Narbenbruch
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 20. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Der Narbenbruch (medizinisch: Narbenhernie) ist eine Komplikation, die nach einer Bauchoperation auftritt. Die Narbenhernie muss in der Regel operiert werden. Kommt es zu Darmeinklemmungen, besteht akute Lebensgefahr, sodass der Bruch - im Rahmen einer Notoperation - behandelt wird.
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Was ist ein Narbenbruch?
Als Narbenbruch wird ein Weichteilbruch bezeichnet, der im Regelfall nach einer Operation auftritt. Dabei kann die Narbe, die beim Zusammennähen von Bauchdecke und Muskel entstanden ist, dem Druck nicht standhalten und gibt nach. In weiterer Folge kommt es zu Vorwölbungen, die Größen von bis zu 30 Zentimetern erreichen können. Kommt es in weiterer Folge zu einer Einklemmung (Inkarzeration), bei der Teile des Darms in der Bruchpforte eingeklemmt werden, besteht Lebensgefahr.
Ursachen
Entscheidend ist daneben, wie gut die ursprüngliche Operationswunde verheilt. Als wichtigster Risikofaktor gilt eine Wundinfektion nach dem Eingriff. Ebenfalls ungünstig wirken sich Rauchen, ein Diabetes mellitus, eine längere Behandlung mit Kortison, eine Chemotherapie sowie eine allgemeine Bindegewebsschwäche aus, weil sie die Wundheilung stören. Auch die Art des Bauchschnitts und die verwendete Nahttechnik beeinflussen das Risiko.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Im Regelfall tritt der Narbenbruch innerhalb des ersten postoperativen Jahres auf. Der Patient bemerkt eine tast- und sichtbare Vorwölbung, die im Bereich der Operationsnarbe eintritt. Die Vorwölbung tritt beim Stehen, Pressen oder im Rahmen körperlicher Anstrengungen auf und kann - im Laufe der Zeit - an Größe zunehmen.
Mitunter können Schmerzen beim Stuhlgang, beim Husten oder auch bei körperlichen Anstrengungen auftreten. Verdauungsprobleme oder eine gestörte Symmetrie des Bauches sind ebenfalls möglich. Je nachdem, wie groß der Narbenbruch ist, können die Symptome abweichen. Bei kleinen Narbenbrüchen müssen oft gar keine Beschwerden auftreten.
Charakteristisch für den Narbenbruch ist der Umstand, dass die Vorwölbung in den Bauchraum gedrückt werden kann; im Regelfall verursacht dieser Vorgang keine Schmerzen. Klagt der Patient über starke Schmerzen und leidet er an Übelkeit und Erbrechen, sind Eingeweide beziehungsweise Darmabschnitte eingeklemmt. Die Vorwölbung, die im Regelfall in die Bauchhöhle zurückgedrückt werden kann, bleibt hart und unbeweglich. Diese Kombination – harte, nicht mehr zurückdrückbare Vorwölbung, starke Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen – ist ein Notfall: Hier ist sofort der Notruf 112 zu wählen. Der Bruch darf dann nicht mehr selbst zurückgedrückt werden, und der Betroffene sollte nichts mehr essen oder trinken.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Der Mediziner kann im Rahmen der körperlichen Untersuchung relativ schnell feststellen, ob es sich um einen Narbenbruch handelt oder nicht. Er tastet die betroffene Stelle mit den Fingern ab und kann den Bruchsack beziehungsweise die Bruchpforte „fühlen“. Ist sich der Mediziner unsicher, können weitere Untersuchungen durchgeführt werden.
Dazu zählen Ultraschalluntersuchungen (Sonographie), Röntgenaufnahmen oder auch eine Computertomographie. Der Ultraschall ist heute das Verfahren der ersten Wahl; eine Computertomographie wird vor allem vor der Planung größerer Eingriffe eingesetzt. Mitunter kann auch eine Darmspiegelung durchgeführt werden, um andere Erkrankungen des Darms auszuschließen; den Narbenbruch selbst weist sie nicht nach. Weitere Untersuchungsverfahren kommen im Regelfall bei stark übergewichtigen Personen oder sehr kleinen Brüchen zum Einsatz.
Solange keine Einklemmung vorliegt, ist der Narbenbruch nicht unmittelbar bedrohlich. Wird der Bruch nicht behandelt, kann er an Größe zunehmen, sodass kleine Brüche, die weniger als vier Zentimeter groß sind, sich bis zu 30 Zentimetern ausbreiten können. Kommt es jedoch zu einer Einklemmung, kann es zu einem lebensgefährlichen Darmverschluss kommen.
Tritt dieser Umstand ein, muss der Patient sofort operiert werden. Da die Eingeweide beziehungsweise Darmabschnitte eingeklemmt werden, besteht - aufgrund der Tatsache, dass die eingeklemmten Darmteile absterben können - akute Lebensgefahr.
Komplikationen
Bei dieser Größe schieben sich immer Teile der Baucheingeweide in den Bruch. Die Gefahr der Einklemmung des Bauchgewebes oder des Darms hängt dann von der Größe der Bruchlücke ab. Je kleiner die Bruchlücke ist, desto größer ist das Risiko einer Einklemmung. Die Einklemmung eines Teils des Darms ist immer ein medizinischer Notfall, der sofort behandelt werden muss; hier ist umgehend der Notruf 112 zu wählen. Dabei treten innerhalb kurzer Zeit starke Bauchschmerzen auf, die dauerhaft oder kolikartig sein können.
Typisch ist ein sehr druckempfindlicher Bauch. Des Weiteren kommen Übelkeit, Erbrechen, Fieber und Schüttelfrost hinzu. Wenn nicht sofort operiert wird, stirbt der eingeklemmte Teil des Darms ab und der Darminhalt ergießt sich in den Bauchinnenraum. Als Folge entwickelt sich eine Bauchfellentzündung, die unbehandelt zum Tod führt. Langfristige Folgen von eingeklemmten Narbenbrüchen können auch Verwachsungen, chronische Entzündungen und ständige Kotstauungen bis zum Darmverschluss sein.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Narbenbeschwerden wie Juckreiz oder ein Spannungsgefühl müssen nicht zwingend von einem Arzt behandelt werden. Sollten sich allerdings Komplikationen einstellen oder kommt es sogar zum Narbenbruch, ist umgehend ein Arzt zu konsultieren. Personen, die eine Rötung, Blutungen oder ein Auseinanderweichen der Narbe bemerken, informieren am besten den zuständigen Mediziner. Wird der Narbenbruch rechtzeitig behandelt, kann eine weitere Vergrößerung und die damit verbundenen Komplikationen in aller Regel vermieden werden. Erfolgt keine Behandlung, wächst der Bruch weiter und es kann zu einer lebensgefährlichen Einklemmung von Fettgewebe oder Darm kommen. Deshalb sollten schon erste Anzeichen eines Narbenbruchs abgeklärt werden.
Ein Narbenbruch bildet sich niemals von selbst zurück. Er sollte deshalb unabhängig von seiner Größe ärztlich beurteilt werden; das gilt besonders für Menschen mit einer Bindegewebserkrankung oder einer Gerinnungsstörung, bei denen die Behandlung sorgfältig geplant werden muss. Erste Anlaufstelle ist der Hausarzt; beurteilt und operiert wird der Narbenbruch von einem Chirurgen.
Behandlung & Therapie
Da sich der Narbenbruch nicht selbst zurückbildet, muss im Regelfall eine operative Behandlung erfolgen. Der Narbenbruch wird nämlich - sofern er nicht behandelt wird - größer und somit auch die Gefahr, dass mitunter Teile von Eingeweiden eingeklemmt werden. Auch dann, wenn der Narbenbruch keine Beschwerden auslöst, ist es ratsam, den Bruch operativ zu behandeln. Bei beschwerdefreien Patienten, für die eine Operation ein hohes Risiko bedeutet – etwa wegen schwerer Begleiterkrankungen oder eines ausgeprägten Übergewichts –, wird heute allerdings im Einzelfall abgewogen und zunächst kontrolliert abgewartet.
Bei kleineren Brüchen muss nicht sofort operiert werden; je länger aber mit dem Eingriff gewartet wird, desto mehr nimmt der Bruch an Größe zu. Zu beachten ist, dass die Primäroperation, die am Ende für den Narbenbruch verantwortlich war, drei bis sechs Monate zurückliegt, bevor ein weiterer operativer Eingriff stattfindet. Damit eine erfolgreiche Narbenbruch-Operation durchgeführt werden kann, muss nämlich die ursprüngliche Operationsnarbe zur Gänze ausgeheilt sein.
Liegen lebensbedrohliche Umstände vor, die eine sofortige Operation notwendig machen, kann jedoch eine derartige Frist nicht abgewartet werden. Während des Eingriffs wird der Narbenbruch freigelegt und der entstandene Bruchsack in die Bauchhöhle verlagert. Der Mediziner verschließt in weiterer Folge die Bruchpforte; hier stehen verschiedene Nahttechniken oder Kunststoffnetze zur Verfügung, die dafür sorgen, dass die Bruchpforte verschlossen bleibt.
Für welche Variante sich der Mediziner letztendlich entscheidet, ist auch davon abhängig, wie groß der Bruch ist und in welcher körperlichen Verfassung der Patient ist. Mitunter müssen auch die Umstände, warum es zu dem Narbenbruch gekommen ist, berücksichtigt werden. Kleinere Brüche, die gerade einmal einen Durchmesser von vier Zentimetern oder weniger haben, werden mittels spezieller Nahttechnik verschlossen.
Bei größeren Brüchen, die auch bis zu 30 Zentimeter groß sein können, wird vorwiegend das Kunststoffnetz eingesetzt. Dieses soll die Schwachstelle stabilisieren und dafür sorgen, dass kein weiterer Bruch mehr entsteht.
Lange Zeit galt der reine Nahtverschluss bei kleinen Narbenbrüchen als ausreichend. Nach heutigem Kenntnisstand wird dagegen auch bei kleinen Brüchen in aller Regel ein Netz empfohlen, weil ohne Netz deutlich häufiger ein erneuter Bruch entsteht. Das Netz kann offen über einen Schnitt oder in Schlüssellochtechnik (laparoskopisch) eingebracht werden.
Aussicht & Prognose
Ein rechtzeitig operierter Narbenbruch heilt in der Regel gut aus. Der Bruch wird operativ geschlossen und die Wunde medikamentös und direkt behandelt. Moderne Verfahren mit Kunststoffnetz senken das Risiko eines erneuten Bruchs deutlich, schließen es aber nicht aus. Wird der Narbenbruch nicht oder zu spät behandelt, dehnt er sich weiter aus. Mögliche Komplikationen sind Magen-Darm-Beschwerden, starke Schmerzen und ein Darmverschluss.
Die Prognose kann sich verschlechtern, wenn der Patient an Übergewicht oder an einer Bindegewebsschwäche leidet. Die Prognose orientiert sich an der Größe und Lokalisation der Narbe sowie am Gesundheitszustand des Patienten. Wichtige Faktoren sind auch die Art der Narbe und das gewählte Behandlungsverfahren. Bei der Anwendung eines reinen Nahtverfahrens besteht ein größeres Risiko, dass sich die Narbe erneut öffnet. Deshalb werden heutzutage meist Netze oder Implantate eingesetzt, welche weniger anfällig für Rezidive sind.
Moderne Verfahren wie eine laparoskopische Behandlung geben Aufschluss über den Zustand innerlicher Narben. Dadurch ist eine gezielte Behandlung und Vorbeugung eines Narbenbruchs möglich. Erfolgt die Behandlung rechtzeitig, heilt der Narbenbruch nach der Operation meist ohne weitere Komplikationen aus. Der Patient kann ein beschwerdefreies Leben führen. Die Lebenserwartung wird durch einen rechtzeitig behandelten Narbenbruch nicht beeinträchtigt.
Einschränkend gilt jedoch zweierlei: Auch nach einer erfolgreichen Operation kann an derselben Stelle erneut ein Bruch entstehen. Je nach Verfahren, Größe des Bruchs und Risikoprofil des Patienten liegt diese Rückfallrate zwischen wenigen und über zehn Prozent, beim reinen Nahtverschluss deutlich höher. Und bleibt der Bruch unbehandelt, ist die Prognose durch die drohende Einklemmung ungünstig: Eine unbehandelte Darmeinklemmung endet tödlich.
Vorbeugung
Um einem Narbenbruch vorzubeugen, sollte der Patient Risikofaktoren, die mitunter für einen Narbenbruch sorgen, vermeiden oder derart minimieren, dass das Risiko deutlich gesenkt werden kann. Nach der Operation sollte der Patient daher - für etwa drei bis sechs Monate, wie es der Operateur im Einzelfall vorgibt - das Heben schwerer Lasten vermeiden. Bei Übergewicht liegt der Fokus auf der Gewichtsreduktion; Raucher sollten einen Rauchstopp einlegen beziehungsweise mit dem Rauchen zur Gänze aufhören.
Nachsorge
Nach einer Narbenbruch-Operation kann der Patient je nach Größe des Eingriffs bereits nach einer Ruhezeit von ein bis zwei Stunden wieder aufstehen. Kleine Brüche werden mitunter ambulant versorgt; nach der Versorgung größerer Brüche ist dagegen ein Aufenthalt im Krankenhaus über mehrere Tage üblich. In der Regel ist keine größere Nachsorge erforderlich, doch sollte in der ersten Woche nach dem Eingriff für körperliche Schonung gesorgt werden. Wichtig ist außerdem, dass der Patient in den ersten Wochen keine schweren Lasten hebt und für etwa drei bis sechs Monate auf Belastungen über etwa zehn Kilogramm verzichtet. Wie lange die Schonung im Einzelfall dauern muss, legt der Operateur fest. Auch ausgeprägte körperliche Bewegungen müssen unterbleiben.
Je nachdem, welchen Beruf die betroffene Person ausübt, liegt die Arbeitsunfähigkeit zwischen zwei und drei Wochen. Nach 14 Tagen darf der Patient wieder leichte sportliche Betätigungen ausüben. Von längeren Liegezeiten ist nach der Operation abzusehen, um möglichen Risiken wie Thrombosen (Blutgerinnseln) sowie einer Embolie entgegenzuwirken. Gegen die Wundschmerzen lassen sich leichte Analgetika verabreichen.
Im Anschluss an den chirurgischen Eingriff ist üblicherweise eine normale Zufuhr von Nahrung möglich. Falls erforderlich, kann Schritt für Schritt ein spezieller Kostaufbau erfolgen. Um den Verlauf nach der Narbenbruch-Operation zu überprüfen, finden Untersuchungen per Ultraschall (Sonografie) statt.
Unmittelbar nach einer Narbenbruch-OP legt der Patient oftmals ein spezielles Bauchmieder an. Es ist elastisch und lässt sich mehrere Wochen lang sowohl tagsüber als auch in den Nachtstunden tragen. Rund zehn bis zwölf Tage nach dem operativen Eingriff erfolgt das Entfernen der Hautfäden.
Das können Sie selbst tun
Patienten mit einem Narbenbruch sollten Druck im Bauchraum vermeiden. Dieser entsteht hauptsächlich bei einer Zunahme des Gewichts oder bei einem Übergewicht. Zur Vorbeugung sollte daher eine Gewichtsreduktion stattfinden und die Mahlzeiten sollten nicht zu üppig sein.
Ebenfalls sind körperliche Überanstrengungen der betroffenen Körperregion zu vermeiden. Sportliche Aktivitäten sind den Bedürfnissen des Organismus entsprechend anzupassen. Eine ausreichende Schonung ist nach einer intensiven Tätigkeit notwendig und das Einlegen von regelmäßigen Pausen ist zu empfehlen. Vorgänge wie das Husten oder Pressen haben einen negativen Einfluss auf die Beschwerden des Narbenbruchs. Daher sollte der Betroffene der Entstehung von Infektionskrankheiten oder einer Grippe rechtzeitig vorbeugen. Bei einer Reduzierung des allgemeinen Krankheitsrisikos können Beschwerden gelindert werden. Dafür benötigt der Organismus ein stabiles und starkes Immunsystem. Dies kann mit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung unterstützt werden.
Zusätzlich ist der Konsum von Schadstoffen wie Nikotin zu unterlassen. Da Verstopfungen zu einer Spannung der Bauchdecke führen und eine ungesunde Ernährung die Bildung von Luft im Bauch fördert, kann eine Ernährungsberatung hilfreich sein. Eine ballaststoffreiche Ernährung kann Verstopfung und damit das Pressen vermindern und so Beschwerden lindern. Den Bruch selbst beseitigt sie nicht – dafür ist eine Operation erforderlich. Bei einem Narbenbruch ist die Vorwölbung regelmäßig zu kontrollieren. Lässt sie sich nicht mehr in den Bauchraum zurückdrücken, wird sie hart oder schmerzhaft, oder kommen Übelkeit und Erbrechen hinzu, ist sofort der Notruf 112 zu wählen.
Quellen
- Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Duale Reihe Chirurgie.
ISBN: 9783132431874
- Siewert, J. R., Stein, H. J. (Hrsg.): Chirurgie.
ISBN: 9783642113307
- Schwarz, N. T. (Hrsg.): Allgemein- und Viszeralchirurgie essentials.
ISBN: 9783132447523
- von Weizsäcker, F., Jonas, S., Lammert, F. (Hrsg.): Viszeralmedizin.
ISBN: 9783662634264
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655

