Nabelschnurumschlingung
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 20. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Eine Nabelschnurumschlingung (NSU) bezeichnet eine Umschlingung des kindlichen Körpers durch die Nabelschnur. Die Umschlingung kann einfach oder mehrfach sein. Nur in seltenen Fällen stellt sie eine gefährliche Komplikation dar.
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Was ist eine Nabelschnurumschlingung?
In circa 30 Prozent der Schwangerschaften kommt eine Nabelschnurumschlingung des Fetus vor. Dabei handelt es sich um eine einfache oder mehrfache Umschlingung der Nabelschnur um einen Körperteil wie Hals, Arm, Bein oder Rumpf. Auch mehrere Körperteile können gleichzeitig betroffen sein. Um den Hals legt sich die Nabelschnur in ungefähr 20 Prozent aller Schwangerschaften. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen.
In der medizinischen Literatur wird von einer Geburtskomplikation gesprochen, obwohl eine Nabelschnurumschlingung in der Schwangerschaft zu einem hohen Prozentsatz auftritt. Nur in sehr seltenen Fällen stellt sie wirklich eine Komplikation dar. Als Todesursache für den Fetus kommt sie noch seltener infrage. Meist ist die Umschlingung schlaff und bedeutet daher keine Gefährdung für die Sauerstoffversorgung des Fötus.
Unter der Geburt werden jedoch manchmal Komplikationen beobachtet, da hier die Umschlingung straffer werden kann. Nur in Ausnahmefällen ist bei einer Nabelschnurumschlingung ein Kaiserschnitt notwendig.
Ursachen
Die Ursachen für Nabelschnurumschlingungen sind vielfältig. Häufig ist die Nabelschnur sehr lang. In anderen Fällen besteht eine starke Vermehrung der Fruchtwassermenge (Polyhydramnion). Beobachtungen haben ergeben, dass Jungen häufiger von einer NSU betroffen sind als Mädchen. Wahrscheinlich ist diese Tatsache auf die größere Beweglichkeit männlicher Feten im Fruchtwasser zurückzuführen. Eine erhöhte Fruchtwassermenge erhöht die Wahrscheinlichkeit einer NSU, weil der Fötus in diesem Fall einen größeren Bewegungsspielraum hat.
Dabei kann ein Polyhydramnion wiederum durch mehrere Ursachen ausgelöst werden. Fetale Ursachen sind beispielsweise Fehlbildungen des Verdauungstraktes, Rückenmarksfehlbildungen, Herzfehler, Fehlen des Großhirns, fetale Infektionen, genetisch bedingte Störungen der Knorpel- und Knochenbildung, Lippen-Kiefer-Gaumenspalten oder Chromosomenaberrationen.
Weitere Ursachen für ein Polyhydramnion von mütterlicher Seite können Inkompatibilität von mütterlicher und fetaler Blutgruppe mit Ausbildung einer Hämolyse beim Fetus oder Diabetes mellitus sein. Bei Diabetes mellitus ist die Fruchtwassermenge durch eine Polyurie des Fetus erhöht. Das Polyhydramnion als Folge anderer Störungen kann zwar eine Nabelschnurumschlingung hervorrufen, doch stellt in diesen Fällen mehrheitlich die zugrunde liegende Störung das Hauptrisiko für den Fetus dar.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Eine Nabelschnurumschlingung des Halses tritt in 20 Prozent der Schwangerschaften auf. Dabei kommt es jedoch nur in der Hälfte der Fälle zu spürbaren Veränderungen der Durchblutung und der Herzfrequenz. Meist ist das Absinken der fetalen Herzfrequenz (Dezeleration) nur kurzfristig und hat keine größeren Auswirkungen. Bei einer längeren straffen NSU um den Hals kann es jedoch in Ausnahmefällen zu einem intrauterinen Fruchttod durch eine fetale Hypoxie (fetaler Sauerstoffmangel) kommen.
Aufgrund der Beschaffenheit der Nabelschnur ist ein Sauerstoffmangel jedoch selten. Der Fetus wird über die Nabelschnur mit sauerstoffreichem Blut aus dem Mutterkuchen versorgt. Dort nimmt sein Blut den Sauerstoff aus dem mütterlichen Kreislauf auf, ohne dass sich die beiden Blutkreisläufe vermischen. Diese Versorgung kann nur durch eine Kompression der Nabelschnur und der darin befindlichen Gefäße gestört werden. Die Nabelschnur ist jedoch infolge ihrer Beschaffenheit und ihres Aufbaus nicht so leicht zu komprimieren.
So ist sie im Innern mit einem vor Kompression schützenden Bindegewebe aus feinen Kollagenfibrillen, Hyaluronsäure und Proteoglykanen ausgestattet, welches als Wharton-Sulze bezeichnet wird. Bei Feten mit einem geringen Anteil an Wharton-Sulze ist das Risiko für eine Hypoxie bei einer NSU erhöht. Des Weiteren besitzt die Nabelschnur nach links gedrehte Spiralen, die sie zusätzlich vor Abknicken und Kompression schützen.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Eine Nabelschnurumschlingung lässt sich pränatal oft durch eine Doppler-Sonografie nachweisen; sicher auszuschließen ist sie im Ultraschall allerdings nicht. Diese Untersuchung wird jedoch nur bei einer vorausgegangenen Fehl- oder Totgeburt empfohlen, wo ein Zusammenhang mit der NSU vermutet wird. Während der Geburt kann eine Nabelschnurumschlingung in der Austreibungsphase zu pathologischen Veränderungen in der fetalen Herztätigkeit führen.
Durch eine Kardiotokografie lassen sich diese Veränderungen nachweisen. Dabei werden veränderliche Dezelerationen (Senkungen der Herzfrequenz) angezeigt, die in der Regel nur kurze Zeit andauern. Eine Mikroblutuntersuchung sollte dann zur Abschätzung der Sauerstoffversorgung des Kindes durchgeführt werden.
Komplikationen
Dann kommt es zur sogenannten fetalen Hypoxie, die durch eine Unterversorgung des Kindes mit Sauerstoff gekennzeichnet ist. Als Folge kann ein intrauteriner Fruchttod eintreten. Obwohl die Nabelschnurumschlingung in der Regel harmlos ist und keiner besonderen Maßnahmen bedarf, sollte bei einer entsprechenden Diagnose die weitere Schwangerschaft ärztlich begleitet und das Kind vor allem unter der Geburt engmaschig überwacht werden.
Nur so kann gewährleistet werden, dass bei einer gefährlichen Zuspitzung der Situation auch eine schnelle medizinische Nothilfe möglich ist. Während der ärztlichen Überwachung bei einer Nabelschnurumschlingung werden anhand regelmäßiger Herzfrequenzmessungen die Herztätigkeit des Kindes und, wenn nötig, anhand von Mikroblutuntersuchungen der Sauerstoffgehalt seines Blutes kontrolliert.
Eine sehr starke oder anhaltende Absenkung der Herzfrequenz kann eine akute Gefahr für den Fetus anzeigen. Dann muss schnell gehandelt werden: Unter der Geburt wird das Kind in einem solchen Fall per Not- oder Eilkaiserschnitt geholt. Zeigen sich dagegen schon vor Wehenbeginn Auffälligkeiten, kann in Einzelfällen ein geplanter Kaiserschnitt vor den Wehen sinnvoll sein. Allerdings sind die notwendigen medizinischen Maßnahmen immer vom Zustand des Fetus abhängig.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Die Nabelschnurumschlingung betrifft nur Föten im Mutterleib und kommt bei einer Vielzahl der schwangeren Frauen vor. In den meisten Fällen besteht kein Grund zur Besorgnis. Festgestellt wird die Umschlingung in bildgebenden Verfahren bei einem Frauenarzt. Eine werdende Mutter sollte grundsätzlich an allen angebotenen Vorsorge- und Kontrolluntersuchungen während der Schwangerschaft teilnehmen.
In diesen Routineterminen werden der Entwicklungs- und Gesundheitszustand des heranwachsenden Kindes dokumentiert und mit den allgemeinen Richtwerten abgeglichen. Wird dabei eine Nabelschnurumschlingung festgestellt, kommt es zu einer weiteren Beobachtung bis zum Ende der Schwangerschaft, da bei der Geburt die Möglichkeit von Komplikationen besteht.
Bemerkt eine schwangere Frau trotz der Teilnahme an allen geplanten Kontrolluntersuchungen plötzliche Unregelmäßigkeiten, sollte sie unverzüglich einen Arzt konsultieren. Bewegt sich der Fötus nicht mehr, kommt es zu Veränderungen des Herzrhythmus oder einer Auffälligkeit der Herztätigkeit, muss ein Arzt aufgesucht werden.
Ein diffuses Gefühl, dass etwas mit dem Fötus nicht stimmen könnte, genügt für einen weiteren Besuch bei einem Arzt. Veränderungen der Durchblutung, Angst oder ein allgemeines Unwohlsein sollten mit einem Arzt besprochen werden. Kommt es zu einer plötzlichen und damit ungeplanten Geburt, sollte die Information der Nabelschnurumschlingung von der werdenden Mutter an die anwesenden Geburtshelfer weitergeleitet werden.
Behandlung & Therapie
Die Nabelschnurumschlingung erfordert meist keine besonderen Maßnahmen. Jedoch sollte während des Geburtsprozesses über die Kardiotokografie die Herzfrequenz des Kindes überwacht werden. Wenn es zu längeren Dezelerationen kommt, ist es gleichzeitig indiziert, die Sauerstoffversorgung durch Mikroblutuntersuchungen zu bestimmen, um im Notfall schnell reagieren zu können. In Einzelfällen kann ein Kaiserschnitt (Sectio, Schnittentbindung) notwendig sein.
Besonders Schwangere, die eine frühere Totgeburt durchgemacht haben, bedürfen besonderer Aufmerksamkeit. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass die Nabelschnurumschlingung primär meist nicht die Todesursache des Kindes darstellt. Wie bereits erwähnt, können verschiedene Vorschädigungen und Erkrankungen von Kind oder Mutter die Wahrscheinlichkeit einer NSU etwa durch ein Polyhydramnion erhöhen. Oft ist die Ursache für die Totgeburt jedoch in diesen Schädigungen zu suchen.
Aussicht & Prognose
Die Nabelschnurumschlingung kommt nicht selten vor. Nach statistischen Erhebungen liegt die Nabelschnur bei etwa jeder fünften Geburt um den Hals des Kindes. Sie wird oft im Rahmen der Ultraschalluntersuchung festgestellt. Das Kind im Mutterleib zeigt sich allerdings in der Regel unbeeindruckt von der Nabelschnurumschlingung. Weil die Nabelschnur durch die sie ausfüllende Wharton-Sulze und ihre spiralige Drehung gut gegen Druck geschützt ist, ergeben sich daraus meist keine Komplikationen. Die Geburt verläuft in aller Regel problemlos. Insgesamt ergibt sich somit eine positive Prognose.
Zu beachten ist, dass eine Nabelschnurumschlingung nicht am Hals vorliegen muss. Viele medizinische Laien befürchten zu Unrecht, dass das Kind sich selbst stranguliert. Eine Umschlingung kann demgegenüber auch an einem Arm oder Bein gegeben sein. Eine solche Lage ist für das Kind noch weniger von Bedeutung.
Während die Prognose in aller Regel positiv ist, sind die Behandlungsmöglichkeiten hingegen unzureichend. Ärzte vermögen nicht, eine Umschlingung des Ungeborenen im Mutterleib zu verändern. Es bleibt nur, den Herzschlag regelmäßig zu überprüfen. Verschlechtert sich der Zustand des Kindes während der Schwangerschaft, kann ein Kaiserschnitt als lebensrettende Maßnahme angezeigt sein. In der Praxis stellt diese Aktion aber eine Ausnahme dar.
Vorbeugung
Eine Vorbeugung vor einer Nabelschnurumschlingung beim heranwachsenden Fetus ist nicht möglich. Die NSU ist eine häufige Begleiterscheinung der Geburt und hat in der Regel keine große Auswirkung auf das Kind. Lediglich in Risikofällen sollten während der Schwangerschaft eine Doppler-Sonografie und eine Kardiotokografie durchgeführt werden.
Ein Risiko besteht, wenn bereits in der Vergangenheit eine Schwangerschaft mit einer Fehl- oder Totgeburt endete. Auch bei bestimmten Erkrankungen der Mutter wie Diabetes mellitus ist eine stärkere Überwachung empfehlenswert. Speziell in diesem Fall kann die werdende Mutter durch eine gute Einstellung des Blutzuckers das Risiko für ein Polyhydramnion und damit mittelbar auch für eine Nabelschnurumschlingung senken.
Nachsorge
Eine Nabelschnurumschlingung erfordert nach der Geburt in aller Regel keine besondere Nachsorge. Ist das Kind wohlauf, wird die Umschlingung bei der Geburt schlicht über den Kopf gestreift, und die Sache ist damit erledigt. Wichtig bleibt lediglich die regelmäßige Teilnahme an den Vorsorgeuntersuchungen für Neugeborene.
Eine Behandlung der Umschlingung selbst gibt es nicht: Sie lässt sich vor der Geburt weder auflösen noch operieren, sondern nur überwachen. Musste das Kind wegen einer Sauerstoffunterversorgung vorzeitig per Kaiserschnitt geholt werden, richtet sich die Nachsorge nach seinem Zustand und wird von der Kinderklinik festgelegt. Sollte die Nabelschnurumschlingung ausnahmsweise schon vor der Geburt zum Tod des Kindes führen, ist keine Behandlung mehr möglich.
Die meisten Betroffenen sind dann auf eine psychologische Hilfe angewiesen, wobei sich vor allem liebevolle und intensive Gespräche mit der eigenen Familie sehr positiv auf den psychischen Zustand der Eltern auswirken können. Über solche Gespräche hinaus können sich betroffene Eltern an eine Klinikseelsorge, an Hebammen mit entsprechender Ausbildung oder an Selbsthilfegruppen für verwaiste Eltern wenden.
Das können Sie selbst tun
Eine Nabelschnurumschlingung wird oftmals bei den Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft zufällig festgestellt. Dies zeigt, wie wichtig es für Schwangere ist, alle angebotenen Untersuchungen wahrzunehmen. So kann im Alltag am besten gewährleistet werden, dass durch die Vorsorgeleistungen erkennbare Probleme und gesundheitliche Gefährdungen für das ungeborene Kind festgestellt werden.
Die Mutter selbst kann bei einer festgestellten Nabelschnurumschlingung nichts tun. Es besteht keine Möglichkeit, von außen die Nabelschnur vom Hals des Babys zu entfernen. Deswegen kommt der Selbstbeobachtung im Alltag eine große Rolle zu. Schwangere, bei deren Kind im Bauch eine solche Umschlingung der Nabelschnur festgestellt worden ist, müssen mögliche Warnzeichen für eine drohende Unterversorgung erkennen, damit sie schnell handeln können. Stellen sie also beispielsweise abnehmende Kindsbewegungen fest, so können sie diese weder selbst eindeutig diagnostizieren noch behandeln.
Die einzige Möglichkeit, selbst aktiv zu werden, besteht hier darin, eine gynäkologische Praxis oder ein Krankenhaus mit Geburtshilfe aufzusuchen und die Versorgung des Kindes via CTG abklären zu lassen. Ein Notruf über die 112 ist dabei in der Regel nicht nötig; nötig ist aber die unverzügliche Vorstellung in der Geburtsklinik, nicht das Abwarten bis zum nächsten regulären Termin. Eine bekannte Nabelschnurumschlingung sollte nicht nur im Mutterpass festgehalten werden. Die Schwangere sollte bei unklaren Situationen diese bekannte Gefahr auch immer offensiv nochmal ansprechen, denn nicht alle Umschlingungen, die dem Kind Probleme bereiten können, sind als solche immer auf dem Ultraschall zu erkennen.
Quellen
- Kaisenberg, C. von, Klaritsch, P., Hösli-Krais, I. (Hrsg.): Die Geburtshilfe.
ISBN: 9783662635056
- Weyerstahl, T., Stauber, M.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe.
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- Kainer, F. (Hrsg.): Facharztwissen Geburtsmedizin.
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- Goerke, K., Steller, J., Valet, A. (Hrsg.): Klinikleitfaden Gynäkologie und Geburtshilfe.
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- Hübler, A., Jorch, G., Härtel, C. (Hrsg.): Neonatologie.
ISBN: 9783132452336

