Chassaignac-Lähmung

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 17. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Eine Chassaignac-Lähmung tritt vor allem bei Kleinkindern im Alter bis vier Jahren auf. Hierbei wird das sogenannte Radiusköpfchen im Ellenbogengelenk ausgerenkt. Dies ist lediglich bei Kleinkindern möglich, da ab dem vierten Lebensjahr das Radiusköpfchen seine endgültige Größe erreicht. Grundsätzlich wird zwischen der Chassaignac-Lähmung und einer Ellenbogenverrenkung unterschieden, wobei die Übergänge meist für den Laien fließend sind.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Chassaignac-Lähmung?

Chassaignac Laehmung
Eine Chassaignac-Lähmung kommt grundsätzlich durch einen ruckartigen Zug zustande.
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Mit einer Ellenbogenverrenkung wird das Auskugeln des Ellenbogengelenkes bezeichnet. Dieses befindet sich zwischen dem Oberarmknochen und der Elle. Dahingegen kann man bei einer Chassaignac-Lähmung nur von einer Teilausrenkung sprechen, indem das Radiusköpfchen aus dem Ringband springt.

Von einer Ellenbogenverrenkung können sowohl Kinder als auch Erwachsene betroffen sein. Eine Chassaignac-Lähmung hingegen ist nur im Kleinkindalter möglich. Der Grund dafür ist, dass das Ringband bei Kleinkindern noch weit ist und das kleine Radiusköpfchen nicht fest umschließt. Fachlich wird die Chassaignac-Lähmung auch als Pronatio dolorosa bezeichnet, umgangssprachlich als „Sonntagsarm“.

Ursachen

Eine Chassaignac-Lähmung kommt grundsätzlich durch einen ruckartigen Zug zustande.

In den meisten Fällen, in der eine Chassaignac-Lähmung ausgelöst wird, stolpert das betreffende Kind und die Eltern versuchen es noch am Arm davor zu bewahren. Durch diesen starken Ruck kann es zu einer Auskugelung des Radiusköpfchens kommen.

Auch ein Zurückziehen des Kindes, wenn dieses vorrennen möchte, kann unter Umständen einen so großen Ruck auslösen, dass es ebenfalls zu einer Chassaignac-Lähmung kommen kann.


Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Chassaignac-Lähmung kann zu sehr unangenehmen Beschwerden führen, die sich im Allgemeinen sehr negativ auf die Lebensqualität und auf den Alltag des Betroffenen auswirken. In erster Linie führt die Chassaignac-Lähmung dabei zu einer Schonhaltung des Armes. Damit wird das Gelenk nicht belastet, sodass Schmerzen vermieden werden.

Bei einer Belastung des Gelenkes leiden die Betroffenen an starken Schmerzen und damit an Bewegungseinschränkungen. Bis zum Einrenken können die betroffenen Kinder den Arm nicht richtig zum Spielen oder für andere Aktivitäten benutzen.

Eine sichtbare Schwellung oder ein Bluterguss am Ellenbogen gehören dagegen nicht zum Bild der Chassaignac-Lähmung. Sie sprechen eher für einen Knochenbruch und müssen ärztlich abgeklärt werden.

Der Arm wirkt dabei wie gelähmt, weil das Kind ihn wegen der Schmerzen nicht bewegt; eine echte Nervenschädigung mit Störungen der Sensibilität liegt jedoch nicht vor. Eine Selbstheilung tritt bei dieser Krankheit nicht immer auf, sodass die Betroffenen in aller Regel auf eine medizinische Behandlung angewiesen sind. Die Lähmung wirkt sich allerdings nicht negativ auf die Lebenserwartung des Betroffenen aus und verringert diese nicht. Alle Beschwerden verschwinden schlagartig, sobald der Arzt das Radiusköpfchen wieder eingerenkt hat.

Diagnose & Verlauf

Das Kind wird bei einer Chassaignac-Lähmung den betroffenen Arm ruhig halten. Dabei wird der Arm in den meisten Fällen einfach ruhig nach unten gehalten. Man kann sozusagen von einer Haltung des Armes in einer Neutralstellung sprechen.

Der Unterarm und auch die Hand werden dabei leicht vom Kind nach innen gehalten, um das Gelenk zu schonen. Dieses Verhalten wird Pronation genannt. Das Kind wird diesen Arm nicht mehr bewegen und kann zudem unter großen Schmerzen leiden.

Eine Schwellung direkt über dem Radiusköpfchen oder ein Taubheitsgefühl in der Hand oder im Unterarm gehören dagegen nicht zum typischen Bild und weisen auf eine andere Verletzung hin.

Eine Chassaignac-Lähmung wird vom behandelnden Arzt meist sofort an der entsprechenden Haltung und den weiteren Symptomen erkannt und bedarf meist keiner weiteren Diagnose. Ist der Unfallhergang typisch und besteht weder eine Schwellung noch ein Bluterguss, ist eine Röntgenaufnahme nicht erforderlich.

Komplikationen

Bei der Chassaignac-Lähmung kommt es zu sehr starken Schmerzen, die vor allem Kinder extrem belasten können. Die Schmerzen treten allerdings nur zu Anfang der Erkrankung auf und verschwinden dabei danach wieder. Der Arm des Kindes ist dabei gelähmt und kann nicht mehr bewegt werden. Dabei dreht oder bewegt das Kind vor allem den Unterarm nicht mehr, wodurch starke Einschränkungen im Alltag entstehen.

Es ist für den Patienten nicht mehr möglich, bestimmte Dinge zu greifen oder zu nehmen oder die Arme zum Beispiel zum Spielen zu benutzen. Diese Einschränkung besteht jedoch nur bis zum Einrenken. Bleibt die Fehlstellung unbehandelt, halten Schonhaltung und Schmerzen unnötig lange an; bleibende Schäden sind daraus aber nicht zu erwarten. Auch nach der erfolgreichen Behandlung besteht ein geringes Risiko, dass die Lähmung erneut beim Patienten auftritt.

Bei der Behandlung selbst treten keine weiteren Komplikationen auf. Diese kann durch den Arzt direkt mit einem speziellen Handgriff erfolgen und befreit den Patienten direkt vom Symptom. Eine Ruhigstellung im Gips ist danach nicht erforderlich; sie kommt allenfalls in Betracht, wenn zusätzlich eine andere Verletzung am Arm vorliegt. Auch können noch nach der Behandlung Schmerzen auftreten. Weitere Komplikationen treten nicht auf.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei Verdacht auf eine Chassaignac-Lähmung sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden. Nur ein Mediziner kann das ausgerenkte Radiusköpfchen wieder in seine Ausgangsposition bringen und dadurch auch die Beschwerden beheben. Sollten also plötzlich leichte Schmerzen im Bereich des Ellenbogens auftreten, die auf keine andere Ursache zurückzuführen sind, ist ärztlicher Rat gefragt. Weitere Warnzeichen, die einer Abklärung bedürfen, sind Lähmungserscheinungen, die scheinbar ganz plötzlich auftreten und mitunter auch eine leichte Rötung in der Beuge des Ellenbogens.

Eltern, die bei ihrem Kind entsprechende Symptome bemerken, machen am besten sofort einen Termin beim Kinderarzt aus. Eine sofortige Behandlung verhindert, dass sich die Symptome verstärken und bringt in der Regel eine rasche Linderung der Beschwerden. Bleibt die Chassaignac-Lähmung allerdings unbehandelt, hält die schmerzhafte Schonhaltung des Armes unnötig lange an. Deshalb gilt: sofort einen Arzt konsultieren, wenn das Kind – betroffen sind vor allem Kleinkinder bis zum fünften Lebensjahr – einen Arm plötzlich nicht mehr oder nur noch eingeschränkt benutzt oder über Schmerzen klagt.

Behandlung & Therapie

Bei unklarem Unfallhergang, einer Schwellung oder einem Bluterguss steht am Anfang der Behandlung eine Röntgenaufnahme des betroffenen Armes. Hierdurch sollen gegebenenfalls mitverursachte Knochenbrüche erkannt werden. Dies ist allerdings bei einer Chassaignac-Lähmung nicht die Regel, wird aber zur Sicherheit bei entsprechenden Symptomen zum Beispiel nach einem schweren Sturz durchgeführt.

Ist der Hergang dagegen typisch, wird ohne vorherige Röntgenaufnahme eingerenkt. Der Arzt dreht dazu den Unterarm nach außen (Supination) und beugt gleichzeitig den Ellenbogen; das Radiusköpfchen rutscht dabei meist mit einem tastbaren Schnappen in seine Position zurück. Der ganze Handgriff dauert nur Sekunden, und das Kind benutzt den Arm anschließend in der Regel innerhalb weniger Minuten wieder ganz normal.

Das Einrenken geschieht sehr schnell, da eine anhaltende Quetschung oder Überdehnung der benachbarten Nerven und Blutgefäße verhindert werden soll. Ansonsten könnte es zu unliebsamen Folgeschäden kommen.

In seltenen Fällen wird dem betroffenen Kind vor der Einrenkung ein Schmerz- oder Beruhigungsmittel gegeben. Hierdurch soll verhindert werden, dass das Kind seine Muskeln anspannt und eine Einrenkung erschwert wird. Meist läuft dieser Schritt ohne Probleme ab und das Kind kann seinen Arm danach gewohnt bewegen.

Nach der Einrenkung erfolgt aber meist eine erneute Untersuchung des Armes. Dabei achtet der behandelnde Arzt besonders darauf, dass das Ellenbogengelenk ausreichend stabil ist. Denn bei dem Herausspringen des Radiusköpfchens können Gelenkbänder und Gelenkkapseln beschädigt oder vereinzelnd ganz zerrissen worden sein. Hierdurch kann das Radiusköpfchen schnell erneut herausspringen. Des Weiteren wird der Mediziner abklären, ob Gefühlsstörungen im Arm bestehen und nicht zurückgehen. Sollte dies der Fall sein, so kann dies für eine Verletzung der benachbarten Nerven sprechen. Auch eine Beschädigung von Blutgefäßen könnte verursacht worden sein.

Sofern eine starke Instabilität festgestellt wurde, muss operativ gehandelt werden, um bleibende Schäden zu verhindern. Nur in einem solchen Fall wird dem betroffenen Kind eine Gipsschiene für circa zwei bis drei Wochen angelegt, um einem erneuten Herausspringen vorzubeugen; nach einer unkomplizierten Einrenkung ist das nicht nötig. Auch eine Krankengymnastik kann angeordnet werden, wenn die Bewegungsfähigkeit nicht von alleine wiederhergestellt werden kann.

Dies ist aber meist nur in sehr schweren Fällen erforderlich. Bei einer Ausrenkung durch einen „normalen“ Ruck kann das Kind ohne Probleme den Arm nach der Einrenkung bewegen und hat auch keine Schmerzen mehr. Selbst die vorherige Gabe von Schmerz- und Beruhigungsmitteln ist meist entbehrlich.

Aussicht & Prognose

In den meisten Fällen kommt es bei der Chassaignac-Lähmung nicht zu dauerhaften oder zu langwierigen Schäden. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn die Verletzung sofort von einem Arzt kontrolliert wird, welcher das Köpfchen wieder einrenken kann. Dadurch werden keine Nerven geschädigt, sodass es zu keinen weiteren Beschwerden kommt. Das Kind kann nach dem Einrenken den Arm ohne Einschränkungen bewegen.

In der Regel sind allerdings auch nach dem Einrenken noch einige Untersuchungen notwendig, um weitere Beschädigungen zu erkennen. Bei einer Instabilität kann diese durch einen operativen Eingriff und durch eine anschließende Krankengymnastik behandelt werden. Die Beweglichkeit wird dadurch in der Regel nicht negativ beeinflusst und kann vollständig wiederhergestellt werden. Operative Eingriffe sind nur selten und in schwerwiegenden Fällen bei starken Verletzungen notwendig.

Die Einrenkung selbst kann mit Schmerzen verbunden sein, danach treten beim Bewegen allerdings keine Schmerzen mehr auf. In den meisten Fällen kann die Chassaignac-Lähmung damit vollständig behandelt werden, sodass es zu einem positiven Krankheitsverlauf kommt. Nur bei einer verzögerten Behandlung können Komplikationen auftreten.


Vorbeugung

Es sollte somit darauf geachtet werden, dass man sein Kind nicht zu doll am Arm zieht, um einer Chassaignac-Lähmung vorzubeugen. Kinder sollten außerdem nicht an den Händen hochgeschwungen oder ruckartig am Arm hochgezogen werden; besser fasst man sie zum Führen am Oberarm oder unter den Achseln.

Nachsorge

Bei der Chassaignac-Lähmung sind die Maßnahmen der Nachsorge in der Regel stark eingeschränkt oder stehen dem Betroffenen gar nicht zur Verfügung. Die Krankheit muss in erster Linie früh erkannt und durch einen Arzt behandelt werden, damit die Beschwerden rasch verschwinden und es nicht zu weiteren Komplikationen kommt. Je früher die Chassaignac-Lähmung dabei erkannt und behandelt wird, desto besser ist meist auch der weitere Verlauf dieser Erkrankung.

Im Allgemeinen sollte die Tätigkeit vermieden werden, welche zur Chassaignac-Lähmung geführt hat. Nach dem Einrenken darf der Arm sofort wieder normal benutzt werden; eine Ruhigstellung oder Schonung über Tage ist nicht nötig. In einigen Fällen ist bei dieser Krankheit auch eine Physiotherapie notwendig, wobei der Betroffene einige der Übungen auch im eigenen Zuhause selbst durchführen und damit die Heilung beschleunigen kann.

Da die Krankheit meist schon bei kleinen Kindern auftritt, sollten die Eltern die Kinder bei der Behandlung immer unterstützen und ihnen gut zureden. Bei starken Schmerzen sind Schmerzmittel zu verabreichen, wobei diese nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden sollten. Nach einer unkomplizierten Einrenkung sind regelmäßige Kontrollen beim Arzt dagegen nicht erforderlich.

Das können Sie selbst tun

Bei der Chassaignac-Lähmung handelt es sich um eine Teilausrenkung des Ellenbogens, bei der das Radiusköpfchen aus dem Ringband springt. Diese Störung kann nur bei Kleinkindern auftreten, da das Radiusköpfchen seine endgültige Größe meist während des vierten Lebensjahres erreicht. Bei einer Chassaignac-Lähmung ist rasches Handeln seitens der Eltern oder der Betreuer eines Kleinkindes gefragt. Wird die Verletzung nicht erkannt, halten Schonhaltung und Schmerzen unnötig lange an; bleibende Schäden oder schwere Langzeitfolgen sind daraus jedoch nicht zu befürchten.

Eine Chassaignac-Lähmung verursacht zu Beginn meist starke Schmerzen. Eltern sollten solche Beschwerden immer sehr ernst nehmen und einen Arzt konsultieren, auch wenn scheinbar keine ernsthafte Verletzungshandlung vorausgegangen ist. Meist kommt es durch ruckhafte Bewegungen zur Chassaignac-Lähmung. Dies kann der Fall sein, wenn Kinder sich beim Spielen gegenseitig am Arm zerren oder wenn Eltern ein stürzendes Kind gerade noch am Arm festhalten können. Häufig ist der Auslöser für die Störung völlig unspektakulär.

Übersehen wird die Verrenkung vor allem dann, wenn die Kinder keine akuten Schmerzen haben. Eltern sollten darum auf bestimmte Verhaltensweisen immer zeitnah reagieren. Auch wenn Kinder nicht unter Schmerzen leiden, können sie den von der Chassaignac-Lähmung betroffenen Arm meist nicht bewegen oder versuchen ihn zu schonen. Eltern, die ein solches Verhalten beobachten, sollten sofort einen Arzt hinzuziehen, auch wenn das Kind nicht über Beschwerden klagt.

Quellen

  • Hefti, F.: Kinderorthopädie in der Praxis.
    ISBN: 9783642449949
  • Niethard, F. U., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Duale Reihe Orthopädie und Unfallchirurgie.
    ISBN: 9783132443150
  • Claßen, M., Illing, S., Sommerburg, O. (Hrsg.): Klinikleitfaden Pädiatrie.
    ISBN: 9783437227233
  • Speer, C. P., Gahr, M., Dötsch, J. (Hrsg.): Pädiatrie.
    ISBN: 9783662572948
  • von Schweinitz, D., Ure, B. (Hrsg.): Kinderchirurgie.
    ISBN: 9783662582022

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