Hautpilzerkrankungen behandeln
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
Sie sind hier: Startseite Behandlungen Hautpilzerkrankungen behandeln
Wenn der Laie etwas von Pilzen hört, so denkt er zunächst an die Pilze im Walde. In der Tat ist dieser Gedanke auch im Zusammenhang mit Fußpilz gar nicht so abwegig. Jeder Pilzsammler weiß, dass er in einem feuchtwarmen Sommer besonders viele "Schwämme" nach Hause tragen kann. Ebenso wie die Pilze im Wald, gedeihen aber auch die Haut- und Fußpilze in einer feuchten Umgebung besonders gut.
Bedeutung von Hautpilzerkrankungen
Auch die Waldpilze bilden ein mikroskopisch feines Geflecht aus sich vielfach verschlingenden Fäden, das man als Mycel bezeichnet. Ein ganz ähnliches Mycel findet man auch bei den Hautpilzen. Die von ihnen ausgelösten Erkrankungen bezeichnet man als Mykosen. Die Hautpilze können aber keine Fruchtkörper bilden, wie man sie bei den Waldpilzen sieht. In den Fruchtkörpern der Waldpilze bilden sich Sporen, aus denen ein neuer Pilz auswachsen kann. Lange war bei den Hautpilzen keine solche sexuelle Fortpflanzung bekannt; man bezeichnete sie deshalb als unvollständige Pilze. Nach heutigem Kenntnisstand sind für einen Teil von ihnen auch sexuelle Formen beschrieben.
Pilzerkrankungen der Haut haben in den vergangenen Jahrzehnten erheblich zugenommen. Ein erheblicher Teil der Bevölkerung in Deutschland ist von einer Pilzerkrankung der Haut oder der Nägel betroffen. Vielfach zeigen sich aber so geringe Hauterscheinungen, dass die Erkrankung erst bei einer sorgfältigen Untersuchung bemerkt wird.
Die Symptome können sich jedoch jederzeit verschlimmern, so dass sie ärztlich behandelt werden müssen. Deshalb ist es wichtig, Hautpilze überall dort, wo sie vorkommen, zu bekämpfen, auch wenn die Erscheinungen an der Haut noch wenig ausgeprägt sind. Um aber einige vorbeugende Maßnahmen zu verstehen, ist es notwendig, sich mit der Biologie dieser Mikroorganismen vertraut zu machen.
Ursachen & Übertragung von Hautpilzkrankheiten
Die Übertragung von Hautpilzen kann vom Tier auf den Menschen oder von Mensch zu Mensch erfolgen. Als Infektionsquellen kommen Nutz- und Haustiere, beispielsweise Rinder, Hunde oder Katzen, in Frage. Die Pilze können sowohl die oberflächliche Hornschicht der Haut als auch Hautanhangsgebilde wie Haare oder Nägel befallen. Im Folgenden wollen wir uns besonders mit den Pilzerkrankungen der Hornschicht, den sogenannten Epidermophytien, befassen, da diese auch heute am häufigsten vorkommen.
Wie schon anfangs gesagt, ist die Vorbedingung für das Wachstum solcher Pilze ein feuchtes Milieu. Das ist besonders an Körperstellen gegeben, an denen Haut auf Haut liegt, da hier die Verdunstung des Schweißes langsamer vor sich geht. Wir finden daher solche Pilze besonders häufig zwischen Zehen und Fingern, an der Innenseite der Oberschenkel oder in der Gegend der Geschlechtsteile. Aber auch an Körperstellen mit besonders ausgeprägter Schweißbildung, wie an den Fußsohlen oder Handflächen, können solche Pilze auftreten. Daher neigen Menschen mit besonders starker Schweißbildung eher zu Pilzerkrankungen als andere.
Normalerweise ist die Haut in der Lage, solche Pilze abzuwehren. Auf der Haut befindet sich nämlich ein feiner Film, der aus bestimmten fettähnlichen Stoffen besteht, die das Wachstum der Pilze hemmen. Aber auch die ziemlich feste Hornschicht setzt dem Eindringen der Pilze Widerstand entgegen. Für die Ausbreitung einer Pilzinfektion sind außer dem Erreger deshalb noch verschiedene Vorbedingungen nötig. Dazu gehören:
- ein feuchtes Milieu
- vermehrte Schweißbildung
- zu enge oder zu dicke Kleidung, Schuhe oder Strümpfe, die nicht luftdurchlässig genug sind
- die Auflockerung der Hornschicht und die Zerstörung des Fettfilms der Haut
Ein feuchtes und für die Hautpilze günstiges Milieu kann aber auch durch die Kleidung gefördert werden. Normalerweise wird der Hautschweiß, sofern er nicht schon vorher als Wasserdampf nach außen gelangt ist, von der Kleidung aufgesogen. In dieser fein verteilten Form kann er leicht verdampfen. Trägt man jedoch zum Beispiel Gummistiefel, so ist die Luftzirkulation unmöglich. Deshalb kommt es vor, dass Menschen, die in ihrem Beruf meist Gummistiefel tragen müssen, wie Schlachter bzw. Fleischer, Bergleute, Fischer oder Bauern, häufiger an Mykosen erkranken.
Ja, sogar Schuhe mit luftundurchlässiger Gummisohle werden von Menschen mit stärkerem Fußschweiß als lästig empfunden und fördern bei ihnen die Fußpilzerkrankungen. Auch moderne Strümpfe aus Kunstfaser, wie beispielsweise Nylon und Polyesterfaser, haben neben vielen angenehmen auch eine unangenehme Eigenschaft, sie sind nämlich wasserabweisend. Dadurch kann der oben geschilderte Verdunstungsprozess nicht ablaufen. Die moderne Strumpfindustrie hat deshalb bereits verschiedene Versuche unternommen, um diese Nachteile zu beseitigen, ohne dass aber bisher ein wesentlicher Erfolg zu verzeichnen war.
Außerdem bewirkt das feuchte Milieu an der Haut noch einen anderen Schaden. Es weicht nämlich allmählich die ziemlich feste, zusammenhängende Hornschicht auf, so dass die Pilze leicht eindringen können und in dem Eiweiß der Hornschicht einen guten Nährboden haben. Hornschicht und Fettfilm der Haut können auch durch andere Faktoren geschädigt werden. Zum Beispiel durch häufiges Händewaschen, Umgang mit Kalk und Zement oder durch Lösungsmittel wie Benzin, Benzol und anderes.
Behandlung & Vorbeugung von Fußpilz
Die Behandlung ist verhältnismäßig einfach, die Diagnose sollte jedoch ärztlich gesichert werden. Eine Selbstbehandlung ohne gesicherte Diagnose kann die Erkrankung verschleppen, weil andere Hautkrankheiten ähnlich aussehen. Schwierig ist aber die Prophylaxe. Die Pilze sind nämlich ziemlich widerstandsfähig und können sich in Strümpfen oder Schuhen monatelang halten. Durch Sport, Baden, sowohl im Strandbad als auch im Hallenbad, Cluburlaub in Hotelanlagen und dergleichen, sind sehr viele Gelegenheiten zur Infektion und zur Verbreitung der Pilze gegeben. Auch gemeinsame Wasch- oder Duschräume in Schulen und Kindergärten fördern ihre Verbreitung.
Natürlich kann man deswegen nicht auf solche hygienischen Maßnahmen verzichten. Man sollte aber Gemeinschaftsräume nie mit nackten Füßen, sondern immer mit Badelatschen betreten. Die Desinfektion der Strümpfe und Schuhe ist problematisch, da man die Strümpfe und Schuhe nicht immer kochen kann. Doch bei den üblichen Waschverfahren werden die Pilze nicht abgetötet, und Desinfektionslösungen machen besonders die Damenstrümpfe unansehnlich. Chemische Desinfektionsmittel und Fußpilz-Sprays rufen nicht selten Überempfindlichkeiten (Allergien) der Haut hervor. Es kommt also darauf an, einen Stoff zu finden, der an der Faser bzw. Schuh hängen bleibt, die Pilze gut abtötet und keine Allergie hervorruft.
Die Pharmaindustrie hat in Zusammenarbeit mit verschiedenen wissenschaftlichen Laboratorien Anstrengungen unternommen, um diese Probleme zu lösen. Von diesen Versuchen erhoffte man sich die baldige Einführung von Spezialstrümpfen, die besonders für leicht zu Pilzerkrankungen neigende Menschen eine große Hilfe und Erleichterung sein sollten.
Erreger und Krankheitsbilder
Für Pilzerkrankungen der Haut kommen im Wesentlichen drei Gruppen von Erregern in Betracht. Die größte Rolle spielen die Fadenpilze oder Dermatophyten. Sie ernähren sich vom Keratin der Hornschicht, der Haare und der Nägel und verursachen die Krankheitsbilder, die als Tinea zusammengefasst werden. Die zweite Gruppe bilden Hefepilze, allen voran Candida; sie besiedeln bevorzugt feuchte Hautfalten und Schleimhäute und rufen dort unter anderem den Soor und die Windeldermatitis hervor. Schimmelpilze sind die dritte, deutlich seltenere Gruppe; sie finden sich am ehesten an vorgeschädigten Nägeln.
Benannt werden die Krankheitsbilder nach dem befallenen Ort. Die Tinea pedis ist der Fußpilz, die Tinea manuum betrifft die Hände, die Tinea corporis die freie Körperhaut, die Tinea inguinalis die Leistenregion. Ein Befall der Nägel wird als Tinea unguium oder Nagelpilz bezeichnet, ein Befall der behaarten Kopfhaut als Tinea capitis. Letztere betrifft vor allem Kinder und ist die einzige Form, bei der eine ausschließlich äußerliche Behandlung von vornherein nicht ausreicht, weil die Erreger im Haarschaft sitzen.
Wie die Diagnose gesichert wird
Der Blick allein genügt nicht. Schuppende, gerötete oder juckende Hautstellen können ebenso gut ein Ekzem, eine Schuppenflechte oder eine bakterielle Entzündung sein, und eine über Wochen erfolglos behandelte „Pilzerkrankung“ ist häufig gar keine. Zur Sicherung wird deshalb Material gewonnen: Hautschuppen vom Rand des Herdes, Nagelspäne aus dem befallenen Bereich oder ausgezupfte Haare.
Ein Teil dieses Materials wird mit Kalilauge aufgehellt und unter dem Mikroskop betrachtet; sind Pilzfäden zu sehen, liegt ein Befund vor, der schon in der Sprechstunde vorliegt. Ein anderer Teil wird auf einem Nährboden angelegt. Diese Pilzkultur zeigt erst nach Wochen an, welche Art beteiligt ist – eine Information, die vor allem für die Auswahl einer Tablettenbehandlung und beim Verdacht auf eine Ansteckung durch Tiere wichtig ist. Ergänzend stehen molekularbiologische Verfahren zur Verfügung, die den Erreger deutlich schneller bestimmen.
Wichtig ist der Zeitpunkt: Eine bereits begonnene Behandlung mit pilzabtötenden Mitteln kann den Nachweis unmöglich machen, ohne die Erkrankung geheilt zu haben. Besonders in die Irre führen kortisonhaltige Cremes. Kortison dämpft die Entzündung und damit die Rötung und den Juckreiz, während sich der Pilz ungehindert ausbreitet; das Bild verliert dann seine typischen Merkmale und wird schwerer zu erkennen.
Behandlung mit Antimykotika
Die eigentliche Behandlung erfolgt mit Antimykotika, also Wirkstoffen, die Pilze abtöten oder an der Vermehrung hindern. Sie werden entweder äußerlich auf die betroffene Stelle aufgetragen oder als Tabletten eingenommen. Welcher Weg gewählt wird, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt anhand von Ort, Ausdehnung und Erreger.
Bei der äußerlichen Behandlung kommen im Wesentlichen drei Wirkstoffgruppen zum Einsatz. Zu den Azolen gehören Wirkstoffe wie Clotrimazol oder Miconazol; sie wirken gegen ein breites Erregerspektrum einschließlich der Hefepilze. Die Allylamine, unter ihnen Terbinafin, sind besonders gegen Fadenpilze gerichtet. Daneben stehen Wirkstoffe wie Ciclopirox und, für die Nagelbehandlung, Amorolfin zur Verfügung; gegen Hefepilze wird zusätzlich Nystatin verwendet. Die Darreichungsform richtet sich nach der Körperstelle: Cremes und Salben für trockene Haut, Lösungen und Gele für Hautfalten, Sprays und Puder für Füße und Schuhe, Shampoos für die Kopfhaut und spezielle Lacke für die Nägel.
Eine Behandlung mit Tabletten wird erwogen, wenn die äußerliche Anwendung den Erreger nicht erreichen kann oder nicht ausreicht: bei Befall der behaarten Kopfhaut, bei Nagelpilz mit Beteiligung der Nagelwurzel oder mehrerer Nägel, bei ausgedehntem Befall der Körperhaut und bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Diese Mittel sind verschreibungspflichtig, können mit anderen Medikamenten in Wechselwirkung treten und die Leber belasten, weshalb je nach Wirkstoff Kontrolluntersuchungen vorgesehen sind. Häufig werden äußerliche und innerliche Behandlung kombiniert.
Beim Nagelpilz gehört zur Behandlung außerdem, das befallene Nagelmaterial zu entfernen. Das geschieht in der Regel schmerzarm durch Abtragen mit einer Fräse in der podologischen Behandlung oder durch harnstoffhaltige Zubereitungen, die den erkrankten Nagelanteil aufweichen. Erst danach erreicht der Wirkstoff den Nagelgrund überhaupt.
Allen Formen gemeinsam ist, dass die Behandlung nach ärztlicher Vorgabe über das Abklingen der sichtbaren Erscheinungen hinaus fortgeführt wird. Wird sie abgebrochen, sobald Rötung und Juckreiz verschwunden sind, bleiben Erreger in der Hornschicht zurück, und die Beschwerden kehren wieder.
Warum die Behandlung oft scheitert
Pilzerkrankungen der Haut gelten als gut behandelbar, und dennoch schleppen sich viele Fälle über Jahre hin. Dafür gibt es wiederkehrende Gründe. Der häufigste ist der vorzeitige Abbruch. Der zweithäufigste ist ein übersehenes Reservoir: Ein unbehandelter Nagelpilz besiedelt die Haut immer wieder neu, und ein Fußpilz kann über die Hände auf Leiste oder Rumpf verschleppt werden. Nicht selten bleibt auch die Ansteckungsquelle bestehen, etwa ein befallenes Haustier oder eine ebenfalls betroffene Person im Haushalt, die nicht mitbehandelt wird.
Hinzu kommt die Wiederansteckung aus Schuhen und Textilien, in denen die Erreger lange überdauern. Und schließlich steht am Anfang mancher hartnäckiger Verläufe schlicht eine falsche Diagnose: Was aussieht wie ein Pilz, aber auf pilzabtötende Mittel nicht anspricht, sollte erneut untersucht werden, statt das Präparat immer wieder zu wechseln.
Wann ärztlicher Rat besonders wichtig ist
Zurückhaltung mit der Selbstbehandlung ist bei bestimmten Voraussetzungen angebracht. Menschen mit Diabetes mellitus, mit Durchblutungsstörungen der Beine oder mit einem geschwächten Immunsystem sollten Hautveränderungen an den Füßen ärztlich abklären lassen, weil bei ihnen aus einer kleinen Läsion eine schlecht heilende Wunde werden kann. Bei Kindern mit Befall der Kopfhaut ist eine ärztliche Behandlung von vornherein erforderlich.
Ein besonderer Punkt betrifft die Risse zwischen den Zehen. Sie bilden eine Eintrittspforte für Bakterien und gehören zu den bekannten Wegbereitern der Wundrose (Erysipel), einer Entzündung der Haut, die rasch behandelt werden muss. Wiederholte Entzündungen dieser Art können den Lymphabfluss dauerhaft schädigen und ein Lymphödem begünstigen. Ein scheinbar harmloser Fußpilz konsequent zu behandeln, hat damit einen Nutzen, der über das Beseitigen von Juckreiz hinausgeht.
Ärztlicher Rat ist ebenfalls angezeigt, wenn sich die Beschwerden trotz Behandlung nicht bessern, wenn die Haut nässt oder aufbricht, wenn Fieber hinzukommt oder wenn sich die betroffene Fläche rasch ausbreitet.
Quellen
- Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
ISBN: 9783662495445
- Moll, I. (Hrsg.): Dermatologie.
ISBN: 9783132446045
- Hof, H., Schlüter, D. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie.
ISBN: 9783132423558
- Sterry, W.: Kurzlehrbuch Dermatologie.
ISBN: 9783131462725
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
