Sprachaudiogramm
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 5. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Ein Sprachaudiogramm gibt anstelle von Tönen die menschliche Sprache über einen Kopfhörer wieder. Das können Wörter oder Zahlen sein, die wiederholt werden. Das Sprachaudiogramm ist eine wichtige Möglichkeit zur Untersuchung von Hörstörungen und wird bei der Anpassung von Hörgeräten ebenfalls eingesetzt.
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Was ist das Sprachaudiogramm?
Das Sprachaudiogramm ist ähnlich wie ein Tonaudiogramm. Allerdings werden beim Sprachaudiogramm nicht Geräusche oder Töne vorgespielt, die von der Testperson wahrgenommen werden sollen, sondern Zahlen, Wörter oder einzelne Silben. Während das Tonaudiogramm die Hörschwelle für einzelne Frequenzen bestimmt, gibt das Sprachaudiogramm an, wie viel Prozent des angebotenen Sprachmaterials bei einer bestimmten Lautstärke richtig verstanden werden. Da diese Einspielungen in festgelegten Lautstärken erfolgen, ist das Sprachaudiogramm eine gute Methode, um das Sprachverständnis zu ermitteln.
Ein Sprachaudiogramm, auch unter dem Namen Sprachverständlichkeitstest bekannt, zeigt die unterschiedliche Wahrnehmung der Versuchsperson zwischen dem aktuellen Hörvermögen und dem Sprachverständnis auf. Die Testung durch ein Sprachaudiogramm kann in unterschiedlicher Weise erfolgen. Es gibt sogenannte Silbentests, Wörtertests und Satztests. Die verschiedenen Tests ermöglichen eine gute Abklärung, wie hoch das Hörvermögen und das ebenfalls wichtige Sprachverständnis ausgeprägt sind. Beim Silbentest werden einzelne meist sinnlose Silben abgespielt, die von der Testperson nachgesprochen werden. Beim sogenannten Freiburger Wörtertest werden über Kopfhörer oder Lautsprecher einsilbige Hauptwörter und Zahlwörter abgespielt.
Zahlwörter sollten leicht verständlich sein und selbst bei einem niedrigen Schalldruckpegel als richtig erkannt werden. Menschen mit Schwerhörigkeit verstehen selbst bei einem guten Pegel und einer vorliegenden Schallempfindungsstörung nicht mehr alle Wörter, die einsilbig sind. Im Mittelpunkt der Tests stehen zweistellige, oftmals viersilbige Zahlwörter oder einsilbige Wörter wie Farm, Hang oder Ring. Durch die Gruppierung der Wörter kann der Hörverlust im Bereich der Zahlen, aber auch der Diskriminationsverlust bei den Einsilbern gemessen werden. Der Satztest mit ganzen Sätzen spiegelt die Alltagssituation besser.
Das Sprachaudiogramm gehört zur Audiometrie, also zu den Verfahren, mit denen sich das Hörorgan vermessen lässt. Es zählt zu den subjektiven Verfahren: Gemessen wird nicht das Ohr selbst, sondern das, was der Untersuchte angibt. Ohne seine Mitarbeit kommt kein verwertbares Ergebnis zustande. Genau darin liegt zugleich der Erkenntnisgewinn, denn Hören und Verstehen sind nicht dasselbe. Ein Mensch kann Töne in allen geprüften Frequenzen wahrnehmen und trotzdem Mühe haben, Gesprochenes zu entschlüsseln, weil die Verarbeitung im Hörnerv oder in den nachgeschalteten Bahnen gestört ist. Erst das Nebeneinander von Ton- und Sprachbefund macht solche Unterschiede sichtbar.
Das im deutschsprachigen Raum am weitesten verbreitete Wortmaterial ist der Freiburger Sprachtest, den Karl-Heinz Hahlbrock 1953 vorlegte und der seither in einer eigenen Norm festgeschrieben ist. Er besteht aus zehn Gruppen zweistelliger Zahlwörter und zwanzig Gruppen einsilbiger Hauptwörter. Die Zahlwörter sind mehrsilbig und deshalb auch dann noch zu erraten, wenn nur ein Teil der Laute ankommt; sie eignen sich daher, um die Schwelle zu bestimmen, ab der Sprache überhaupt verstanden wird. Die Einsilber bieten diese Hilfe nicht: Wer eine Silbe falsch aufnimmt, hat das Wort verfehlt. Sie prüfen deshalb, wie genau ein Mensch bei ausreichender Lautstärke unterscheiden kann.
Neben dem Freiburger Material haben sich Satztests etabliert, unter ihnen der Oldenburger Satztest, der Göttinger Satztest und der sogenannte HSM-Satztest. Sie arbeiten mit ganzen Sätzen und werden häufig nicht in Ruhe dargeboten, sondern zusammen mit einem Störgeräusch. Damit bilden sie die Lage nach, über die Schwerhörige am häufigsten klagen: das Verstehen in der Gaststätte, im Großraumbüro oder in der Runde mehrerer Sprecher. Für Kinder gibt es eigene Verfahren mit altersgerechtem Wortschatz; hier wird das Gehörte oft nicht nachgesprochen, sondern auf einer Bildtafel gezeigt, damit auch Kinder geprüft werden können, die noch nicht sicher sprechen.
Aufgezeichnet wird das Ergebnis als Kurve. Auf der waagerechten Achse steht der Pegel, mit dem das Sprachmaterial angeboten wurde, auf der senkrechten der Anteil der richtig wiedergegebenen Wörter in Prozent. Bei einem normal hörenden Menschen steigt diese Verständlichkeitskurve in einem engen Pegelbereich steil an und erreicht den oberen Rand. Weicht die gemessene Kurve von dieser Normkurve ab, ist bereits an der Form abzulesen, in welche Richtung die Störung geht, noch bevor einzelne Zahlenwerte betrachtet werden.
Funktion, Wirkung & Ziele
Bleiben die Fehler trotz einer höheren Lautstärke bestehen, wird zur nächsthöheren Lautstärke gewechselt. Die erforderliche Lautstärke, die der Betroffene braucht, um zu verstehen, ist ein wichtiger Wert für den HNO-Facharzt. Durch die durchgeführte Messung mit dem Sprachaudiogramm stellt der Facharzt dann fest, ob für die Hörgeräteversorgung eine einseitige oder beidseitige Versorgung durch Hörhilfen erforderlich ist.
Das Sprachaudiogramm ist individuell unterschiedlich und dauert zwischen zehn und 20 Minuten. Beim Zahlentest werden zehn Gruppen von jeweils zehn Zahlen im zweistelligen Bereich vorgespielt, beim Wörtertest 20 Gruppen mit jeweils 20 einsilbigen Hauptwörtern. Die Anzahl der korrekt verstandenen Wörter ist die Prozentzahl der Gesamtzahl der Wörter, die auf Verständlichkeit und Diskrimination getestet werden. In welcher Reihung die Wörtergruppen abgespielt werden, ist unerheblich.
Wichtig für die korrekte Durchführung des Sprachaudiogramms ist jedoch eine vollständige Gruppe zu prüfen. Jede Gruppe ist in Bezug auf die Zusammensetzung der enthaltenen Laute aufeinander abgestimmt, um eine qualitative Überprüfung des Hörvermögens zu gewährleisten. Mischt man die Wörter, nimmt die Ausgewogenheit ab und die Aussagekraft des Tests reduziert sich. Gestartet wird beim Sprachaudiogramm bei einem Sprachschallpegel, der zehn bis 20 Dezibel über dem des Hörverlusts, bei 1.000 Hz, liegt.
Bei einem korrekten Verständnis von mehr als der Hälfte der vorgespielten Zahlen folgt die Testung der nächsten Gruppe bei einem Sprachschallpegel, der um zehn Dezibel reduziert ist und umgekehrt. Die einsilbigen Wörter werden aufgrund der schwereren Verständlichkeit bei einem Sprachschallpegel abgespielt, der ungefähr 30 bis 40 Dezibel über dem Wert liegt, bei dem noch gut die Hälfte oder mehr der Zahlwörter korrekt verstanden werden. Erfahrungsgemäß ist es ratsam, beim Einsilbertest nicht zu leise zu starten. Das könnte unter Umständen dazu führen, dass der Patient bereits früh ermüdet oder die Lust an der wichtigen Untersuchung frühzeitig verliert. Das Hauptziel beim Einsilbertest ist es, den entsprechenden Sprachschallpegel zu finden, bei dem die Einsilber verstanden werden oder einen optimalen Wert zu erreichen, der nach den derzeitigen Untersuchungsergebnissen nicht zu steigern ist.
Mindestens drei Gruppen sollten beim Einsilbertest geprüft werden, um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Es erfordert nicht wirklich 100 Prozent Verständlichkeit. Liegt das Ergebnis bei 95 Prozent, ist es in Ordnung, das Ergebnis als volles Verstehen anzuerkennen, denn durch innere oder äußere Einflüsse ist es manchmal möglich, dass gerade ein Wort nicht verstanden wird. Bei der Hörgeräteanpassung ist die Prüfung wichtig, um zu erfahren, wie weit dieser Sprachschallpegel erhöht werden kann, bis die Unbehaglichkeitsgrenze erreicht wird. Dieser Toleranztest zeigt an, in welchem Bereich jemand sein maximales Sprachverständnis besitzt, das bei einem Normalhörenden zwischen 50 und 100 Dezibel liegt.
Durchgeführt wird die Untersuchung in einer schallgedämmten Hörprüfkabine an einer regelmäßig überprüften und kalibrierten Anlage. Das Sprachmaterial kommt von einer Aufnahme, damit Aussprache und Pegel bei jeder Wiederholung gleich bleiben; ein Vorsprechen durch den Untersucher wäre nicht vergleichbar. Angeboten wird über Kopfhörer, wenn jedes Ohr für sich geprüft werden soll, oder über Lautsprecher im freien Schallfeld, wenn es um das Hören mit beiden Ohren und mit versorgter Hörhilfe geht. Der Untersucher sitzt so, dass der Patient ihm nicht vom Mund ablesen kann, und hält fest, welche Wörter richtig wiedergegeben wurden.
Hören beide Ohren unterschiedlich gut, kommt ein zusätzlicher Schritt hinzu. Ein Schallreiz, der auf dem schlechteren Ohr laut genug angeboten wird, erreicht über den Schädelknochen auch das bessere; der Patient antwortet dann richtig, ohne dass das geprüfte Ohr etwas verstanden hätte. Um dieses Überhören zu verhindern, wird das nicht geprüfte Ohr mit einem Rauschen verdeckt. Diese Vertäubung ist bei einem großen Seitenunterschied unverzichtbar, weil sonst ein taubes Ohr scheinbar gute Werte liefert.
Aus der Kurve werden mehrere Kenngrößen abgelesen. Der Hörverlust für Zahlwörter gibt in Dezibel an, um wie viel der Pegel gegenüber dem Normalhörenden angehoben werden muss, bis die Hälfte der Zahlen richtig verstanden wird. Der Diskriminationsverlust benennt in Prozent, wie viele der einsilbigen Wörter im Vergleich zur Norm nicht verstanden werden. Hinzu kommt der Pegel, bei dem das Verstehen am besten ist, sowie der höchste erreichte Prozentwert überhaupt.
Diese Werte ergeben zusammen ein Muster. Bei einer Schallleitungsschwerhörigkeit, also einer Störung im äußeren Ohr oder im Mittelohr, ist die Kurve gegenüber der Norm zu höheren Pegeln verschoben, erreicht aber bei ausreichender Lautstärke noch das volle Verstehen: Was ankommt, wird richtig verarbeitet, es kommt nur zu wenig an. Liegt die Störung im Innenohr, bleibt die Kurve flacher und erreicht den oberen Rand oft nicht mehr; lauter zu sprechen hilft dann nur begrenzt. Ist der Hörnerv oder die weiterführende Bahn betroffen, kann das Verstehen sogar wieder abnehmen, wenn der Pegel weiter erhöht wird. Ein solcher Befund gibt Anlass, gezielt weiter zu untersuchen.
Der wichtigste praktische Anlass ist die Versorgung mit einem Hörgerät. Das Sprachaudiogramm liefert die Begründung dafür, ob eine Versorgung angezeigt ist, und es weist anschließend nach, ob sie tatsächlich nützt: Dazu wird im freien Schallfeld gemessen, wie viel der Patient ohne und wie viel er mit dem angepassten Gerät versteht. Reicht auch das beste Gerät nicht mehr aus, ist der sprachaudiometrische Befund eine der Grundlagen für die Frage, ob ein Cochlea-Implantat infrage kommt. Daneben dient die Untersuchung der Verlaufskontrolle, etwa nach einem Hörsturz, bei Altersschwerhörigkeit oder bei einer fortschreitenden Erkrankung des Innenohrs.
Ein eigenes Feld ist die Begutachtung. Wird eine Lärmschwerhörigkeit als Berufskrankheit geprüft oder soll der Grad einer Behinderung festgestellt werden, genügt die Hörschwelle allein nicht; entscheidend ist, wie stark das Sprachverstehen eingeschränkt ist, denn daran bemisst sich die Beeinträchtigung im Alltag. Für den Patienten selbst ist keine Vorbereitung nötig. Sinnvoll ist lediglich, den Gehörgang vorher auf Ohrenschmalz ansehen zu lassen und einen Termin während eines akuten Infekts zu verschieben, weil ein Paukenerguss hinter dem Trommelfell das Ergebnis verändern kann.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Das kann für Menschen, die eine mögliche Hörstörung oder Hörgeräteanpassung fürchten, belastend sein. Außerdem müssen die verwendeten Geräte für die korrekte Durchführung des Sprachaudiogramms einwandfrei funktionieren – nur so sind eine aussagekräftige Messung und daraus resultierende Maßnahmen sinnvoll.
Körperliche Risiken hat die Untersuchung nicht. Es wird nichts eingeführt, nichts verabreicht und keine Strahlung eingesetzt; das Ohr wird lediglich beschallt. Das Sprachaudiogramm lässt sich deshalb beliebig oft wiederholen, was für die Verlaufsbeobachtung von Vorteil ist. Nicht der Patient ist also gefährdet, sondern die Aussagekraft des Ergebnisses: Ein Wert, der unter ungünstigen Bedingungen zustande kam, sieht genauso aus wie ein richtiger.
Die häufigste Fehlerquelle ist die Sprache selbst. Wer mit einer anderen Muttersprache aufgewachsen ist, versteht deutsche Einsilber schlechter, ohne deshalb schwerhörig zu sein; dasselbe gilt bei einem kleinen Wortschatz, bei ausgeprägtem Dialekt und bei einigen der Freiburger Wörter, die heute kaum noch gebräuchlich sind. Auch Konzentration und Ausdauer spielen hinein: Bei langen Untersuchungen ermüden vor allem ältere Menschen, und wer sich das Gehörte nicht lange genug merken kann, gibt weniger wieder, als er verstanden hat. Bei einer Demenz oder einer Aufmerksamkeitsstörung kann daraus der falsche Eindruck einer schweren Schwerhörigkeit entstehen.
Hinzu kommt ein Gewöhnungseffekt. Wird bei einer Kontrolle dieselbe Wortgruppe noch einmal verwendet, erkennt der Patient Wörter wieder und schneidet besser ab, ohne dass sich sein Gehör verbessert hätte. Deshalb wird für Wiederholungen anderes Material genommen. Auf der technischen Seite verfälschen eine nicht mehr genau kalibrierte Anlage, ein schlecht sitzender Kopfhörer, Lärm von außerhalb der Kabine und eine unterlassene Vertäubung des Gegenohrs das Ergebnis; der letzte Punkt wiegt am schwersten, weil er ein schlechtes Ohr besser erscheinen lässt, als es ist.
Eine Sonderstellung hat die Begutachtungssituation. Weil das Verfahren auf den Angaben des Untersuchten beruht, lässt es sich beeinflussen – in beide Richtungen. Wer eine Entschädigung erwartet, gibt womöglich weniger an, als er versteht; wer den Führerschein oder den Arbeitsplatz behalten möchte, unter Umständen mehr. Fallen Sprachbefund, Tonbefund und Verhalten im Gespräch auseinander, wird die Prüfung durch Verfahren ergänzt, die keine Mitarbeit verlangen. Für sich genommen trägt ein sprachaudiometrischer Wert deshalb keine Diagnose: Er wird immer zusammen mit dem Tonbefund, der Vorgeschichte und dem Untersuchungsbefund des Ohres gelesen.
Quellen
- Mrowinski, D., Scholz, G., Steffens, T.: Audiometrie.
ISBN: 9783132452459
- Kompis, M.: Audiologie.
ISBN: 9783456862453
- Lehnhardt, E., Laszig, R. (Hrsg.): Praxis der Audiometrie.
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- Wendler, J. (Hrsg.): Lehrbuch der Phoniatrie und Pädaudiologie.
ISBN: 9783131022950
- Probst, R., Grevers, G., Iro, H.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
ISBN: 9783131521231
