Syphilis


Aktualisiert am 25. April 2019 von Dr. med. Nonnenmacher

Syphilis bzw. Lues ist eine bekannte und weit verbreitete Geschlechtskrankheit. Zumeist tritt sie chronisch auf. Die Heilung bzw. Behandlung ist seit der Erfindung des Penicillins bei rechtzeitiger Diagnose günstig. Syphilis ist meldungspflichtig und sollte umgehend vom Arzt behandelt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Syphilis?

Syphilis oder Lues ist eine Geschlechtskrankheit, die auf der Welt sehr weit verbreitet ist. Seit der Erfindung von Penicillin ist diese chronisch verlaufende Krankheit jedoch weitestgehend heilbar. Der Hauptauslöser für Syphilis ist ein Bakterium (Treponema pallidum pallidum), welches zumeist beim ungeschützten Geschlechtsverkehr von einem Menschen auf den anderen übertragen wird. Auch ungeborene Babys können so infiziert werden.

Seit der erfolgreichen Behandlung der Syphilis durch Penicillin, ist die Geschlechtskrankheit in Deutschland und Europa seltener geworden. Dennoch besteht seit 2001 ärztliche Meldepflicht, auch wenn nur ein Verdacht auf Syphilis besteht. Syphilis tritt in Deutschland vermehrt in Großstädten auf. Etwa 3% der deutschen Bevölkerung sind an Syphilis infiziert und waren bereits daran erkrankt. Dabei sind Männer statistisch gesehen eher von der Syphilis betroffen, als Frauen und jüngere Menschen eher als Ältere.

Ursachen

Die Ursache für Syphilis ist die bakterielle Infektion mit Treponema pallidum pallidum. Dieses Bakterium kann nur den Menschen befallen. Dabei wird er beim Geschlechtsverkehr druch die Schleimhäute und kleine Risse oder Verletzungen in der Haut übertragen. Bei Schwangeren kann sich in diesem Fall auch das ungeborene Kind an der Syphilis infizieren.

Die Syphilis Bakterien breiten sich unbehandelt im gesamten Körper aus und können auch weitere Organe befallen. Außerhalb eines Wirtes können die Syphilis Erreger nur kurz überleben. Da bis zu zwei oder drei Wochen vergehen kann, bis die ersten Symptome auftreten, können in dieser Zeit durch ungeschützen Geschlechtsverkehr weitere Menschen angesteckt werden. Dabei ist die Chance sich an eninem Syphilis-Erkrankten zu infizieren im Schnitt bei 30 Prozent.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Syphilis kann sich vielfältig zeigen und durchläuft verschiedene Phasen. Je nach dem konkreten Stadium können unterschiedliche Symptome auftreten. Dazwischen gibt es symptomfreie Latenzphasen. Charakteristische Symptome sind eine markante Lymphknotenschwellung sowie Hautveränderungen. Etwa zwei bis vier Wochen nach einer Infektion bilden sich an den Eintrittstellen des Bakteriums kleine gerötete Hautknötchen.

Zunächst sind diese oftmals schmerzlos, jedoch können sie später starke Schmerzen hervorrufen. Nach etwa einer Woche wachsen sie bis zur Größe einer Münze an und sondern eine farblose, hoch infektiöse Flüssigkeit ab. In der Regel treten diese Geschwüre, die als harter Schanker bezeichnet werden, bei Männern auf dem Penis (oft auf der Eichel) und bei Frauen an der Scheide und den Schamlippen auf.

Es können jedoch auch der After oder die Mundschleimhäute betroffen sein. Unbehandelt bilden sie sich nach etwa vier bis sechs Wochen zurück. Im nächsten Stadium der Syphilis kommt es zu grippeartigen Symptomen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und Lymphknotenschwellung.

Hinzu kommt typischerweise ein Hautausschlag, der sich zunächst nur durch rosa Flecken bemerkbar macht, die sich dann zu kupferfarbenen Knötchen (Papeln) entwickeln und von selbst abheilen. Häufig kommt es nach diesem Stadium zu einem Stillstand. Nach drei bis fünf Jahren haben sich die Erreger jedoch im ganzen Körper ausgebreitet und befallen die inneren Organe wie die Blutwege, die Lunge, Leber, Magen, Speiseröhre oder auch Muskeln, Knochen und andere Körperteile.

Krankheitsverlauf

Den Verlauf von Syphilis kann man in vier Stadien unterteilen. In den ersten drei Wochen nach einer Infektion bilden sich an der Infketionsstelle (zumeist Penis oder Vagina) harte aber schmerzlose Geschwüre. Dieser sogenannte Ulcus durum (harter Schanker) fällt dem Betroffenen zumeist nicht auf.

Im zweiten Teil der Syphiliserkrankung kommt es zu massiven Ausschlägen, Hautrötungen und Schleimhautveränderungen. Spätestens hier sollte der Betroffene einen Arzt aufsuchen. Oftmals verschwinden die Symptome auch wieder für einige Jahre, brechen dann aber erneut besonders stark und gefährlich aus. Dies nennt man auch latente Syphilis. Dabei können dann die inneren Organe, wie das Herz, besonders geschädigt werden. Ebenso sind neurologische Störungen und Knochenveränderungen möglich.

Wird die Syphilis rechtzeitig behandelt sind die Prognosen zur Heilung heutzutage sehr günstig. Vor allem beim Einsatz von Antibiotika (Penicillin) stehen die Chancen zur Genesung gut. Ist die Syphilis jedoch schon weiter fortgeschritten und das Stadium einer Neurosyphilis erreicht, so kann die Krankheit mit hoher Wahrscheinlichkeit tötlich enden. Aber auch bleibende Schäden wie lebenslange Lähmungen können den Betroffenen zu einem Pflegefall werden lassen. Nur selten kommt es zur Spontanheilung.

Komplikationen

Bei frühzeitig einsetzender Behandlung heilt eine Syphilis in der Regel folgenlos aus, unbehandelt kann die Erkrankung schwerwiegende Komplikationen verursachen und sogar zum Tod führen. Vor allem in den ersten Stadien ist die Erkrankung hochansteckend und kann durch ungeschützten Geschlechtsverkehr weiter verbreitet werden. Während der Schwangerschaft kann der Erreger auf das Kind übergehen und zu einer angeborenen Syphilis führen.

Auch Fehl- oder Frühgeburten sind möglich. Eine Lues-Infektion erhöht die Ansteckungsgefahr für HIV, zudem beeinflussen sich die beiden Erkrankungen gegenseitig ungünstig in ihrem Verlauf. Im fortgeschrittenen Stadium der Syphilis befallen die Erreger das zentrale Nervensystem: Diese sogenannte Neurolues ist durch eine chronische Rückenmark- und Gehirnentzündung gekennzeichnet, die zu geistigen Einschränkungen, Depressionen oder Demenz führen kann.

Motorische Störungen, Schmerzen in den Extremitäten, Persönlichkeitsveränderungen und Harn- und Stuhlkontinenz sind ebenfalls typische Anzeichen einer Neurosyphilis. Weitere Komplikationen können Taubheit, Augenmuskellähmungen und Schwindel sein. Eine Knotenbildung an der Hauptschlagader als Spätfolge kann Jahrzehnte nach der Ansteckung zu einer Erweiterung der Aorta führen (Aortenaneurysma).

Platzt dieses Aneurysma, verblutet der Betroffene innerhalb kurzer Zeit. Gewebewucherungen können auch Haut, Schleimhäute und Knochen schädigen, ein Befall der Leber löst eine Leberentzündung aus. Während der Behandlung der Syphilis kann sich als Komplikation eine Jarisch-Herxheimer-Reaktion mit hohem Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschlägen entwickeln.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Stellen sich bei dem Betroffenen nach einem ungeschützten sexuellen Kontakt zu einem anderen Menschen verschiedene Unregelmäßigkeiten und Beschwerden ein, sollte ein Arzt konsultiert werden. Schwellungen der Lymphe und Hautveränderungen gelten als Anzeichen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung. Sie sind abklären zu lassen, da es sich bei der Geschlechtserkrankung um eine stark ansteckende Krankheit handelt. Schmerzen, Rötungen oder Unannehmlichkeiten im Bereich der Schleimhäute, des Afters oder des Scheideneinganges gelten als ungewöhnlich und sind näher untersuchen zu lassen.

Kommt es im weiteren Verlauf zu grippeähnlichen Symptomen, ist dies ebenfalls als Warnsignal des Organismus zu verstehen. Bei Fieber, Kopfschmerzen oder einem allgemeinen Unwohlsein wird ein Arzt benötigt. Funktionsstörungen des Organismus, Schwellungen oder Geschwüre sind weitere Anzeichen einer vorliegenden Erkrankung. In einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium kann es zu Einschränkungen der Mobilität oder Haarausfall kommen.

Da die Syphilis bei einem ungünstigen Krankheitsverlauf zu einem vorzeitigen Ableben des Betroffenen führen kann oder die Möglichkeit zur Entwicklung von lebenslangen Schäden wie Lähmungen besteht, sollte bereits bei den ersten Anzeichen ein Arzt konsultiert werden. Ein allgemeines Krankheitsgefühl oder der Verdacht einer Ansteckung sollten mit einem Arzt besprochen werden. Zudem empfiehlt es sich, bei dem Praktizieren von ungeschützten sexuellen Aktivitäten, in regelmäßigen Abständen Kontrolluntersuchungen vornehmen zu lassen.

Behandlung, Therapie & Vorbeugung

Bei Verdacht auf Syphilis sollte umgehend ein Arzt konsultiert werden. Ist die Geschlechtskrankheit tatsächlich vorhanden, wird sie zumeist mit dem Antibiotikum Penicillin behandelt. Die ärztlich verordnete Dosierung sollte strikt durch den Patienten eingehalten werden, um bleibende Schäden auszuschliessen.

Die Behandlungsdauer richtet sich nach der Schwere und fortgeschrittenem Stadium der Syphilis. In der Regel reichen zwei bis drei Wochen für die Therapie aus. Nebenwirkungen sind zu meist Kopfschmerzen, Muskelschmerzen (ähnlich Muskelkater) und Fieber. Eine Imfpung gegen Syphilis gibt es bisland noch nicht. Daher sollten zur Vorbeugung der geschützte Geschlechtsverkehr, z.B. durch Kondome, bevorzugt werden. Ebenso sollte beim Blutspenden auf Syphilis-Errger geachtet werden.

Nachsorge

In der überwiegenden Zahl der Fälle müssen die Medikamente - insbesondere Antibiotika - auch nach Abklingen der Beschwerden weiter eingenommen werden. So sollen die Beschwerden dauerhaft vollständig gelindert werden. Bei Kindern sind vor allem die Eltern angehalten, auf eine kontinuierliche und richtige Einnahme zu achten. Bei der Nachsorge ist es grundsätzlich wichtig, auch den Partner mit einzubeziehen - auch wenn bei ihr oder ihm noch keine Infektion nachweisbar ist.

Während dieser Zeit sollte selbst geschützter Geschlechtsverkehr tabu sein - so lässt sich eine Schmierinfektion ausschließen. Bei Syphilis kommt es in der Regel nicht zu einer Spontanheilung. Bei langem Bestand ist sogar maligne Entartung nicht ausgeschlossen. Regelmäßige langjährige Nachkontrollen erscheinen wegen hoher Rezidivgefahr unumgänglich.

Nach einer Syphilis-Therapie werden in bestimmten Zeiträumen erneut Antikörper im Blut bestimmt. Auf diese Weise soll ein Wiederaufkeimen der Infektion verhindert werden. Wenn sich die Geschlechtsksrankheit vorher, das heißt vor der Behandlung, schon im fortgeschrittenen Stadium befunden hat, ist die sechsmonatige Überprüfung sowohl der Serum- als auch der Liquor-Werte obligatorisch - dies über einen Zeitraum von insgesamt drei Jahren. Weitere Maßnahmen sind in der Regel nicht notwendig, wobei die Lebenserwartung des Betroffenen nicht verringert wird - immer sehr schnelle Diagnose und entsprechend rechtzeitige Behandlung vorausgesetzt.

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Das können Sie selbst tun

Bei der meldepflichtigen Erkrankung ist die Zusammenarbeit mit einem Arzt zwingend erforderlich. Im Rahmen der Selbsthilfe sollte insbesondere bei sexuellem Kontakt zu einer anderen Person ein vorsichtiger Umgang gepflegt werden. Der Geschlechtspartner muss über das Vorliegen der Krankheit informiert werden. Darüber hinaus sind ausreichende Schutzmaßnahmen bei einem sexuellen Kontakt zu ergreifen.

Da in vielen Fällen die Erkrankung erst in einem fortgeschrittenen Stadium bemerkt wird, sollten bisherige Geschlechtspartner über die Diagnose informiert werden. Sie selbst müssen sich ebenfalls medizinischen Tests unterwerfen und wiederum ehemalige Geschlechtspartner kontaktieren. Ungeschützter Geschlechtsverkehr es unter allen Umständen zu vermeiden.

Da die Krankheit meist einen chronischen Krankheitsverlauf aufzeigt, ist das Immunsystem zu unterstützen. Ein gesunder Lebenswandel ist über eine vitaminreiche Nahrung und die Vermeidung von Schadstoffen anzuraten. Der Konsum von Nikotin, Drogen, nicht verschriebenen Medikamenten oder Alkohol kann sich erheblich auf die weitere Entwicklung auswirken. Hilfreich sind hingegen ein Gewicht im Normalbereich, ausreichende Bewegung, erholsamer Schlaf sowie eine mentale Stärke. Stressoren des Alltags sollten auf ein Mindestmaß reduziert werden.

Der Umgang mit der Erkrankung ist besonders schwierig, wenn das ungeborene Kind ebenfalls infiziert wurde. Dennoch ist Ruhe zu bewahren und ein souveräner Umgang ist notwendig. Vorsichtsmaßnahmen sollten ergriffen werden, damit keine weitere Übertragung stattfinden kann.

Quellen

  • Goerke, K., Steller, J., Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie. Urban & Fischer, München 2003
  • Haag, P., Harnhart, N., Müller, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Urologie. Für Studium und Praxis 2014/15. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2014
  • Suttorp, N., et al.: Infektionskrankheiten. Thieme, Stuttgart 2004


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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

lutzemann kommentierte am 13.04.2015

Ich habe einen Frühinfekt. Mein Arzt wollte mir eigentlich Penicillin G spritzen. Der Arzt sagte mir, dass es dies aber nicht mehr gäbe. Stimmt dies? Denn jetzt nehme ich Penicillin V 1.5 drei mal täglich. Ein anderer Wirkstoff mit
Phenoxymethyl? Ist das korrekt ?