Harninkontinenz - Ursachen, Therapie und Tipps


In Deutschland leiden laut Schätzungen rund 10 Millionen Menschen an Inkontinenz. Der Begriff ist von dem lateinischen „incontinens“ abgeleitet und heißt übersetzt so viel wie „nicht bei sich behaltend“. Inkontinenz ist das Unvermögen, Ausscheidungen des Körpers kontrolliert zu halten und an einem bestimmten Ort nach Bedarf auszuscheiden. Weltweit gibt es 200 Millionen betroffene Patienten, die an einer Art von Inkontinenz leiden. Vergleichsweise wenig Menschen sind an einer Stuhlinkontinenz erkrankt. In Deutschland beläuft sich diese Zahl auf 4 Prozent. Öfters tritt Harninkontinenz auf. Bei Frauen handelt es sich hierbei sogar um die häufigste chronische Erkrankung. Folgender Beitrag klärt daher über mögliche Ursachen sowie Therapieansätze auf und gibt Tipps für Betroffene.

Inhaltsverzeichnis

Ursachen für eine Harninkontinenz

Schematische Darstellung zur Anatomie und Aufbau der Harnblase. Klicken, um zu vergrößern.

Eine Harninkontinenz tritt in verschiedenen Erscheinungsformen auf. Deshalb liegen dieser Krankheit verschiedene Ursachen zugrunde. Laut der Deutschen Kontinenz Gesellschaft e.V. gibt es folgende Formen der Harninkontinenz, die auch als Blasenschwäche bezeichnet wird:

  • Belastungsinkontinenz
  • Dranginkontinenz
  • Mischinkontinenz
  • Überlaufinkontinenz
  • Supraspinale und spinale Reflexinkontinenz
  • Extraurethrale Inkontinenz

Am häufigsten treten jedoch die ersten drei Formen auf. Die Belastungsinkontinenz wird durch einen geschwächten Beckenboden, Verletzungen im Beckenraum oder chronischen Husten ausgelöst. Bei der Dranginkontinenz sind die Auslöser meist vorangegangene Erkrankungen wie MS, Parkinson oder Alzheimer.

Allerdings könnten auch Nervenschäden oder -reizungen wie Blasensteine oder Harnwegsinfekte Ursachen für diese Form der Blasenschwäche sein. Die Mischinkontinenz ist eine Kombination aus den beiden zuerst genannten Formen, deshalb sind auch die Ursachen eine Mischung aus den obigen Aufzählungen.

Therapiemöglichkeiten bei Blasenschwäche

Häufiges Wasserlassen lässt sich als erhöhte Ausscheidung von Urin definieren, wobei innerhalb von 24 Stunden mindestens 2 Liter erreicht werden (Polyurie).

Natürlich bestehen noch weitere mögliche Ursachen, die eine Blasenschwäche bewirken. Bei Frauen in den Wechseljahren kann beispielsweise die hormonelle Umstellung eine Ursache sein, bei Männern eine allgemeine Störung der Hormone. Allerdings sind ebenso Fehlbildungen des Harntraktes durchaus denkbare Auslöser für eine Inkontinenz.

Alter, Veranlagung und Geschlecht spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Bei all den Faktoren, die dazu führen können, sind hilfreiche Therapiemöglichkeiten bei Harninkontinenz umso wichtiger für betroffene Patienten und Patientinnen jeden Alters. Sie haben nämlich nicht nur mit den Symptomen der Krankheit im Allgemeinen zu kämpfen, sondern auch mit psychologischen Problemen.

Die Lebensqualität wird stark verringert. Zudem verlieren die Erkrankten stark an Lebenslust, weil sie sich unwohl fühlen und das Haus immer seltener verlassen. Bei vielen Erkrankten führt die Blasenschwäche dazu, dass sie ein Gefühl von Kontrollverlust bekommen. Nicht selten folgt eine Depression, wenn keine Behandlung stattfindet.

Eine klinische Studie der Universitäts-Frauenklinik Tübingen hat gezeigt, dass ein regelmäßiges Beckenbodentraining bei einer Belastungsinkontinenz sowie bei einer Mischinkontinenz eine große Hilfe darstellt. Inzwischen ist sie sogar stets der erste Schritt einer Behandlung bei einem neuen Patienten. Das Training der Beckenbodenmuskulatur ergänzt heute alle anderen Therapiemöglichkeiten.

Wichtig ist, dass die Übungen unter der Anleitung von Fachpersonal trainiert und regelmäßig wiederholt werden. Nur so ist es auf Dauer möglich, einen Erfolg zu erzielen. Im Rahmen dieses ersten Schrittes kommt es häufig ebenfalls zu einer kontrollierten Verhaltenstherapie. Diese besteht aus überwachender Flüssigkeitsaufnahme, regelmäßigem Urinieren, Gewichtsreduktion und im Falle von Rauchern auch dem Nikotinentzug.

Eine andere Therapieform ist die Medikamentengabe. Es gibt spezifische Arzneimittel, die dabei helfen, die Verschlussfunktion der Harnröhre wieder zu steigern und nachhaltig zu stärken. Generell ist hier allerdings zu beachten, dass nicht alle Patienten und Patientinnen diese Medikamente gut vertragen.

Zu guter Letzt bleibt die Möglichkeit, einen operativen Eingriff vornehmen zu lassen. Bei Frauen ist es beispielsweise so, dass ein spannungsfreies Band unter der Harnröhre platziert wird. Bei Männern wird hingegen eine Art Ballon eingesetzt, um die Harnröhre abzudichten. Am erfolgreichsten unter den operativen Maßnahmen ist jedoch der künstliche Schließmuskel.

Um im Alltag wieder mehr Lebensqualität zu erhalten, gibt es für Erkrankte verschiedene Inkontinenzhilfsmittel. Diese reichen von speziellen Schutzunterlagen für Betten bis hin zu Inkontinenzslips, um wieder etwas unbeschwerter vor die Tür zu gehen.

Tipps für Betroffene: So erkennen Patienten eine Inkontinenz

Es gibt qualifizierte Physiotherapeuten, die gezielt das Beckenbodentraining durchführen. Nach einer Einweisung des Physiotherapeuten können die Übungen auch zu Hause durchgeführt werden.

Während ein Harnwegsinfekt bereits an Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen erkennbar ist, fällt das bei einer Inkontinenz-Erkrankung etwas schwerer. Der Grund dafür ist, dass jede Form der Blasenschwäche mit anderen Symptomen verbunden ist.

Ein Merkmal, anhand dessen sich eine Blasenschwäche stets erkennen lässt, ist der ungewollte Harnabgang. Bei einer Belastungsinkontinenz ist dies beispielsweise der Fall, wenn der Körper unter Stress steht. Das können Husten, schweres Heben oder herzhaftes Lachen sein. Eine Dranginkontinenz ist hingegen daran zu erkennen, dass Betroffene einen beinahe überfallartigen Urindrang verspüren und zwar bei leerer oder kaum gefüllter Blase.

Die Erkrankten sind nicht in der Lage, den Drang zu kontrollieren, sondern müssen unmittelbar urinieren. Bei der Mischinkontinenz sind die oben genannten Symptome kombiniert und können gleichzeitig oder im Wechsel auftreten. Liegt eine Reflexinkontinenz vor, entleert sich die Blase nur, wenn ein entsprechender Reflex den Urinabgang auslöst.

Häufig liegen hier Nerven- oder Hirnleistungsstörungen zugrunde. Ein Gespräch mit Hausarzt, Urologen oder Gynäkologen bringt Licht ins Dunkel. Wurde ein Problem der Blase festgestellt, kommt es häufig zu den folgenden weiteren Schritten:

  • Normalerweise klären die Mediziner den Verdacht durch verschiedene Untersuchungen ab. Unter anderem kommt es zu einer Ultraschalluntersuchung von Harnblase, Harnröhre und Nieren.
  • Je nach vermuteter Ursache sind im Regelfall weitere Untersuchungen nötig, um eine genaue Diagnose zu stellen. Dazu zählen CTs, Blasenspiegelungen und urologische Checks.

Vorbeugungsmaßnahmen, um eine Blasenschwäche zu verhindern

Wie bereits erwähnt sind Beckenbodenübungen eine hilfreiche Methode, um dieser Erkrankung entgegenzuwirken oder um ihr vorzubeugen. Zudem ist es wichtig, auf das eigene Gewicht zu achten, da Übergewicht eine Blasenschwäche begünstigt.

Eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung sind wichtig für die Vitalität des Körpers und helfen, Erkrankungen vorzubeugen. In Einzelfällen kann es hilfreich sein, den Harndrang zu trainieren. Das funktioniert beispielsweise, indem Patienten dem ersten Gefühl, Wasser lassen zu müssen, nicht sofort nachgeben, sondern das Urinieren hinauszögern.

Wichtig ist außerdem die vollständige Entleerung der Blase. Es ist ratsam, sich die Zeit auf der Toilette wirklich zu nehmen. Das Gefühl einer unvollständigen Ausscheidung ist nicht nur unangenehm, sondern auch ungesund. Des Weiteren gehört ein gut gefüllter Flüssigkeitshaushalt zu jenen Maßnahmen, die einer Inkontinenz vorbeugen. Wer genug trinkt, schont den Blasenmuskel und verhindert einen Mangel an Flüssigkeit. Empfehlenswert sind außerdem reizarme Getränke wie stilles Wasser, Kräutertee und Säfte.


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