Zervikale intraepitheliale Neoplasie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die zervikale intraepitheliale Neoplasie, kurz CIN, bezeichnet charakteristische Veränderungen von Gewebezellen am Gebärmutterhals. Sie gelten als Vorstufe (Präkanzerose) des Gebärmutterhalskrebses (Zervixkarzinom).
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Was ist zervikale intraepitheliale Neoplasie
Bei der zervikalen intraepithelialen Neoplasie verändern sich die Gewebezellen am Gebärmutterhals. Diese Veränderung gilt als häufigster Auslöser für Gebärmutterhalskrebs. Etwa 80 Prozent der Menschen stecken sich im Lauf ihres Lebens mindestens einmal mit HPV an. Die allermeisten dieser Infektionen heilen von allein wieder aus, ohne Beschwerden zu verursachen. Die zervikale intraepitheliale Neoplasie tritt häufig vor der Menopause auf, sodass vor allem jüngere Frauen einem erhöhten Risiko unterliegen. Die CIN wird in 3 Stadien eingeteilt.
CIN 1: leichte Dysplasie
Hierbei kommt es zu ersten Veränderungen der Zellen. Vorerst erfolgt in diesem Stadium eine Beobachtung. Kommt es in den nächsten Monaten zu keiner Rückbildung, folgt eine Entfernung des Gewebes. Etwa die Hälfte der CIN-1-Läsionen bildet sich von allein zurück und ist nicht therapiebedürftig.
CIN 2: mittelschwere Dysplasie
Auch in diesem Stadium bildet sich die Veränderung noch häufig von allein zurück. Bei jungen Frauen und bei Kinderwunsch wird deshalb zunächst beobachtet und kontrolliert. Bleibt der Befund bestehen oder schreitet er fort, wird das Gewebe entfernt.
CIN 3: schwere Dysplasie
In diesem Stadium ist die zervikale intraepitheliale Neoplasie bereits weit fortgeschritten und bedarf umgehender Behandlung. Hierbei ist fast das gesamte Gewebe betroffen.
Eine andere Möglichkeit der Einteilung ist die Pap-Klassifikation. Es gibt 5 Stadien, die sich, wie auch bei der CIN-Einteilung, nach den Merkmalen der Zellen bzw. dem Schweregrad der Infektion richten.
Ursachen
Die Ursache einer zervikalen intraepithelialen Neoplasie liegt in der Infektion mit humanen Papillomaviren, kurz HPV. Betroffen sind vor allem Frauen im Alter zwischen 24 und 30 Jahren. Bei einer zervikalen intraepithelialen Neoplasie des 3. Grades ist die Gefahr, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, am höchsten.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Bei einer zervikalen intraepithelialen Neoplasie treten in der Regel keine Symptome auf. Die Krebsvorstufe kann nur im Rahmen einer regelmäßigen Vorsorgeuntersuchung diagnostiziert werden. Erst wenn sich ein Gebärmutterhalskrebs entwickelt hat, werden in einem späten Stadium blutig-schleimige Ausflüsse beobachtet. Das größte Risiko für eine zervikale intraepitheliale Neoplasie besteht für Frauen im Alter zwischen 24 und 30 Jahren.
Bis sich aus einer unbehandelten Vorstufe ein Zervixkarzinom entwickelt, vergehen in der Regel viele Jahre; Gebärmutterhalskrebs wird deshalb meist deutlich später festgestellt als die Vorstufen. Nicht jede zervikale intraepitheliale Neoplasie führt jedoch zu Gebärmutterhalskrebs. Die Veränderungen im Anfangsstadium bilden sich häufig von allein wieder zurück. Insgesamt kann die Präkanzerose in drei Stadien eingeteilt werden (CIN I-III).
Das Stadium CIN I ist durch milde Veränderungen des Plattenepithels gekennzeichnet. Dabei hellt das Zellplasma um den Zellkern herum auf. Der Zellkern lässt sich stärker anfärben. Des Weiteren verändern die Zellkerne ihre Form. Sie erscheinen nicht mehr rund. Im Stadium CIN II kommen bereits schwerwiegende Gewebeveränderungen vor, die fast alle Epithelschichten betreffen. Verstärkte Zellteilungen finden teilweise auch außerhalb des Plattenepithels statt.
Die einzelnen Zellen unterscheiden sich in Form und Größe. Außerdem werden leichte Zellkernanomalien beobachtet. Allerdings besteht immer noch eine Differenzierung der Zellschichten. Im dritten Stadium der zervikalen intraepithelialen Neoplasie sind die unterschiedlichen Zellgrößen noch ausgeprägter. Es handelt sich um ein Carcinoma in situ: Die veränderten Zellen bleiben auf die Deckgewebsschicht beschränkt und haben das darunterliegende Gewebe nicht durchbrochen. Ein invasiver Krebs liegt damit noch nicht vor.
Diagnose & Verlauf
Bei der zervikalen intraepithelialen Neoplasie zeigen sich keine Symptome. Aus diesem Grund sind regelmäßige gynäkologische Untersuchungen und Krebsabstriche unerlässlich. In Deutschland gilt seit der Umstellung auf ein organisiertes Screening: Frauen im Alter von 20 bis 34 Jahren wird jährlich ein Zellabstrich (Pap-Test) angeboten, ab 35 Jahren alle drei Jahre die Kombination aus Abstrich und HPV-Test.
Der HPV-Test weist die Erbsubstanz der Hochrisikotypen des humanen Papillomvirus im Abstrich nach. Ein negativer Test macht eine behandlungsbedürftige Veränderung sehr unwahrscheinlich. Ein positiver Test bedeutet umgekehrt noch keine Erkrankung, sondern zieht weitere Kontrollen nach sich.
Bei der Untersuchung wird, mittels Untersuchungsmikroskop (Kolposkop), der Muttermund eingehend betrachtet. Durch eine verdünnte Essigsäure- oder Jodlösung zeigen sich auf den erkrankten Hautarealen charakteristische Veränderungen.
Besteht der Verdacht einer CIN, so wird aus dem betroffenen Areal eine kleine Gewebeprobe entnommen. Dieser Eingriff kann ambulant durchgeführt werden.
Komplikationen
Bei der zervikalen intraepithelialen Neoplasie besteht das größte Risiko darin, einen Gebärmutterhalskrebs zu entwickeln. Nicht jede zervikale intraepitheliale Neoplasie führt jedoch zum Krebs. Anhand des vorliegenden Schweregrades der Erkrankung kann aber abgeschätzt werden, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für diese Komplikation ist.
Bei Schweregrad I und II ist eine Spontanheilung der Präkanzerose möglich. Bedingt durch verschiedene Faktoren besteht jedoch die Gefahr, dass auch eine Neoplasie der Schweregrade I und II fortschreitet und den Schweregrad III entwickelt. In diesem Stadium bildet sich die Veränderung nur noch selten von allein zurück. Während bei Schweregrad I und teilweise auch II nur beobachtet wird, muss bei Schweregrad III das veränderte Gewebe operativ entfernt werden.
Denn in diesem Stadium besteht ein großes Risiko für die Ausbildung eines Zervixkarzinoms (Gebärmutterhalskrebs). Der Verlauf einer zervikalen intraepithelialen Neoplasie ist nicht vorauszusehen. Äußere Faktoren wie Immunsuppression (Schwächung des Immunsystems) oder Rauchen sowie innere Faktoren wie genetische Veranlagung fördern das Voranschreiten der Krankheit bis zur Ausbildung von Gebärmutterhalskrebs.
Allerdings wurde auch festgestellt, dass für Frauen, die bereits erfolgreich von der zervikalen intraepithelialen Neoplasie geheilt wurden, immer noch ein höheres Risiko besteht, später an einem Zervixkarzinom zu erkranken. Die Ursache dafür ist noch nicht bekannt. Aber es wird vermutet, dass bei den angewandten Operationsmethoden möglicherweise nicht immer alle Neoplasien erfasst werden.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Geschlechtsreife Mädchen und Frauen sollten in regelmäßigen Abständen einen Kontrollbesuch bei einem Frauenarzt vornehmen. Ein Arztbesuch in den für die Krebsfrüherkennung empfohlenen Abständen ist anzuraten, damit routinemäßig der gesundheitliche Zustand erfasst und dokumentiert werden kann. Die zervikale intraepitheliale Neoplasie ist gekennzeichnet durch eine anfängliche Beschwerdefreiheit. Da es dennoch unbehandelt zu der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs kommt, ist es notwendig, Vorsorgeuntersuchungen durchführen zu lassen. Zeigen sich Unregelmäßigkeiten im Bereich des Unterleibs oder kommt es zu Veränderungen, sollte ebenfalls ein Arzt konsultiert werden.
Bei Schmerzen oder Veränderungen der monatlichen Menstruationsblutung besteht Handlungsbedarf. Bei einem diffusen Unwohlsein oder der Kenntnis, dass der Geschlechtspartner unter Papillomviren leidet, ist ein Arzt aufzusuchen. Eine Kontrolle des gesundheitlichen Zustands ist anzuraten, damit gegebenenfalls entsprechende medizinische Behandlungen eingeleitet werden können. Bei Veränderungen der Libido oder anderen Unstimmigkeiten im Bereich des Unterleibs ist ebenfalls die Rücksprache mit einem Arzt anzuraten.
Kommt es zu einem ungewöhnlichen Ausfluss oder findet ein ungeschützter Geschlechtsverkehr statt, sind regelmäßige Untersuchungen zu empfehlen. Zur Vermeidung von Komplikationen und für eine Früherkennung von vorliegenden Erkrankungen ist die regelmäßige Zusammenarbeit mit einem Arzt notwendig. Vor allem Frauen mit einem Schwangerschaftswunsch sind gut beraten, sich den Kontrolluntersuchungen eines Arztes in wiederkehrenden Abständen zu stellen.
Behandlung & Therapie
Die Behandlung richtet sich vor allem nach dem Schweregrad, dem Alter der Patientin sowie der Lokalisation der zervikalen intraepithelialen Neoplasie. Nicht selten kommt es zu einer Spontanheilung. Bei vereinzelten veränderten Zellen wird deshalb zunächst abgewartet und in kurzen Abständen kontrolliert; eine wirksame örtliche Medikamentenbehandlung der zervikalen intraepithelialen Neoplasie gibt es nicht. Ist die Veränderung bereits fortgeschritten, ist eine Entfernung des Gewebes unumgänglich. Standardverfahren ist in Deutschland die Konisation mit der elektrischen Schlinge (Schlingenkonisation, LLETZ). Sie hat den entscheidenden Vorteil, dass das entnommene Gewebe anschließend feingeweblich untersucht werden kann, sodass sich beurteilen lässt, ob die Veränderung vollständig entfernt wurde. Seltener wird die Konisation mit dem Skalpell durchgeführt.
Zerstörende Verfahren liefern kein Gewebe für diese Untersuchung und spielen deshalb nur noch eine untergeordnete Rolle. Dazu gehören die Laser-Ablation, bei der durch einen Laserstrahl die oberflächlichen Schichten des Gewebes verdampft werden, sowie die Kryotherapie, bei der das betroffene Areal durch Kühlsonden mit einer Temperatur von ca. minus 90 Grad zerstört wird. In der Regel erfolgt die Behandlung ambulant.
Nach einer Konisation ist das Risiko für eine Frühgeburt in einer späteren Schwangerschaft erhöht. Weil sich eine CIN 2 bei jungen Frauen zudem häufig von allein zurückbildet, wird bei ihnen zunächst abgewartet und kontrolliert, statt sofort zu operieren.
Wird eine zervikale intraepitheliale Neoplasie während einer Schwangerschaft diagnostiziert, kann die Behandlung erst nach der Geburt beginnen. Unabhängig davon, welche Behandlung Anwendung findet, sind regelmäßige Nachuntersuchungen unerlässlich.
Vorbeugung
Einer zervikalen intraepithelialen Neoplasie ist nur bedingt vorzubeugen. Häufig wechselnde Sexualpartner erhöhen das Risiko einer zervikalen intraepithelialen Neoplasie. In erster Linie gilt es, eine Infektion mit HPV zu vermeiden.
Anzuraten ist die Verwendung von Kondomen beim Geschlechtsverkehr. Diese können jedoch keinen hundertprozentigen Schutz bieten, da HPV auch durch intimen Kontakt (Petting) bzw. Berührung der Genitalien übertragen werden kann. Seit einigen Jahren existiert eine Impfung gegen HPV. Sie ist die wirksamste Vorbeugung gegen die zervikale intraepitheliale Neoplasie und gegen Gebärmutterhalskrebs. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt sie für Mädchen und Jungen im Kindes- und Jugendalter, am besten vor dem ersten Geschlechtsverkehr; die jeweils aktuellen Altersangaben stehen im Impfkalender der STIKO. Ihre Sicherheit wird in großen Studien und in der laufenden Überwachung durch die Arzneimittelbehörden bestätigt, schwerwiegende Nebenwirkungen sind sehr selten.
Der heute verwendete Impfstoff richtet sich zwar nicht gegen sämtliche Typen des Virus, deckt aber neun Typen ab, darunter die Hochrisikotypen HPV 16 und HPV 18, und damit den weit überwiegenden Teil der Gebärmutterhalskrebsfälle. Um das Risiko einer zervikalen intraepithelialen Neoplasie zu minimieren, sollte außerdem auf eine gesunde Lebensweise ohne Alkohol und Nikotin sowie auf die Teilnahme an der Krebsfrüherkennung beim Gynäkologen in den empfohlenen Abständen geachtet werden.
Nachsorge
Die zervikale intraepitheliale Neoplasie kann in unterschiedlichen Schweregraden auftreten. Danach richtet sich die Nachsorge. Im Anschluss an eine spontan ausgeheilte niedrig-gradige zervikale intraepitheliale Neoplasie ist ein gesunder Lebenswandel mit vitaminreicher und zuckerarmer Ernährung, Verzicht auf Rauchen und Alkohol sowie ausreichend Sport und Bewegung an der frischen Luft sehr empfehlenswert, um erneuten Zelldysplasien vorzubeugen.
Safer Sex und kein häufiger Wechsel der Sexualpartner verringern das Risiko einer Ansteckung mit humanen Papillomviren, die ein Hauptauslöser für die Veränderungen der Zellen sind. Nach einer spontan ausgeheilten leichten Veränderung richten sich die Kontrollen nach der Empfehlung der Frauenärztin; in der Regel genügt die Teilnahme an der Krebsfrüherkennung in den vorgesehenen Abständen.
Bei einer höhergradigen Dysplasie, die operativ entfernt wurde, ist Schonung direkt nach der Operation für mindestens eine Woche sehr wichtig. Es dürfen keine schweren Gegenstände gehoben werden und Ruhe ist förderlich. Eine ambulante Kontrolle ist nach circa einer Woche angezeigt. Wenn die Wundheilung erfolgreich abgeschlossen ist, sollte auch hier auf eine gesunde Lebensweise geachtet werden.
Unbedingt notwendig sind die vereinbarten Kontrolluntersuchungen beim Gynäkologen, der im Rahmen eines Abstriches und eines HPV-Tests kontrolliert, ob es erneut zu einer zervikalen intraepithelialen Neoplasie gekommen ist. Ein geschwächtes Immunsystem, etwa durch Medikamente, die es unterdrücken, erschwert die Ausheilung einer HPV-Infektion.
Das können Sie selbst tun
Die meisten Frauen mit einer zervikalen intraepithelialen Neoplasie können ihren Alltag problemlos bewältigen. Die Erkrankung verläuft in der Regel symptomlos. In wenigen Fällen kommt es zu Störungen der Libido. Daher kann die Krankheit manchmal eine Belastung für die Partnerschaft darstellen. Bei manchen Betroffenen ist es in einem solchen Fall anzuraten, einen Paartherapeuten zu konsultieren.
Erst bei einer weit fortgeschrittenen zervikalen intraepithelialen Neoplasie treten gelegentlich Schmerzen auf. Es kann mitunter zu Beschwerden oder Blutungen beim Geschlechtsverkehr kommen. Daher empfiehlt es sich, zumindest für die Zeit der Behandlung der Erkrankung auf Sex mit Penetration zu verzichten. Anschließend sollten die betroffenen Frauen auf jeden Fall Kondome verwenden, da es sonst zu einer erneuten Infektion oder anderen Komplikationen kommen kann. Dies ist insbesondere bei häufigen Partnerwechseln erforderlich. Der Geschlechtsverkehr sollte auf jeden Fall abgebrochen werden, wenn es zu Schmerzen oder Blutungen kommt.
Um dem Entstehen einer Krebserkrankung vorzubeugen, ist das Reduzieren von Risikofaktoren unbedingt notwendig. Betroffene Raucherinnen sollten ihren Nikotinkonsum sofort einstellen. Zudem sollte übermäßiger Alkoholkonsum vermieden werden. Eine gesunde Ernährung und ein stabiles Immunsystem sind besonders wichtig.
Quellen
- Weyerstahl, T., Stauber, M.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe.
ISBN: 9783132411012
- Ulrich, U. A. (Hrsg.): Gynäkologische Onkologie.
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- Janni, W., Hancke, K., Fehm, T., Scholz, C. (Hrsg.): Facharztwissen Gynäkologie.
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- Kaufmann, M., Costa, S. D., Scharl, A. (Hrsg.): Die Gynäkologie.
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- Petru, E., Fink, D., Köchli, O. R., Loibl, S. (Hrsg.): Praxisbuch Gynäkologische Onkologie.
ISBN: 9783662574294

