Physiotherapie

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 4. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Physiotherapie ist eine Behandlungsform, die vor allem Personen zuteil wird, die von Einschränkungen des Bewegungsapparates betroffen sind. Innerhalb Deutschlands wurde die Physiotherapie bis in das Jahr 1994 noch offiziell als Krankengymnastik bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Physiotherapie?

Physiotherapie
Bei der Physiotherapie soll die Bewegungs- und Funktionsfähigkeit des menschlichen Körpers wiederhergestellt, verbessert oder erhalten werden. Dazu unterstützt ein qualifizierter Physiotherapeut den Patienten. Klicken, um zu vergrößern.

Eine Physiotherapie wird in der Regel durchgeführt von speziell ausgebildetem Fachpersonal, den sogenannten Physiotherapeuten. Die Physiotherapie fällt als Beruf in die Gruppe der Gesundheitsfachberufe.

Über die Notwendigkeit einer Physiotherapie bei einem Patienten entscheidet in der Regel ein behandelnder Arzt. Durch den Arzt wird dann ein entsprechendes Rezept ausgestellt. Fachlich handelt es sich dabei nicht um ein Arzneimittelrezept, sondern um eine Heilmittelverordnung.

Unabhängig von einer bescheinigten medizinischen Indikation kann Physiotherapie aber auch privat in Anspruch genommen werden. Der Therapieplan einer individuellen Physiotherapie richtet sich in der Regel nach den Beschwerden, die vom Patienten geäußert werden und nach den Beobachtungen, die ein Physiotherapeut im Laufe der Behandlung macht.

Die Physiotherapie ist ein Heilmittelberuf und damit kein ärztliches Fachgebiet. Darin unterscheidet sie sich von der Physikalischen und Rehabilitativen Medizin, die eine ärztliche Facharztrichtung ist. Die Arbeitsteilung zwischen beiden ist klar geordnet: Der Arzt stellt die Diagnose, entscheidet über die Indikation und verordnet; der Physiotherapeut führt die Behandlung aus, wählt innerhalb der Verordnung die Techniken, dosiert die Belastung und passt sie dem Verlauf an. Ähnlich verhält es sich zu den beiden anderen großen Heilmittelbereichen, der Ergotherapie und der Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie.

Wer die Berufsbezeichnung „Physiotherapeutin“ oder „Physiotherapeut“ führen will, benötigt dafür eine staatliche Erlaubnis; das schreibt § 1 Absatz 1 Nummer 2 des Masseur- und Physiotherapeutengesetzes (MPhG) vor. Die Ausbildung dauert nach § 9 MPhG drei Jahre und besteht aus theoretischem und praktischem Unterricht sowie einer praktischen Ausbildung. Daneben bieten Hochschulen Studiengänge an, die entweder zu dieser Erlaubnis hinführen oder auf ihr aufbauen; die staatliche Erlaubnis ersetzen sie nicht. Innerhalb des Berufs gibt es zahlreiche Fortbildungen, von denen einige — etwa die Manuelle Therapie oder die manuelle Lymphdrainage — Voraussetzung dafür sind, die betreffende Leistung überhaupt abrechnen zu dürfen.

Für gesetzlich Versicherte ist die Physiotherapie ein Heilmittel im Sinne des § 32 SGB V. Versicherte haben danach Anspruch auf die Versorgung mit Heilmitteln, soweit diese nicht ausgeschlossen sind; erwachsene Versicherte leisten dazu eine gesetzliche Zuzahlung, und für Menschen mit langfristigem Behandlungsbedarf sieht das Gesetz eine gesonderte Regelung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss vor. Eine neuere Form der Verordnung beschreibt § 125a SGB V: Der Vertragsarzt stellt Diagnose und Indikation fest, der Heilmittelerbringer bestimmt anschließend selbst über Auswahl, Dauer und Frequenz der Behandlung — allerdings nur innerhalb dessen, was die Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses für die jeweilige Diagnose vorsieht.

Einsatz & Indikation

Physiotherapie wird durchgeführt, um eine Vielzahl von Beschwerden und Zuständen zu behandeln, die die Beweglichkeit und Funktionalität des Körpers betreffen. Sie wird notwendig, wenn Personen Verletzungen, Erkrankungen oder Störungen erleiden, die ihre körperliche Bewegung und Lebensqualität beeinträchtigen.

Ein Hauptgrund für die Notwendigkeit einer Physiotherapie sind muskuloskelettale Verletzungen wie Knochenbrüche, Sehnenentzündungen oder Rückenprobleme. Diese können durch Unfälle, Überbeanspruchung oder im Rahmen sportlicher Aktivitäten auftreten. Physiotherapie hilft dabei, Schmerzen zu reduzieren, die Heilung zu fördern und die normale Funktion wiederherzustellen.

Chronische Erkrankungen wie Arthritis, multiple Sklerose oder Parkinson-Krankheit können ebenfalls eine physiotherapeutische Behandlung erfordern. In diesen Fällen zielt die Therapie darauf ab, die Beweglichkeit zu erhalten oder zu verbessern, Muskelkraft zu fördern und weiterem körperlichen Abbau entgegenzuwirken.

Darüber hinaus ist Physiotherapie ein zentraler Bestandteil der Rehabilitation nach größeren chirurgischen Eingriffen, wie z.B. Gelenkersatz oder Herzoperationen. Durch gezielte Übungen und Techniken unterstützt die Physiotherapie den Erholungsprozess, verbessert die Funktion und hilft den Patienten, schneller zu ihrer normalen Aktivität zurückzukehren.

In allen diesen Fällen arbeitet der Physiotherapeut eng mit dem Patienten zusammen, um individuell angepasste Therapiepläne zu entwickeln, die auf die spezifischen Bedürfnisse und Ziele des Patienten zugeschnitten sind.

Nicht jede Beschwerde des Bewegungsapparates ist ein Fall für die Physiotherapie, und nicht jeder Zeitpunkt ist der richtige. Bei einer frisch versorgten, noch nicht belastungsfähigen Fraktur, bei einer akuten Entzündung im Behandlungsgebiet, bei einer frischen Thrombose oder bei erstmalig auftretenden, unklaren Beschwerden mit Warnzeichen wird die Behandlung verschoben oder zunächst ärztlich abgeklärt. Solche Grenzen sprechen nicht gegen das Verfahren; sie gehören zur Indikationsstellung dazu.

Auch der Ort der Behandlung richtet sich nach dem Anlass. Neben der ambulanten Praxis findet Physiotherapie auf der Station und auf der Intensivstation eines Krankenhauses statt, in Einrichtungen der Rehabilitation, in Pflegeheimen und — wenn ein Patient die Praxis nicht erreichen kann — als Hausbesuch. In den Frühphasen nach schweren Erkrankungen beginnt die Behandlung häufig unmittelbar am Bett und besteht zunächst nur aus Lagerung, vorsichtigem Durchbewegen der Gelenke und ersten Versuchen, sich aufzusetzen. Erst danach folgen Stehen, Gehen und schließlich das Üben ganzer Alltagsabläufe wie Treppensteigen oder Ankleiden.

Vorteile & Nutzen

Physiotherapie bietet gegenüber anderen Behandlungsmethoden mehrere einzigartige Vorteile, die sie zu einer bevorzugten Wahl in vielen klinischen Situationen machen. Einer der Hauptvorteile ist die Fähigkeit der Physiotherapie, eine nicht-invasive und medikamentenfreie Behandlungsoption zu bieten. Dies minimiert das Risiko von Nebenwirkungen, die häufig mit Schmerzmitteln und chirurgischen Eingriffen verbunden sind.

Ein weiterer Vorteil der Physiotherapie ist ihre ganzheitliche Herangehensweise. Sie berücksichtigt den gesamten Körper und nicht nur die spezifischen Symptome oder Erkrankungen. Physiotherapeuten arbeiten daran, die Ursache der Beschwerden zu identifizieren und zu behandeln, was zu langfristigeren Lösungen führt, statt nur kurzfristige Linderung zu verschaffen. Dies fördert die Selbstständigkeit des Patienten und dessen aktive Beteiligung an der eigenen Genesung, was das allgemeine Wohlbefinden verbessert.

Zudem fördert die Physiotherapie die Bewegung und körperliche Aktivität, was grundlegend für die Prävention und Behandlung vieler chronischer Erkrankungen ist. Sie stärkt die Muskulatur, verbessert die Koordination und erhöht die Flexibilität, was insgesamt zu einer besseren Lebensqualität beiträgt.

Durch die individuelle Anpassung der Therapie an die Bedürfnisse jedes Patienten ermöglicht die Physiotherapie zielgerichtete Behandlungen, die auf die speziellen Bedingungen und Ziele des Einzelnen abgestimmt sind. Dadurch wird eine effektivere und patientenzentrierte Versorgung ermöglicht.

Diesen Vorzügen steht gegenüber, dass die Physiotherapie Zeit und Mitarbeit verlangt. Ein Nutzen stellt sich in der Regel nicht nach einer einzelnen Sitzung ein, sondern über eine Behandlungsserie hinweg, und er hängt spürbar davon ab, ob der Patient das Gelernte zwischen den Terminen weiterübt. Eine rein passive Behandlung, bei der am Patienten gearbeitet wird, ohne dass dieser selbst etwas tut, bleibt in ihrer Wirkung meist hinter einer aktiven Therapie zurück. Aus diesem Grund arbeiten Physiotherapeuten von Anfang an mit Eigenübungsprogrammen und erklären, warum eine Übung gerade so und nicht anders ausgeführt werden soll. Besteht die Ursache der Beschwerden fort — etwa eine dauerhafte Fehlbelastung am Arbeitsplatz —, lassen sich die Beschwerden ohne eine Veränderung dieser Ursache oft lindern, aber nicht dauerhaft beseitigen.

Durchführung & Ablauf

Der Ablauf einer Physiotherapie beginnt typischerweise mit einer ausführlichen Anamnese und Untersuchung durch den Physiotherapeuten, um die spezifischen Bedürfnisse und Beschwerden des Patienten zu verstehen. Diese erste Evaluation umfasst oft eine Diskussion über die medizinische Vorgeschichte, aktuelle Symptome, Lebensgewohnheiten und das allgemeine Aktivitätsniveau des Patienten.

Nach der Erstbewertung entwickelt der Physiotherapeut einen individuellen Behandlungsplan, der auf die spezifischen Bedürfnisse des Patienten abgestimmt ist. Dieser Plan kann eine Kombination aus manuellen Techniken, wie Massage und Gelenkmobilisation, Übungen zur Steigerung der Beweglichkeit und Stärke sowie spezielle therapeutische Methoden wie Ultraschalltherapie oder Elektrostimulation umfassen.

Die Behandlung findet in einer dafür eingerichteten Praxis statt, wo oft spezielle Therapieliegen verwendet werden, um bestimmte Behandlungen effizient und sicher durchzuführen. Diese Liegen sind so konzipiert, dass sie während der Therapie optimalen Komfort und Unterstützung bieten und gleichzeitig den Physiotherapeuten erlauben, effektive Behandlungen durchzuführen.

Übungen und Techniken werden während der Sitzungen unter Anleitung des Therapeuten durchgeführt, der kontinuierlich Feedback gibt und die Technik des Patienten überwacht, um sicherzustellen, dass die Übungen korrekt und wirksam sind. Abschließend gibt der Physiotherapeut oft auch Hausaufgaben und Tipps mit auf den Weg, um die Therapieerfolge zu maximieren und die Selbstständigkeit des Patienten zu fördern.

Eine Verordnung umfasst in aller Regel mehrere Termine, die sich über einige Wochen verteilen. Zu Beginn, zwischendurch und am Ende wird der Befund erhoben und mit dem Ausgangsbefund verglichen: Beweglichkeit, Kraft, Gangbild, die Schmerzangaben des Patienten und vor allem das, was er im Alltag wieder kann. Diese Verlaufskontrolle entscheidet darüber, ob der Behandlungsplan fortgeführt, verändert oder beendet wird, und sie ist zugleich die Grundlage der Rückmeldung an den verordnenden Arzt. Befund, Maßnahmen und Verlauf werden dabei schriftlich dokumentiert. Je nach Verordnung findet die Behandlung als Einzeltherapie statt oder in einer kleinen Gruppe, etwa beim gerätegestützten Training oder bei der Bewegungstherapie im Wasser.

Funktion, Wirkung & Ziele

In der Behandlung von Patienten deckt die Physiotherapie verschiedene Facetten ab. So wird im Rahmen der Physiotherapie nicht nur die Behandlung körperlicher Beschwerden berücksichtigt, sondern auch das Steigern der Eigenmotivation eines Patienten und das Vermitteln von Wissen, das dem Patienten bei seiner individuellen Beschwerdelage hilfreich sein kann.

Angewandt werden kann die Physiotherapie sowohl bei akuten Beschwerdelagen als auch in der Prävention oder im Rahmen von Rehabilitationsmaßnahmen. Auch die Spanne der medizinischen Bereiche, in denen die Physiotherapie zum Einsatz kommt, ist groß. Meist wird die Physiotherapie dabei von Patienten aus dem Bereich der Orthopädie in Anspruch genommen. Diese Patienten weisen in den häufigsten Fällen Rückenbeschwerden auf.

Hier geben Physiotherapeuten den Patienten unter anderem hilfreiche Übungen und Bewegungsmuster an die Hand und trainieren diese gemeinsam. Außerdem wird die Physiotherapie im orthopädischen Bereich beispielsweise eingesetzt zur Mobilisation nach Knochenbrüchen, nach dem Einsatz künstlicher Gelenke, nach Gelenkerkrankungen oder auch nach Amputationen.

Einer Aufrechterhaltung der körperlichen Mobilität dient die Physiotherapie im orthopädischen Bereich unter anderem bei Erkrankungen wie der Arthrose (Gelenkverschleiß) oder entzündlichen Gelenkerkrankungen wie Rheuma. Anwendung findet die Physiotherapie außerdem im Bereich der Neurologie. Hier ziehen unter anderem Patienten Nutzen, die von Erkrankungen wie Parkinson oder Multiple Sklerose betroffen sind.

Ziele einer entsprechenden Physiotherapie liegen je nach individuellem Beschwerdebild in einem Aufrechterhalten verschiedener Alltagsfähigkeiten wie beispielsweise dem Greifen, Stehen oder Gehen. Gezielte Physiotherapie kann beispielsweise nach einem erlittenen Schlaganfall zu einer graduellen Wiederherstellung von motorischen Fähigkeiten beitragen, die durch den Schlaganfall beeinträchtigt wurden.

Des Weiteren wird die Physiotherapie eingesetzt zur Behandlung von Kindern, die unter Entwicklungsstörungen leiden oder zur Linderung der Symptome bei Atemwegserkrankungen. Hier werden beispielsweise Atemtechniken erlernt. Und schließlich findet die Physiotherapie auch Anwendung bei bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Magen-Darm-Erkrankungen und im weiten Bereich der Psychiatrie. In letzterem Fall kann die Physiotherapie etwa zu einem aktiveren Alltag beitragen.

Hinter dem Sammelbegriff Physiotherapie stehen mehrere voneinander abgrenzbare Behandlungsformen, die einzeln oder miteinander kombiniert verordnet werden. Die allgemeine Krankengymnastik arbeitet vor allem mit aktiven Übungen und mit angeleiteter Bewegung. Die Manuelle Therapie behandelt gezielt einzelne Gelenke und die sie umgebenden Strukturen mit überwiegend passiven Techniken. Die manuelle Lymphdrainage mit anschließender Kompression richtet sich an Patienten mit einem Lymphödem, wie es etwa nach der Entfernung von Lymphknoten auftreten kann. Elektrotherapie sowie Anwendungen von Wärme und Kälte werden meist ergänzend eingesetzt, um eine aktive Behandlung überhaupt erst zu ermöglichen.

Weitere eigenständige Bereiche sind die Atemphysiotherapie bei Erkrankungen wie COPD oder Mukoviszidose, bei der das Abhusten von Sekret und eine ökonomische Atemtechnik geübt werden, das Beckenbodentraining bei Belastungsinkontinenz und nach Geburten, die Bewegungstherapie im warmen Wasser, bei der der Auftrieb die Gelenke entlastet, sowie das Gleichgewichts- und Gangtraining bei erhöhter Sturzgefahr im Alter. In der neurologischen Rehabilitation kommen darüber hinaus Konzepte zum Einsatz, die Bewegung nicht isoliert üben, sondern in ganze Alltagshandlungen einbetten und dabei die betroffene Körperseite bewusst einbeziehen.


Nebenwirkungen & Gefahren

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Ein gezielter Muskelaufbau ist besonders nach längerer Bewegungseinschränkung von immenser Bedeutung für den gesamten Halteapparat.

Damit von einer Physiotherapie möglichst keine Gefahren oder Nebenwirkungen ausgehen, ist es wichtig, den Behandlungsplan durch einen kompetenten Physiotherapeuten erstellen zu lassen. Wichtig ist dabei unter anderem, dass die Belastungen, die durch Maßnahmen der Physiotherapie auf den Körper eines Patienten ausgeübt werden, auch den entsprechenden Kapazitäten des Patienten entsprechen.

Ist dies nicht der Fall, so kann es nach physiotherapeutischen Maßnahmen beispielsweise zu Muskelkater kommen. Werden entsprechende Vorsichtsmaßnahmen in der Physiotherapie nicht eingehalten, so kann es bei einer Person mit instabiler Körperhaltung außerdem während des Durchführens gymnastischer Übungen zu Sturzverletzungen kommen.

Auch Blutergüsse können eine Folge von nicht sachgemäß durchgeführten Maßnahmen in der Physiotherapie sein. Zu Schädigungen kann es des Weiteren etwa kommen, wenn ein Patient nach einer Knochenverletzung wenig Eigenverantwortlichkeit zeigt und den verletzten Körperbereich stärker belastet als ihm während einer Physiotherapie vermittelt wurde. Dies kann unter anderem zu einer Verschlimmerung der Knochenschädigung führen.

Nebenwirkungen können sich außerdem ergeben, wenn im Rahmen einer Physiotherapie beispielsweise Massagetechniken angewandt werden. Ist der Körper nicht ausreichend auf die Massage vorbereitet oder erfolgt ein Massagegriff in nicht sachgemäßer Weise, können schmerzhafte Verspannungen die Folge sein.

Setzt eine Behandlung neue Reize, kann es danach vorübergehend zu einer Zunahme der Beschwerden kommen. Ob eine solche Reaktion noch im erwarteten Rahmen liegt oder auf eine Überlastung hinweist, lässt sich meist am zeitlichen Verlauf ablesen: Klingt sie binnen kurzer Zeit wieder ab, wird die Behandlung fortgesetzt; hält sie an oder verstärkt sie sich, wird der Plan angepasst. Treten während der Therapie neue Beschwerden auf — etwa ausstrahlende Schmerzen, Taubheitsgefühle, Kraftverlust oder Schwindel —, gehören sie in die ärztliche Abklärung und nicht in die nächste Übungsserie. Besondere Zurückhaltung gilt bei ruckartigen Manipulationstechniken an der Halswirbelsäule; sie werden nur von entsprechend qualifizierten Behandlern und erst nach sorgfältiger Prüfung möglicher Gegenanzeigen eingesetzt. Wichtig ist außerdem, dass der Patient während der Behandlung zurückmeldet, was er spürt: Nur so lässt sich die Belastung überhaupt steuern.

Alternativen

Wenn Physiotherapie nicht möglich oder nicht ausreichend ist, können alternative Verfahren in Betracht gezogen werden, die ebenfalls darauf abzielen, die körperliche Funktion und das Wohlbefinden zu verbessern. Zu diesen Alternativen zählen:

Ergotherapie: Diese konzentriert sich mehr auf die Verbesserung der täglichen Aktivitäten und Lebensqualität des Patienten durch spezielle Übungen und den Einsatz von Hilfsmitteln. Ergotherapie ist besonders nützlich für Personen mit dauerhaften Beeinträchtigungen, die ihre Selbstständigkeit und Fähigkeit, alltägliche Aufgaben zu erledigen, verbessern möchten.

Osteopathie: Osteopathie verwendet manuelle Behandlungstechniken, um das muskuloskelettale System zu verbessern, jedoch mit einem ganzheitlicheren Ansatz, der auch die Körperstrukturen und -funktionen einbezieht. Dies kann eine Option für Patienten sein, die manuelle Therapie benötigen, aber auf traditionelle Physiotherapie empfindlich reagieren.

Chiropraktik: Diese Methode fokussiert sich auf die Diagnose, Behandlung und Prävention von mechanischen Störungen des Bewegungsapparates, insbesondere der Wirbelsäule. Chiropraktiker verwenden spezielle Techniken zur Manipulation der Wirbelsäule, um Schmerzen zu lindern und die Funktion zu verbessern.

Akupunktur: Diese traditionelle chinesische Medizinmethode kann zur Schmerzlinderung und Behandlung einer Vielzahl von Beschwerden eingesetzt werden. Durch das Einführen feiner Nadeln an spezifischen Punkten am Körper wird angestrebt, den Fluss der Lebensenergie (Qi) zu verbessern und das natürliche Gleichgewicht wiederherzustellen.

Aquatherapie: Auch bekannt als Hydrotherapie, nutzt die heilenden Eigenschaften des Wassers, um Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu fördern. Diese Methode ist besonders vorteilhaft für Patienten, die aufgrund von Schmerzen oder Übergewicht belastende Übungen vermeiden müssen.

Medizinische Rehabilitation: Reicht die Behandlung einzelner Beschwerden nicht aus, kann eine über mehrere Wochen laufende Rehabilitation der geeignetere Weg sein. Dort greifen Physiotherapie, Ergotherapie, Trainingstherapie, psychologische Betreuung und Sozialberatung ineinander. Das Ziel ist weniger die einzelne Funktion als die Rückkehr in Alltag und Beruf.

Schmerztherapie: Bei lange bestehenden Schmerzen, die sich über Bewegung allein nicht mehr beeinflussen lassen, kann eine spezialisierte Schmerzbehandlung nötig werden. Sie verbindet medikamentöse, psychotherapeutische und bewegungsbezogene Bausteine und schließt die Physiotherapie nicht aus, sondern ordnet sie in ein größeres Behandlungskonzept ein.

Diese alternativen Ansätze bieten unterschiedliche Perspektiven und Methoden zur Behandlung und können eine wertvolle Ergänzung oder Alternative zur herkömmlichen Physiotherapie darstellen, insbesondere wenn diese nicht angewendet werden kann oder der Patient spezielle Bedürfnisse hat.

Quellen

  • Diemer, F., Lowak, H., Sutor, V., Baierle, T.: Leitfaden Physiotherapie in der Orthopädie und Traumatologie.
    ISBN: 9783437452130
  • Pott, C., Thieme, H. (Hrsg.): Physiotherapie in der Neurologie.
    ISBN: 9783132444447
  • Streeck, U., Focke, J., Melzer, C., et al.: Manuelle Therapie und komplexe Rehabilitation.
    ISBN: 9783662488027
  • Reichert, B. (Hrsg.): Physikalische Therapie.
    ISBN: 9783132461673
  • Crevenna, R. (Hrsg.): Kompendium Physikalische Medizin und Rehabilitation.
    ISBN: 9783662490341

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