Kardiotokografie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Bei der Kardiotokografie zeichnet ein Tokograf anhand eines Ultraschall-Transducers und eines Drucksensors den Herzschlag eines ungeborenen Kindes in Abhängigkeit zur Wehentätigkeit der werdenden Mutter auf, was vorwiegend während der Geburt die Gesundheit des Kindes sicherstellen soll.
Die so gemessenen Daten werden in einem Kardiotokogramm dargestellt und dienen den Geburtshelfern nach einer Auswertung anhand festgelegter Beurteilungsschemata zum Beispiel dazu, die potenzielle Notwendigkeit eines Kaiserschnitts einzuschätzen. Zum Teil finden Kardiotokografien auch während einer Schwangerschaft statt, sind außerhalb der Geburt aber an eine Indikation gebunden und nicht als Routinemaßnahme gedacht, da sie häufig Fehlalarm auslösen und den Arzt so zu einer unnötig frühen Einleitung der Geburt bewegen könnten.
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Was ist die Kardiotokografie?
Die Kardiotokografie ist ein gynäkologisches Kontrollverfahren, das den Herzschlag des ungeborenen Kindes in Abhängigkeit zur Wehentätigkeit werdender Mütter abbilden kann. Konrad Hammacher gilt als einer der Wegbereiter des Verfahrens, das mittlerweile zu den Standardverfahren der Überwachung während einer laufenden Geburt zählt.
In der Regel ist die Kardiotokografie ein äußerliches, also nicht-invasives Verfahren und nimmt Messungen über die Bauchdecke der Mutter vor. Ein Ultraschall-Transducer und ein Drucksensor wirken bei der Kardiotokografie zusammen. Der Transducer sendet Schallwellen in den Mutterleib, die das Herz des Kindes erreichen und ein Echo zurückwerfen, das der Berechnung der Herzfrequenz dient. Der Tokograf gibt die Messdaten in Form eines Kardiotokogramms aus, das die Geburtshelfer etwaige Komplikationen oder Probleme während der Geburt früh genug erkennen und im Anschluss daran beheben lässt.
Funktion, Wirkung & Ziele
Der Ultraschall-Transducer liegt unter einer Bauchbinde, wo er beweglich bleibt und so der Lage des ungeborenen Kindes angepasst werden kann. Der Transducer sendet schließlich Schallwellen in den Mutterleib, die das Herz des ungeborenen Kindes erreichen und dort ein Echo auslösen. Das zurückgeworfene Echo wird von dem Empfänger des Transducers registriert und dient der Berechnung der Herzfrequenz. Moderne Ultraschall-Transducer sind außerdem zur Registrierung von Kindesbewegungen in der Lage.
Da die Herzfrequenz des Fötus bei der Kardiotokografie in Abhängigkeit von den Wehen dargestellt werden soll, misst der Drucksensor zur selben Zeit die Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur.
Das Gerät leitet diese Werte aus der Bauchdeckenspannung der werdenden Mutter ab und zeichnet die so errechneten Daten auf. Infolge von Sauerstoffmangel nimmt die fetale Herzfrequenz zuweilen stark ab. Solche so genannten Dezelerationen lassen sich über die Kardiotokografie dokumentieren und können unter Umständen einen Kaiserschnitt erforderlich machen. Insbesondere späte Dezelerationen im Anschluss an jede Wehe sind ein Hinweis auf eine Gefährdung des Fötus. Frühe und somit wehensynchrone Dezelerationen sind dagegen meist ungefährlich, solange sie seit Beginn der Geburt bestehen und nicht plötzlich zum Ende hin auftreten.
Um die Messdaten der Kardiotokografie auszuwerten, fand lange ein Punkteschema wie der Fischer-Score Verwendung. Heute richtet sich die Beurteilung vor allem nach Leitlinienkriterien, die eine Aufzeichnung als unauffällig, suspekt oder pathologisch einstufen. Computergestützte Auswertungssysteme stehen inzwischen zur Verfügung; die abschließende Beurteilung bleibt jedoch beim geburtshilflichen Personal.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Wenn die Kardiotokografie innerhalb der Schwangerschaft so zuweilen bei Diabeteskranken oder an Bluthochdruck leidenden Frauen angewandt wird, um etwaige Risiken zu überwachen, ist ein erfahrener und kompetenter Arzt zur Beurteilung des Kardiotokogramms unerlässlich. Auffällige Befunde sollten immer durch weitere Untersuchungen abgeklärt werden, bevor der Arzt Maßnahmen in die Wege leitet. Auffälligkeiten gehen oft nämlich auf normale Vorgänge wie zum Beispiel Bewegungen des Fötus zurück.
Bei vorab bereits registrierten Störungen der Herzfrequenzen oder bei dem Risiko einer Frühgeburt findet die Kardiotokografie allerdings zu Recht auch während der Schwangerschaft Verwendung. Bei der Geburt selbst zählt die Messung schließlich zum Standard und gilt für die Mutter wie für das ungeborene Kind als körperlich risikoarm. Das eigentliche Risiko liegt nicht im Verfahren selbst, sondern in der Deutung der Kurven: Auch unter der Geburt können auffällig wirkende Aufzeichnungen zu Eingriffen führen, die sich im Nachhinein als unnötig erweisen. Im Großen und Ganzen ist das Verfahren für die Mutter gänzlich schmerzfrei, das ungeborene Kind sollte aber auch während der Geburt möglichst nicht unnötig lange mit Schallenergie bestrahlt werden.
Die Geburtshelfer müssen in die Interpretation der aufgezeichneten Daten immer auch die Konstitution der Mutter und deren Angaben zur Wehentätigkeit mit einfließen lassen, da der Tokograf bei den starken Bauchumfangsveränderungen einer sehr schlanken Schwangeren beispielsweise schon geringe Wehentätigkeiten mit hohen Ausschlägen aufnimmt. Im Rückschluss kann es bei einer beleibten Schwangeren an Ausschlägen fehlen, obwohl die Wehentätigkeit die Norm längst überschreitet.
Vorbereitung & Ablauf der Untersuchung
Für eine Kardiotokografie sind weder Nüchternheit noch eine sonstige Vorbereitung nötig. Die werdende Mutter macht den Bauch frei und nimmt eine Lage ein, in der sie längere Zeit ruhig bleiben kann. Bevorzugt wird eine halb sitzende Haltung oder die Seitenlage. Die flache Rückenlage wird vermieden, weil die Gebärmutter dort auf die untere Hohlvene drücken und den Rückfluss des Blutes zum mütterlichen Herzen behindern kann; die Folge wären Kreislaufbeschwerden der Mutter und eine schlechtere Durchblutung des Mutterkuchens, die sich prompt in der Kurve niederschlägt.
Auf den Ultraschall-Transducer wird ein Kontaktgel aufgetragen, damit die Schallwellen ohne Luftspalt in das Gewebe übertreten. Anschließend sucht die Hebamme oder der Arzt die Stelle, an der die kindlichen Herztöne am deutlichsten zu empfangen sind. Wo diese Stelle liegt, richtet sich nach der Lage des Kindes und wandert im Verlauf der Schwangerschaft und der Geburt. Der Drucksensor wird in der Regel weiter oben am Bauch befestigt, dort, wo die Muskulatur der Gebärmutter bei einer Wehe am stärksten hart wird. Beide Messfühler hält ein elastischer Gurt an Ort und Stelle. Er muss straff sitzen, damit nichts verrutscht, darf aber nicht schmerzen.
Häufig erhält die Schwangere einen Handtaster, mit dem sie selbst eine Markierung auf der Aufzeichnung setzen kann, sobald sie eine Kindsbewegung spürt. So lässt sich später nachvollziehen, ob Veränderungen der Herzfrequenz mit Bewegungen zusammenfielen.
Die Aufzeichnung dauert außerhalb der Geburt üblicherweise etwa eine halbe Stunde. Ist sie nicht eindeutig zu beurteilen, wird sie verlängert. Der häufigste Grund dafür ist harmlos: Ungeborene haben Ruhe- und Schlafphasen, in denen die Herzfrequenz gleichförmiger verläuft. Eine Aufzeichnung, die in eine solche Phase fällt, wirkt zunächst auffällig und wird deshalb fortgesetzt, bis das Kind wieder wach ist.
Die Untersuchung ist für Mutter und Kind schmerzfrei und erfordert keinen Eingriff. Als unangenehm empfinden manche Frauen allenfalls das lange Stillliegen, den Druck des Gurtes oder das kühle Gel. Viele Schwangere berichten, dass sich ihr Kind während der Aufzeichnung anders verhält als sonst.
Was die Kurve zeigt
Ein Kardiotokogramm besteht aus zwei übereinander laufenden Kurven. Die obere gibt die Herzfrequenz des Kindes wieder, die untere die Tätigkeit der Gebärmuttermuskulatur. Erst das Zusammenspiel beider Linien macht die Aufzeichnung aussagekräftig, denn viele Veränderungen der Herzfrequenz sind nur im zeitlichen Verhältnis zu einer Wehe zu deuten.
Als Erstes wird die Grundfrequenz bestimmt, also das mittlere Niveau der Herzfrequenz zwischen den Ausschlägen. Beim ungeborenen Kind liegt sie deutlich höher als beim Erwachsenen. Ein dauerhaft zu niedriges Niveau wird als Bradykardie bezeichnet, ein dauerhaft zu hohes als Tachykardie; beides ist erst in der Zusammenschau mit dem übrigen Kurvenbild zu bewerten, denn auch Fieber der Mutter oder bestimmte Medikamente heben die kindliche Herzfrequenz an.
Ein zweites Merkmal ist die feine Schwankung der Kurve um dieses Niveau, die Oszillation oder Bandbreite. Sie entsteht dadurch, dass das kindliche Nervensystem den Herzschlag laufend nachregelt, und gilt als Zeichen eines wachen, gut versorgten Kindes. Eine über längere Zeit nahezu glatte, "silente" Kurve ist deshalb ein ernster zu nehmender Befund als ein einzelner Ausschlag nach unten – wobei auch hier die Schlafphase des Kindes die häufigste und harmlose Erklärung ist.
Kurzzeitige Anstiege der Herzfrequenz, Akzelerationen genannt, treten typischerweise bei Bewegungen des Kindes auf und werden als günstiges Zeichen gewertet. Ihr Gegenstück sind die Abfälle, die Dezelerationen. Für ihre Deutung ist die zeitliche Beziehung zur Wehe entscheidend. Wehensynchrone Abfälle, die mit der Wehe beginnen und mit ihr wieder enden, gehen meist auf einen Druck auf den kindlichen Kopf zurück. Abfälle, die erst nach dem Gipfel der Wehe einsetzen und verzögert wieder ansteigen, gelten dagegen als Hinweis auf eine unzureichende Sauerstoffversorgung über den Mutterkuchen. Wechselhaft geformte Abfälle ohne festes Verhältnis zur Wehe werden vor allem mit einer vorübergehenden Einengung der Nabelschnur in Verbindung gebracht.
Die untere Kurve gibt Beginn, Dauer und Abstand der Wehen zuverlässig wieder. Ihre Höhe ist dagegen nur bedingt aussagekräftig, weil der Sensor von außen lediglich die Spannung der Bauchdecke misst. Wie unterschiedlich diese Ausschläge bei schlanken und bei kräftigen Schwangeren ausfallen, ist weiter oben beschrieben. Wie stark eine Wehe tatsächlich ist, erfährt der Geburtshelfer daher zuverlässiger aus dem Tasten des Bauches und aus den Angaben der Frau.
Innere Ableitung unter der Geburt
Neben der beschriebenen äußeren Ableitung über die Bauchdecke gibt es eine innere Form der Herzfrequenzmessung. Dabei wird eine kleine Elektrode an der Kopfhaut des Kindes befestigt, die dessen Herzstromkurve unmittelbar abgreift. Der Vorteil liegt in der Signalqualität: Die Aufzeichnung bricht nicht ab, wenn das Kind sich dreht oder die Mutter sich bewegt, und es kann nicht versehentlich der mütterliche Puls statt der kindlichen Herzfrequenz aufgezeichnet werden.
Diese Form ist ausschließlich unter der Geburt möglich und an Voraussetzungen gebunden: Die Fruchtblase muss eröffnet und der Muttermund weit genug sein, damit die Elektrode angelegt werden kann. Sie kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn die äußere Ableitung kein brauchbares Signal liefert. Anders als die äußere Messung ist sie ein Eingriff; als Risiken gelten eine kleine Wunde an der kindlichen Kopfhaut und deren Infektion. Bei bestimmten Infektionen der Mutter wird deshalb auf die innere Ableitung verzichtet, um eine Übertragung auf das Kind zu vermeiden.
Ebenfalls von innen lässt sich die Wehentätigkeit messen, dann über einen Katheter in der Gebärmutterhöhle, der den tatsächlichen Druck erfasst. Dieses Vorgehen bleibt besonderen Fragestellungen vorbehalten und gehört nicht zur üblichen Überwachung.
Was ein auffälliger Befund bedeutet
Eine unauffällige Aufzeichnung spricht dafür, dass das Kind zum Zeitpunkt der Messung ausreichend mit Sauerstoff versorgt war. Genau darin liegt aber auch ihre Grenze: Sie ist eine Momentaufnahme und sagt nichts darüber, wie sich die Lage in den folgenden Stunden entwickelt. Ein unauffälliges Kardiotokogramm nimmt daher weder die Beobachtung noch die übrigen geburtshilflichen Kontrollen ab.
Umgekehrt bedeutet eine auffällige Aufzeichnung nicht, dass das Kind in Gefahr ist. Das Verfahren schlägt eher zu oft als zu selten an: Es erkennt eine Gefährdung recht zuverlässig, kennzeichnet aber zugleich viele Kinder als auffällig, denen es gut geht. Diese Eigenschaft ist der Grund für die anhaltende Kritik am Verfahren, denn jeder falsch als bedrohlich gedeutete Befund kann zu einem Eingriff führen, der sich hinterher als unnötig erweist.
Zwischen "unauffällig" und "unmittelbar bedrohlich" steht die mittlere Einstufung, aus der zunächst keine Entbindung folgt, sondern eine engere Überwachung. Häufig genügen einfache Maßnahmen: ein Wechsel der Körperlage, das Auffüllen des Kreislaufs der Mutter, gegebenenfalls eine Unterbrechung wehenfördernder Mittel. Bessert sich das Bild darunter, wird die Aufzeichnung fortgesetzt.
Bleibt der Befund unklar, steht unter der Geburt mit der Mikroblutuntersuchung ein Verfahren zur Verfügung, das die Frage direkter beantwortet: Aus einer winzigen Blutprobe von der kindlichen Kopfhaut lässt sich bestimmen, ob tatsächlich ein Sauerstoffmangel vorliegt. Erst wenn die Zeichen eindeutig gegen das Kind sprechen oder für eine solche Abklärung keine Zeit bleibt, wird rasch entbunden – je nach Geburtsfortschritt durch einen Kaiserschnitt oder mit Zange oder Saugglocke.
Außerhalb der Geburt führt ein auffälliger Befund zunächst zu weiteren Untersuchungen, etwa einer Ultraschalluntersuchung mit Beurteilung der Fruchtwassermenge und der Durchblutung. Erst aus dem Gesamtbild ergibt sich, ob abgewartet, engmaschiger kontrolliert oder die Geburt eingeleitet wird.
Abgrenzung zu anderen Überwachungsverfahren
Die Kardiotokografie ist nicht die einzige Möglichkeit, den Zustand eines ungeborenen Kindes zu beurteilen, und sie ersetzt die übrigen Verfahren nicht.
Die älteste Methode ist das Abhören der kindlichen Herztöne, früher mit einem hölzernen Hörrohr, heute meist mit einem kleinen Ultraschallgerät. Dieses Vorgehen liefert keine fortlaufende Aufzeichnung, sondern regelmäßige Stichproben. Bei einer Geburt ohne besondere Risiken gilt es als vertretbare Alternative zur dauerhaften Überwachung und hat den Vorteil, dass sich die Gebärende frei bewegen kann. Für dieses Problem gibt es inzwischen auch technische Lösungen in Form drahtlos übertragender Geräte.
Die Doppler-Untersuchung der Gefäße beantwortet eine andere Frage als das Kardiotokogramm: Sie beurteilt die Durchblutung in Nabelschnur, Mutterkuchen und kindlichen Gefäßen und wird vor allem in der Schwangerschaft eingesetzt, wenn der Verdacht auf eine Unterversorgung besteht. Die Fruchtwassermenge, die Bewegungen und die Atembewegungen des Kindes lassen sich mit dem Ultraschall beurteilen und werden mitunter gemeinsam mit der Herzfrequenz zu einem Gesamtbild zusammengefasst.
Innerhalb der Geburt ergänzt die bereits genannte Blutentnahme von der kindlichen Kopfhaut die Aufzeichnung; sie ist das Verfahren, mit dem sich ein zweifelhaftes Kardiotokogramm klären lässt. Die Kardiotokografie ist damit ein Suchverfahren, das den Verdacht stellt, und keines, das ihn allein bestätigen könnte.
Quellen
- Kaisenberg, C. von, Klaritsch, P., Hösli-Krais, I. (Hrsg.): Die Geburtshilfe.
ISBN: 9783662635056
- Kainer, F. (Hrsg.): Facharztwissen Geburtsmedizin.
ISBN: 9783437210976
- Weyerstahl, T., Stauber, M.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe.
ISBN: 9783132411012
- Goerke, K., Steller, J., Valet, A. (Hrsg.): Klinikleitfaden Gynäkologie und Geburtshilfe.
ISBN: 9783437211348
- Gembruch, U., Hecher, K., Steiner, H. (Hrsg.): Ultraschalldiagnostik in Geburtshilfe und Gynäkologie.
ISBN: 9783662673720
