Varikozele (Krampfaderbruch)


Aktualisiert am 15. April 2019 von Dr. med. Nonnenmacher

Eine Varikozele oder Krampfaderbruch ist eine krampfaderartige Erweiterung der Hodenvene und des Venengeflechts im Scrotum (Hoden), die die häufigste Ursache für Infertilität beim Mann darstellt. Varikozelen werden operativ oder sklerotherapeutisch (Verödung) behandelt, wodurch eine vorliegende Unfruchtbarkeit in vielen Fällen wieder rückgängig gemacht werden kann.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Varikozele?

Als Varikozele (Krampfaderbruch) wird eine krampfaderartige Erweiterung, Verlängerung und Schlängelung der Hodenvene (Vena testicularis) und des Venengeflechts im Hoden und Nebenhoden (sogenannter Plexus pampiniformis) bezeichnet.

Etwa 10 bis 20 Prozent der Männer, vor allem zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr, können von einer in der Regel keine Beschwerden verursachenden Varikozele betroffen sein. Lediglich in einigen Fällen manifestiert sich eine Varikozele anhand eines ziehenden Schmerzes im Hoden- und Leistenbereich, wobei dieser insbesondere bei körperlicher Anstrengung auftritt.

Eine Varikozele beeinträchtigt in Abhängigkeit vom Grad der Ausprägung über verschiedene Mechanismen (u.a. Erhöhung der Körpertemperatur im Bereich des Hodens) die Fertilität (Fruchtbarkeit) und ist die häufigste Sterilitätsursache (Unfruchtbarkeit) beim Mann, wobei durch eine operativen Entfernung oder Sklerosierung der Varikozele die Fertilität in vielen Fällen wieder hergestellt werden kann.

Ursachen

In den meisten Fällen ist eine Varikozele auf eine anlagebedingte Störung des Blutabflusses der Hodenvene in die linksseitige Nierenvene zurückzuführen (primäre Varikozelen). Dies hat eine Beeinträchtigung der Funktionsfähigkeit der Venenklappe in der Hodenvene zur Folge, die wiederum eine Erhöhung des Druckes in diesem Blutgefäß nach sich zieht.

Durch die Druckerhöhung wird die für die Varikozele charakteristische krampfaderartige Erweiterung der Hodenvene bzw. des gesamten Venengeflechts im Hoden verursacht. Dabei kann die Störung des Blutabflusses durch eine Verengung der Nierenvene durch die Aorta (Hauptschlagader) bzw. die Aortenabgänge oder durch einen anatomisch ungünstigen Übergang der Hodenvene in die Nierenvene verursacht werden.

Darüber hinaus können Tumoren durch ihre Ausdehnung zu einer Druckerhöhung führen und Gefäßeinreißungen oder Blutgerinnsel eine Störung des Blutabflusses bedingen. In beiden letztgenannten Fällen wird von symptomatischen Varikozelen gesprochen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Varikozele (Krampfaderbruch) verursacht in der Regel keine Beschwerden. Oft wird sie nur zufällig bei Untersuchungen entdeckt. Teilweise treten jedoch auch Beschwerden auf. In Einzelfällen kann der Krampfaderbruch sogar zur Unfruchtbarkeit der betroffenen Männer führen. Hodenkrampfadern kommen allerdings relativ häufig vor.

Bis zu 20 Prozent aller jungen Männer sind von einem Krampfaderbruch betroffen. Meist entwickeln sich die Krampfadern im linken Hoden. Dort sind sie auch manuell fühlbar. In seltenen Fällen zeigen Varikozelen Symptome, die dann aber sehr charakteristisch sind. Typisch ist ein schwerer Hodensack mit einem Wundgefühl. Besonders beim Stehen kann es zu intensiven Schmerzen in den Hoden kommen. Oft werden wurmartige Schwellungen am Hodensack beobachtet, die sich oft bei einem erhöhten Bauchdruck während des Pressens bemerkbar machen.

Aber auch ohne Bauchdruck können diese Schwellungen auftreten. Manchmal ist der betroffene Hoden kleiner, weil er durch das Krampfadergeflecht im Wachstum gestört wird. Die Krampfadern erzeugen in der Nähe des Hodens einen Blutrückstau, sodass dort eine höhere Temperatur herrscht.

Da die Hodenentwicklung und Spermienproduktion sehr temperaturabhängig sind, kann die Varikozele zu einer verringerten Spermienbildung führen. In extremen Fällen kommt sogar die gesamte Spermienproduktion zum Erliegen, sodass der Patient unfruchtbar wird. Da allerdings meist nur ein Hoden betroffen ist, bleibt die Fruchtbarkeit bei einer Varikozele in der Regel erhalten.

Diagnose & Verlauf

Varikozelen werden in der Regel im Rahmen einer körperlichen Untersuchung, bei welcher die Hoden in unterschiedlichen Positionen (im Stehen, Liegen, Hocken) abgetastet werden, diagnostiziert. Hierbei sind bereits Aussagen zum Stadium möglich. So können Varikozelen ersten Grades im Stehen bei gleichzeitigem Valsalva-Manöver (Bauchpresse) als wurmförmige Knäuel ertastet werden.

Dagegen sind Varikozelen zweiten Grades ohne Valsalva-Manöver im Stehen ertastbar, während Erweiterungen des Venengeflechts dritten Grades anhand der Varizen (Krampfadern) durch die Haut sichtbar sind. Subklinische Varikozelen (Anfangsstadium) können hingegen lediglich im Rahmen einer Dopplersonographie (Ultraschall von Gefäßen) bei Anwendung des Valsalva-Manövers nachgewiesen werden.

Mit Hilfe einer Sonographie kann darüber hinaus ein Nierentumor ausgeschlossen und die Hodenstruktur und -größe bestimmt werden. Eine Phlebographie (Röntgenbild mit Kontrastmittel) gibt Aufschluss über die Funktionsfähigkeit des Venengeflechts. Untherapiert führt eine Varikozele zu Infertilität.

Komplikationen

Eine Varikozelle kann verschiedene Komplikationen hervorrufen. Zunächst besteht das Risiko, dass der Krampfaderbruch zu einer gestörten Spermienbildung führt. Dies kann eine Unfruchtbarkeit und Zeugungsunfähigkeit zur Folge haben. Auch ernste Störungen der Hodenfunktion können auftreten, wenn die Varikozelle nicht behandelt wird.

Begleitend dazu kommt es meistens auch zu starken Schmerzen, die für den Betroffenen eine große Belastung darstellen können. Liegt der Varikozelle ein Nierentumor zugrunde, kann dieser weitere Komplikationen hervorrufen. Bleibt die Behandlung aus, kommt es zum Nierenversagen, Metastasenbildung und im weiteren Verlauf zum Tod des Patienten.

Bei einem operativen Eingriff können Organe und Strukturen im Bereich des Eingriffs verletzt werden, zum Beispiel der Samenleiter oder die Harnröhre. Es kann zu Blutungen, Hämatomen und Nervenverletzungen kommen. Auch eine Verletzung eines Hodens ist nicht auszuschließen. In einigen Fällen tritt eine sogenannte Hydrozele auf, eine Wasseransammlung im Hodensack, die mit Schmerzen und Funktionsstörungen verbunden sein kann.

Ist der Patient Allergiker, besteht die Gefahr einer allergischen Reaktion auf die verwendeten Mittel und Materialien. Auch Wechselwirkungen durch die verordneten Medikamente können auftreten und teilweise schwere gesundheitliche Komplikationen nach sich ziehen.

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Wann sollte man zum Arzt gehen?

Der Krampfaderbruch kann aufgrund seiner Charakteristik nur bei geschlechtsreifen Jungs und Männern auftreten. Häufig bleibt der Betroffene lange Zeit beschwerdefrei, deswegen erfolgt eine Diagnosestellung bei einer Routineuntersuchung. Grundsätzlich ist die Durchführung von regelmäßigen gesundheitlichen Kontrolluntersuchungen anzuraten. Dies ermöglicht eine Früherkennung von vorhandenen Erkrankungen und kann zu einer rechtzeitigen Anwendung entsprechender Behandlungsmethoden beitragen. Auffälligkeiten und Besonderheiten des Hodensacks sind mit einem Arzt zu besprechen.

Kommt es zu Beschwerden beim sexuellen Akt oder der Ejakulation, wird eine Abklärung der Ursache benötigt. Bei einem unerfüllten Kinderwunsch ist über medizinische Tests in Erfahrung zu bringen, welche Störung zu diesem Umstand führt. Daher sollte ein Arzt konsultiert werden, wenn trotz aller Bemühungen nach einigen Monaten weiterhin keine Schwangerschaft eintritt. Stellt sich ein unangenehmes Körpergefühl bei einer Druckausübung auf den Hodensack ein, ist die Beobachtung mit einem Arzt zu besprechen.

Ist die Größe der Hoden stark verschieden, kann dies als Warnsignal gedeutet werden. Die Rücksprache mit einem Arzt ist zu empfehlen, damit geklärt werden kann, ob Behandlungsbedarf besteht. Schmerzen im Bereich der Genitalien, Unregelmäßigkeiten der Fortbewegung oder Beeinträchtigungen bei Bewegungsabläufen sollten ebenfalls untersucht werden. Sie führen im Alltag zu Störungen und können in schweren Fällen Komplikationen auslösen, die vermieden werden sollten.

Behandlung & Therapie

Die therapeutischen Maßnahmen hängen bei einer Varikozele vom Ausmaß und Stadium der Erkrankung ab. Mit zunehmenden Beschwerden und pathologischem Spermiogramm (Analyse des Ejakulats) wird heutzutage bevorzugt eine sogenannte Transkathetersklerosierung zur Verödung der Varikozele durchgeführt.

Man differenziert bei dieser Behandlungsmethode zwischen einer retrograden und antegraden Varikozelensklerosierung. Im Rahmen einer retrograden Sklerosierung wird die Leistenvene punktiert, von wo aus über die Nierenvene ein Katheder zum erweiterten Bereich des Venengeflechts geschoben und im Anschluss das Verödungsmittel durch den Katheder injiziert wird. Bei einer antegraden Sklerosierung wird direkt in die erweiterte Vene ein Katheder gelegt, über den das Verödungsmittel gespritzt wird.

Eine antegrade Sklerosierung erfolgt in der Regel unter Lokalnarkose, da der Betroffene nach Möglichkeit während des Eingriffs pressen sollte.Neben diesen nicht-operativen Verfahren werden operative Methoden zur Behandlung einer Varikozele angewandt. Hierbei wird entweder das gesamte Gefäßbündel (Operation nach Palomo) oder lediglich die Vena testicularis (Hodenvene) unterbunden (Operation nach Bernardi). Dies erfolgt in beiden Fällen entweder über einen Schnitt im Unterbauchbereich oder laparoskopisch (Knopflochchirurgie) mit Hilfe mehrerer kleiner Schnitte.

Bei der inguinalen Operationsmethode wird der Schnitt direkt in Leistenhöhe gesetzt und sämtliche Venen des Samenstrangs unterbunden. Alle genannten Behandlungsmethoden einer Varikozele werden als gleich gut hinsichtlich des Therapieerfolgs bewertet.

Vorbeugung

Da Varikozelen auf einen gestörten Blutabfluss der Vena testicularis (Hodenvene) zurückzuführen ist, der in der Regel genetisch bzw. anatomisch bedingt ist, kann diesen nicht direkt vorgebeugt werden.

Nachsorge

Wird die Varikozele operativ behandelt und erfolgt der Eingriff ambulant, kann der Patient danach 24 Stunden lang weder ein Auto noch ein anderes Verkehrsmittel steuern. Auch Maschinen dürfen nicht bedient werden und wichtige Entscheidungen sind besser an einem anderen Tag zu treffen.

Im Anschluss an den chirurgischen Eingriff ist es ratsam für den Patienten, sich wenigstens einen Tag lang Bettruhe zu gönnen. Auch danach wird eine körperliche Schonung von etwa 14 Tagen empfohlen. Auf sportliche Aktivitäten muss in diesem Zeitraum verzichtet werden.

Zur Nachbehandlung der Operation sollte der Hodensack in den ersten 24 Stunden regelmäßig mit Eis gekühlt werden. Durch dieses Vorgehen lassen sich mögliche Blutungen verhindern. Die Klammern oder Fäden, die im Verlauf des chirurgischen Eingriffs angebracht werden, lösen sich in der Regel von selbst wieder auf. Fäden, bei denen dies nicht möglich ist, werden nach circa acht Tagen wieder vom Arzt entfernt. Das Wahrnehmen der Kontrolluntersuchungen ist sehr wichtig.

Nach der Behandlung des Krampfaderbruches gilt es als empfehlenswert, eine elastische Unterhose anzulegen, die als Stütze für den Hodensack dient. Alternativ ist auch das Tragen eines Hodensackhalters möglich. Zwei Tage nach dem operativen Eingriff darf der Patient wieder duschen. Nach der Entfernung der Fäden oder Klammern kann er auch wieder ein Bad nehmen.

Das können Sie selbst tun

Die Varikozele muss ärztlich behandelt werden. Schwach ausgeprägte Krampfadern bedürfen meist keiner Behandlung, allerdings einer Diagnose und Beobachtung. Patienten sollten sorgfältig auf ungewöhnliche Symptome achten und gegebenenfalls den Urologen konsultieren.

Eine größere Varikozele muss operativ entfernt werden. Nach einem solchen Eingriff gelten Schonung und Bettruhe. In den ersten Tagen nach dem Eingriff können Schmerzen auftreten, welche sich durch sanfte Kühlung lindern lassen. In Rücksprache mit dem Arzt ist zudem die Verwendung von Naturheilmitteln erlaubt. Bewährt haben sich ebenfalls kühlende Mittel, zum Beispiel Ringelblumensalbe oder kühle Auflage mit Grüntee oder Schwarztee. Begleitend dazu muss weiterhin auf ungewöhnliche Symptome geachtet werden. Es kann zu Blutungen oder Schmerzreaktionen kommen, welche ärztlich abgeklärt werden müssen.

Sollte es infolge der Varikozele zu einer Unfruchtbarkeit kommen, ist therapeutischer Rat gefragt. Vor allem Männer mit starkem Kinderwunsch oder einer aktiven Familienplanung benötigen die Unterstützung eines Fachmanns, um den Einschnitt zu verarbeiten. Gegebenenfalls ist auch das Gespräch mit anderen Betroffenen sinnvoll. Neben Selbsthilfegruppen bieten sich Foren im Internet an. Auch Fachlektüre und die Suche nach alternativen Möglichkeiten sind wichtige Selbsthilfe-Maßnahmen nach einer schwer verlaufenden Varikozele.

Quellen

  • Finke, F., Piechota, H., Schaefer, R.M., Sökeland, J., Stephan-Odenthal, M., Linden, P.: Die urologische Praxis. Uni-Med, Bremen 2007
  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2011
  • Hautmann, R.: Urologie. Springer, Berlin Heidelberg 2014


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