Gartner-Zyste
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 19. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Gartner-Zyste ist eine Zyste in der Wand der oberen zwei Drittel der Vagina, die aus zurückgebliebenen Relikten des Gartner-Gangs entsteht. Die Zysten sind relativ groß, aber verursachen meist keine Beschwerden. Nach einem Zufallsbefund ist eine Behandlung nur bei Beschwerden nötig, sie erfolgt dann durch Punktion oder Operation.
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Was ist eine Gartner-Zyste?
Zysten sind flüssigkeitsgefüllte Hohlräume, die abgekapselt wirken und mit Epithel ausgekleidet sind. Sie können in so gut wie allen Geweben und an verschiedensten Körperstellen vorkommen. Eine Zysten-Gruppe sind beispielsweise die Vaginalzysten, die in der Vaginalwand auftreten können. Neben den Inklusionszysten sind die Gartner-Zysten eine der wichtigsten Unterkategorien der Vaginalzyste.
Gartner-Zysten weisen eine relativ große Gestalt auf und entstehen aus embryonalen Geweberesten. Meist liegen Gartner-Zysten in den oberen zwei Dritteln der Scheide und betreffen das Gewebe des Gartner-Gangs, dessen Ursprung der embryonale Ductus mesonephricus oder Wolff-Gang ist. Die Gartner-Zyste betrifft zwischen einem und zwei Prozent aller Frauen.
Das Alter spielt bei der Entstehung keine Rolle. Vermutlich liegt die Dunkelziffer der Betroffenen weit höher. Da die Zysten nur selten Beschwerden verursachen, werden sie wahrscheinlich häufig nicht erkannt. Gartner-Zysten ohne Epithelauskleidung sind sogenannte Pseudozysten und lassen sich somit nicht als echte Gartner-Zysten bezeichnen.
Ursachen
Die Entwicklung einer Zyste kann mit verschiedenen Ursachen in Zusammenhang stehen. Wie auch solche in der Brust oder den Eierstöcken wird auch für Zysten in der Scheide der Einfluss von Hormonen als ursächlicher Faktor diskutiert. In der Diskussion stehen außerdem Ablaufstörungen und Parasiten oder Erbzusammenhänge. Erwiesen ist bislang nur, dass sich Gartner-Zysten aus Geweberelikten des Gartner-Gangs bilden.
Da dieser Gang einem Relikt aus dem Ductus mesonephricus entspricht, können auch Störungen während der embryonalen Entwicklung bei einer Disposition für Gartner-Zysten eine Rolle spielen. Bei der weiblich embryonalen Sexualdifferenzierung bildet sich der Urnierengang eigentlich vollständig zurück und lässt nur geringe Überreste bestehen. Gartner-Zysten betreffen offenbar Frauen, bei denen ein Bereich im unteren Abschnitt des Urnierengangs erhalten geblieben ist. Weil sich Urnierengang und Nierenanlage gemeinsam entwickeln, treten Gartner-Zysten gehäuft zusammen mit Fehlbildungen der Nieren und der ableitenden Harnwege auf, etwa einem einseitigen Fehlen der Niere oder einem fehlmündenden Harnleiter.
Die definitiven Ursachen der Vaginalzyste bleiben bislang dennoch unklar. Wie bei allen anderen Zysten sind unterschiedlichste Zusammenhänge und kombinierte Faktoren vorstellbar. Sowohl äußere, als auch genetische Faktoren können eine Rolle spielen.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Die deutliche Mehrheit aller Vaginalzysten ist vollständig asymptomatisch. Da die Gartner-Zyste einer relativ großen Zyste entspricht, lässt sie sich von Patientinnen unter Umständen ertasten. Die Betroffenen beschreiben den Tastbefund meist als pralle und elastische Wölbung ins Vaginallumen hinein. Alle weiteren Symptome hängen vor allem von der genauen Größe der Gartner-Zyste ab.
Falls überhaupt Symptome bestehen, handelt es sich bei den Beschwerden in den meisten Fällen um absolut unspezifische Symptome. Eine stark vorgewölbte Vaginalwand kann zum Beispiel das Sexualleben beeinträchtigen oder beim Einführen eines Tampons stören. Einige Patientinnen beschreiben Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Andere sind wesentlich häufiger von Entzündungen der Blase betroffen. Dieses Phänomen ist dadurch erklärbar, dass große Gartner-Zysten abhängig von ihrer genauen Lokalisation unter Umständen Bakterien anstauen.
Diese können in die Harngänge und die Blase geschoben werden und dort Entzündungen hervorrufen. In den meisten Fällen suchen Patientinnen den Arzt aber nicht wegen Beschwerden auf, die im Rahmen der Gartner-Zyste entstanden sind. Häufig sind sie wegen der absoluten Asymptomatik des Phänomens über den Befund sogar verstört. Nur in absoluten Einzelfällen platzen Gartner-Zysten, bevor sie überhaupt bemerkt werden. In diesem Fall können sich starke Schmerzen und Blutungen einstellen.
Diagnose
Die Gartner-Zyste ist in den meisten Fällen ein gynäkologischer Zufallsbefund. Die Erstabklärung besteht aus der gynäkologischen Tastuntersuchung und dem vaginalen Ultraschall. Dabei geht es vor allem um die Abgrenzung gegen andere Vorwölbungen der Scheidenwand, etwa eine Zystozele, ein Divertikel der Harnröhre oder eine Bartholin-Zyste — eine Unterscheidung, die die betroffene Frau selbst nicht treffen kann. Um die Verdachtsdiagnose auf eine vaginale Zyste zu sichern und die Zyste als Gartner-Zyste zu identifizieren, dient ein MRT. Gartner-Zysten haben im Rahmen von T2-gewichteten Bildsequenzen des MRTs eine signalisch hohe Intensität und weisen in T1-gewichteten Sequenzen des MRTs entweder eine niedrige oder eine mittlere Intensität des Signals auf.
Im Einzelfall hängt die Signalintensität vom Proteingehalt des Zysteninnenraums ab. Eine Zystenpunktion klärt die Frage nach der Gutartigkeit der entdeckten Anomalien. Die Flüssigkeit aus der Zyste wird dazu ins Labor gegeben und dort zytologisch untersucht. Gartner-Zysten sind mit einer günstigen Prognose assoziiert und neigen nicht zur Entartung. Da Gartner-Zysten mit Fehlbildungen der Nieren und der ableitenden Harnwege einhergehen können, gehört eine Ultraschalluntersuchung der Nieren mit zur Abklärung.
Komplikationen
In den meisten Fällen kommt es durch die Gartner-Zyste nicht zu Komplikationen oder Beschwerden. Meistens wird diese auch nicht wahrgenommen, da es nicht zu Schmerzen oder anderen Beschwerden kommt. Die Patientin kann die Gartner-Zyste gegebenenfalls ertasten und aus diesem Grund eine Untersuchung durchführen lassen. Oft wird die Zyste daher schon frühzeitig diagnostiziert, sodass die Behandlung sofort erfolgen kann.
Durch die starke Wölbung kommt es in vielen Fällen zu Schmerzen beim Sexualverkehr. Diese können auch den anderen Partner negativ beeinflussen und zu psychischen Beschwerden führen. In schwerwiegenden Fällen kann es auch zu einer Entzündung der Blase kommen, die schmerzhaft verläuft und im schlimmsten Falle auf das Nierenbecken übergreifen kann. In der Regel wird die Gartner-Zyste behandelt, bevor sie aufplatzt.
Eine Behandlung muss vor allem dann stattfinden, wenn die Zyste Beschwerden verursacht und daher entfernt werden muss. Die Entfernung verläuft meistens ohne Komplikationen. Beschwerdefreie Zysten werden in den meisten Fällen nicht entfernt, sondern lediglich in Abständen kontrolliert. Auch bei Schmerzen werden operative Eingriffe eingesetzt. Die Lebenserwartung ist durch die Gartner-Zyste nicht verringert.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Da die Gartner-Zyste häufig vollständig symptomfrei für den Patienten ist, wird sie in den meisten Fällen erst bei einer Routineuntersuchung festgestellt. Ratsam ist es grundsätzlich, an den angebotenen Kontrolluntersuchungen teilzunehmen, um Erkrankungen frühzeitig erkennen und behandeln zu können.
Setzen darüber hinaus Beschwerden ein, sollte auch außerhalb der jährlichen frauenärztlichen Untersuchung ein Arzt konsultiert werden. Bei allgemeinem Unwohlsein, einem diffusen Gefühl, dass etwas nicht stimmen könnte oder sexuellen Störungen, ist ein Arztbesuch ratsam.
Kommt es zu einem ungewöhnlichen Ausfluss aus der Vagina oder ändert sich der gewohnte Körpergeruch des Intimbereichs, sind die Beobachtungen mit einem Arzt zu besprechen. Ein eitriger Ausfluss weist auf Erkrankungen hin, die behandelt werden müssen. Bei Unregelmäßigkeiten der Monatsblutung, Schmerzen während des Geschlechtsaktes oder Veränderungen der Libido wird ein Arzt benötigt.
Ein Arztbesuch ist ebenfalls vonnöten, wenn durch eigene Abtastungen im Scheidenkanal oder am Gebärmutterhals Unregelmäßigkeiten wahrgenommen werden. Kommt es zu Entzündungsbeschwerden der Blase, einer allgemeinen Reizbarkeit oder ungewöhnlichen Blutungen, ist ein Arzt aufzusuchen.
Bei Schmerzen oder einem Druckgefühl im Unterleib ist ebenfalls die Rücksprache mit einem Arzt erforderlich. In seltenen Fällen setzen Juckreiz oder eine innere Unruhe ein. Mit diesen Hinweisen sollte der Betroffene bei einem Arzt vorstellig werden, wenn sie über mehrere Wochen anhalten.
Behandlung & Therapie
Bei einer gutartigen und symptomlosen Gartner-Zyste muss nicht zwingend eine Behandlung stattfinden. Da es sich um einen embryonalen Gewebsrest handelt, bildet sich eine Gartner-Zyste zwar meist nicht von selbst zurück, sie bleibt aber häufig über Jahre unverändert und beschwerdefrei. Aus diesem Grund kann vor einem Eingriff zum Beispiel Abwarten sinnvoll sein. Regelmäßige Kontrollen sollten in dieser Zeit zumindest stattfinden. Falls die Zyste Beschwerden hervorruft, sollte sie ohne weiteres Abwarten entfernt werden.
Die Entfernung einer Gartner-Zyste kann einem minimal-invasiven Verfahren entsprechen. Die Punktierung der Zyste kann zum Beispiel die enthaltende Flüssigkeit abfließen lassen. Die Zyste bildet sich danach idealerweise zurück. Falls ein Rezidiv auftritt und sich die Abkapselung wieder mit Flüssigkeit füllt, findet eine kleine Operation statt. Auch bei schmerzvollen Gartner-Zysten gilt die Operation als Mittel der Wahl.
Im Rahmen des operativen Eingriffs kann die Zyste vollständig entfernt werden. Damit ist ausgeschlossen, dass sie sich nach geraumer Zeit wieder mit Flüssigkeit füllt. Falls die Patientin trotz einer wieder aufgetretenen Gartner-Zyste die Operation ablehnt, sollte sie zumindest an regelmäßigen Kontrolluntersuchungen teilnehmen. Obwohl die Gartner-Zyste selbst nicht zur Entartung neigt, sichern die Kontrollen ab, dass sich hinter der Vorwölbung der Scheidenwand kein anderer Prozess verbirgt.
Aussicht & Prognose
Die Prognose einer Gartner-Zyste ist insgesamt günstig. Häufig führen die gutartigen Gewebeveränderungen zu keiner Beeinträchtigung und bleiben von der betroffenen Person unbemerkt. Durch Zufallsbefunde kommt es zu einer Diagnosestellung, die nicht immer eine Behandlung nach sich zieht. Da die Gartner-Zyste an Umfang zunehmen kann, besteht dennoch jederzeit die Möglichkeit von Engegefühlen oder Störungen bei sexuellen Aktivitäten.
Obgleich es durch das Wachstum der Zyste zu verschiedenen Beschwerden kommen kann, ändert sich die Prognose bei diesen Fällen nicht. Sie bleibt weiterhin gut. Entscheiden sich Arzt und Patient zu einer Entfernung der Zyste, können die üblichen Komplikationen auftreten. Ein chirurgischer Eingriff ist grundsätzlich mit Risiken verbunden, die auch bei einer örtlichen Betäubung auftreten können. Nach einer erfolgreichen Entfernung und Wundheilung ist automatisch eine Beschwerdefreiheit gegeben.
Dennoch kann es im Verlauf des Lebens zu einer erneuten Ausbildung einer Gartner-Zyste kommen. Die Prognose bleibt bei einer erneuten Entwicklung der Gewebeveränderung weiterhin günstig.
Eine Entartung der Gartner-Zyste selbst ist nicht beschrieben. In seltenen Fällen verbirgt sich hinter einer vermeintlichen Zyste in der Scheidenwand jedoch eine andere Gewebeveränderung, im Extremfall auch Krebs. Damit kommt es zu einer Verschlechterung der Prognose. Je eher eine Diagnosestellung möglich ist und eine Behandlung initiiert ist, desto besser sind die Heilungsaussichten. Deshalb sollte jede neu auftretende oder wachsende Vorwölbung in der Scheide ärztlich abgeklärt werden.
Vorbeugung
Gartner-Zysten entstehen vermutlich immer dann, wenn große Anteile des Gartner-Gangs zurückgeblieben sind. Da es sich dabei um einen angeborenen embryonalen Gewebsrest handelt, lässt sich einer Gartner-Zyste nicht vorbeugen. Auch die Intimhygiene hat auf ihre Entstehung keinen Einfluss.
Nachsorge
Bei einer Gartner-Zyste stehen dem Betroffenen nur sehr eingeschränkt Möglichkeiten der Nachsorge zur Verfügung. Dabei ist der Patient in erster Linie auf die Behandlung und auf die Entfernung dieser Zyste angewiesen, um weitere Komplikationen zu verhindern. Im Allgemeinen wirken sich dabei vor allem eine frühzeitige Diagnose mit einer frühzeitigen Behandlung positiv auf den Verlauf dieser Krankheit aus und können weitere Beschwerden verhindern.
Je früher die Gartner-Zyste dabei erkannt wird, desto besser ist in der Regel auch der weitere Verlauf dieser Erkrankung. In den meisten Fällen wird die Gartner-Zyste durch einen operativen Eingriff entfernt. Nach einem solchen Eingriff sollte sich der Betroffene dabei immer ausruhen und den Körper schonen.
Hierbei ist von Anstrengungen oder von anderen stressigen Tätigkeiten abzusehen, um den Körper nicht unnötig anzustrengen und zu belasten. In vielen Fällen sind auch noch weitere Nachsorgeuntersuchungen notwendig, um das vollständige Abheilen der Gartner-Zyste zu garantieren. Auch regelmäßige Untersuchungen nach einem erfolgreichen Eingriff können dabei sinnvoll sein.
Ergibt die feingewebliche Untersuchung wider Erwarten einen bösartigen Befund, schließen sich weitere Untersuchungen zur Ausbreitung des Tumors an. In den meisten Fällen verringert diese Krankheit nicht die Lebenserwartung der Betroffenen.
Das können Sie selbst tun
Eine gutartige und symptomlose Gartner-Zyste muss nicht unbedingt behandelt werden. Auf die Zyste selbst hat die Intimhygiene allerdings keinen Einfluss, denn sie ist ein embryonaler Gewebsrest und keine Folge mangelnder Sauberkeit. Einmal untersucht werden sollte der Befund dennoch: Nur der Gynäkologe kann eine Gartner-Zyste von einer Zystozele, einem Harnröhrendivertikel oder einer Bartholin-Zyste unterscheiden. Danach genügt es meist, die Zyste bei den üblichen Kontrollterminen im Auge zu behalten und darauf zu achten, dass sie sich nicht vergrößert. Sollten Beschwerden oder ernste Komplikationen auftreten, ist erneut mit dem Gynäkologen zu sprechen.
Begleitend zur ärztlichen Behandlung können dann, abhängig von den Beschwerden, verschiedene Maßnahmen ergriffen werden. Bei einer Blasenentzündung helfen Wärme und viel Schlaf. Schmerzen lassen sich durch Heilkräuter aus der Natur, aber auch durch warme Wickel oder ein heißes Bad mit ätherischen Zusätzen lindern.
Begleitend dazu muss gemeinsam mit dem Arzt entschieden werden, ob die Zyste entfernt werden soll. Eine operative Entfernung der Zyste ist unproblematisch und bedarf keiner besonderen Vorbereitung durch den Patienten. Es empfiehlt sich jedoch, vor dem Eingriff keine Genussmittel einzunehmen und ansonsten die Anweisungen des zuständigen Arztes zu befolgen.
Nach der Operation sollte sich die betroffene Person für einige Tage krankschreiben lassen. Anschließend ist Bettruhe und Schonung angezeigt. Zudem sollte die Stelle des Eingriffs gut beobachtet und bei Rötung, Schwellung, Fieber oder zunehmenden Schmerzen umgehend vom Frauenarzt untersucht werden, denn so lassen sich Wundheilungsstörungen frühzeitig erkennen.
Quellen
- Weyerstahl, T., Stauber, M.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe.
ISBN: 9783132411012
- Kaufmann, M., Costa, S. D., Scharl, A. (Hrsg.): Die Gynäkologie.
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- Janni, W., Hancke, K., Fehm, T., et al. (Hrsg.): Facharztwissen Gynäkologie.
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- Böcker, W., Denk, H., Heitz, P. U., et al. (Hrsg.): Lehrbuch Pathologie.
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- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655

