Nahrungsergänzungsmittel - Anwendung und Produktsicherheit

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 6. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Aus dem Leben vieler Deutscher sind Nahrungsergänzungsmittel (NEM) nicht wegzudenken. Rund die Hälfte der Bevölkerung nimmt Vitamine über Nahrungsergänzungsmittel ein, rund ein Drittel der Bevölkerung mindestens einmal pro Woche. So brachte es die Spezialausgabe des BfR-Verbrauchermonitors 2021 zu Vitaminpräparaten ans Licht. In Form von Kapseln, Tabletten oder Tropfen sorgen die NEM für eine ergänzende Zufuhr von Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen. Die Einnahme soll eine Unterversorgung mit diesen lebenswichtigen Mikronährstoffen verhindern und die Gesundheit schützen. Risiken bei der Einnahme betreffen im Wesentlichen zwei Bereiche. Es kann zu Überdosierungen kommen oder die Produkte sind mit Schadstoffen verunreinigt. Wie gelingt eine sichere Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln?

Inhaltsverzeichnis

Wofür sind Nahrungsergänzungsmittel entwickelt worden?

Vitamine Ratgeber
Die Vitamine sind Substanzen, die in kleinen Mengen zur Stoffwechselsteuerung benötigt werden und die im menschlichen Organismus nicht gebildet werden.

Industrialisierte Landwirtschaft, moderne Verkehrstechnik und Logistik machen möglich, dass ein Großteil der Menschen rund ums Jahr mit frischen Lebensmitteln versorgt ist. Das erlaubt eine umfassende Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen durch die Ernährung. Doch Jahrtausende lang hatten Menschen in bestimmten Siedlungsgebieten diese Chance nicht.

Zudem kommt es nicht nur auf die Ernährung an. Ein typisches Beispiel ist Vitamin D. Der menschliche Körper produziert 80 – 90 % seines Bedarfs selbst – und zwar über die Haut mit Hilfe von UV-B-Sonnenstrahlung. Je weniger Sonnenlicht vorhanden ist, umso höher ist das Risiko einer Unterversorgung. Vor allem Völker in nördlichen Regionen wie die Wikinger, Inuit oder Lappländer haben mögliche Mangelerscheinungen jahrhundertelang mit Hilfe von Lebertran abgewehrt.

Die Innereien von Fischen, insbesondere die Leber, sind reich an Vitaminen und Nährstoffen, die bei karger Nahrung und speziell im Winter fehlen. Ab dem 19. Jahrhundert wurde Lebertran systematisch zur Bekämpfung von Krankheiten wie Rachitis eingesetzt. Im 20. Jahrhundert ersetzten Multi-Vitamin-Präparate nach und nach den Lebertran – unter anderem, weil sich Vitamine mittlerweile auch künstlich herstellen ließen.

Seitdem ist ein umfangreiches Produktangebot entstanden. In Drogerien, Supermärkten, Apotheken oder Online-Shops sind Nahrungsergänzungsmittel frei erhältlich. Sie reichen von der Magnesium-Brausetablette über die Omega-3-Fischöl-Kapsel bis zu hochdosierten Multi-Vitamin-Tropfen.

Definition, Herstellung und Zulassung von Nahrungsergänzungsmitteln

Nahrungsergänzungsmittel
Nahrungsergänzungsmittel dienen dazu, den Stoffwechsel optimal mit Nähr- und Wirkstoffen wie Vitaminen oder Mineral- und Ballaststoffen zu versorgen, sie dürfen jedoch keinen therapeutischen Nutzen erfüllen.

Gesetzlich gehören die Nahrungsergänzungsmittel zu den Lebensmitteln und sind keine Arzneien. Sie werden laut Nahrungsergänzungsmittelverordnung (NemV) folgendermaßen definiert: Ein Nahrungsergänzungsmittel

  • ist ein Lebensmittel, das dazu bestimmt ist, die allgemeine Ernährung zu ergänzen
  • ist ein Konzentrat aus Nährstoffen (Vitamine, Spurenelemente, Mineralstoffe) oder aus sonstigen Stoffen mit ernährungsspezifischer oder physiologischer Wirkung
  • wird in dosierter Form in den Verkehr gebracht.

Ein NEM darf keine nachweisbare pharmakologische Wirkung haben. Ansonsten müsste es als Medikament zugelassen werden und ein strenges Prüfverfahren durchlaufen. Für Nahrungsergänzungsmittel ist deshalb Werbung verboten, die ihnen die Vorbeugung, Behandlung oder Heilung einer Krankheit zuschreibt oder diesen Eindruck entstehen lässt.

Gesundheitsbezogene Angaben sind nur erlaubt, wenn sie in der EU-Liste der zugelassenen Angaben stehen; allgemein gehaltene Aussagen wie „unterstützt die körpereigenen Abwehrkräfte“ dürfen nur zusammen mit einer solchen zugelassenen Angabe verwendet werden. Bei der Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln gelten die Vorschriften des Lebensmittelrechts. Die Hersteller sind dafür verantwortlich, dass Produkte keine schädlichen Inhaltsstoffe enthalten.

Um sie in den Handel zu bringen, genügt eine Meldung beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Sollten NEMs ungesunde Inhaltsstoffe enthalten, fällt das meist erst nachträglich auf – etwa bei den risikoorientierten Proben der amtlichen Lebensmittelüberwachung, die Sache der Bundesländer ist, oder durch Verbrauchertests.

Wie sich vertrauenswürdige Produkte erkennen lassen – Schutz vor unerwünschten Inhaltsstoffen

Nahrungsergänzungsmittel dürfen keine gesundheitsschädigenden Inhaltsstoffe enthalten. Trotzdem kommt es manchmal zu Verunreinigungen mit Pflanzenschutzmitteln, Salmonellen, Arzneimittelresten, Giftstoffen aus Pflanzenbestandteilen, Schwermetallen oder nicht zugelassenen Inhaltsstoffen.

Solche Produkte stammen größtenteils aus den USA und Kanada sowie aus Osteuropa und Asien. Vertrieben werden sie über Onlineshops und den Versandhandel. Beim Einkauf ist es ratsam, auf das Herkunftsland zu achten. Stammen die Produkte aus Deutschland oder Europa, ist von einer hohen Herstellersicherheit auszugehen. Transparent überprüfbar sollten auch die Verkaufskanäle sein.

Am ehesten nachvollziehbar ist die Herkunft beim Einkauf im stationären Handel (Drogerien, Supermärkte, Reformhäuser, Apotheken) oder bei Versandapotheken und Onlinehändlern mit fester Geschäftsadresse. Händlersiegel wie das von Trusted Shops prüfen allerdings nur Identität, Bestellvorgang und Käuferschutz des Shops, nicht das Produkt selbst. Wollen Ihnen Freunde oder Bekannte ein Produkt direkt verkaufen, sagen Sie lieber „Nein“.

Einige Hersteller bauen Verkaufsnetzwerke mit Multi-Level-Marketing. Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnung schreibt das Lebensmittelrecht zwar unabhängig vom Vertriebsweg vor – wer über solche Netzwerke kauft, hat als Ansprechpartner aber meist nur eine Privatperson und keinen Händler, der für die Ware einsteht. Hohes Vertrauen dürfen Hersteller genießen, die von anerkannten Prüfstellen zertifiziert sind – wie beispielsweise InnoNature Nahrungsergänzungsmittel.

Was ein Zertifikat aussagt, ist allerdings sehr verschieden: Das EU-Bio-Siegel setzt eine mindestens jährliche Kontrolle des Betriebs durch staatlich zugelassene Kontrollstellen voraus; das PETA-Siegel „vegan“ beruht dagegen auf einer Selbstverpflichtungserklärung des Herstellers, und ein Dermatest-Siegel stammt von einem privaten Auftragslabor und betrifft die Hautverträglichkeit, nicht die Sicherheit bei der Einnahme. Werfen Sie außerdem immer einen Blick auf die Verpackung: Kennen Sie die dort genannten Inhaltsstoffe?

Sind Nahrungsergänzungsmittel für die Gesundheit wirklich wichtig?

Vitamin B9 (Folsäure)1
Folsäure muss dem Körper regelmäßig mit der Nahrung zugeführt werden; welche Menge ein Erwachsener täglich benötigt, geben die Referenzwerte der Ernährungsfachgesellschaften an. Allein durch den täglichen Verzehr von frischem Obst und Gemüse ist dieser Bedarf meist gut abgedeckt.

Zur Gesundheitsvorsorge werden ergänzende Vitamin- und Mineralstoffgaben seit langem eingesetzt. Dazu gehört die Jod-Anreicherung von Speisesalz, um Schilddrüsenerkrankungen vorzubeugen. Babys wird im 1. Lebensjahr Vitamin D verschrieben, um Rachitis zu verhindern.

Frauen erhalten während der Schwangerschaft Folsäure. Diese Art von Vorsorge wird allerdings von öffentlichen Institutionen oder Ärzten vorgenommen. Frei verkäufliche NEM sollen nicht zur Selbstmedikation dienen, darauf wird immer wieder hingewiesen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung betont zudem, dass bei gesunder und ausgewogener Ernährung keine NEM nötig seien. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Beispielsweise hängt die Versorgung mit Vitamin B12 stark von der Kostform ab. In Mengen, die für eine ausreichende Versorgung sorgen, kommt es nur in tierischen Lebensmitteln vor. Pflanzliche Lebensmittel wie Sauerkraut, Algen oder Shiitake-Pilze enthalten zwar verwandte Verbindungen, doch sind diese Formen für den Menschen nicht verwertbar. Wer sich rein pflanzlich ernährt, kann seinen Bedarf über Lebensmittel deshalb nicht decken.

Ein besonderes Problem ist zudem die Versorgung mit Vitamin D. Auswertungen des Robert-Koch-Instituts aus den Gesundheitssurveys KiGGS und DEGS1 haben ergeben, dass in Deutschland rund 46 % aller Kinder und Jugendlichen sowie 56 % der Erwachsenen den Serumwert von 50 Nanomol pro Liter nicht erreichen, ab dem die Vitamin-D-Versorgung als ausreichend gilt. Eine Einnahme von Vitamin D Tropfen oder Vitamin D Tabletten ist also in vielen Fällen durchaus sinnvoll – auch bei gesündester Ernährung.

NEM richtig einnehmen und Überdosierung verhindern

Mineralien
Mineralien sind im Körper als Elektrolyte im Blut, Lymphe, Gewebsflüssigkeit und in den Zellen gelöst.
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Wie ein NEM angewendet wird, steht auf der Verpackung. Dort befinden sich die Hinweise, wie oft und in welcher Dosierung das Mittel genommen werden sollte. Es ist kein Problem, wenn eine Einnahme vergessen wird. Höhere Dosierungen als angegeben sollten nie eingesetzt werden.

Wichtig sind auch mögliche Warnhinweise, ob das Mittel für bestimmte Personengruppen ungeeignet ist. Wer Medikamente einnimmt, sollte wegen möglicher Wechselwirkungen vorher mit einem Arzt sprechen. Das gilt auch, wenn man mehrere Präparate gleichzeitig einnehmen möchte. Vor allem hoch dosierte Multi-Vitamin-Präparate in Kombination mit anderen NEM-Produkten können bei einzelnen Stoffen zu einer Zufuhr weit über dem Bedarf führen.

Auf der Verpackung ist angegeben, welchen Anteil an den Referenzmengen für die tägliche Zufuhr eine Portion deckt. Zur richtigen Dosierung ist außerdem der Speiseplan wichtig. Stehen Lebensmittel mit angereicherten Vitaminen und Mineralstoffen darauf – zum Beispiel Multi-Vitamin-Säfte? Dann lieber Zurückhaltung üben. Eine Überdosierung wirkt sich selten sofort aus. Doch ernste gesundheitliche Folgen sind möglich.

Quellen

  • Biesalski, H. K., Bischoff, S. C., Pirlich, M., Weimann, A. (Hrsg.): Ernährungsmedizin.
    ISBN: 9783132445956
  • Hahn, A., Ströhle, A., Wolters, M.: Ernährung.
    ISBN: 9783804739628
  • Elmadfa, I., Leitzmann, C.: Ernährung des Menschen.
    ISBN: 9783825288099
  • Biesalski, H.-K., Grimm, P., Nowitzki-Grimm, S.: Taschenatlas Ernährung.
    ISBN: 9783132426078
  • Kasper, H., Burghardt, W.: Ernährungsmedizin und Diätetik.
    ISBN: 9783437230066

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