrofulose bedarf einer umfassenden Nachsorge. Je nach Auslöser können im Rahmen der Nachsorge auch Naturheilmittel aus der Volksmedizin verordnet werden. Zu den überlieferten Heilmitteln gehört etwa Braunwurz (Scrophularia). Ein Wirksamkeitsnachweis fehlt dafür allerdings; die Pflanze verdankt ihren Namen lediglich der früheren Anwendung gegen die Skrofulose. Da die Ursache der Hautbeschwerden sehr unterschiedlich sein kann, muss die Nachsorge an den Auslöser ausgerichtet werden. Liegt den Beschwerden zum Beispiel eine Tuberkulose zugrunde, dauert die Nachsorge in der Regel zwei oder mehrere Jahre an.

In diesem Zeitraum werden in regelmäßigen Abständen Kontrolluntersuchungen durchgeführt. Der Arzt misst das Gewicht, nimmt Sputum ab und führt bei Bedarf eine Röntgenuntersuchung durch. Die Hautbeschwerden selbst verschwinden frühzeitig wieder. Die Nachsorge bei einer Skrofulose übernimmt der Dermatologe oder ein Allgemeinarzt. Bei chronischen Beschwerden können Massagen oder die Anwendung von Salben zur Nachsorge gehören.

Wenn die Skrofulose Narben hervorgerufen hat, kann eine kosmetische Entfernung der Narben infrage kommen. Der zuständige Arzt kann den Patienten je nach Fall über die Möglichkeiten informieren. Liegt den Hautbeschwerden dagegen eine Tuberkulose zugrunde, heilt das Leiden nicht von alleine aus: Diese Form muss in jedem Fall über Monate antibiotisch behandelt und anschließend ärztlich nachkontrolliert werden.

Das können Sie selbst tun

Gegen Scrofulose gibt es kaum Hilfe im Alltag, auch wenn die Geschichte dieser Erkrankung auf einige Möglichkeiten zur Selbsthilfe hinweist. Heutzutage ist es vor allem wichtig, dass die Patienten die verschriebenen Medikamente entsprechend der ärztlichen Empfehlung einnehmen. Dabei sind eventuelle Nebenwirkungen zu beachten, damit das Immunsystem nicht beeinträchtigt wird.

In diesem Zusammenhang sollten die Betroffenen regelmäßige Untersuchungen durchführen lassen, um allergische Reaktionen und andere Wechselwirkungen rechtzeitig zu erkennen. Auch die Einnahme von Naturheilmitteln ist unbedingt mit dem Arzt zu besprechen. Ansonsten erhöht sich das Risiko von Hautbeschwerden und Schwächungen des Herz-Kreislauf-Systems. Im Zusammenhang mit einer genauen, langfristigen Kontrolle des Gesundheitszustands ist es möglich, Probleme frühzeitig zu entdecken. So wird die Standardtherapie gut unterstützt.

In früheren Zeiten war laut Volksmedizin eine Diät in Kombination mit Verzicht auf Alkohol und einer besseren Hygiene hilfreich. Heute wissen die Ärzte, dass Alkohol tatsächlich eine schädigende Wirkung haben kann. Wie positiv die ehemals versprochene Präventiv-Wirkung von frischer See- oder Bergluft tatsächlich ist, lässt sich nicht genau nachweisen. Im Alltagsleben sind heute eher Selbsthilfegruppen gefragt, um das Gesundheitsbewusstsein zu stärken und die Erkrankung leichter zu ertragen.

Quellen

  • Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
    ISBN: 9783662613849
  • Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
    ISBN: 9783662495445
  • Moll, I. (Hrsg.): Dermatologie.
    ISBN: 9783132446045
  • Hof, H., Schlüter, D. (Hrsg.): Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie.
    ISBN: 9783132443174
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655

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