Polyhydramnion
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Je nach schwangerer Frau kann ein Polyhydramnion verschiedene Ausprägungen annehmen. Nicht immer ist eine medizinische Behandlung notwendig.
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Was ist Polyhydramnion?
Ein Polyhydramnion (auch als Hydramnion oder Polyhydramnie bezeichnet) liegt dann vor, wenn eine schwangere Frau über eine überdurchschnittlich hohe Menge an Fruchtwasser verfügt.
Ab welcher Fruchtwassermenge in der Medizin von einem Polyhydramnion gesprochen wird, orientiert sich unter anderem am sogenannten Fruchtwasserindex (AFI) - überschreitet dieser Index bei einer schwangeren Frau einen Wert von 20 cm, so liegt nach medizinischer Definition eine überdurchschnittliche Menge Fruchtwasser vor. Als weiterer Kennwert für ein vorliegendes Polyhydramnion gilt eine Fruchtwassermenge von mehr als 2 Litern am Geburtstermin.
Häufig geht ein Polyhydramnion mit einem vergrößerten Bauchumfang der schwangeren Frau und konsistenten Flüssigkeitsbewegungen in der Gebärmutter (dem Uterus) einher. Die Herztöne des ungeborenen Kindes können abgeschwächt sein. Zu einem Polyhydramnion kommt es bei ca. 1 - 3 % aller Schwangerschaften.
Ursachen
Mögliche Ursachen eines Polyhydramnions können sowohl beim Fötus als auch bei der werdenden Mutter zu finden sein.
Zu den möglichen Ursachen eines erhöhten Fruchtwasservorkommens aufseiten der Mutter zählt beispielsweise eine vorliegende Diabetes mellitus-Erkrankung (auch als Zuckerkrankheit bezeichnet): Beim Fötus kann die Zuckererkrankung der Mutter zu einer sogenannten Polyurie, also zu einer erhöhten Produktion von Urin, führen. In der Folge entwickelt sich ein Polyhydramnion. Auch Erkrankungen wie Syphilis bei einer schwangeren Frau können ein Polyhydramnion begünstigen.
Beim ungeborenen Kind können beispielsweise Herzfehler oder verschiedene Infektionen ein auftretendes Polyhydramnion hervorrufen. Auch Fehlbildungen des Magen-Darm-Traktes, Entwicklungsstörungen des Großhirns, Störungen der Knochenbildung, Chromosomenanomalien oder eine vorliegende Lippen-Kiefer-Gaumenspalte beim Fötus führen gelegentlich zu einer erhöhten Fruchtwassermenge im Uterus. Schließlich kann ein Polyhydramnion auch begünstigt werden, wenn das Kind durch Trinken kein bzw. zu wenig Fruchtwasser aufnimmt. Ursache dafür sind eine Schluckstörung oder ein Verschluss von Speiseröhre (Ösophagusatresie) oder Zwölffingerdarm.
Auch eine Mehrlingsschwangerschaft geht häufiger mit einer erhöhten Fruchtwassermenge einher. Beim fetofetalen Transfusionssyndrom eineiiger Zwillinge entwickelt der eine Zwilling ein Polyhydramnion, während der andere zu wenig Fruchtwasser hat; dieses Krankheitsbild muss rasch erkannt werden, weil es beide Kinder gefährdet.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Bei einem sogenannten Polyhydramnion ist die Fruchtwassermenge im Amnion größer als zwei Liter. Bei circa drei Prozent aller Schwangerschaften kann dieser Zustand vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche eintreten. Sowohl für die Mutter als auch für das Kind können sich daraus Komplikationen ergeben.
Das Polyhydramnion macht sich durch anhaltende Unterbauchschmerzen, starkes Bauchspannen, Wehen, Ziehen im Unterbauch, Atemnot und Schwindelgefühle bemerkbar. Verschiedene Schwangerschaftsbeschwerden wie Verdauungsbeschwerden, Verstopfung, Sodbrennen, geschwollene Beine, Krampfadern oder Schwangerschaftsstreifen verstärken sich. Da das Polyhydramnion durch unterschiedliche Erkrankungen verursacht werden kann, sind noch weitere Symptome möglich, die aber auf die jeweils zugrunde liegende Störung hindeuten.
Außerdem kommt es zu einer Abschwächung der kindlichen Herztöne. Wenn diese Symptome auftreten, deutet Vieles auf ein Polyhydramnion hin. Um Komplikationen bei Mutter und Kind zu vermeiden, sollte die Ursache umgehend ärztlich abgeklärt werden. Als Komplikationen kommen solche Krankheitszeichen wie eine vorzeitige Lösung der Plazenta, ein vorzeitiger Blasensprung, eine Nabelschnurvorlagerung oder eine ungewöhnliche Geburtseinstellung des Kindes infrage.
Des Weiteren kann sich bei der Mutter als Folge der erhöhten Fruchtwassermenge erhöhter Blutdruck einstellen. Außerdem ist die Gefahr für Infektionen des Harntrakts erhöht. Für das Kind besteht das Risiko einer Frühgeburt. Notfalls muss die Geburt vorzeitig eingeleitet oder das Kind per Kaiserschnitt entbunden werden. Das Geburtsgewicht des Kindes kann bei einer Frühgeburt erniedrigt sein. Liegt dem Polyhydramnion dagegen ein Schwangerschaftsdiabetes oder ein anderer Diabetes der Mutter zugrunde, ist das Kind häufig überdurchschnittlich groß und schwer. Im Extremfall kommt es zum Kindstod.
Diagnose & Verlauf
Diagnostiziert wird ein Polyhydramnion meist mithilfe der Sonografie (einem bildgebenden Verfahren auf Grundlage von Ultraschall). Anhand der so erstellten Aufnahmen des Bauches einer werdenden Mutter kann die Fruchtwassermenge beispielsweise nach den Kriterien des AFI bestimmt werden.
Zu diesem Zweck wird der dargestellte Bauch zunächst in vier Quadranten (Viertel) unterteilt. Die jeweils größten Fruchtwasserdepots der einzelnen Quadranten werden nun summiert und können so Aufschluss über ein vorliegendes Polyhydramnion geben.
Bildet sich ein Polyhydramnion nicht selbstständig zurück und wird es nicht entsprechend behandelt, so können sich im Verlauf der Schwangerschaft verschiedene Komplikationen einstellen. So kann ein Polyhydramnion beispielsweise ein vorzeitiges Einreißen der Fruchtblase begünstigen. Weil beim Blasensprung große Mengen Fruchtwasser auf einmal abgehen, kann dabei die Nabelschnur mitgerissen werden und vor den kindlichen Kopf rutschen; ein solcher Nabelschnurprolaps (ein Nabelschnurvorfall) ist ein Notfall, bei dem das Kind sofort entbunden werden muss. Auch eine vorzeitige Lösung der Plazenta (des Mutterkuchens) kann sich infolge eines Polyhydramnions einstellen. Nicht zuletzt beeinträchtigt eine erhöhte Fruchtwassermenge gelegentlich eine geeignete Kindslage.
Komplikationen
Auch die Belastbarkeit der Patientin sinkt aufgrund des Polyhydramnions deutlich ab und es kommt zu Atembeschwerden und unter anderem auch zu einer Kurzatmigkeit. Weiterhin leiden die Betroffenen nicht selten an Sodbrennen oder an Bauchschmerzen. Das Polyhydramnion führt dabei auch zu Verstopfungen und zu allgemeinen Beschwerden der Verdauung oder zu Magenschmerzen. Die Lebensqualität der Patientin wird durch diese Krankheit erheblich eingeschränkt.
Aufgrund der angeschwollenen Beine leiden die Patientinnen mitunter an Bewegungseinschränkungen und weisen nicht selten auch Krampfadern auf. Nicht in jedem Fall muss das Polyhydramnion behandelt werden. Bei einer leichten Ausprägung bilden sich die Beschwerden häufig wieder von selbst zurück, sodass es zu keinen besonderen Komplikationen kommt, und nur selten sind operative Eingriffe notwendig. Bei einer ausgeprägten Fruchtwassermenge können Mutter und Kind dagegen sehr wohl gefährdet sein – etwa durch einen Nabelschnurvorfall beim Blasensprung, durch eine vorzeitige Lösung der Plazenta oder durch eine Frühgeburt. Wie hoch das Risiko ist, hängt außerdem von der zugrunde liegenden Ursache ab.
Behandlung & Therapie
Nicht immer muss ein Polyhydramnion medizinisch behandelt werden; eine erhöhte Fruchtwassermenge kann sich in verschiedenen Fällen auch selbstständig wieder zurückbilden. Kommt es zu keiner eigenständigen Rückbildung des Fruchtwassers, so erfolgt in verschiedenen Fällen eines ausgeprägten Polyhydramnions eine sogenannte Fruchtwasserentlastungspunktion.
Im Rahmen eines solchen Eingriffes wird eine Hohlnadel in die Fruchtblase eingeführt; in weiteren Behandlungsschritten kann nun überschüssiges Fruchtwasser abgelassen werden. Der Eingriff ist nicht risikofrei: Er kann vorzeitige Wehen, einen Blasensprung, eine Infektion der Fruchthöhle oder eine vorzeitige Lösung der Plazenta auslösen, und weil sich das Fruchtwasser häufig neu bildet, muss er oft wiederholt werden. Er wird deshalb nur bei ausgeprägten Beschwerden vorgenommen.
Alternativ kann ein Polyhydramnion auch medikamentös behandelt werden; hierbei kommen in der Regel Wirkstoffe zum Einsatz, die sich hemmend auf die Produktion von Fruchtwasser auswirken. Verwendet wird dafür meist Indometacin. Da der Wirkstoff beim Kind einen vorzeitigen Verschluss einer wichtigen Gefäßverbindung am Herzen (des Ductus arteriosus) bewirken kann, wird er nur zeitlich begrenzt und in der Regel nicht mehr nach der 32. Schwangerschaftswoche gegeben.
Ob ein vorliegendes Polyhydramnion behandlungsbedürftig ist und welche therapeutischen Maßnahmen bei Notwendigkeit eingesetzt werden, ist unter anderem abhängig von Faktoren wie der Ausprägung eines Polyhydramnions sowie dem Gesundheitszustand von Embryo und werdender Mutter. Liegen einem Polyhydramnion Erkrankungen der Mutter zugrunde, so wird eine eventuelle Behebung eines Fruchtwasserüberschusses häufig von Therapiemaßnahmen begleitet, die auf die vorliegende Grunderkrankung zielen.
Vorbeugung
Da in vielen Fällen die Ursachen eines Polyhydramnions nicht eindeutig diagnostiziert werden können, ist ein entsprechendes Vorbeugen kaum möglich. Sind einer werdenden Mutter eigene Stoffwechselerkrankungen wie etwa Diabetes mellitus bekannt, so kann eine konsequente Behandlung der Grunderkrankung das Risiko eines Polyhydramnions reduzieren; geeignete Handlungsschritte können hier beispielsweise beim behandelnden Arzt erfragt werden. Da ein bislang unerkannter Schwangerschaftsdiabetes zu den häufigsten Ursachen zählt, gehört bei einem Polyhydramnion auch ein Zuckerbelastungstest zur Abklärung.
Nachsorge
Dem Betroffenen stehen beim Polyhydramnion in den meisten Fällen nur wenige und auch nur eingeschränkte Maßnahmen einer Nachsorge zur Verfügung. Aus diesem Grund muss bei dieser Krankheit schon frühzeitig ein Arzt aufgesucht werden, damit es nicht zu weiteren Komplikationen oder Beschwerden kommt, die die Lebensqualität der Betroffenen einschränken können. Eine Behandlung der Erkrankung kann allerdings nicht immer durchgeführt werden, wobei sie allerdings auch nicht immer notwendig ist.
In vielen Fällen können sich die Beschwerden auch wieder von selbst zurückbilden, wobei trotzdem eine dauerhafte Überwachung durch einen Arzt sehr wichtig ist, um Komplikationen und andere Beschwerden schon früh zu erkennen. Das Kind sollte auch nach der erfolgreichen Geburt regelmäßig kontrolliert werden, um eine gewöhnliche Entwicklung des Kindes zu gewährleisten.
In den meisten Fällen kommt es dann zu keinen weiteren Komplikationen oder Beschwerden. Sollte es zu einer Fehlgeburt kommen, sind die Betroffenen auf eine intensive psychologische Unterstützung angewiesen. Dabei wirkt sich vor allem die Unterstützung der eigenen Familie sehr positiv auf den weiteren Verlauf der Erkrankung aus. Weitere Maßnahmen einer Nachsorge stehen der Betroffenen beim Polyhydramnion in der Regel nicht zur Verfügung.
Das können Sie selbst tun
Wenn der Bauchumfang während der Schwangerschaft unnatürlich groß ist, sollte ein Arzt konsultiert werden. Falls ein Polyhydramnion vorliegt, sollte die Frau keinen Sport treiben und sorgfältig auf ungewöhnliche Symptome achten. Eine Behandlung des Fruchtwasserüberschusses selbst ist nur dann notwendig, wenn die Beschwerden ausgeprägt sind oder Gefahr für das Baby besteht. Abgeklärt werden muss die Ursache jedoch immer, und die Fruchtwassermenge sowie das Wachstum des Kindes werden regelmäßig ärztlich kontrolliert.
Sollten sich allerdings Schmerzen oder andere Beschwerden einstellen, ist ärztlicher Rat gefragt. Betroffene Frauen können eine etwaige Punktion des Bauches besser überstehen, indem sie vor dem Eingriff auf schwere Lebensmittel verzichten. Nach dem Eingriff sollten sie sich für einige Tage schonen. Die Fruchtblase muss sich erholen, damit es während der Geburt nicht zu Komplikationen kommt. Betroffene Frauen können die Beschwerden nach einem Eingriff lindern, indem sie beruhigende Tees trinken, sich eine professionelle Massage geben lassen und sich vor allem viel ausruhen.
Sollte das Unwohlsein dadurch nicht abklingen, muss der Gynäkologe ein geeignetes Medikament verordnen und noch einmal eine Ultraschalluntersuchung durchführen. Ein leicht ausgeprägtes Polyhydramnion verläuft meist ohne größere Komplikationen. In vielen Fällen muss der Überschuss an Fruchtwasser nicht behandelt werden. Wichtig bleibt aber, dass ein plötzlich sehr rasch wachsender Bauch, Atemnot, vorzeitige Wehen oder ein Abgang von Fruchtwasser sofort in der Klinik abgeklärt werden.
Quellen
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ISBN: 9783662450635
- Weyerstahl, T., Stauber, M.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe.
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- Kaisenberg, C. von, Klaritsch, P., Hösli-Krais, I. (Hrsg.): Die Geburtshilfe.
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- Goerke, K., Steller, J., Valet, A. (Hrsg.): Klinikleitfaden Gynäkologie und Geburtshilfe.
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