Auditiver Cortex

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

Sie sind hier: Startseite Anatomie Auditiver Cortex

Der auditive Cortex liegt in der Großhirnrinde und ist für die Verarbeitung und Aufnahme akustischer Reize zuständig. Er wird auch als Hörzentrum oder Hörrinde bezeichnet. Zu finden ist er auf den oberen Windungen des Schläfenlappens im Großhirn. Das Hörzentrum hat ungefähr die Größe eines Daumennagels. Es ist zugleich der Endpunkt der sogenannten Hörnervenbahn. Es gibt den primären und den sekundären auditiven Cortex, die konzentrisch zueinander verlaufen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der auditive Cortex?

Die Hörrinde umfasst elf bislang bekannte auditive Felder, die jeweils für verschiedene Schallfrequenzen zuständig sind. Dass weitere solcher Felder existieren, ist nicht ausgeschlossen, bisher aber nur eine Vermutung.
© designua – stock.adobe.com

Die primäre Hörrinde wird aus zwei bis vier Querwindungen des Gehirns gebildet. Hier werden aufgenommene Töne aller Art verarbeitet. Das ist entscheidend für die Sinnesqualität des menschlichen Hörens.

Sowohl die Klanghöhe als auch die Lautstärke werden im primären Hörzentrum verifiziert. Beispielsweise wird das schrille Ertönen einer Polizeisirene vom dumpfen Geräusch einer Trommel unterschieden. Der sekundäre auditive Cortex ist darauf aufbauend in der Lage, komplexere Stimulationen des Gehörten aufzunehmen und umzusetzen. Er kann die Wörter, Geräusche und Melodien sinnvoll zusammensetzen sowie mit bereits bekannten sensorischen Informationen abgleichen.

Anatomie & Aufbau

Jeder Seite des Gehirns ist jeweils ein auditiver Cortex zugeordnet. So können Signale des linken und des rechten Ohres verarbeitet werden. Die Töne benachbarter Frequenzen werden dabei jeweils auch von benachbarten Neuronen im Gehirn erkannt.

Dieser sogenannte tonotope Aufbau der Hörrinde funktioniert im Prinzip wie eine Klaviatur. Auf einer Seite werden hohe, auf der anderen tiefe Töne empfangen. Insgesamt ist das Gehirn des Menschen mit rund 100 Milliarden Neuronen (Nervenzellen) ausgestattet. Aufgrund seiner vielfältigen Aufgaben benötigt das Gehirn etwa 15 Prozent des gesamten Energiebedarfs des menschlichen Körpers. Das Hörzentrum im Gehirn vergleicht ankommende Geräusche ständig mit bereits Bekanntem und ordnet sie entsprechend ein. Außerdem werden aber auch bislang unbekannte Hörreize ununterbrochen registriert, beispielsweise plötzliche laute Geräusche oder Sprachsignale eines Gesprächspartners.

Die jeweiligen sekundären Hörrinden der beiden Hirnhälften funktionieren unterschiedlich. Eine der beiden Hirnhälften, zumeist die linke, ist dominant. In ihr wird das Gehörte rational verarbeitet. In der linken Hörrinde ist das sensorische Sprachzentrum (Wernicke-Zentrum) angeordnet, welches das Sprachverständnis ermöglicht. In der nicht-dominanten Hörrinde werden die eingegangenen Signale dann ganzheitlich verarbeitet. Dieser Vorgang ist bedeutsam, um zum Beispiel Musik verstehen und empfinden zu können. Die Verknüpfung von primärer und sekundärer Hörrinde ist außerdem wichtig für die Kombination von Gesehenem und Gehörtem.

Im Wernicke-Zentrum wird sowohl gehörte als auch gelesene Sprache verarbeitet. Diese Informationen gelangen anschließend zu den qualitativ höheren Bereichen des Hörzentrums. Im dortigen motorischen Sprachzentrum wird der Sprache die adäquate Bewegung an die Seite gestellt.

Funktion & Aufgaben

Die Hörrinde umfasst elf bislang bekannte auditive Felder, die jeweils für verschiedene Schallfrequenzen zuständig sind. Dass weitere solcher Felder existieren, ist nicht ausgeschlossen, bisher aber nur eine Vermutung. Das Gehirn kann sich aber auch täuschen, wenn es zum Beispiel fehlende Informationen um Erfahrungswerte oder logisch erscheinende Details ergänzt. Daher kommt der Begriff der Seelentaubheit: Einige Menschen vermögen Geräusche zwar wahrzunehmen, können sie aber nicht interpretieren und einordnen.

Andererseits können stumme Mundbewegungen, die nur visuell erkannt werden, das Hörzentrum stimulieren und in erhöhte Aufmerksamkeit versetzen. Auch das Ansehen eines Sprechers bei dessen Rede kann die Hörleistung beachtlich erhöhen. Erfühlen oder Ertasten von Gegenständen steigert die Aktivität im Hörzentrum ebenfalls. Elektrische Signale sind der Ursprung allen Hörens. Sie werden von den feinen Haarfasern der Hörschnecke im Innenohr an die Hörnerven gesendet. Als Impulse werden sie sodann an das Hörzentrum des Gehirns weitergeleitet.

Dort werden sie von ungezählten Nervenzellengruppierungen empfangen und für die Verarbeitung im Gehirn übersetzt. So können ganz bestimmte Töne bewusst wahrgenommen werden. Trifft das Gehörte im Gehirn ein, wird zunächst ein Reflex ausgelöst, der unter Umständen eine plötzliche körperliche Reaktion hervorruft. Das hängt von der Intensität der aufgenommenen Reize ab. Bewusst erkannt wird der Ton aber dann erst im auditiven Cortex. Daran wirken verschiedene andere Bereiche des Gehirns mit. Erst auf die Einordnung des Tons oder der Töne folgt dann die entsprechende sogenannte freiwillige Reaktion.


Krankheiten

Die primäre Hörbahn ist der entscheidende Nervenstrang des Hörens, in dem die Verarbeitung des dekodierten Tonangebots beginnt. Entlang dieser Bahn wandern die Nachrichten zum Schläfenlappen (Temporallappen) weiter, genau in die Hörrinde.

Die erste Station dieses Weges ist das Stammhirn, das die ausgesendeten Signale nach Dauer, Stärke und Frequenz auseinandernimmt. Sie werden anschließend im Thalamus (dem „Sehhügel“) auf eine motorische Reaktion des Körpers vorbereitet. Der Thalamus sitzt am Stamm des Großhirns und ist mit den sensorischen Apparaturen des menschlichen Organismus vernetzt. Im Hörzentrum wird das komplexe Signal dann gespeichert und mit einer Antwort (der Reaktion) versehen. Im Temporallappen befinden sich außer dem Hörzentrum auch sogenannte assoziative Areale, die für die Sprachverarbeitung und die Gedächtnisbildung wichtig sind.

Neben den primären nehmen auch nicht-primäre Hörbahnen vielfältige sensorische Informationen auf. Diese wenden sich zuerst jener sensorischen Nachricht zu, deren Verarbeitung am wichtigsten ist. Wenn ein Mensch zum Beispiel gleichzeitig Zeitung liest und Fernsehen schaut, ermöglichen es die nicht-primären Hörbahnen, sich auf die bedeutsameren der empfangenen Informationen beziehungsweise auf die wichtigere der beiden gleichzeitigen Tätigkeiten zu konzentrieren. Die ausgewählten Nachrichten kommen ebenfalls im Thalamus an, der sie an sensorischen Zentren der Hirnrinde überliefert.

Quellen

  • Frotscher, M., et al.: Taschenatlas Anatomie, Band 3: Nervensystem und Sinnesorgane. Thieme, Stuttgart 2018
  • Schmidt, R., et al.: Physiologie des Menschen. Springer, Heidelberg 2010
  • Wolff, H.-P., Weihrauch, T.R. (Hrsg.): Internistische Therapie. Urban & Fischer, München 2012

Das könnte Sie auch interessieren