Massage
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 3. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Massage ist eine in Ägypten und im chinesischen und indischen Bereich entwickelte Technik von Handgriffen, die positiven Einfluss auf die Muskulatur des Körpers nimmt. Der Ursprung der Massage geht bis ins 3. Jahrtausend v. Chr. zurück. Das deutsche Wort Massage hat seine etymologische Wurzel aus unterschiedlichen Sprachen, u. a. Griechisch „massein“ übersetzt kneten und Französisch „masser“ übersetzt massieren. Eine Massage besteht aus Handgriffen wie z. B. Drücken und Dehnen an gewissen Muskelpartien, die die Durchblutung fördern, um ein Wohlbefinden zu erzeugen. Mittlerweile haben sich im medizinischen Bereich weitere Einsatzbereiche ergeben.
Funktionen, Wirkung & Ziele
Hauptfunktion der Massage ist es, durch mechanische Stimulation die Durchblutung in der angesprochenen Körperpartie zu steigern. Diese gesteigerte Durchblutung bei einer Massage hat vielfältige Wirkungen. Eine im Sport eingesetzte Massage hat das Ziel, durch die höhere Durchblutung Einfluss auf die Entspannung in der Muskulatur zu nehmen.
Sowohl vor als auch nach einer starken Beanspruchung soll mit einer Massage das Verletzungsrisiko gesenkt und die nachfolgende Regeneration gefördert werden. Auch auf Narben und Wundheilungen hat eine Massage einen positiven Einfluss.
Narben verkleben nicht so schnell und bleiben geschmeidiger und bei wundem Gewebe wird durch die bessere Durchblutung eine schnellere Heilung gefördert.
Nach dem Konzept der reflektorischen Massage soll sich die Reizung bestimmter Nervenareale auf innere Organe übertragen und deren Zustand beeinflussen. Doch für eine Massage gibt es nicht nur physische, sondern auch psychische Effekte, die erzielt werden können. Als psychische Wirkungen werden vor allem Stressreduzierung und mentale Entspannung beschrieben.
Formen & Typen
Durch die vielen Einsatz- und Kulturbereiche der Massage haben sich in den Jahrtausenden unendlich viele verschiedene Formen der Massage gebildet. Grob können diese Formen der Massage in zwei Oberkategorien eingeteilt werden. Dies sind die direkte Massage, bei der der betroffene Bereich wie z. B. ein schmerzender Muskel behandelt wird, und die reflektorische Massage, bei der äußere Körperstellen repräsentativ für innere Organe massiert werden.
Die bekanntesten Vertreter der zweiten Variante sind Akupressur und die Massage der Reflexzonen an Fuß und Hand. Die schwedische oder auch klassische Massage, die Thai-Massage, die Ayurveda-Massage und die Lymphdrainage sind die geläufigsten Vertreter der direkten Massage.
Massage in der Therapie & Behandlung
Im medizinischen Bereich werden sowohl die klassische Massage als auch die Lymphdrainage als häufigste Therapieformen eingesetzt. Etwas umstrittener und eher dem alternativmedizinischen Bereich zugeordnet ist die reflektorische Massage. Verspannungen in den Muskeln und Probleme mit Gelenken oder der Wirbelsäule können mit speziellen Massagetechniken gelindert werden.
Die unterschiedlichen Handgriffe der Massage zielen auf unterschiedliche Ebenen des Körpers. Streichungen regen eher die Durchblutung in den oberen Hautschichten an, Kneten die Muskulatur und bei der vibrierenden Technik werden auch tiefere Regionen stimuliert. Die Lymphdrainage wird vor allen Dingen bei Stauungen im Gewebe eingesetzt. Nach operativen Eingriffen können besonders die Extremitäten von Ödemen und Schwellungen betroffen sein. Aber auch Schwellungen, die durch orthopädische Verletzungen hervorgerufen wurden, können mit der Lymphdrainage behandelt werden.
Statt die Durchblutung anzuregen, fördert die Lymphdrainage den Fluss in den Lymphgefäßen und sorgt für Linderung. Die therapeutischen Einsatzgebiete der reflektorischen Massage sind nach ihrem Konzept sehr weit gefasst. Von Schmerztherapie über Schlafstörungen bis zu Funktionsstörungen einzelner Organe soll diese Art der Massage unterstützend wirken; ein Wirksamkeitsnachweis dafür fehlt.
Einsatz & Indikation
Massagen werden in einer Vielzahl von Kontexten durchgeführt, von therapeutischen Behandlungen bis hin zur Entspannung und Stressbewältigung. Die Notwendigkeit oder der Wunsch nach einer Massage kann aus verschiedenen Gründen entstehen:
- Muskelverspannungen und Schmerzlinderung: Einer der häufigsten Gründe für Massagen ist die Linderung von Schmerzen und Verspannungen in Muskeln. Dies kann durch sitzende Lebensweise, repetitive Bewegungen bei der Arbeit oder intensives Training verursacht werden. Massagen helfen, die Muskeln zu entspannen, fördern die Durchblutung und erleichtern die Erholung.
- Stressabbau: Massagen sind bekannt für ihre Fähigkeit, Stress und Angst zu reduzieren. Die beruhigende Wirkung einer Massage kann das Niveau von Stresshormonen im Körper senken und gleichzeitig das Gefühl des Wohlbefindens durch die Freisetzung von Endorphinen fördern.
- Verbesserung der Beweglichkeit: Massagen können die Flexibilität und den Bewegungsumfang verbessern, indem sie steife Gelenke lockern und die Elastizität der Muskeln und des Bindegewebes fördern.
- Unterstützung bei Erkrankungen: In einigen Fällen können Massagen als Teil eines umfassenden Behandlungsplans für bestimmte Erkrankungen eingesetzt werden, wie z.B. Fibromyalgie, chronische Müdigkeit, Depressionen und bestimmte Arten von Rückenschmerzen.
- Förderung der allgemeinen Gesundheit: Regelmäßige Massagen sollen die Schlafqualität verbessern und die allgemeine Lebensqualität erhöhen.
Die Entscheidung für eine Massage sollte auf individuellen Bedürfnissen und Zuständen basieren. In manchen Fällen, insbesondere bei bestimmten Gesundheitszuständen, ist es ratsam, vorher ärztlichen Rat einzuholen, um sicherzustellen, dass eine Massage die geeignete Behandlungsform ist. Bei akuten Entzündungen, Thrombosen, offenen Wunden, Hautinfektionen oder Fieber wird auf eine Massage verzichtet.
Vorteile & Nutzen
Eine Massage bietet eine Vielzahl von Vorteilen, die sie von anderen Behandlungs- und Untersuchungsmethoden abhebt. Zunächst einmal ist die Massage eine effektive Methode zur Linderung von Schmerzen und Verspannungen. Durch gezielte Techniken können Muskeln entspannt, Verhärtungen gelöst und die Durchblutung gefördert werden. Dies trägt nicht nur zur Schmerzlinderung bei, sondern unterstützt auch die schnelle Regeneration des Gewebes.
Ein weiterer Vorteil ist die ganzheitliche Wirkung auf den Körper und den Geist. Massagen reduzieren Stress und fördern die Ausschüttung von Endorphinen, den natürlichen Wohlfühlhormonen des Körpers. Dies führt zu einer verbesserten psychischen Verfassung und kann sogar bei der Behandlung von Depressionen und Angstzuständen unterstützend wirken.
Im Gegensatz zu medikamentösen Behandlungen, die oft mit Nebenwirkungen verbunden sind, bietet die Massage eine natürliche Alternative ohne chemische Eingriffe in den Körper. Sie ist somit eine schonende Methode zur Förderung des Wohlbefindens; eine stärkende Wirkung auf das Immunsystem wird ihr zugeschrieben.
Außerdem ist die Massage extrem anpassungsfähig und kann auf die individuellen Bedürfnisse und Beschwerden des Einzelnen zugeschnitten werden. Ob zur Entspannung, zur Behandlung spezifischer Leiden oder als präventive Maßnahme – die Vielseitigkeit der Massage macht sie zu einer wertvollen Ergänzung im Gesundheits- und Wellnessbereich.
Durchführung & Ablauf
Eine Massage beginnt in der Regel mit einem kurzen Vorgespräch, in dem der Therapeut über bestehende Beschwerden, Gesundheitszustand und individuelle Bedürfnisse des Klienten informiert wird. Dieses Gespräch dient dazu, die Massage optimal auf den Klienten abzustimmen und etwaige Kontraindikationen auszuschließen.
Nach dem Vorgespräch bereitet sich der Klient auf die Massage vor, indem er sich bis auf die Unterwäsche entkleidet und auf der Massageliege Platz nimmt. Der Bereich des Körpers, der nicht massiert wird, wird üblicherweise mit Tüchern abgedeckt, um die Privatsphäre zu wahren und den Klienten warm zu halten.
Der Therapeut beginnt die Massage mit sanften Berührungen und Streichbewegungen, um die Muskeln zu erwärmen und den Klienten zu entspannen. Anschließend folgen spezifischere Techniken wie Kneten, Reiben und Klopfen, die gezielt auf Verspannungen und Verhärtungen im Muskelgewebe abzielen. Der Druck und die Intensität der Massagebewegungen werden individuell angepasst, um den größtmöglichen Nutzen zu erzielen und gleichzeitig ein angenehmes Erlebnis zu gewährleisten.
Während der gesamten Massage ist es wichtig, dass der Klient Feedback gibt, insbesondere bezüglich des Drucks und eventueller Unbehaglichkeiten. Nach der Behandlung ist es ratsam, ausreichend zu trinken. Die verbreitete Vorstellung, eine Massage schwemme Giftstoffe aus dem Körper, ist wissenschaftlich nicht belegt.
Abschließend kann der Therapeut Empfehlungen für Übungen oder weitere Sitzungen geben, um den positiven Effekt der Massage zu verstärken und langfristig zur Gesundheit und zum Wohlbefinden des Klienten beizutragen.
Alternativen
Es gibt mehrere alternative Verfahren zur Massage, die in Betracht gezogen werden können, insbesondere wenn eine herkömmliche Massage nicht möglich ist oder nicht die gewünschten Ergebnisse liefert. Hier sind einige dieser Alternativen:
- Akupunktur und Akupressur: Diese traditionellen chinesischen Techniken zielen darauf ab, den Energiefluss im Körper zu regulieren und Beschwerden zu lindern, indem spezifische Punkte stimuliert werden. Akupunktur verwendet feine Nadeln, während Akupressur durch Druck auf diese Punkte erfolgt.
- Reflexzonenmassage: Diese Technik konzentriert sich auf bestimmte Reflexzonen an den Händen, Füßen oder Ohren, die mit verschiedenen Organen und Körperteilen verbunden sind. Durch die Stimulation dieser Zonen können verschiedene Beschwerden gelindert werden.
- Faszientherapie: Faszien sind das Bindegewebe, das Muskeln und Organe umgibt. Diese Therapie zielt darauf ab, Spannungen und Verklebungen in den Faszien zu lösen, um Beweglichkeit und Komfort wiederherzustellen.
- Triggerpunkttherapie: Diese Methode konzentriert sich auf die Behandlung von Schmerzpunkten im Muskelgewebe, die als Triggerpunkte bekannt sind. Durch Druck und Dehnung werden diese Punkte gelockert, um Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu verbessern.
- Lymphdrainage: Diese sanfte Technik zielt darauf ab, den Abfluss von Lymphflüssigkeit zu fördern, um Schwellungen zu reduzieren und das Immunsystem zu unterstützen. Sie kann bei verschiedenen Erkrankungen wie Lymphödem oder nach Operationen eingesetzt werden.
- Kinesiologie-Taping: Durch das Anbringen von elastischen Bändern auf die Haut werden bestimmte Muskelgruppen unterstützt und die Durchblutung gefördert. Dies kann Schmerzen reduzieren und die Beweglichkeit verbessern.
- Aromatherapie: Die Verwendung von ätherischen Ölen zur Entspannung und zur Linderung von Beschwerden kann eine alternative oder ergänzende Therapie sein. Die Öle können durch Inhalation oder auf die Haut aufgetragen werden.
Bei der Auswahl einer alternativen Therapie ist es wichtig, die individuellen Bedürfnisse und Einschränkungen des Patienten zu berücksichtigen sowie mit einem qualifizierten Fachmann zusammenzuarbeiten, um die geeignetste Option zu finden.
Geschichte & Entwicklung
Aus der volkstümlichen Anwendung wurde in Europa erst im 19. Jahrhundert ein geordnetes Verfahren. Als Wegbereiter gilt der schwedische Gymnastiklehrer Pehr Henrik Ling, der 1813 in Stockholm ein Zentralinstitut für Heilgymnastik und Massage gründete und die Handgriffe systematisch mit Bewegungsübungen verband. Auf diese Tradition geht die Bezeichnung „schwedische Massage“ für die klassische Massage zurück. Wenig später trug der niederländische Arzt Johann Georg Mezger (1838–1909) dazu bei, dass Massagetechniken Eingang in die wissenschaftliche Medizin fanden.
Im 20. Jahrhundert entstanden daneben Verfahren, die nicht den behandelten Bereich selbst, sondern eine reflektorische Verbindung ansprechen sollen. Dazu zählt die Bindegewebsmassage, die auf Elisabeth Dicke und Wolfgang Kohlrausch zurückgeht und mit Zugreizen an der Unterhaut arbeitet. Parallel wurde die Massage in Krankenhäusern, Kurbetrieben und in der Rehabilitation fester Bestandteil der physikalischen Therapie und ist heute mit den zugehörigen Berufsbildern gesetzlich geregelt.
Die klassischen Handgriffe
Die klassische Massage kennt eine überschaubare Zahl von Grundgriffen, die in wechselnder Reihenfolge kombiniert werden. Die Streichung (Effleurage) eröffnet und beendet meist die Behandlung; sie verteilt das Massagemittel, erwärmt und gewöhnt den Körper an die Berührung. Die Knetung (Petrissage) hebt und walkt die Muskulatur und zielt auf tiefere Schichten. Die Reibung (Friktion) arbeitet mit kleinen, kreisenden Bewegungen an umschriebenen Stellen, etwa an verhärteten Punkten und an Sehnenansätzen. Die Klopfung (Tapotement) besteht aus raschen, lockeren Schlägen mit Handkante, Hohlhand oder Fingerspitzen. Die Erschütterung (Vibration) überträgt feine Schwingungen auf das Gewebe.
Welche Griffe gewählt werden, hängt von Ziel und Körperregion ab: Anregende Griffe wie Klopfungen werden anders eingesetzt als beruhigende Streichungen. Über dem Bauch, über Knochenvorsprüngen und an der Halswirbelsäule wird zurückhaltend gearbeitet.
Ausbildung, Verordnung und Kostenübernahme
Als Heilmittel wird die Massage ärztlich verordnet und von Physiotherapeuten oder von Masseuren und medizinischen Bademeistern erbracht. Letzteres ist ein eigener Ausbildungsberuf: Die Ausbildung findet an staatlich anerkannten Berufsfachschulen statt, ist bundesweit durch eine Ausbildungs- und Prüfungsverordnung geregelt und schließt mit einer staatlichen Prüfung ab. Vermittelt werden neben den Massageformen auch Wärme- und Kälteanwendungen, Elektrotherapie, Bäder und Grundlagen der Bewegungstherapie; die Manuelle Lymphdrainage darf dagegen erst nach einer gesonderten Zusatzqualifikation erbracht und abgerechnet werden.
Auf einer Heilmittelverordnung stehen unterschiedliche Massagearten: die klassische Massagetherapie, die Bindegewebs- und Segmentmassage sowie die Unterwasserdruckstrahlmassage, bei der ein Wasserstrahl im Bewegungsbad eingesetzt wird. Verordnet wird sie in der Regel wegen eines konkreten Befundes und häufig in Verbindung mit aktiver Krankengymnastik, weil die Massage selbst passiv bleibt und die Muskulatur nicht kräftigt. Gesetzlich Versicherte leisten für verordnete Heilmittel eine Zuzahlung.
Davon zu trennen sind Massagen im Wellness- und Kosmetikbereich. Sie werden ohne ärztliche Verordnung und ohne Befunderhebung als Wohlfühlanwendung angeboten und selbst bezahlt. Die Berufsbezeichnung des Masseurs und medizinischen Bademeisters ist an die staatliche Prüfung gebunden, während Bezeichnungen wie „Wellnessmasseur“ auf sehr unterschiedlich umfangreichen Kursen beruhen können. Wer wegen anhaltender Schmerzen eine Massage sucht, sollte deren Ursache zuvor ärztlich abklären lassen.
Besondere Gruppen
Nicht für jeden gelten dieselben Bedingungen. In der Schwangerschaft wird die Lagerung angepasst, weil die Bauchlage entfällt und die flache Rückenlage im weiteren Verlauf unangenehm werden kann; Seitenlage mit Kissenunterstützung ist üblich. Bei älteren Menschen mit dünner Haut sowie bei Einnahme von Blutverdünnern wird mit deutlich geringerem Druck gearbeitet, da Blutergüsse leichter entstehen. Nach Operationen bleiben frische Narben ausgespart, bis die Wundheilung abgeschlossen ist.
Bei Menschen mit einer Tumorerkrankung ist eine Massage nicht grundsätzlich ausgeschlossen, wird aber mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abgestimmt; Regionen mit Tumorbefall, bestrahlte Hautbezirke und Bereiche mit bekannten Knochenabsiedlungen werden nicht behandelt. Bei Säuglingen und Kleinkindern beschränkt sich die Anwendung auf sanfte, streichende Berührung.
Quellen
- Kolster, B. C.: Massage.
ISBN: 9783662715291
- Storck, U., Junker, H. O., Rostalski, W.: Technik der Massage.
ISBN: 9783131396006
- Gutenbrunner, C., Glaesener, J.-J.: Rehabilitation, physikalische Medizin und Naturheilverfahren.
ISBN: 9783540334118
- Bringezu, G., Schreiner, O. (Hrsg.): Lehrbuch der Entstauungstherapie.
ISBN: 9783662605752
- Földi, M., Földi, E., Kubik, S. (Hrsg.): Lehrbuch Lymphologie.
ISBN: 9783437593321
