Verlauf und Dauer von Lippenherpes

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Lippenherpes: Verlauf und mit welcher Dauer du rechnen musst!

Fast 90 % der Menschen sind mit Herpes Viren infiziert. Dabei unterscheidet man aber zwischen HSV-1 und HSV-2. Beim Herpes Virus HSV-1 sind rund 70 % der Bevölkerung betroffen. Beim Herpes Virus HSV-2 hingegen nur 20 % und davon mehr Frauen als Männer. Während Typ 1 vor allem unter Lippenherpes bekannt ist, ist der zweite Virustyp meist für Genitalherpes verantwortlich. Dennoch können beide Typen überall am Körper auftreten. Allerdings ist dies selten der Fall. Doch wie verläuft Lippenherpes und wie lange dauert es, bis die Symptome wieder abgeklungen sind?

Inhaltsverzeichnis

Wie entsteht Lippenherpes?

Lippenherpes
Infektion, Schweregrad und Dauer eines Lippenherpes variieren von Patient zu Patient. Die erste Phase der Infektion ist gekennzeichnet von einem Kribbeln, Spannen und Brennen im Lippenbereich.
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Über 70 % der Bevölkerung trägt das Herpes Virus 1 in sich, wobei es nicht bei jedem Menschen zum Ausbruch kommt. Insbesondere körperliche oder seelische Belastungen wie Krankheiten oder Stress sorgen dafür, dass die Viren reaktiviert werden und es zum Ausbruch der Erkrankung kommt. Doch auch Umwelteinflüsse wie beispielsweise zu viel Sonnenbestrahlung können das Virus ausbrechen lassen. Da gerade an der Lippe sehr gute Vermehrungsbedingungen herrschen, breitet sich HSV-1 am häufigsten an der Lippe aus.

Wer dabei einmal an Herpes erkrankt, muss immer wieder mit einem neuen Ausbruch rechnen, da das Virus lebenslang im Körper ist. Als unterstützende Maßnahme wird häufig Lysin genannt: Die essenzielle Aminosäure soll die Vermehrung der Viren hemmen und so dazu beitragen, dass ein Ausbruch erst gar nicht stattfindet. Belastbare Studien, die diese Wirkung bestätigen, fehlen allerdings bislang. Lysin ist hauptsächlich in Schweinefleisch, Thunfisch und Sojabohnen enthalten.

Verlauf von Lippenherpes – die einzelnen Herpes-Phasen

Humane Herpesviren
Ein besonderes Merkmal von Herpesviridae ist die Persistenz. Nach einer Erstinfektion bleiben sie lebenslang im Wirt erhalten, ohne eine Erkrankung hervorzurufen.
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Ein typischer Verlauf von Lippenherpes ist, dass es kribbelt, kurz darauf ein Bläschen entsteht, welches dann aufplatzt. Mit Cremes und Salben können diese Bläschen behandelt werden, sodass sie nach ein paar Tagen wieder verschwunden sind. Damit man die Erkrankung aber besser versteht, möchten wir hier die einzelnen Herpes-Phasen aufzeigen.

1. Prodromalphase: Dies ist die erste, unsichtbare Phase, in der Herpes zum Ausbruch kommt. In dieser Phase merken die meisten Betroffenen schon, dass sich Herpes anbahnt. Die betroffene Stelle spannt, schmerzt oder kribbelt.

2. Erythemphase: Bei der Erythemphase rötet sich der betroffene Bereich an der Lippe oder der angrenzenden Gesichtshaut. Wer zu dieser Zeit die Behandlung beginnt, hat sehr große Chancen, dass die Dauer von Herpes verkürzt werden kann. Hochdosierten Lysin-Präparaten oder Hausmitteln wie Honig und CBD Öl wird nachgesagt, dass sie die Bläschen schneller verschwinden lassen oder ihr Aufplatzen verhindern; belegt ist das nicht. Die medizinische Standardbehandlung des Lippenherpes sind jedoch Virostatika: Cremes mit den Wirkstoffen Aciclovir oder Penciclovir hemmen die Vermehrung des Virus und wirken am besten, wenn sie bereits beim ersten Kribbeln aufgetragen werden. Bei häufigen oder schweren Ausbrüchen kann der Arzt ein Virostatikum in Tablettenform verordnen.

3. Papelphase: Da sich zu dieser Zeit die sogenannten Papeln, also erhobene Hautbereiche zeigen, wird die 3. Phase von Lippenherpes Papelphase genannt. Insbesondere diese Phase ist für die meisten Betroffenen belastend, da die Erhebungen nicht nur unschön aussehen, sondern auch schmerzhaft sind.

4. Vesikelphase: Aus den Papeln entwickeln sich jetzt kleine Bläschen, die mit Flüssigkeit gefüllt sind. Dabei ist zu beachten, dass die Flüssigkeit hoch ansteckend ist. Insbesondere für Babys kann das Herpes Virus sehr gefährlich sein. Zeigen sich bei einem Neugeborenen Bläschen, Fieber oder Trinkschwäche, sollten die Eltern sofort eine Kinderklinik aufsuchen; ist der Säugling schwer krank oder auffällig teilnahmslos, wählen sie den Notruf 112.

5. Ulcerationsphase: Wer mehrere Bläschen hat, kann in dieser Phase feststellen, dass alle Bläschen aufplatzen und praktisch zu einem großen Herd verschmelzen. Dies ist sehr schmerzhaft und es können zudem auch Entzündungen entstehen, wenn die betroffene Hautstelle mit dem Finger berührt wird. Keime und Bakterien können so in die Wunde eintreten und Entzündungen hervorrufen. Zudem ist die Flüssigkeit, wie bereits erwähnt, ansteckend.

6. Verkrustungsphase: Nach dem Platzen der Bläschen entsteht Schorf und verkrustet. Wird die Verkrustung nicht stets feucht gehalten, platzt sie auf und es kommt zu Blutungen. Daher ist häufiges Cremen sehr empfehlenswert. Denn durch das Abkratzen oder das erneute Aufplatzen der Wunde wird die Dauer des Lippenherpes verlängert.

7. Abheilungsphase: Der Lippenherpes bildet sich zurück, auch wenn die betroffenen Stellen noch ein paar Tage leicht rosa und schmerzempfindlich sind. In der Regel verschwindet der Lippenherpes nach sieben bis vierzehn Tagen wieder. Dies ist sehr individuell, da es auch auf den Gesundheitszustand und den Stressfaktor der betroffenen Person ankommt.

Vorsicht vor Herpes in der Schwangerschaft

Wie oben bereits erwähnt, kann das Herpes Virus für Babys sehr gefährlich werden. Doch auch in der Schwangerschaft ist ein Ausbruch der Erkrankung nicht ungefährlich. Für die werdende Mutter verläuft ein wiederkehrender Lippenherpes meist harmlos, und auch für das ungeborene Kind geht von einem solchen Rezidiv praktisch keine Gefahr aus. Anders liegt der Fall bei einer Erstinfektion in der Schwangerschaft: Nur dann gelangen die Viren über das Blut der Mutter überhaupt zum Ungeborenen, und in diesen sehr seltenen Fällen kann es zu Fehlbildungen oder zu einer Fehlgeburt kommen. Steckt sich eine werdende Mutter zum ersten Mal mit Herpesviren an, gehört das deshalb ärztlich abgeklärt. Deutlich häufiger als eine Ansteckung im Mutterleib ist ohnehin die Übertragung auf das Kind während oder kurz nach der Geburt; ein solcher Neugeborenenherpes kann lebensbedrohlich verlaufen.

Aciclovir gehört zu den in der Schwangerschaft am besten untersuchten Wirkstoffen und darf dort nach ärztlicher Rücksprache angewendet werden; eine Schwangere sollte einen Herpesausbruch deshalb ärztlich abklären lassen, statt sich allein auf Hausmittel zu verlassen. Ergänzend kann sie Hausmittel einsetzen. Für Cannabidiol fehlen Daten zur Unbedenklichkeit in der Schwangerschaft, sodass in dieser Zeit von CBD Öl abgeraten wird; Muskatnuss ist in größeren Mengen ebenfalls zu meiden. Zu den Hausmitteln gegen Lippenherpes werden ansonsten verschiedene Heilpflanzen gezählt. Wie in verschiedenen Foren zu lesen ist, soll CBD Öl eine gute Wirkung auf Herpes haben. Wird das Öl bereits in der ersten Phase, wenn es kribbelt und spannt, auf die Stelle aufgetragen, soll es erst gar nicht zum Ausbruch kommen.

Das Auftragen eines Tropfens CBD Öls sollte mehrmals täglich erfolgen; nach zwei bis drei Tagen soll der Spuk vorbei sein. Erfahrungsberichte aus Foren sind allerdings kein Wirksamkeitsnachweis: Belastbare Studien zur Wirkung von CBD Öl gegen Lippenherpes gibt es bislang nicht. Dem Wirkstoff Cannabidiol werden entzündungshemmende und schmerzlindernde Eigenschaften zugeschrieben; eine Wirkung gegen Viren ist für ihn nicht belegt. Auch die Annahme, CBD Öl beschleunige die Wundheilung eines bereits aufgeplatzten Bläschens, ist durch Studien nicht gestützt.

Weiterhin wird Honig als Hausmittel gegen Lippenherpes genannt. Honig ist ein natürliches „Antibiotikum“; diese keimhemmende Wirkung richtet sich allerdings gegen Bakterien und nicht gegen Viren. Wer ihn anwenden möchte, trägt ab dem ersten Spannen und Kribbeln mehrmals täglich ein wenig Honig auf die betroffene Stelle auf. Gleiches gilt natürlich auch für Propolis.

Zudem können auch folgende Heilpflanzen Linderung verschaffen:

  • Holunder
  • Kamille
  • Melisse
  • Muskatnuss
  • Salbei
  • Stiefmütterchen
  • Thymian

Auch ätherische Öle wie etwa Bergamotte, Lavendel, Teebaum und Zitronenöl können dabei helfen, die Symptome zu lindern und die Wundheilung zu beschleunigen.

Wer Stress vermeidet und nicht zu viel Sonne tankt, kann das Risiko eines Herpes Ausbruchs deutlich verringern. Ob eine lysinreiche Ernährung darüber hinaus eine Reaktivierung des Virus verhindern kann, ist dagegen offen; ein solcher Effekt wird der Aminosäure zwar zugeschrieben, ist aber nicht nachgewiesen.

Hausmittel wie Honig, CBD Öl oder hochwertige ätherische Öle werden zusätzlich empfohlen; einen Ausbruch verhindern oder die Dauer des Herpes verkürzen können sie nach heutigem Kenntnisstand jedoch nicht nachweislich. Sie kommen vor allem zum Einsatz, um die Beschwerden zu lindern und die Wundheilung zu unterstützen. Bei häufigen, sehr schmerzhaften oder ungewöhnlich ausgedehnten Ausbrüchen sollte statt der Selbstbehandlung ein Arzt aufgesucht werden.

Quellen

  • Moll, I. (Hrsg.): Duale Reihe Dermatologie.
    ISBN: 9783132446045
  • Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
    ISBN: 9783662495445
  • Modrow, S., Truyen, U., Schätzl, H.: Molekulare Virologie.
    ISBN: 9783662617809
  • Sterry, W., Czaika, V. A., Drecoll, U., Hadshiew, I.: Kurzlehrbuch Dermatologie.
    ISBN: 9783132452534
  • Hof, H., Schlüter, D.: Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie.
    ISBN: 9783132443174

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