Zahnfraktur
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
Sie sind hier: Startseite Krankheiten Zahnfraktur
Von einer Zahnfraktur spricht man, wenn der Zahn eine Zersplitterung oder einen Bruch erleidet. Das kommt durch äußere Einwirkungen, etwa durch Unfälle beim Sport und in der Freizeit, aber auch durch zu starkes Zubeißen zustande. Kinder und Jugendliche sind Statistiken nach häufiger betroffen als Erwachsene.
Inhaltsverzeichnis |
Was ist eine Zahnfraktur?
Von einer Zahnfraktur spricht man in der Regel dann, wenn der Zahn durch äußere Einflüsse einen Bruch erleidet. Meistens passiert das durch Unfälle in der Freizeit oder beim Sport, aber auch durch Schläge auf den Kieferbereich und durch zu starkes Zubeißen – etwa auf einen harten Gegenstand.
Bei einer Zahnfraktur wird zwischen verschiedenen Arten der Fraktur unterschieden: erst einmal zwischen den zwei Arten der Zahnkronen- und Zahnwurzelfrakturen. Bei Ersterer wird dabei ein weiteres Mal unterschieden, nämlich zwischen einer reinen Fraktur des Zahnschmelzes (Schmelzfraktur genannt), einer Schmelz-Dentin-Fraktur ohne Eröffnung des Zahnmarks und einer Schmelz-Dentin-Fraktur, die das Zahnmark und damit den Nervenkanal offenlegt.
Letztere Frakturart gilt als eine der schmerzhaftesten Zahnfrakturen, da der Nerv hier nicht mehr ausreichend geschützt ist und so irritiert und gereizt werden kann.
Ursachen
Meistens ereignet sich der Bruch des Zahns dadurch, dass durch einen Sturz, einen Aufprall oder eine kraftvolle Einwirkung auf den Kiefer- und Zahnbereich (etwa durch einen Schlag) die Substanz des Zahns so stark belastet wird, dass sie bricht. Das kann natürlich auch dadurch passieren, dass man unbedacht zu stark zubeißt. Ein häufiger Grund für eine Zahnfraktur, die beim Beißen und Kauen auftritt, ist ein kräftiger Biss auf harte Gegenstände wie beispielsweise Knochen, Schalen von Nüssen und Schalentieren oder harte Fruchtkerne. Nicht jede Zahnfraktur geht auf ein einzelnes Ereignis zurück: Auch chronisches Zähneknirschen (Bruxismus) belastet die Zahnsubstanz über lange Zeit so stark, dass sie schließlich bricht.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Probleme durch eine Zahnfraktur äußern sich abhängig von Lage und Verlauf des Bruches. Liegt der Schaden unter dem Zahnfleisch, bleibt er für Außenstehende vorerst nicht zu erkennen. Oberflächliche Frakturen sorgen anfangs für keinen nennenswerten Leidensdruck.
Betroffene bemerken eventuell einen überlastungsbedingten Reiz beim Zerkauen von fester Nahrung. Risse durch das Zahnbein bereiten Patienten dagegen bereits beträchtliche Schmerzen. Durch die Fraktur liegt der darunter liegende Nervenkanal frei. Schmelzrisse gelten symptomatisch als unauffällig und bedürfen keiner Therapie.
Sie reichen bis zur Oberfläche des Dentins, wo die Ausbreitung des Schadens in der Regel zum Stillstand kommt. Bei Frakturen des Zahnhöckers entwickeln Menschen eine ausgeprägte Empfindlichkeit bezüglich heißer, süßer oder kalter Speisen. Der Spalt zieht sich durch Schmelz und Zahnbein. In einigen Fällen erstreckt dieser sich sogar bis in die Zahnpulpa (Zahnmark).
Infrakturen verlaufen lediglich durch Zahnschmelz und das Dentin und gelten als schwer zu diagnostizieren. Betroffene erleiden wegen der entgegengesetzten Bewegung der getrennten Zahnpartien beim Essen beträchtliche Schmerzen. Die Öffnung bietet Keimen aus der Mundhöhle zudem eine günstige Einfallsmöglichkeit in das Zahninnere. Als Konsequenz droht eine Entzündung des Nervengewebes und der Zahnwurzel.
Langfristig zerbricht der Zahn aufgrund der mechanischen Belastung. Ohne eine Krone oder Füllung zur Stabilisierung steht Patienten der komplette Zahnverlust bevor. Splitterreste des herausgelösten Bruchstücks im Zahnfleisch provozieren Zahnfleischentzündungen mit einhergehenden Blutungen. Wurzelfrakturen durchziehen häufig die komplette Zahnstruktur.
Längsfrakturen der Wurzel weisen einen partiellen Riss an der Wurzelkanalwand auf, der unter permanenter Nutzung des verletzten Zahns stetig größer wird. Isolierte Wurzelfrakturen gehen nicht zwangsläufig unmittelbar nach deren Entstehung mit dauerhaften Beschwerden einher. Symptome wie Nervenschmerzen oder das Absterben des Zahns zögern sich manchmal bis zu mehrere Monate hinaus.
Diagnose & Verlauf
In den meisten Fällen bemerkt der Betroffene die Fraktur des Zahns umgehend selbst. Oft direkt, nachdem diese passiert ist: zum Beispiel durch ein starkes Knacken, welches für den Betroffenen sowohl hör- als auch spürbar ist.
Oftmals wird im ersten Moment des Bruchs nämlich nicht nur der Zahn selbst belastet, sondern auch das umliegende Zahnfleisch gereizt - etwa durch den starken Druck, der auf dieses ausgeübt wird. Bricht nur ein Teil der Zahnkrone weg, verspüren die meisten Patienten erst einmal keine Schmerzen, sondern sind nur durch die neue Form des Zahnes irritiert. Diese kann allerdings scharfe Kanten vorweisen, weshalb man bei einem Bruch stets vorsichtig sein sollte.
Eine Zahnfraktur kann Schnittwunden in der Zunge oder an den Innenseiten der Wangen zur Folge haben. Ist der Nervenkanal betroffen, können Schmerzen und Überempfindlichkeiten auftreten. Nicht nur deshalb sollte man bei einer Zahnfraktur umgehend einen Zahnarzt aufsuchen.
Komplikationen
Eine Zahnfraktur kann den Verlust des Zahns nach sich ziehen. Dies kann gerade bei Kindern und Jugendlichen, deren Kiefer noch nicht ausgewachsen ist, zu weiteren Komplikationen führen. Der vorzeitige Verlust eines Zahnes kann dann die Fehlstellungen anderer Zähne oder eine Kieferverformung bedingen.
Komplikationen können aber auch aus der Verletzung des Zahnes selbst resultieren, insbesondere wenn diese noch mit Platzwunden im Gesicht oder auf den Lippen verbunden sind. Werden die Verletzungen nicht rechtzeitig oder nicht professionell versorgt, steigt das Risiko für Entzündungen, Schwellungen und Abszesse. Entzündungen können dazu führen, dass nicht nur der Zahn, sondern auch zahnumgebendes Gewebe wie Alveolarknochen und Weichgewebe stark geschädigt wird und verloren geht.
Darüber hinaus können sich solche Entzündungen ausbreiten und Nachbarzähne, das Zahnfleisch oder die Mundschleimhaut befallen. Im schlimmsten Fall entwickelt sich eine Sepsis. Je nach Hergang der Verletzung kann auch Wundstarrkrampf drohen, wenn der Impfschutz gegen Tetanus fehlt oder die letzte Auffrischung zu lange zurückliegt. Ob eine Auffrischung nötig ist, entscheidet der Arzt anhand des Impfpasses und der Art der Wunde.
Darüber hinaus gehen Zahnfrakturen sehr häufig mit Verletzungen des Schädels einher. Sofern der Patient auf den Kopf gestürzt ist, besteht das Risiko einer Gehirnerschütterung oder schwererer Folgen wie eines Schädel-Hirn-Traumas. Nach einem Sturz mit Zahnverletzung ist deshalb darauf zu achten, ob Bewusstseinstrübung, Erbrechen oder starke Kopfschmerzen auftreten. Bei Bewusstlosigkeit ist sofort der Notruf 112 zu wählen. Anschließend werden die Atemwege freigemacht und die Atmung höchstens zehn Sekunden lang geprüft. Atmet die betroffene Person, wird sie in die stabile Seitenlage gebracht, damit Blut und Zahnstücke abfließen können; atmet sie nicht, wird sofort mit der Wiederbelebung begonnen. Bei Verlust oder Beschädigung eines Vorderzahns leiden die Patienten darüber hinaus häufig sehr schwer unter der ästhetischen Beeinträchtigung, da ein abgebrochener Zahn als entstellend empfunden wird. Dies gilt umso mehr, wenn der Schaden, zum Beispiel aufgrund von Entzündungen, nicht unmittelbar behoben werden kann.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Kommt es nach einem Sturz, Unfall oder einer Gewalteinwirkung im Bereich des Gesichts zu einer Abspaltung oder dem Verlust eines Zahnes, ist ein Arztbesuch notwendig. Wenngleich anfänglich keine Beschwerden vorhanden sind, kann es im weiteren Verlauf zu starken Schmerzen oder anderen Folgeerkrankungen kommen. In einigen Fällen erleiden die Patienten binnen weniger Stunden einen Zustand mit kaum aushaltbaren Schmerzen. Aus diesem Grund sollte eine frühestmögliche Rücksprache mit einem Arzt geführt werden, sobald sich erste Unregelmäßigkeiten im Bereich der Zähne zeigen.
Bei einem blutigen Geschmack im Mund, Schwellungen oder Beeinträchtigungen bei der Nahrungsaufnahme ist eine ärztliche Untersuchung notwendig. Können im Zahnfleisch Auffälligkeiten oder Unstimmigkeiten wahrgenommen werden, ist ebenfalls die Abklärung der Beschwerden anzuraten. In einigen Fällen sind während des auslösenden Ereignisses Splitter der Zähne in das Zahnfleisch gelangt und können dort Beeinträchtigungen auslösen.
Eine Überempfindlichkeit gegenüber verschiedenen Reizen wie Kälte oder Wärme ist als Warnsignal des Organismus zu verstehen. Treten diese Veränderungen plötzlich auf, sollte ein Arzt konsultiert werden. Kommt es zu Besonderheiten beim Sprechen, Rötungen im Mund sowie Unregelmäßigkeiten bei einem vorhandenen Zahnersatz oder einer Zahnspange, ist ein Arzt aufzusuchen. Bei Kopfschmerzen, Schwellungen oder Deformierungen des Gesichtes und Veränderungen des Hautbildes im Gesicht wird ebenfalls ein Arzt benötigt.
Behandlung & Therapie
Der Zahnarzt wird die Fraktur erst einmal ausgiebig begutachten und entscheiden, ob der Nerv betroffen ist und ob der Zahn durch eine Rekonstruktion wiederhergestellt werden kann.
Sofern möglich wird der Zahnarzt versuchen, den Zahn durch Füllungsmaterialien wiederherzustellen. Nur wenn ein Großteil des Zahnes zerstört ist oder der Zahn bis in den Kanal hinab gespalten oder gebrochen ist, muss man über weitere Rekonstruktionsmaßnahmen nachdenken.
Diese könnten aus einer neuen und künstlichen Zahnkrone (Zahnersatz) bestehen, aber in sehr ungünstigen Fällen auch darin, dass der gebrochene Zahn entfernt werden muss. Das ist jedoch nur recht selten der Fall – zum Beispiel dann, wenn die Fraktur sehr schwer ist und nicht behandelt werden kann.
Vorbeugung
Einer Zahnfraktur kann man bedingt vorbeugen, indem man versucht die Zahnsubstanz kräftig zu halten - durch entsprechende Vorsorgemaßnahmen beim Zahnarzt und durch fluoridhaltige Zahncremes, welche die Zahnsubstanz stärken. Bei riskanten Sportarten sollte man zudem einen Mund- und Zahnschutz tragen. Dennoch lässt sich eine Zahnfraktur nicht immer vermeiden. Deshalb ist es wichtig, dass man – sofern eine solche vorliegt – so schnell wie möglich einen Zahnarzt aufsucht.
Nachsorge
Die Nachsorge der Zahnfraktur steht in engem Zusammenhang mit ihrer Ursache. Es macht einen Unterschied, ob es sich um ein einzelnes äußeres Ereignis wie einen Sportunfall handelt oder um einen Bruch, der sich über längere Zeit entwickelt hat, etwa durch chronisches Zähneknirschen. Zähneknirschen lässt sich nicht einfach abstellen, denn es läuft meist nachts und unbewusst ab. Behandelt wird es mit einer Aufbissschiene, bei stressbedingtem Knirschen zusätzlich mit Entspannungsverfahren oder Psychotherapie.
Zudem hängt die Nachsorge auch von der Art der Behandlung durch den Zahnmediziner ab. So dürfen insbesondere Implantate in der Einheilungsphase nicht voll belastet werden. Dies gelingt durch weichere Nahrung oder die Tendenz, lieber auf der anderen Seite des Gebisses zu kauen. Die Phase der Einheilung wird in ihrer Dauer vom Zahnarzt festgelegt.
Mitarbeit des Patienten ist hier unbedingt gefragt, auch im Hinblick auf eine Kontrolluntersuchung in der Zahnarztpraxis. Nach einem Zahnunfall bleibt es nicht bei einer einzigen Kontrolle: Weil der verletzte Zahn noch Wochen bis Monate später absterben kann, sind über mehrere Monate hinweg wiederholte zahnärztliche Kontrollen nötig, auch dann, wenn der Zahn zunächst unauffällig bleibt. Wird nach einer Zahnfraktur Zahnersatz nötig, ist konsequente Mundhygiene nötig. Dies gilt insbesondere nach dem Einsetzen eines Implantats, um die Periimplantitis, die bakterielle Entzündung rund um die Implantationsstelle, zu vermeiden.
Die professionelle Zahnreinigung beseitigt in diesem Zusammenhang harte und weiche Plaque und erreicht auch Stellen, an die die Zahnbürste nur schwer gelangt. Zudem bietet der Zahnarzt auch eine spezielle Implantatsreinigung an. Eine Entlastung kann der Patient nach der Zahnfraktur für den betroffenen Zahn auch erzielen, indem Nahrung in mundgerechte Stücke zerkleinert wird.
Das können Sie selbst tun
Das abgebrochene Bruchstück sollte unbedingt mit zum Zahnarzt genommen werden, denn es lässt sich häufig wieder ankleben; auch es gehört feucht transportiert und darf nicht austrocknen. Wurde ein Zahn ganz herausgeschlagen, gilt: den Zahn nur an der Krone anfassen, nicht an der Wurzel, ihn nicht säubern und nicht abtrocknen lassen. Am besten wird er in einer Zahnrettungsbox aufbewahrt, ersatzweise in H-Milch oder steriler Kochsalzlösung – niemals in Leitungswasser und niemals trocken in ein Taschentuch gewickelt – und ohne Verzögerung zum Zahnarzt gebracht. Je schneller das geschieht, desto größer ist die Aussicht, den Zahn zu erhalten. Das gilt für bleibende Zähne: Ein ausgeschlagener Milchzahn wird nicht wieder eingesetzt, weil dabei der darunter liegende bleibende Zahn beschädigt werden könnte. Mitgenommen werden sollte er trotzdem.
Bei einer Zahnfraktur sind die Möglichkeiten der Selbsthilfe nicht auf eine Veränderung der Optik der Zähne ausgerichtet. Diese kann ausschließlich von Ärzten verbessert werden. Zu prüfen ist, ob die Ursachen der Zahnfraktur veränderbar sind. Beispielsweise kann die Ausübung von Sportarten reduziert werden, die zu einer Gewalteinwirkung im Gesichtsbereich führen. Das Tragen von Schutzkleidung sollte alternativ optimiert werden. Auf diese Weise ist das Risiko für weitere Frakturen minimiert.
Entstand die Zahnfraktur durch Gewalteinwirkung, sollten die Verletzungen im Gesicht ärztlich untersucht und dabei ausdrücklich dokumentiert werden. Eine solche Dokumentation ist später auch vor Gericht verwertbar. Betroffene müssen damit nicht allein bleiben: Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen ist rund um die Uhr und kostenfrei unter 116 016 erreichbar und vermittelt auf Wunsch an Beratungsstellen vor Ort; für Männer, die Gewalt erleben, gibt es ein eigenes bundesweites Hilfetelefon. Bei akuter Gefahr gilt der Polizeiruf 110. Verletzungen lassen sich übrigens auch ohne Anzeige in einer Gewaltschutzambulanz gerichtsfest dokumentieren.
Die tägliche Zahnpflege ist ein wesentlicher Bestandteil im Bereich der Selbsthilfe. Eine tägliche Zahnreinigung sowie die Reinigung der Zahnzwischenräume haben erheblichen Einfluss auf die Mundflora. Dadurch werden Schäden des Zahnschmelzes sowie der Zähne vermieden.
Bei der Nahrungsaufnahme ist darauf zu achten, dass die Lebensmittel den Möglichkeiten des Organismus angepasst sind. Zu große oder zu feste Bestandteile der Nahrung können Schäden der Zähne verursachen. Ebenso sollte auf das Tragen von Schmuck im Mundbereich verzichtet werden. Die Materialien von Ringen oder Steckern in der Wange oder Zunge können zu irreversiblen Problemen der Zähne führen und Frakturen auslösen.
Quellen
- Andreasen, J. O., Andreasen, F. M., Andersson, L. (Hrsg.): Textbook and Color Atlas of Traumatic Injuries to the Teeth.
ISBN: 9781118699911
- Hellwig, E., Schäfer, E., Klimek, J., Attin, T.: Einführung in die Zahnerhaltung.
ISBN: 9783769137842
- Schwenzer, N., Ehrenfeld, M. (Hrsg.): Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie.
ISBN: 9783135935041
- Schwenzer, N., Ehrenfeld, M. (Hrsg.): Zahnärztliche Chirurgie.
ISBN: 9783132430327
- Weber, T.: Memorix Zahnmedizin.
ISBN: 9783132417779

