Reizdarmsyndrom
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 22. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
Sie sind hier: Startseite Krankheiten Reizdarmsyndrom
Immer mehr Menschen leiden unter dem Reizdarmsyndrom. Doch was genau ist das und welche Ursachen lösen diese Erkrankung aus? Gibt es Heilungsmöglichkeiten und was ist bei einem Reizdarm zu beachten? Dies alles erfahren Sie in diesem Bericht, der Ihnen einen Überblick über die Krankheit gibt.
Inhaltsverzeichnis |
Was ist ein Reizdarm?
© Adiano – stock.adobe.com
RDS, also das Reizdarmsyndrom, tritt in hoher Zahl in der Bevölkerung auf. Dabei zeigen Studien, dass vor allem Frauen davon betroffen sind. Beim Reizdarmsyndrom handelt es sich um eine funktionelle Störung des Darms. Dies können die Bewegung des Darms oder auch die Empfindlichkeit der Darmnerven sein.
Das Problem beim Reizdarm ist, dass die Symptome denen von Unverträglichkeiten ähneln und auch bei einer Blutuntersuchung oder bei einer Untersuchung mit dem Endoskop keine Veränderungen festgestellt werden können. Daher ist die Diagnose von RDS häufig nicht so einfach. Vor der Diagnose müssen andere Erkrankungen ausgeschlossen werden. Blut im Stuhl, Fieber, nächtliche Beschwerden, ungewollter Gewichtsverlust oder eine Blutarmut sprechen gegen ein Reizdarmsyndrom und gehören immer ärztlich abgeklärt. Auch eine Selbstbehandlung mit den unten genannten Mitteln sollte erst beginnen, wenn ein Arzt die Diagnose gestellt hat.
Welche Ursachen hat das Reizdarmsyndrom?
Dies ist bisher noch nicht herausgefunden worden. Wissenschaftler gehen aber davon aus, dass eine Gastroenteritis eine mögliche Ursache ist, da häufig nach dieser Erkrankung das RDS hinzukommt. Gleichzeitig können aber auch verschiedene Lebensmittel die Erkrankung zum Ausbruch bringen. Das können unter anderem Tee, Kaffee, künstliche Süßstoffe oder auch Gemüse und Steinfrüchte sein.
Dabei enthalten die Lebensmittel Kohlenhydrate, bei denen sich der Darm schwertut. Die Kohlenhydrate werden im Darm fermentiert, was dann zu Blähungen, Gasen oder auch Krämpfen führen kann. Aus diesem Grund hört man immer wieder, dass ein Probiotikum beim Reizdarm helfen kann, da die Darmbakterien wieder ins Gleichgewicht gebracht werden.
Doch auch emotionaler Stress wie Angst, Depressionen oder familiäre Probleme können ein Auslöser für RDS sein. Ebenso kann es bei der Einnahme von Hormonen oder Medikamenten zu Schüben kommen. Durch diese vielen Ursachen, die das Reizdarmsyndrom auslösen, ist es nahezu unmöglich einen wirklichen Faktor zu bestimmen, weshalb es zu der Erkrankung kommt.
Reizdarm Symptome
In der Regel beginnt das Reizdarmsyndrom im Jugend- oder jungen Erwachsenenalter. Dabei können verschiedene Ursachen Schübe auslösen, die sehr unregelmäßig sind. Allerdings ist es auch nicht ausgeschlossen, dass Sie erst im höheren Lebensalter noch RDS bekommen, obwohl es eher selten ist. Die Schübe, die auftreten, beginnen meist in den Morgenstunden, wenn Sie aufwachen. Es ist selten der Fall, dass Sie von den Beschwerden aus dem Schlaf gerissen werden.
Zu den Reizdarm Symptomen zählen unter anderem:
- Durchfall
- Blähungen
- Übelkeit
- Kopfschmerzen
- Müdigkeit
- Depressionen
- Angst
- Muskelschmerzen
- Konzentrationsschwierigkeiten
Therapien beim Reizdarmsyndrom
Beim Reizdarmsyndrom kommt es vor allem auf die Ernährung an. Dabei sollten zuallererst die Nahrungsmittel gemieden werden, die Blähungen hervorrufen. Gleichzeitig sollten die Betroffenen eine ballaststoffreiche Ernährung vorziehen und viel Flüssigkeit zu sich nehmen, um Verstopfungen zu vermeiden. Empfehlenswert sind dabei vor allem lösliche Ballaststoffe wie Flohsamenschalen; grobe Weizenkleie kann die Blähungen dagegen verstärken. Allerdings ist dies von Patient zu Patient sehr unterschiedlich, da jeder Betroffene andere Lebensmittel hat, die zu Schüben führen.
Probiotika und Low-FODMAP-Diät beim Reizdarmsyndrom
Wie bereits anfangs erwähnt, können ausgewählte Probiotika beim Reizdarm die Beschwerden lindern, da sie die Darmbakterien wieder ins Gleichgewicht bringen. Die deutsche Leitlinie zum Reizdarmsyndrom weist allerdings darauf hin, dass diese Wirkung stammspezifisch ist: Nur einzelne, in Studien geprüfte Bakterienstämme haben sich als wirksam erwiesen, und die Auswahl richtet sich danach, welche Beschwerden im Vordergrund stehen. Zudem gibt es die Möglichkeit einer Low-FODMAP-Diät. Hierbei werden verschiedene Lebensmittel gemieden, um herauszufinden, welche der Lebensmittel die Ursache für Schübe ist.
Einige Patienten haben unter anderem Beschwerden, wenn sie kohlenhydratreiche Lebensmittel verzehren wie zum Beispiel fermentierbare Oligosaccharide, Disaccharide, Monosaccharide und Polyole. All diese Kohlenhydrate fallen unter den Begriff FODMAPs (fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide sowie Polyole). Sie werden schlecht verdaut und durch die Bakterien im Dickdarm fermentiert, was dann zu Beschwerden und auch Blähungen führen kann.
Eine Low-FODMAP-Diät erstreckt sich in der Regel über vier bis acht Wochen. Die Umstellung dauert eine Weile, weshalb Sie viel Geduld benötigen. Die strenge Verzichtsphase sollte ernährungsfachlich begleitet und nicht dauerhaft fortgeführt werden, da sie sonst die Nährstoffversorgung und die Darmflora beeinträchtigen kann. Nachdem Sie alle Lebensmittel gemieden haben, werden diese wieder nach und nach eingeführt. Somit können Sie sehen, welche Lebensmittel Sie nicht vertragen und diese dann komplett meiden.
Kleine Mahlzeiten statt große
Des Weiteren wird empfohlen, dass Betroffene besser mehrere kleinere Mahlzeiten zu sich nehmen, statt drei großen Mahlzeiten pro Tag. Auch das langsame Essen kann dazu beitragen, dass Schübe vermieden werden können. Insbesondere Patienten, die zu Blähungen und Flatulenz (vermehrter Gasbildung) neigen, sollten auf Kohl und schwer verdauliche Lebensmittel verzichten.
Zuckeraustauschstoffe, Fruchtzucker und Laktose
Gleichzeitig können Zuckeraustauschstoffe, die in Medikamenten oder auch Lebensmittel enthalten sind, Beschwerden auslösen. Selbst Fruchtzucker in Obst sollte nur in geringen Mengen verzehrt werden, um Symptome zu vermeiden. Des Weiteren ist Laktose ein Stoff, der Schübe auslösen kann. Hierbei können Betroffene auf laktosefreie Milch und Milchprodukte zurückgreifen, um Beschwerden zu reduzieren.
Arzneimittel beim Reizdarmsyndrom
Wer am Reizdarmsyndrom leidet, sollte bei Verstopfung nicht wahllos zu Abführmitteln greifen. Als vergleichsweise gut verträglich gilt Polyethylenglykol (Macrogol); auch stimulierend wirkende Mittel wie Bisacodyl oder Glycerin-Zäpfchen können eingesetzt werden. Von Sorbit und Lactulose wird dagegen abgeraten, denn beide zählen zu den weiter oben beschriebenen FODMAPs und können Blähungen und Bauchschmerzen verstärken. Auch rezeptpflichtige Abführmittel wie Plecanatid, Prucaloprid, Lubiproston oder Linaclotid können Menschen mit dem Reizdarmsyndrom bei Verstopfungen helfen.
Ein erheblicher Teil der in diesem Abschnitt genannten Wirkstoffe stammt allerdings aus dem internationalen Schrifttum: Plecanatid, Lubiproston, Diphenoxylat, Alosetron, Desipramin und Nortriptylin sind in Deutschland nicht zugelassen oder nicht mehr im Handel, ebenso Linaclotid und Eluxadolin, die hierzulande nicht mehr vertrieben werden. Prucaloprid ist in Deutschland zugelassen, allerdings zur Behandlung der chronischen Verstopfung und nicht des Reizdarmsyndroms. Verfügbar sind hierzulande unter anderem Macrogol, Loperamid, krampflösende Mittel wie Butylscopolamin sowie Pfefferminzöl in magensaftresistenten Kapseln.
Personen, die Bauchkrämpfe haben, können auf anticholinerge Arzneimittel zurückgreifen. Allerdings ist hierbei zu beachten, dass die Medikamente auch Nebenwirkungen aufweisen. Trockener Mund, Probleme beim Wasserlassen oder auch verschwommenes Sehen sind nur einige Beispiele. Daher sollte die Anwendung dieser Medikamente immer mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.
Bei Durchfall helfen Medikamente wie Diphenoxylat oder auch Loperamid [1]. Zudem ist es möglich, die Produktion von Serotonin zu reduzieren, wenn Alosetron eingesetzt wird. Dies wird aber nur dann empfohlen, wenn andere Mittel gegen Durchfall nicht helfen. Des Weiteren wird das Medikament vor allem bei Frauen eingesetzt.
Großer Nachteil von Alosetron ist, dass das Risiko einer ischämischen Kolitis sehr hoch ist. Aus diesem Grund kommt es nur äußerst selten zum Einsatz. Bei besonders schwerem Durchfall, der durch das Reizdarmsyndrom verursacht wird, kann auch das Medikament Eluxadolin zum Einsatz kommen.
RDS-Patienten, die häufig an Durchfall, Bauchschmerzen und Blähungen leiden, können mit dem Antibiotikum Rifaximin [2] die Symptome lindern. Allerdings ist auch hier immer Vorsicht geboten, da Antibiotika nicht zu häufig eingenommen werden sollten. In Deutschland ist Rifaximin für das Reizdarmsyndrom nicht zugelassen und wird deshalb nur im Einzelfall außerhalb der Zulassung verordnet. Gleichzeitig können auch Antidepressiva sehr hilfreich bei Durchfall, Bauchschmerzen und Blähungen sein. In der internationalen Literatur werden dafür die trizyklischen Antidepressiva Desipramin oder Nortriptylin genannt; in Deutschland kommt stattdessen meist niedrig dosiertes Amitriptylin zum Einsatz, das beim Reizdarmsyndrom ebenfalls außerhalb der Zulassung und nur auf ärztliche Verordnung angewendet wird. Diese Medikamente helfen nicht nur bei den oben genannten Darmbeschwerden, sondern können in der jeweils passenden Dosierung auch gegen Depressionen, Schlafstörungen oder Ängste helfen und diese reduzieren.
Wie bereits erwähnt, können Probiotika beim Reizdarmsyndrom ein Helfer sein. Sie enthalten lebende Bakterien, wie sie auch natürlicherweise im Darm vorkommen, und können die Zusammensetzung der Darmflora beeinflussen. Ob ein Präparat die Beschwerden bessert, hängt vom eingesetzten Bakterienstamm ab. Neben Pulver und Kapseln gibt es auch sehr viele Lebensmittel, die voller Probiotika sind. Des Weiteren können ätherische Öle Bauchkrämpfe lindern.
Quellen
- Messmann, H., Wedemeyer, H. (Hrsg.): Klinische Gastroenterologie.
ISBN: 9783132405233
- Riemann, J. F., Fischbach, W., Galle, P. R., Mössner, J. (Hrsg.): Checkliste Gastroenterologie und Hepatologie.
ISBN: 9783132454217
- Riemann, J. F., Fischbach, W., Galle, P. R., Mössner, J. (Hrsg.): Referenz Gastroenterologie.
ISBN: 9783132405004
- Sauerbruch, T., Straßburg, C. P., Trebicka, J. (Hrsg.): Therapie-Handbuch - Gastroenterologie und Hepatologie.
ISBN: 9783437055140
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
