Nackenfaltenmessung
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 3. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Nackenfaltenmessung ist eine nicht-invasive Untersuchung in der 11. bis 14. Schwangerschaftswoche. Mit Hilfe eines hochauflösenden Ultraschallgeräts wird die Dicke der Nackenfalte des ungeborenen Babys bestimmt. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf eventuelle genetische Erkrankungen ziehen.
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Was ist die Nackenfaltenmessung?
Zwischen der 11. und der 14. Woche bildet sich beim Baby eine Wasseransammlung im Nackenbereich. Ist dieser Bereich vergrößert, kann dies auf genetische Defekte (z. B. Down-Syndrom) oder Herzfehler hinweisen. Die Nackenfaltenmessung wird auch Nackendichtemessung, Nackentransparenzmessung oder NT-Screening genannt. Sie stellt keine diagnostische Methode dar, die Auskunft über eine tatsächliche Erkrankung geben könnte. Vielmehr ist sie eine statistische Abschätzung über die Wahrscheinlichkeit einer Fehlbildung des Babys.
Hierbei gehen nicht nur die Nackenfaltenbreite, sondern auch die Größe und das Alter des Embryos und das Alter der Mutter ein. Ein erhöhter Wert für die Nackenfaltenbreite bedeutet also nicht, dass das Baby behindert auf die Welt kommen wird. Er besagt nur, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Fehlbildung bei dem Kind erhöht ist. Sicherheit können nur weitere Untersuchungen bringen. Auch ist ein unauffälliger Wert der Nackenfaltenbreite keine Garantie für ein gesundes Kind.
Im internationalen Sprachgebrauch heißt die Messgröße nuchal translucency; daraus leitet sich die auch hierzulande gebräuchliche Abkürzung NT ab. Gemeint ist keine Hautfalte im Wortsinn, sondern ein Streifen zwischen der Haut im Nacken und dem darunter liegenden Gewebe, der im Ultraschallbild dunkel erscheint, weil er Flüssigkeit enthält. Gemessen wird dessen Dicke, nicht seine Länge und nicht seine Ausdehnung. Die verbreiteten Bezeichnungen Nackenfalte und Nackendichte sind insofern etwas irreführend.Fachlich gehört die Untersuchung damit zu den Reihenuntersuchungen. Ein solches Verfahren teilt die Untersuchten in eine Gruppe mit erhöhter und eine mit geringerer Wahrscheinlichkeit ein; es beantwortet nicht die Frage, ob eine Erkrankung vorliegt. Die Unterscheidung ist mehr als eine Formulierungsfrage, denn sie bestimmt, was aus dem Ergebnis folgt: Auf einen auffälligen Befund folgt nicht eine Behandlung, sondern die Überlegung, ob eine weiterführende Untersuchung überhaupt gewünscht ist. Wer diesen Schritt für sich ausschließt, hat von der Messung wenig zu erwarten. Aus demselben Grund gehört zu einem seriösen Angebot ein Gespräch, in dem geklärt wird, was die Untersuchung leisten kann und was nicht – und zwar vor der Messung und nicht erst bei der Mitteilung des Ergebnisses.
In der Praxis steht die Messung meist nicht für sich, sondern ist Teil des Ersttrimesterscreenings. Dabei werden die Nackentransparenz, das Alter der Mutter und die Größe des Kindes mit zwei Werten aus dem Blut der Mutter zusammengeführt: dem schwangerschaftsassoziierten Plasmaprotein A, abgekürzt PAPP-A, und dem freien Beta-Anteil des Schwangerschaftshormons hCG. Ein Rechenprogramm verbindet diese Angaben zu einer Wahrscheinlichkeitsangabe, die üblicherweise als Verhältniszahl mitgeteilt wird. Die kombinierte Auswertung trennt die beiden Gruppen schärfer, als es die Nackenfaltenmessung für sich genommen vermag.
Funktion, Wirkung & Ziele
Die Messung würde hierdurch zu ungenau. Ab der 14. Schwangerschaftswoche sind die Nieren des Babys entwickelt und die Wasseransammlung im Nacken wird durch sie aufgelöst. Der optimale Zeitpunkt für die Untersuchung ist daher die 12. Schwangerschaftswoche. Die Nackenfalte stellt sich auf Grund ihrer Flüssigkeitsfüllung im Ultraschall transparent dar. Für die Untersuchung muss der Frauenarzt eine spezielle Ausbildung haben und über ein hochauflösendes Ultraschallgerät verfügen. In der Regel wird die Ultraschalluntersuchung durch die Bauchdecke der Mutter durchgeführt. Nur wenn das Baby ungünstig liegt, wird eine vaginale Untersuchung durchgeführt. Bei der Durchführung ist große Sorgfalt erforderlich. So darf z. B. die Messung nicht zu tief im Nacken des Kindes ansetzen, da es sonst fälschlicherweise zu einem zu hohen Wert für die Breite kommt.
Damit der Messwert überhaupt vergleichbar ist, müssen bei der Aufnahme mehrere Bedingungen zusammenkommen. Das Kind wird im Längsschnitt von der Seite dargestellt, der Bildausschnitt so gewählt, dass Kopf und oberer Rumpf das Bild weitgehend ausfüllen. Der Kopf soll in Neutralstellung liegen: Ist er nach hinten überstreckt, fällt der Wert zu groß aus, ist das Kinn auf die Brust gesenkt, zu klein. Die Eihaut, die im Bild ebenfalls als feine Linie erscheint, muss von der Nackenkontur unterschieden werden, weil sie sonst mitgemessen wird. Die Messpunkte werden an den Innenkanten der begrenzenden Linien gesetzt. Üblicherweise wird mehrfach gemessen und der größte regelrecht zustande gekommene Wert verwendet. Da sich das Kind bewegt, kann es dauern, bis eine geeignete Einstellung gelingt; gelegentlich muss der Termin wiederholt werden.
Das Zeitfenster wird in der Praxis nicht allein nach der Schwangerschaftswoche bestimmt, sondern zusätzlich nach der Größe des Kindes, die im Ultraschall als Scheitel-Steiß-Länge gemessen wird. Sie ist das verlässlichere Maß, weil der errechnete Termin von der tatsächlichen Entwicklung abweichen kann. Ist das Kind für die Messung noch zu klein oder bereits zu groß, ist die Untersuchung nicht sinnvoll, und der Termin wird verschoben oder ganz aufgegeben.
Neben der Nackentransparenz werden im selben Zeitraum weitere Ultraschallzeichen beurteilt, sofern Ausbildung und Gerät es zulassen: ob das Nasenbein bereits darstellbar ist, wie das Blut in einem bestimmten Gefäß im Bauch des Kindes strömt und ob an einer Herzklappe ein Rückfluss zu erkennen ist. Auch eine erste Beurteilung der Organanlagen und der Gliedmaßen gehört dazu. Diese Zeichen sind ebenfalls keine Beweise, sondern zusätzliche Bausteine der Wahrscheinlichkeitsabschätzung; sie können das errechnete Ergebnis in beide Richtungen verschieben.
Ein erhöhter Wert weist nicht allein auf Chromosomenabweichungen hin. Auch bei einem unauffälligen Chromosomensatz kann eine vermehrte Flüssigkeitsansammlung im Nacken Ausdruck einer anderen Störung sein, etwa eines angeborenen Herzfehlers, einer Fehlbildung des Zwerchfells, einer Erkrankung des Skeletts oder eines Syndroms, das nicht auf einer veränderten Chromosomenzahl beruht. Deshalb schließt sich an einen erhöhten Wert häufig eine gezielte Fehlbildungsdiagnostik im weiteren Verlauf der Schwangerschaft an, oft ergänzt um eine Ultraschalluntersuchung des kindlichen Herzens. In einem Teil dieser Fälle bleibt die vermehrte Flüssigkeit ohne Folgen und bildet sich zurück; das Kind kommt gesund zur Welt.
Das Ziel der Nackenfaltenmessung ist nicht die Gesundheit des Kindes festzustellen. Das kann diese Untersuchung nicht leisten. Sie liefert nur eine statistische Aussage über die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind ohne Behinderung auf die Welt kommen wird. Als normal gelten Werte von 1 bis 2,5 Millimeter für die Nackenfalte. Werte ab 3 Millimeter gelten als erhöht, ab 6 Millimeter ist der Wert sehr hoch. Unter Voraussetzung einer korrekten Messung steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Fehlbildung beim Baby mit steigendem Wert der Nackenfaltenbreite. Die möglichen Fehlbildungen sind Trisomie 21 (Down-Syndrom), Trisomie 13 (Pätau-Syndrom), Trisomie 18 (Edwards-Syndrom) oder Herzfehler. Sowohl Trisomie 13 als auch Trisomie 18 führen zu schweren Organfehlbildungen und einer sehr geringen Lebenserwartung, die meist über das Kleinkindalter nicht hinausgeht.
Die Messung der Nackenfaltenbreite gibt keine Auskunft darüber, welche Fehlentwicklung vorliegen könnte. Hierzu sind weitere Untersuchungen erforderlich. Empfohlen wird diese Untersuchung für Mütter ab 35 Jahren, wenn bei vorhergehenden Ultraschalluntersuchungen Auffälligkeiten festgestellt wurden, bei Risikoschwangerschaften und wenn es in der Familie ein erhöhtes Risiko für genetische Defekte gibt. Die Nackenfaltenmessung ist keine Regelleistung der Krankenkassen. Daher wird sie nur in Ausnahmefällen von den Kassen bezahlt. Betroffene Frauen sollten aber ruhig nachfragen. Muss die Untersuchung selber bezahlt werden, liegen die Kosten zwischen 30 und 200 €.
Praktisch unterscheidet sich der Termin kaum von einer gewöhnlichen Ultraschalluntersuchung. Besondere Vorbereitungen sind nicht nötig; nüchtern muss niemand erscheinen. Zeit sollte man dagegen einplanen, weil neben der eigentlichen Messung das Gespräch davor und danach zum Angebot gehört und weil sich die Aufnahme verzögern kann, wenn das Kind ungünstig liegt. Sinnvoll ist es, den Mutterpass und Vorbefunde mitzubringen und den Partner oder eine vertraute Person mitzunehmen – nicht wegen der Untersuchung selbst, sondern weil ein auffälliges Ergebnis unmittelbar Fragen aufwirft, die man selten allein beantworten möchte.
Entwickelt wurde das Verfahren in den 1990er Jahren, als hochauflösende Ultraschallgeräte die Darstellung des Nackenbereichs im ersten Schwangerschaftsdrittel überhaupt erst zuverlässig möglich machten. Seither hat sich sein Stellenwert verschoben. Wo die Nackenfaltenmessung zunächst vor allem als Vorstufe zu einer eingreifenden Untersuchung diente, steht heute mit dem Bluttest an der Mutter ein weiterer, nicht eingreifender Zwischenschritt zur Verfügung. Ihre zweite Aufgabe hat sie dadurch nicht verloren: Auf Herzfehler und andere körperliche Fehlbildungen kann ein Bluttest nicht aufmerksam machen, ein sorgfältiger Ultraschall hingegen schon.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Andererseits kann auch bei einem normalen Wert für die Nackenfaltenbreite eine Behinderung nicht wirklich ausgeschlossen werden. Endgültige Klarheit kann nur eine Fruchtwasseruntersuchung liefern. Diese ist aber mit dem Risiko einer Fehlgeburt verbunden. Mütter sollten also nur dann eine Nackenfaltenmessung vornehmen lassen, wenn es einen echten Grund dafür gibt. Sonst kann es passieren, dass sie sich unnötige Sorgen machen und eventuell auch unnötige Risiken eingehen. Sie sollten auch mit ihrem Partner besprechen, was im Fall eines erhöhten Wertes geschehen soll. Wollen sie das Risiko einer Fruchtwasseruntersuchung eingehen, um Klarheit zu haben? Wie reagieren sie, wenn wirklich eine Behinderung festgestellt wird?
Sind sie im Zweifelsfall zu einer Abtreibung bereit? Weiter ist zu beachten, dass ca. 20 % aller Kinder, die mit Down-Syndrom geboren werden, keine vergrößerte Nackenfalte aufgewiesen haben. Die Nackenfaltenmessung kann also immer nur als ein Indikator für eine mögliche Behinderung gesehen werden. Sie schafft einen Verdacht, keine Klarheit. Diese kann nur durch ergänzende Untersuchungen erhalten werden. Als ergänzende, nicht-invasive Untersuchung steht außerdem ein Pränataltest (NIPT) zur Verfügung: Er untersucht das Blut der Mutter auf Hinweise für die Trisomien 13, 18 und 21 und wird seit 2022 in begründeten Einzelfällen von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Endgültige Sicherheit liefert aber auch er nicht.
Aus einem auffälligen Ergebnis folgt kein bestimmter nächster Schritt. Möglich ist, es zunächst bei weiteren Ultraschallkontrollen zu belassen. Möglich ist der genannte Bluttest an der Mutter, der ohne Eingriff auskommt, aber ebenfalls nur eine Wahrscheinlichkeit angibt. Möglich sind eine Fruchtwasseruntersuchung oder eine Untersuchung von Gewebe des Mutterkuchens, die eine Aussage über den Chromosomensatz erlauben, dafür jedoch mit einem Eingriffsrisiko verbunden sind. Und möglich ist, auf jede weitere Untersuchung zu verzichten. Alle diese Wege sind zulässig; welcher gewählt wird, hängt davon ab, welche Bedeutung ein Ergebnis für die Schwangere und ihren Partner überhaupt hätte.
Das Recht, nicht zu wissen, ist dabei ausdrücklich geschützt. Niemand muss eine vorgeburtliche Untersuchung durchführen lassen, und niemand muss ein Ergebnis erfahren. Richtet sich eine Untersuchung auf Erbanlagen des Kindes – was für die Nackenfaltenmessung selbst nicht, wohl aber für den Bluttest und für die eingreifenden Verfahren gilt –, schreibt das Gendiagnostikgesetz eine genetische Beratung vor der Untersuchung und nach Vorliegen des Ergebnisses vor und verlangt den Hinweis auf die Rechte nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz. Ergibt ein vorgeburtlicher Befund Hinweise auf eine Gesundheitsschädigung des Kindes, ist die Ärztin oder der Arzt verpflichtet, die Schwangere unverzüglich, verständlich und ergebnisoffen zu beraten, dabei auch die psychosozialen Seiten anzusprechen und auf Wunsch Kontakte zu Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen zu vermitteln.
Die eigentliche Belastung liegt daher nicht im Ultraschall, sondern in der Zeit danach. Zwischen einem auffälligen Wert und dem Ergebnis einer weiterführenden Untersuchung vergehen meist Tage bis Wochen, in denen die Schwangerschaft unter Vorbehalt erlebt wird. Beratungsstellen empfehlen deshalb, schon vor der Untersuchung zu klären, was man mit dem Ergebnis anfangen will, und die Beratung nicht erst dann in Anspruch zu nehmen, wenn ein Befund bereits vorliegt.
Hinzu kommt, dass die errechnete Wahrscheinlichkeit von der Sorgfalt der Messung und von der Erfahrung des Untersuchers abhängt. Schon eine geringe Abweichung im gemessenen Wert verschiebt das Ergebnis der Berechnung spürbar. Fachgesellschaften knüpfen die Messung deshalb an eine besondere Qualifikation; Schwangere können danach fragen. Schließlich ist die mitgeteilte Verhältniszahl eine Aussage über eine Gruppe und nicht über das einzelne Kind: Sie besagt, wie häufig unter vielen Schwangerschaften mit denselben Messwerten die gesuchte Abweichung vorkommt. Für die einzelne Schwangerschaft trifft entweder das eine oder das andere zu, und welches von beidem, sagt die Zahl nicht.
Quellen
- Kaisenberg, C. von, Klaritsch, P., Hösli-Krais, I. (Hrsg.): Die Geburtshilfe.
ISBN: 9783662635056
- Weyerstahl, T., Stauber, M.: Gynäkologie und Geburtshilfe.
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- Speer, C. P., Gahr, M., Dötsch, J. (Hrsg.): Pädiatrie.
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- Reiser, M., Kuhn, F.-P., Debus, J.: Duale Reihe Radiologie.
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- Pschyrembel, W.: Pschyrembel Klinisches Wörterbuch.
ISBN: 9783110783346
