Lärmschwerhörigkeit

Von einer Lärmschwerhörigkeit sind zunehmend auch junge Menschen betroffen. Die durch langfristige Lärmeinwirkungen entstehende Lärmschwerhörigkeit ist meist nicht heilbar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Lärmschwerhörigkeit?

Die Lärmschwerhörigkeit wird auch als Schallempfindungsschwerhörigkeit bezeichnet. Eine Lärmschwerhörigkeit entwickelt sich in der Regel aufgrund langfristig einwirkender Schallpegel hoher Ausprägung. Die Lärmschwerhörigkeit als chronisches Lärmtrauma ist beispielsweise zu unterscheiden vom akuten Lärmtrauma, das infolge plötzlicher lauter Schallpegel bereits nach wenigen Minuten auftreten kann.

In Deutschland zählt die Lärmschwerhörigkeit zu den am häufigsten auftretenden Berufskrankheiten. Ein erhöhtes Risiko, an einer Lärmschwerhörigkeit zu erkranken, haben vor allem Personen, die in klassischen Lärmbereichen tätig sind; hierzu zählen beispielsweise Tätigkeiten in der Metallindustrie, der Holzbearbeitung oder auch Tätigkeiten an Druckereimaschinen. Aber auch langfristige Lärmeinwirkungen durch sehr laute Musik können zu einer Lärmschwerhörigkeit führen.

Charakteristisch für eine Lärmschwerhörigkeit ist es häufig, dass die Höreinschränkungen sich auf bestimmte Frequenzen konzentrieren, während andere Frequenzen weniger betroffen sind. Besonders kommt eine Lärmschwerhörigkeit zum Tragen, wenn ein Betroffener Hintergrundgeräuschen (wie Hintergrundmusik) ausgesetzt ist.

Ursachen

Verursacht wird eine Lärmschwerhörigkeit dadurch, dass aufgrund langfristigen Lärms die Sauerstoffversorgung der Haarzellen im Ohr beeinträchtigt wird. Aufgrund der mangelnden Sauerstoffversorgung ist bei einer Lärmschwerhörigkeit der Stoffwechsel entsprechender Haarzellen gestört.

In der Folge kommt es bei einer betroffenen Person zu einer langfristigen Funktionsstörung im Bereich des Hörens. Der Grenzwert, ab dem es bei langfristiger Lärmexposition zu einer Lärmschwerhörigkeit kommen kann, liegt nach der Angabe von Fachleuten im Schnitt bei 85 dB. Eine Lärmeinwirkung dieser Höhe entspricht in etwa der Lärmeinwirkung, die von einer Kreissäge ausgeht.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine akute Lärmschwerhörigkeit tritt in aller Regel unmittelbar nach einer starken Lärmbelastung auf. Je nach Ursache können die Beschwerden einige Minuten bis Stunden (etwa nach dem Besuch eines lauten Rockkonzerts) oder Tage, Wochen und Monate (nach einem Knalltrauma) andauern. Im Allgemeinen äußert sich eine akute Lärmschwerhörigkeit durch eine leichte bis mittlere Abnahme der Hörfähigkeit.

Außerdem treten auffällige Ohrgeräusche wie Pfeifen und Tinnitus auf. Die Beschwerden gehen nach einer Erholungsphase normalerweise von selbst zurück. Eine chronische Lärmschwerhörigkeit entwickelt sich schleichend. Die Betroffenen nehmen zunächst nur die hohen Töne schlechter wahr, bevor die Schwerhörigkeit auch in anderen Frequenzbereichen auftritt.

Dann haben die Patienten Schwierigkeiten, Hintergrundgeräusche wahrzunehmen oder die Stimmen verschiedener Personen auseinanderzuhalten. Begleitet wird dies oft von Störgeräuschen wie Tinnitus. Bei der chronischen Form sind bleibende Hörprobleme wahrscheinlich. Wird die chronische Lärmschwerhörigkeit behandelt, kann ein Fortschreiten der Symptome allerdings verhindert werden.

Im besten Fall lässt sich durch eine gezielte Schonung des Gehörs eine Besserung der Hörfähigkeit erzielen. Bei Kindern und Jugendlichen hat eine chronische Lärmschwerhörigkeit immer bleibende Folgen. Auch bei der akuten Form sind bleibende Schäden im Bereich der Gehörgänge zu erwarten.

Diagnose & Verlauf

Diagnostiziert werden kann eine Lärmschwerhörigkeit mithilfe von Hörtests; liegt eine Lärmschwerhörigkeit vor, so zeigt sich dies meist dadurch, dass vor allem diejenigen Frequenzen von einer Hörbeeinträchtigung betroffen sind, die einer langjährigen Lärmbelastung am stärksten ausgesetzt waren. Für eine Lärmschwerhörigkeit spricht es darüber hinaus, wenn ein Betroffener Sprache vor allem dann schlecht verstehen kann, wenn sie mit Hintergrundgeräuschen kombiniert ist.

In der Regel nimmt eine Lärmschwerhörigkeit einen schleichenden Verlauf und baut sich über Jahre hinweg auf. Da sich die Lärmschwerhörigkeit vor allem auf bestimmte Frequenzen konzentriert, wird sie von Betroffenen zunächst häufig nicht als Schwerhörigkeit wahrgenommen. Im Verlauf einer Lärmschwerhörigkeit können sich zu der vorliegenden Höreinschränkung auch Ohrgeräusche gesellen. Liegt bei einer Person bereits eine Lärmschwerhörigkeit vor, so ist es in der Regel nicht mehr möglich, diese zu heilen.

Komplikationen

Durch die Lärmschwerhörigkeit leiden die Betroffenen an einer Schwerhörigkeit. Diese kann dabei entweder schon angeboren sein oder durch bestimmte Ereignisse oder sehr laute Geräusche erworben werden. In der Regel kann die Lärmschwerhörigkeit nicht mehr geheilt werden und stellt damit ein irreversibles Symptom dar. Die Betroffenen sind in ihrem Alltag damit stark eingeschränkt und können nicht mehr ohne Weiteres mit anderen Menschen kommunizieren.

Auch die Einschätzung von Gefahren ist durch die Lärmschwerhörigkeit deutlich eingeschränkt, sodass die Betroffenen bestimmte Gefahren unterschätzen oder falsch einschätzen. Weiterhin fällt den Patienten auch das Sprechen nicht selten schwer. Mitunter leiden die Patienten neben der Schwerhörigkeit selbst an Ohrgeräuschen, die zu starken psychischen Beschwerden oder zu Depressionen führen können.

Dabei ist keine allgemeine Voraussage möglich, ob die Geräusche im Ohr heilbar sind oder dauerhaft bleiben werden. Weiterhin können die Geräusche im Ohr auch zu Störungen der Konzentration oder zu einer Gereiztheit des Patienten führen. Die Lebensqualität wird durch die Lärmschwerhörigkeit erheblich eingeschränkt und verringert.

Es ist nicht möglich, die Lärmschwerhörigkeit zu behandeln. Mit Hilfe von Hörgeräten kann das eingeschränkte Hörvermögen teilweise behoben werden. Ein vollständig positiver Krankheitsverlauf stellt sich allerdings nicht ein. Die Lebenserwartung des Patienten wird durch die Lärmschwerhörigkeit allerdings nicht beeinflusst.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Menschen, die aus beruflichen oder privaten Gründen lauten Umgebungsgeräuschen ausgesetzt sind, sollten in regelmäßigen Abständen an einer Kontrolluntersuchung der Hörfähigkeit teilnehmen. Nimmt das gewohnte Hörvermögen ab, wird ein Arzt benötigt. Wurde der Betroffene einem einzelnen lauten Geräusch in Form eines Knalls oder ähnlichem ausgesetzt, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Kommt es zu einem Taubheitsgefühl oder können Töne nicht mehr wie üblich differenziert werden, ist eine Konsultation bei einem Arzt notwendig. Treten Ohrgeräusche auf, kommt es zu Kopfschmerzen oder einem Druckgefühl im Kopfinnern, ist ein Arzt aufzusuchen. Bei Störungen der Nachtruhe, Einschlafproblemen oder allgemeinen Schlafstörungen sollte ein Arzt konsultiert werden.

Bei einem Pfeifen im Ohr, Störungen des Gleichgewichts oder Schmerzen im Inneren der Gehörgänge ist es ratsam, nähere ärztliche Untersuchungen einzuleiten. Bemerkt der Betroffene, dass er bei der täglichen Nutzung von Kommunikationsgeräten die Position des Lautstärkereglers stark verändert, können Warnsignale der Umgebung nicht mehr gehört werden oder fällt es schwer, die empfangenen Schallwellen in der richtigen Richtung zu orten, muss ein Arzt die Anzeichen untersuchen und eine Behandlung einleiten. Es besteht ein erhöhtes Unfall- und Verletzungsrisiko, das eine Lebensbedrohung darstellen kann. Bei Verhaltensauffälligkeiten oder Stimmungsschwankungen ist es ebenfalls zu empfehlen, einen Arzt aufzusuchen.

Behandlung & Therapie

Eine Lärmschwerhörigkeit ist meist nicht ursächlich zu therapieren. Anders gestaltet sich dies bei einem drohenden akuten Lärmtrauma nach einem plötzlichen, sehr lauten Lärmeinfluss; anders als bei der Lärmschwerhörigkeit, ist es hier möglich, durch Infusionen die Durchblutung der Haarzellen im Ohr anzuregen, um den Stoffwechsel dieser Zellen zu fördern. Auch eine Versorgung mit Sauerstoff und/oder eine Gabe kortisonhaltiger Arzneimittel können nach einem akuten Lärmtrauma zum Einsatz kommen.

Wird eine Lärmschwerhörigkeit diagnostiziert, so wird in der Regel von Medizinern empfohlen, weitere hohe Lärmbelastungen zu vermeiden, um das Gehör nicht weitergehend zu beeinträchtigen. Um Höreinschränkungen bei einer Lärmschwerhörigkeit positiv beeinflussen zu können, ist eine Möglichkeit die individuelle Anpassung eines Hörgerätes. Solche Hörgeräte, die auch bei der Lärmschwerhörigkeit Anwendung finden können, verfügen in der Regel über ein Mikrofon, einen Lautsprecher und einen Verstärker.

Die Aufgabe des Mikrofons in einem Hörgerät ist es zunächst, Umgebungsgeräusche aufzufangen und in elektrische Signale umzuwandeln. Mithilfe des Verstärkers werden bei der Lärmschwerhörigkeit dann verschiedene Frequenzen angehoben und als Schallwellen über den Lautsprecher in das Ohr geleitet.

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Aussicht & Prognose

Die Prognose bei einer Lärmschwerhörigkeit ist in den meisten Fällen ungünstig. Die Beeinträchtigung des Hörvermögens aufgrund von einwirkenden Lärm führt zu einer Schädigung der Haarzellen im menschlichen Gehör. Diese können trotz aller medizinischen fortschrittlichen Entwicklungen und Möglichkeiten nicht repariert werden. Die Schädigungen sind dauerhaft und nach dem derzeitigen Stand irreparable. Daher ist unter optimalen Bedingungen davon auszugehen, dass die Schwerhörigkeit konstant über mehrere Jahre erhalten bleibt.

Zu berücksichtigen ist jedoch, dass es im Verlauf des Lebens zu einem Abbauprozess der Funktionstätigkeit des Gehörs kommt. Daher erfolgt meist im natürlichen Alterungsprozess eine weitere Abnahme des Hörvermögens. Deutlich verschlechtert ist die Prognose, wenn die auslösenden Reize unverändert fortbestehen. Wenngleich bereits eine Schwerhörigkeit vorliegt, kann weiterer Lärm zu einem Ausfall der noch vorhandenen Haarzellen führen.

Im menschlichen Gehör befinden sich in jedem Gehörgang ca. 3000 innere Haarzellen. Diese sind maßgeblich für das Hören verantwortlich. Werden sie aufgrund von äußeren Lärmeinwirkungen, der Einnahme von Medikamenten oder Erkrankungen beschädigt, können sie ihre Tätigkeit nicht mehr ausführen. Je mehr Haarzellen beschädigt sind, desto schlechter ist das Hörvermögen. Daher sollte für die Stellung einer Prognose geprüft werden, wie die Lebensumstände des Betroffenen sind. Darüber hinaus muss eine Aufklärung über die Auswirkungen weiterer Störfaktoren erfolgen.

Vorbeugung

Vor allem für Menschen, die regelmäßig einer hohen Lärmbelastung ausgesetzt sind, kann es wichtig sein, frühzeitige Maßnahmen zu ergreifen, um einer Lärmschwerhörigkeit vorzubeugen. Zu diesen Maßnahmen zählen etwa regelmäßige Kontrolluntersuchung bei einem Facharzt und vor allem das Tragen eines angemessenen Hörschutzes während der Lärmeinwirkung. Im Freizeitbereich kann einer Lärmschwerhörigkeit beispielsweise vorgebeugt werden, indem etwa zu hohe Lautstärken von Musik über Kopfhörer oder bei Discobesuchen vermieden werden.

Das können Sie selbst tun

Menschen, die unter einer Schwerhörigkeit leiden, können ihren eigenen Lebensstil kritisch betrachten und unter Umständen Änderungen vornehmen.

Starke Lärmeinflüsse sollten grundsätzlich vermieden werden. Dazu zählen das Hören von lauter Musik, zu lautes Fernsehen oder eine zu laute Gesprächslautstärke beim Telefonieren. Beim Besuch von Konzerten oder Diskotheken ist es ratsam, mit einem ausreichenden Hörschutz ausgestattet zu sein und sich nicht neben einem Lautsprecher zu positionieren. Arbeiten mit hohem Lärmpegel sind zu vermeiden oder sollten ebenfalls nur mit Schutzvorkehrungen vorgenommen werden. Orte, an denen starker Lärm herrscht, sollten verlassen werden. Zu ihnen gehören Baustellen oder Einflugschneisen von Flughäfen.

Neben einer geringen Geräuschbelastung ist eine gesunde Lebensweise notwendig. Alkohol und Drogen sind grundsätzlich zu vermeiden. Die Einnahme von Medikamenten, deren Nebenwirkungen Schädigungen der Gehörgänge zur Folge haben, ist nur nach Rücksprache mit einem Arzt vorzunehmen. Stress, Hektik und psychische Belastungen sind überdies zu minimieren. Ausreichender Schlaf und die Klärung emotionaler Probleme sind wichtig, um die Gesundheit zu erhalten. Mentale wie auch körperliche Überlastungen sollten vermieden werden. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung sowie ausreichende Bewegung verbessern das allgemeine Wohlbefinden. Dies unterstützt eine erfolgreiche Bewältigung von seelischen Herausforderungen. Gegebenheiten, die über eine längere Zeit Unzufriedenheit auslösen, sind zu verändern und zu optimieren.

Quellen

  • Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Boenninghaus, H. G., Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2012
  • Reia, M.: Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2009

Von Ärzten geprüft und nach hohen wissenschaftlichen Standards verfasst
Dieser Artikel wurde anhand medizinischer Fachliteratur, aktuellen Forschungsergebnissen und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Autor

Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 21. Oktober 2018

Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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