Berufsunfähigkeitsversicherung

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. April 2025
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Berufsunfähigkeitsversicherung: Was bei der Tarifwahl zu beachten ist

„Plötzlich bricht die Existenzgrundlage weg“ – solche oder ähnliche Zitate sind bei Betroffenen von Unfällen oder schweren Krankheiten nicht selten zu hören. Neben der psychischen Belastung und körperlichen Beschwerden lässt sich plötzlich auch die eigene berufliche Erwerbstätigkeit nicht ausführen. Ein schweres Schicksal, vor dem auch medizinisches Personal nicht gefeit ist. Genau deshalb erweist sich die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU-Versicherung) immer wieder als eine der wichtigsten Absicherungen überhaupt. Doch was macht diese Versicherung aus und was ist bei der Anbieterwahl zu beachten?

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine BU-Versicherung?

Plötzlich und unerwartet - ein Unfall verändert das Leben! Gut, wenn die Berufsunfähigkeitsversicherung hilft!

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung sorgt für eine entsprechende finanzielle Absicherung, wenn Kunden gesundheitlich nicht mehr in der Lage sind, ihrer beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Die Leistung erfolgt dabei in Form einer Rente, die monatlich ausgezahlt wird. Diese Rente gleicht die wegfallenden Gehaltszahlungen je nach vereinbarter Höhe vollständig oder zu einem großen Teil aus.

Die Leistungen der BU-Versicherung sind für Betroffene essenziell, weil die staatliche Erwerbsminderungsrente selbst bei schlimmen Fällen oft nur bis zu 30% des Verdienstausfalls ersetzen kann. Dazu kommt: Selbstständige erhalten in vielen Fällen keine staatliche Erwerbsminderungsrente.

Welche potenziellen Probleme können bei der Wahl einer BU-Versicherung auftreten?

Wer sich für eine BU-Versicherung interessiert, sollte die Bedingungen der einzelnen Anbieter genau studieren. Es gibt einige Stolperfallen, die es zu umschiffen gilt:

1. Benötigter Prognosezeitraum bis zur Versicherungsleistung

Nach einem Unfall oder bei einer schweren Krankheit wird eine Prognose über die Dauer der Berufsunfähigkeit getätigt. Erreicht der Prognosezeitraum eine gewisse Länge, muss die BU-Versicherung leisten. Die meisten Tarife setzen hier einen Prognosezeitraum von 6 Monaten an. Verlangt die Versicherung in ihrem Tarif einen deutlich längeren Prognosezeitraum, würde das viele Versicherte zunächst von der Leistung ausschließen.

Wichtig: Weicht die tatsächliche Dauer vom Prognosezeitraum ab, kann sich das auch auf die Leistung der Versicherung auswirken. Sollte entgegen der Prognose die Berufsunfähigkeit deutlich länger dauern, leistet die Versicherung oft auch rückwirkend. Unterschreitet die Dauer der Berufsunfähigkeit den prognostizierten Zeitraum, müssen zu Unrecht erhaltene Leistungen zurückgezahlt werden.

2. Abstrakte Verweisung

Die sogenannte abstrakte Verweisung ist heute eher zu einer Seltenheit geworden. Hierbei kann die Versicherung erst auf andere berufliche Tätigkeiten verweisen, bevor sie leistet. Für Betroffene würde das bedeuten, dass sie kein Geld bekämen, solange sie einen anderen Job außerhalb ihres bisherigen Tätigkeitsfeldes annehmen könnten. Aus diesem Grund ist es wichtig, bei der Anbieterwahl darauf zu achten, dass die jeweilige Versicherung auf die abstrakte Verweisung verzichten.

Darüber hinaus sollte der Versicherer die Grenze für eine Berufsunfähigkeit bei 50% ziehen. Das bedeutet: Sobald Versicherte ihre berufliche Tätigkeit nicht mehr zu mehr als 50% ausführen können, greift der Versicherungsschutz.

Hinweis: Auch Wartezeiten werden häufig vereinbart, um den Beitrag zu senken. In diesem Fall müssen Versicherte nach Eintritt der Berufsunfähigkeit erst eine gewisse Zeit warten, bis sie die BU-Rente erhalten. Gängige Wartezeiten bewegen sich bei 3-6 Monaten.

Weitere wichtige Leistungsmerkmale der BU-Versicherung

Die BU-Rente stellt ganz klar das zentrale Leistungselement der BU-Versicherung dar. Trotzdem existieren darüber hinaus noch einige weitere Leistungsmerkmale, die interessant sein können:

  • Zusätzliche Kapitalhilfen: Einige Versicherungen zahlen Rehabilitationshilfen oder Wiedereingliederungshilfen, die eine sinnvolle Unterstützung darstellen.
  • Soforthilfe bei Krebserkrankung: Je nach Tarif wird bei einer Krebserkrankungen eine Soforthilfe gezahlt.
  • Längere Rentenzahlung: Im Normalfall wird die BU-Rente maximal bis zum Eintritt ins Rentenalter gezahlt. Es gibt jedoch einige wenige Tarife, die auch eine lebenslange Rente zahlen.
  • Nachversicherungsgarantie: Mit dieser Option können Versicherte ihre mögliche BU-Rente automatisch erhöhen, wenn bestimmte Anlässe wie zum Beispiel eine Hochzeit oder die Geburt eines Kindes eintreten. Eine solche Nachversicherung wäre ohne erneute Gesundheitsprüfung möglich.

Wie teuer ist eine BU-Versicherung?

Berufsunfähigkeit sorgt für einen harten Einschnitt im Leben - mit einer BU-Versicherung lässt sich der finanzielle Einschnitt zumindest begrenzen.
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BU-Versicherungen bringen nicht unerhebliche Kosten mit. Der genaue Beitrag hängt von vielen Faktoren ab:

  • Alter
  • Vorerkrankungen
  • Allgemeiner Gesundheitszustand
  • Beruf (Grad der Bürotätigkeit)
  • Höhe der gewählten BU-Rente
  • Hobbys (Gefährlichkeit)
  • Laufzeit der BU-Versicherung

Sehr junge Versicherte in guter Verfassung mit einem Bürojob können eine BU-Versicherung ab 30-34 Euro pro Monat abschließen. Jobs mit stärkerer körperlicher Komponente bringen auch im günstigsten Fall oft schon Beitrag von deutlich über 120 Euro pro Monat mit sich. Aus diesem Grund: Je eher eine BU-Versicherung abgeschlossen wird, desto günstiger der Beitrag.

Mit der richtigen BU-Versicherung günstig abgesichert

Unter dem Strich lässt sich festhalten, dass die BU-Versicherung für fast jeden Beschäftigten essenziell ist. Versicherte erhalten eine BU-Rente, wenn sie ihrem Job nicht mehr nachgehen können und halten so ihren Lebensstandard. Bei der Anbieterwahl sollten jedoch die Verträge genau vergleichen werden. So lassen sich die Leistungen optimieren und die Kosten niedrig halten.

Psychische Erkrankungen und Berufsunfähigkeit

In den letzten Jahren hat sich ein deutlicher Wandel in der Ursachenstatistik für Berufsunfähigkeit vollzogen: Psychische Erkrankungen stehen mittlerweile an erster Stelle. Mehr als jede dritte Berufsunfähigkeit in Deutschland geht auf psychische Belastungen zurück – Tendenz steigend. Diese Entwicklung hat nicht nur gesellschaftliche, sondern auch versicherungstechnische und gesundheitliche Relevanz.

Psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen, Burnout oder posttraumatische Belastungsstörungen beeinträchtigen die Arbeitsfähigkeit oft massiv. Sie entstehen meist nicht plötzlich, sondern entwickeln sich schleichend über Monate oder Jahre. Besonders betroffen sind Berufe mit hoher emotionaler oder sozialer Belastung, wie etwa Pflegekräfte, Lehrer, Manager oder Beschäftigte in sozialen Diensten. Aber auch monotone Tätigkeiten mit geringer Selbstwirksamkeit und ständiger Überwachung können psychisch stark belastend sein.

Ein zentrales Problem ist, dass psychische Erkrankungen häufig lange Zeit unerkannt bleiben oder von Betroffenen verdrängt werden. Der Weg zur Diagnose und damit auch zur Anerkennung einer Berufsunfähigkeit ist oft komplex. Ärzte müssen die Diagnose sorgfältig dokumentieren und den Zusammenhang zwischen Erkrankung und Arbeitsunfähigkeit deutlich machen. Versicherer prüfen bei psychischen Leiden meist besonders genau, was für Betroffene eine zusätzliche Belastung darstellen kann.

Aus gesundheitlicher Sicht ist daher frühzeitige Prävention entscheidend. Arbeitgeber können durch gezieltes betriebliches Gesundheitsmanagement, Stressprävention und Aufklärung zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen beitragen. Auch regelmäßige Gespräche, flexible Arbeitsmodelle und unterstützende Führungskultur helfen, psychische Belastungen frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.

Für den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist es besonders wichtig, psychische Vorerkrankungen offen anzugeben. Verschweigen oder Verharmlosen kann im Leistungsfall zur Ablehnung führen. Gleichzeitig sollten Versicherte darauf achten, dass psychische Erkrankungen nicht durch Ausschlüsse oder Klauseln begrenzt werden – ein genauer Blick in die Vertragsbedingungen ist hier unerlässlich.

Chronische Krankheiten und ihre Langzeitfolgen

Chronische Erkrankungen spielen eine zentrale Rolle im Zusammenhang mit Berufsunfähigkeit. Sie entwickeln sich oft über einen längeren Zeitraum, sind nicht heilbar und beeinflussen dauerhaft die Lebensqualität sowie die berufliche Leistungsfähigkeit. Aus gesundheitlicher Sicht zählen dazu unter anderem Diabetes mellitus, Multiple Sklerose, rheumatische Erkrankungen, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa), Herz-Kreislauf-Erkrankungen und chronische Lungenerkrankungen wie COPD oder Asthma bronchiale.

Diese Krankheiten sind oft mit fortschreitender Symptomatik und wiederkehrenden akuten Schüben verbunden, die den Berufsalltag stark beeinträchtigen können. Viele Betroffene versuchen zunächst, trotz gesundheitlicher Einschränkungen weiterzuarbeiten, was jedoch langfristig zu Überlastung und Verschlechterung des Gesundheitszustands führen kann. Die Berufsunfähigkeit tritt dabei häufig nicht plötzlich ein, sondern schleichend – ein Umstand, der sowohl die medizinische Einschätzung als auch die Anerkennung durch die Versicherung erschwert.

Aus versicherungsmedizinischer Sicht ist die Dokumentation der Krankheitsentwicklung entscheidend. Ärztliche Befunde, Therapieberichte und Reha-Maßnahmen müssen den schrittweisen Funktionsverlust und die daraus resultierende Arbeitsunfähigkeit belegen. Chronisch kranke Menschen sollten daher frühzeitig mit ihren behandelnden Ärzten über ihre berufliche Situation sprechen und eine kontinuierliche medizinische Begleitung sicherstellen.

Eine besondere Herausforderung ergibt sich bei Krankheiten mit unvorhersehbarem Verlauf, wie etwa Autoimmunerkrankungen. Hier schwanken die Symptome häufig, was eine objektive Beurteilung erschwert. Dennoch können diese Schwankungen auf lange Sicht die Belastbarkeit so stark einschränken, dass eine dauerhafte Berufsausübung nicht mehr möglich ist.

Auch beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist die chronische Vorerkrankung ein sensibles Thema. Viele Versicherer verlangen detaillierte Gesundheitsfragen, die über mehrere Jahre zurückreichen. Offenheit und Transparenz sind hier entscheidend, um im Leistungsfall keine Ablehnung zu riskieren. Es kann sinnvoll sein, eine anonyme Risikovoranfrage bei mehreren Versicherern durch einen spezialisierten Makler durchführen zu lassen.

Aus gesundheitlicher Sicht zeigt sich, dass chronische Erkrankungen nicht nur das tägliche Leben, sondern auch die langfristige Erwerbsfähigkeit maßgeblich beeinflussen. Ein frühzeitiger, ehrlicher Umgang mit der eigenen gesundheitlichen Situation – kombiniert mit einem passenden Versicherungsschutz – kann im Ernstfall existenzsichernd sein.

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