Wirbelsäulenverkrümmung

Letzte Aktualisierung am 26. Juni 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Mediziner sprechen von einer pathologischen Wirbelsäulenverkrümmung, wenn ihre Krümmung über den normalen Grad hinaus geht. Die Wirbelsäulenverkrümmung tritt als Rundrücken, Hohlrücken oder Skoliose auf. Die Therapie erfolgt mit Physiotherapie, Hilfsmitteln zur Stützung des Rückens oder operativ und weist im Kindesalter sehr gute Heilungschancen auf.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Wirbelsäulenverkrümmung?

Eine Wirbelsäulenverkrümmung liegt vor, wenn die Krümmung der Wirbelsäule nicht der Norm entspricht. Hierzu muss man wissen, dass die gesunde Wirbelsäule zwei Krümmungen aufweist: Lordose und Kyphose.

Kyphose ist die Nachhintenneigung der Wirbelsäule im Brustbereich, Lordose die Vorbeugung der Hals- und Lendenwirbelsäule. Sind Lenden- und/oder Halswirbelsäule übermäßig nach hinten gekrümmt, so weist der Betroffene einen Hohlrücken auf.

Ist die Brustwirbelsäule zu stark nach vorne gebeugt, so kommt es zum Rundrücken. Beide Diagnosen sind eher als Symptome einer falschen Körperhaltung oder von Bewegungsmangel zu sehen denn als eigenständige Krankheiten. An der Wirbelsäule lassen sich in der Regel zunächst keine Veränderungen oder Schäden feststellen.

Eine weitere Form der Wirbelsäulenverkrümmung ist die Skoliose, bei der eine seitliche Verbiegung der Wirbelsäule mit Verdrehung der Wirbelkörper gegen einander vorliegt. Diese Krankheit tritt bei circa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung auf, wobei mehr Mädchen als Jungen betroffen sind.

Ursachen

Als Ursachen der Wirbelsäulenverkrümmung lassen sich häufig Fehlhaltungen und mangelhafte Bewegung und eine damit verbundene unzureichend trainierte Bauch- und Rückenmuskulatur ausmachen.

Eine übermäßige Dehnung der Wirbelsäule nach hinten, wie sie bei einigen Sportarten auftritt, kann eine Wirbelsäulenverkrümmung in Form des Hohlrückens auslösen, wenn die Anlagen dazu vorliegen.

Weitere Ursachen des Rundrückens sind genetische Veranlagung, Knochenerkrankungen, Osteoporose und altersbedingte Bandscheibenabnutzung. Einen Sonderfall der Wirbelsäulenverkrümmung stellt die Skoliose dar, für die keine Ursachen bekannt sind. Die Forschung vermutet eine fehlgesteuerte Rumpfmuskulatur mit versetztem Wachstum der Wirbelkörper als Auslöser des Problems.

In Folge dessen scheint es zur Drehung einzelner Wirbel und dann der Verdrehung und seitlichen Verbiegung der gesamten Wirbelsäule zu kommen. Selten kann man Knochenerkrankungen, einen Beckenschiefstand aufgrund ungleicher Beinlängen, muskuläre oder neurologische Beschwerden als Ursachen der Skoliose ausmachen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Wirbelsäulenverkrümmung bleibt anfangs meist beschwerdefrei. Betroffene empfinden sie nur als optischen Makel, weshalb sich Scham in Schwimmbädern oder an Stränden einstellt. Mit zunehmendem Alter treten aber bei fehlender Behandlung weitere negative Begleiterscheinungen auf. Diese zeigen sich vor allem in Rückenschmerzen.

Auch können weitere Organe von der Fehlbildung betroffen sein. Eine Verkrümmung am Rücken ist regelmäßig mit Muskelverspannungen verbunden. Verschleißerscheinungen, die erst im Alter zu erwarten sind, treten dann viel früher auf. Der Rücken schmerzt regelmäßig, auch ohne dass Belastungen vorliegen. Optisch gesehen sind viele Haltungsschäden möglich.

So befindet sich der Mittelpunkt des Beckens bei manchen Patienten rechts oder links von der Kopfmitte. Auch besteht die Möglichkeit, dass das Becken schiefsteht. Manchmal ragt eine Schulter deutlicher hervor als die andere. Die typische S-Form der Wirbelsäule ist nicht mehr vorhanden. Oft weist der bauchseitige Anteil der Wirbelsäule einen stärkeren Wuchs als üblich auf.

Die Wirbelsäulenverkrümmung kann sich auf den gesamten Bewegungsapparat auswirken. Unter der Fehlstellung leiden dann auch die Füße und Knie. Eine starke Verformung hat in seltenen Fällen Konsequenzen für die inneren Organe. Das Herz, die Nieren und die Lungen weisen dann Funktionsstörungen auf.

Diagnose & Verlauf

Die Wirbelsäulenverkrümmung wird anhand einer körperlichen Untersuchung und Haltungsdiagnostik festgestellt. In der Regel wird zusätzlich eine Röntgenaufnahme angefertigt, um Form und Stärke der Wirbelsäulenverkrümmung zu diagnostizieren. Bei einer Skoliose können mittels einer Röntgenaufnahme auch geeignete Therapiemaßnahmen bestimmt werden.

Leidet der Patient unter einer Skoliose, so sind Veränderungen an der Wirbelsäule sicht- und tastbar. Betrifft die Skoliose die Lendenwirbelsäule, so ist beispielsweise die Ausbildung der Taille auffällig, bei einer Brustwirbelsäulenverkrümmung treten die Rippen einseitig hervor.

Um eine Haltungsschwäche zu diagnostizieren, wird der Matthias-Haltungstest durchgeführt. Der Untersuchte muss sich gerade hinstellen, die Augen schließen und über dreißig Sekunden die Arme gestreckt nach vorne halten. Arbeitet die Muskulatur richtig, dann kann der Patient die eingenommene Haltung über die gesamte Zeitdauer beibehalten. Muskelschwächen zeigen sich entsprechend.

Komplikationen

Eine Wirbelsäulenverkrümmung kann unterschiedliche Komplikationen nach sich ziehen. Ob und welche Folgeerscheinungen auftreten, richtet sich nach den Ursachen der Skoliose, dem Diagnosezeitpunkt sowie dem Lebensalter des Patienten. Komplikationen drohen in erster Linie bei einer langjährigen Verkrümmung der Wirbelsäule.

So kann es durch eine länger anhaltende Fehlstellung zu Abnutzungserscheinungen an der Wirbelsäule oder den Bandscheiben kommen. Diese gehen in den meisten Fällen mit stark ausgeprägten Schmerzen einher. Darüber hinaus besteht die Gefahr eines Bandscheibenvorfalls oder einer zunehmenden Wirbelsäulenversteifung. Des Weiteren können noch weitere Gelenke wie die Hüfte oder die Knie krankheitsbedingt in Mitleidenschaft gezogen werden.

Manche Menschen leiden aufgrund einer Wirbelsäulenverkrümmung und der damit verbundenen Rumpfverkürzung unter Beschwerden in der Brust- oder Bauchregion. So kommt es zum Beispiel mitunter zur Verkleinerung von Brust- und Bauchraum, was sich wiederum negativ auf die Organfunktionen auswirkt. Am häufigsten davon betroffen sind Herz, Lunge, Darm und Niere. Eine hochgradige Skoliose kann bei einer stark ausgeprägten Funktionsbeeinträchtigung der Organe sogar Lebensgefahr wie durch eine Herzinsuffizienz zur Folge haben.

Das Risiko von Komplikationen besteht auch bei operativen Eingriffen zur Behandlung einer Wirbelsäulenverkrümmung. Allerdings gilt die Gefahrenquote eher als gering und beträgt weniger als fünf Prozent. Als mögliche Folgeerscheinungen einer Skoliose-Operation kommen Pseudarthrosen, Metallbrüche samt Korrekturverlust, Verletzungen des Rückenmarks, eine partielle oder komplette Querschnittslähmung sowie Infekte, die das Entfernen des Implantats erfordern, infrage.

Behandlung & Therapie

Die Therapie haltungsbedingter Wirbelsäulenverkrümmungen erfolgt mit Physio- und Bewegungstherapie. Insbesondere Bauch- und Rumpfmuskulatur müssen trainiert werden, da eine starke Rumpfmuskulatur die Wirbelsäule stabilisiert. Der Patient darf jedoch nicht zu viel trainieren, nur ein langsamer Aufbau der Muskulatur verspricht Verbesserung der Beschwerden.

Schwieriger ist die Therapie der Skoliose. Diese basiert auf einer rechtzeitigen Diagnose, im Idealfall während der Pubertät. Denn nur in dieser Zeit kann das Wachstum mit konservativen und operativen Maßnahmen positiv beeinflusst werden. Vor der Therapie wird der Schweregrad der Wirbelsäulenverkrümmung definiert und die Therapie nach diesem ausgerichtet:

Ein Verkrümmungswinkel unter 20 Grad wird beobachtet, während man mit physiotherapeutischen Maßnahmen eine gesunde Haltung zu fördern versucht. Bei einem Winkel zwischen 20 und 40 Grad wird zusätzlich ein Korsett verordnet, das zwei bis drei Jahre lang täglich getragen werden muss. Bei einem Skoliose-Winkel von über 40 Grad werden Wirbelsegmente operativ versteift, um den Krankheitsverlauf aufzuhalten.

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Vorbeugung

Funktionellen Wirbelsäulenverkrümmungen kann man durch gezieltes Training der Rumpfmuskulatur und ausreichende Bewegung vorbeugen. Einer Skoliose lässt sich nicht entgegen wirken.

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Grifka, J., Krämer, J.: Orthopädie, Unfallchirurgie. Springer, Heidelberg 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014

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