Ösophagusdivertikel (Speiseröhrendivertikel)
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Bei einem Ösophagusdivertikel handelt es sich um eine Ausstülpung der Speiseröhre nach außen. Sie werden in drei Gruppen unterteilt. Im Folgenden werden das Krankheitsbild, der Krankheitsverlauf sowie Diagnose, Behandlung und Vorbeugung beschrieben.
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Was ist ein Ösophagusdivertikel?
Ösophagusdivertikel sind eine eher selten auftretende Krankheit. Meistens sind Männer im höheren Lebensalter betroffen. Dabei kommt es zu einer Ausstülpung der Speiseröhrenwand nach außen.
Ösophagus kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Der Essensbringer“ und steht somit für die Speiseröhre. Diverticulum entstammt dem Lateinischen und bedeutet Abweg oder Abweichung. Es wird bei diesem Krankheitsbild zwischen „falschen“ und „echten“ Divertikeln unterschieden.
Entsteht nur ein Schleimhautprolaps, stülpt sich nur die Schleimhaut nach außen, so wird dies als falsches Divertikel bezeichnet. Sind hingegen alle Schichten der Speiseröhrenwand von der Ausstülpung betroffen, so bezeichnen Mediziner dies als echtes Divertikel. Divertikel sind lokal begrenzt und können von verschiedener Größe sein. Sie entstehen an den physiologischen Engstellen der Speiseröhre, somit im oberen, mittleren und unteren Drittel.
Ursachen
Es wird zwischen Pulsionsdivertikeln (auch Pulsationsdivertikel genannt) und Traktionsdivertikeln unterschieden. Pulsionsdivertikel manifestieren sich durch zu hohen Druck in der Speiseröhre und eine vorliegende Schwäche der Speiseröhrenwand. Es kommt zur Ausbuchtung der Schleimhaut, meistens im oberen Drittel der Speiseröhre.
Diese Art des Divertikels wird nach dem Dresdener Pathologen Friedrich Albert von Zenker benannt. Neben dem Zenker-Divertikel wird es auch Hypopharynxdivertikel oder zervikales Divertikel genannt. Streng genommen liegt das Zenker-Divertikel gar nicht in der Speiseröhre selbst, sondern unmittelbar oberhalb davon am Übergang vom Rachen zur Speiseröhre, an einer Muskellücke der Rachenhinterwand (Killian-Dreieck). Zu den Pulsationsdivertikeln gehören auch die im unteren Drittel entstehenden epiphrenalen Divertikel.
Die Traktionsdivertikel entstehen durch eine Zugkraft von außen. Hierbei handelt es sich oft um entzündliche Lymphknoten, die im benachbarten Gewebe vorliegen. Diese Art von Ösophagusdivertikeln tritt vorwiegend im mittleren Bereich der Speiseröhre auf. Sie werden auch epibronchiale oder parabronchiale Divertikel genannt, aufgrund ihrer Nähe zu den Hauptbronchien.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Die Symptomatik der Speiseröhrendivertikel hängt von der Art und dem Ort der Ausbuchtungen ab. So bereiten die Pulsationsdivertikel heftigere Beschwerden als die Traktionsdivertikel. Bei den Pulsationsdivertikeln kann wiederum zwischen den Beschwerdebildern des Zenker-Divertikels und denen der epiphrenischen Divertikel unterschieden werden.
Das Zenker-Divertikel im oberen Bereich der Speiseröhre beginnt zunächst mit solchen Beschwerden wie rauem Rachen, ständigem Fremdkörpergefühl im Hals und chronischem Räuspern. Im Laufe der Zeit nehmen die Beschwerden zu. Die Ausbuchtung unterhalb des Rachens wird langsam größer und bereitet immer stärker werdende Schluckbeschwerden, die sich besonders beim Verzehr von fester Nahrung bemerkbar machen.
Beim Trinken tritt ein gurgelndes Geräusch auf. Da der Speisebrei nicht mehr weitertransportiert wird und sich in der Ausbuchtung ansammelt, kommt es zu dauerhaftem Mundgeruch und ständigem Aufstoßen. Beim Liegen in der Nacht kann Speisebrei in die Mundhöhle und von dort nach außen gelangen. So werden morgens oft Speisereste auf dem Kissen entdeckt.
Die im unteren Bereich der Speiseröhre vorkommenden epiphrenischen Divertikel erzeugen weniger spezifische Symptome, die auch auf andere Erkrankungen hindeuten können. So kommt es häufig zu einem Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre, welcher zu starkem Sodbrennen und Schmerzen hinter dem Brustbein führt. Neben Schluckbeschwerden können auch hier Speisereste beim Liegen bis in die Mundhöhle gelangen. Das parabronchiale Traktionsdivertikel wiederum ist meist beschwerdefrei. Bei Entzündungen kann aber Husten auftreten.
Diagnose & Verlauf
Das Zenker-Divertikel tritt mit einer Häufigkeit von 70% auf. Die Symptome entwickeln sich im Laufe der Zeit eher schleichend. Betroffene Personen leiden meist unter einem rauen Rachen, häufigem Räuspern und einem Fremdkörpergefühl. Es können aber auch Schluckbeschwerden bei fester Nahrung und ein gurgelndes Geräusch bei Aufnahme von Flüssigkeit entstehen. Viele Patienten leiden auch unter Mundgeruch und stoßen Nahrungsreste auf, die im Divertikel verbleiben.
Epiphrenale Divertikel lösen eher unspezifische Symptome, wie Schmerzen im Oberbauch, nächtliche Druckschmerzen hinter dem Brustbein und Schluckbeschwerden aus.
Beim parabronchialen Divertikel kommt es selten zu Symptomen. Die Divertikel werden häufig zufällig bei Röntgenuntersuchungen entdeckt. Alle drei Arten können durch den Verbleib von Nahrungsmitteln in den Divertikeln eine Entzündung der Speiseröhre und eine Refluxerkrankung auslösen. Weiterhin kann es zu sogenannten Regurgitationen kommen, wobei verbliebene Speisereste, vor allem in liegender Position, aufgestoßen werden. Dadurch entsteht ein Aspirationsrisiko, da die Nahrungsteilchen eingeatmet werden können. Eine dadurch ausgelöste Lungenentzündung wird als Aspirationspneumonie bezeichnet; sie ist eine der wichtigsten Gefahren, die von einem Speiseröhrendivertikel ausgehen.
Bei einem Verdacht auf ein Divertikel wird eine Röntgenuntersuchung angeordnet. Mittels einer Bariumsulfat-Lösung kann unter Röntgendurchleuchtung verbleibende Lösung im Divertikel erkannt werden. Eine Spiegelung der Speiseröhre wird meist nur vorgenommen, um Tumore auszuschließen.
Komplikationen
Ösophagusdivertikel haben nach der Behandlung eine sehr gute Prognose. Unbehandelt können jedoch schwerwiegende Komplikationen auftreten. Die größten Risiken für einen komplizierten Verlauf bestehen beim sogenannten Zenker-Divertikel. Es handelt sich um ein Pulsationsdivertikel im oberen Bereich der Speiseröhre.
Diese Divertikel müssen chirurgisch entfernt werden, weil sich sonst teilweise lebensbedrohliche Komplikationen entwickeln können. So reizen die in der Aussackung verbleibenden Nahrungsreste die Speiseröhre. Es kommt zu Entzündungen, die sogar zu Ösophagusblutungen führen können. In manchen Fällen findet sogar ein Durchbruch der Speiseröhre statt. Besonders nachts beim Liegen kann es zum Rückfluss von Speiseresten aus dem Divertikel kommen.
Dabei gelangen diese beim Einatmen in die Luftröhre und von dort auch in die Lunge. Es besteht Erstickungsgefahr. Gleichzeitig können die Speisereste Lungenentzündungen oder Lungenabszesse hervorrufen. Die epiphrenischen Divertikel, die am unteren Ende der Speiseröhre vorkommen, führen ebenfalls oft zur Entzündung der Speiseröhre. Des Weiteren kann sich ein hartnäckiger gastroösophagealer Reflux ausbilden, der chronisches Sodbrennen auslöst und die Gefahr von Speiseröhrenkrebs erhöht.
In geringerem Maße können auch hier Speisereste in den Rachen und in die Luftröhre gelangen, die dann Erstickungsanfälle oder Lungenentzündungen hervorrufen. Die parabronchialen Divertikel befinden sich in der Mitte der Speiseröhre und verursachen in der Regel keine Beschwerden. In sehr seltenen Fällen können sich jedoch Verbindungen (Fisteln) zur Luftröhre ausbilden, sodass die Speisereste auch hier in die Luftwege eindringen und zu den entsprechenden lebensgefährlichen Komplikationen führen können.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Ein Speiseröhrendivertikel kann angeboren sein oder sich im Laufe des Lebens entwickeln. Bei einer angeborenen Störung werden die ersten gesundheitlichen Unregelmäßigkeiten meist innerhalb der ersten Tage nach der Geburt wahrgenommen. Zeigen sich Unregelmäßigkeiten bei der Nahrungszufuhr, ist die Rücksprache mit einem Arzt erforderlich. Entwickelt sich die Erkrankung im Verlauf des Lebens, kommt es meist über eine längere Zeit zu einer Zunahme von Beschwerden. Probleme des Schluckaktes, Appetitlosigkeit und eine Verweigerung der Nahrungsaufnahme gehören zu den gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die auftreten und untersucht werden müssen. Veränderungen der Sprachgebung, Schmerzen oder ein allgemeines Unwohlsein sollten einem Arzt vorgestellt werden.
Können die gewohnten Lebensmittel nicht mehr beschwerdefrei über den Rachen in die Speiseröhre transportiert werden, ist ein Arztbesuch erforderlich. Eine Abnahme des Körpergewichts sowie das Gefühl der inneren Trockenheit müssen untersucht und behandelt werden. Unbehandelt kann es zu schweren gesundheitlichen Folgen kommen, da bei der Verweigerung von Flüssigkeitszufuhr eine Dehydration auftreten kann. Hierbei handelt es sich um einen lebensbedrohlichen Zustand, bei dem unverzüglich eine medizinische Versorgung benötigt wird. Sodbrennen, Schmerzen im Bereich des Brustkorbes oder Unregelmäßigkeiten beim Husten sind einem Arzt vorzustellen. In seltenen Fällen kommt es darüber hinaus zu Störungen der Atemtätigkeit oder einem Engegefühl.
Bei einem Erstickungsanfall, bei plötzlicher schwerer Atemnot, bei einer Blaufärbung der Lippen oder bei heftigen, plötzlich einsetzenden Schmerzen hinter dem Brustbein ist sofort der Notruf 112 zu wählen. Auch hohes Fieber mit Husten und Auswurf nach nächtlichem Verschlucken gehört noch am selben Tag ärztlich abgeklärt, weil dahinter eine Lungenentzündung durch eingeatmete Speisereste stecken kann.
Behandlung & Therapie
Die Behandlung des Zenker-Divertikels sowie des epiphrenalen Divertikels erfolgt operativ. Dabei wird die Speiseröhre freigelegt und das vorliegende Divertikel abgetragen. Diese Behandlung nennt sich Divertikelresektion oder Divertikulektomie. Wird die Aussackung nicht abgetragen, sondern nur nach oben verlagert und dort angeheftet, damit sich keine Speisereste mehr darin sammeln, spricht man dagegen von einer Divertikulopexie.
Bei einem Zenker-Divertikel gibt es auch die Möglichkeit einer minimal-invasiven Entfernung durch die Mundhöhle. Lange Zeit war dabei die offene Operation über einen Schnitt am Hals das übliche Vorgehen. Heute wird zuerst der Weg durch die Mundhöhle bevorzugt, weil er den Betroffenen weniger zumutet; dabei wird häufig gar nicht die Aussackung entfernt, sondern nur der Muskelsteg zwischen Divertikel und Speiseröhre durchtrennt, sodass sich der Sack in die Speiseröhre entleeren kann. Parabronchiale Divertikel werden nur dann operativ entfernt, wenn es unbedingt nötig ist.
Bei Patienten, die an einem epiphrenalen Divertikel leiden, wird erst versucht, eine Symptomlinderung durch kleine Mahlzeiten und das Vermeiden von größeren Mengen von alkoholischen, fetthaltigen und sauren Lebensmitteln sowie Schokolade herbeizuführen. Medikamente gegen die möglicherweise auftretende Refluxerkrankung können auch die Symptome verringern.
Vorbeugung
Das Vorbeugen eines Ösophagusdivertikels ist nicht explizit möglich. Jedoch können eine ausgewogene Ernährung und kleine Portionen die Beschwerden eines bereits bestehenden Divertikels lindern; der Entstehung des Divertikels selbst beugen sie nicht vor.
Das können Sie selbst tun
Wenn der Arzt eine konservative Therapie verordnet hat, setzt deren Erfolg die aktive Mitwirkung der Patientinnen und Patienten voraus. Um den Rückfluss von Magensaft in die Speiseröhre zu verringern, ist eine Anpassung der Ernährungsgewohnheiten erforderlich. Wer bisher die üblichen drei großen Mahlzeiten zu sich nimmt, sollte zunächst auf fünf bis sechs kleinere Mahlzeiten umschwenken. Darüber hinaus ist wichtig, dass das Richtige gegessen und kontraproduktive Nahrungsmittel gemieden werden.
Schädlich sind alle Lebensmittel, die die Magensaftproduktion stark anregen. Dazu zählen an erster Stelle sehr fette Speisen. Insbesondere rotes Fleisch, Wurst, fetter Käse, Butter und Sahne sollten gemieden werden. Die meisten Betroffenen reagieren auch auf Zucker und Süßspeisen mit einer gesteigerten Magensaftproduktion. In diesem Fall dürfen auch solche Lebensmittel nur ausnahmsweise konsumiert werden. Darüber hinaus ist Tee meist bekömmlicher als Kaffee. Wer auf den Frühstückskaffee nicht verzichten möchte, kann auf Produkte auf Getreidebasis ausweichen. Besonders schmackhaft und bekömmlich ist Dinkel-Kaffee.
Darüber hinaus sollte Alkohol, insbesondere in Form stark säurehaltiger oder hochprozentiger Getränke gemieden werden. Auch der Verzehr saurer Speisen wirkt sich meist ungünstig auf das Speiseröhrendivertikel aus. Empfehlenswert sind dagegen Vollkornprodukte, Gemüse und nicht saures Obst, insbesondere Bananen. Kommt es besonders nachts zu einem Rückfluss von Magensaft oder Speiseresten, kann eine erhöhte Oberkörperlage im Bett zusätzlich für Linderung sorgen.
Quellen
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ISBN: 9783131472526
- Rosien, U., Berg, T., Layer, P. (Hrsg.): Facharztwissen Gastroenterologie und Hepatologie.
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- Füeßl, H.S., Middeke, M.: Anamnese und klinische Untersuchung.
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