Neutral-Null-Methode

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 3. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Mit der Neutral-Null-Methode bewertet und dokumentiert der Orthopäde das Bewegungsausmaß eines Gelenks anhand eines dreistelligen Codes, der einheitlich festgelegt ist und bis ins Versicherungswesen nachvollzogen werden kann.

Der Patient steht bei der Neutral-Null-Methode zunächst in Neutralstellung aller Gelenke und bewegt die Gelenke von dieser Neutralstellung auf Aufforderung schließlich einzeln vom Körper fort und zum Körper hin, wobei die Bewegungsfähigkeit in Form eines Winkels um die jeweilige Bewegungsachse angegeben wird.

Vor allem gutachterliche Stellungnahmen im Rahmen der gesetzlichen Unfallversicherung, einer Privatversicherung oder eines sozialgerichtlichen Gutachtens lassen sich mit der Neutral-Null-Methode vornehmen, aber auch im rein klinischen Bereich ist die Methode relevant und dient hier insbesondere der Einschätzung von krankheits- oder unfallbedingten Einschränkungen im Alltag.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Neutral-Null-Methode?

Neutral Null Methode
Mit der Neutral-Null-Methode bewertet und dokumentiert der Orthopäde das Bewegungsausmaß eines Gelenks.

Die Neutral-Null-Methode ist ein Index, der der Orthopädie zur Bewertung und Dokumentation von Gelenkbeweglichkeit dient. Der Index wird in Form eines dreistelligen Codes festgehalten. Dieser Code gibt das maximale Bewegungsausmaß des Gelenks als Winkelgrad um eine bestimmte Achse an.

Die Neutral-Null-Stellung des Gelenks markiert die Ausgangsposition. Sie ist gleichbedeutend mit einem Winkel von Null Grad, wie er in den Gelenken bei aufrechtem Stand mit parallel stehenden Beinen, entspannt hängenden Armen und nach vorne gerichtetem Daumen vorliegt. Von dieser neutralen Stellung aus wird die Beweglichkeit bei der Neutral-Null-Methode durch Auslenkungen in verschiedene Richtungen festgestellt. Die erste Zahl des Codes entspricht dabei in der Regel einer Bewegung vom Körper fort, die zweite Zahl ist die Ziffer 0 für die Neutral-Null-Stellung und die dritte Ziffer beschreibt eine Bewegung zum Körper hin.

In Einzelfällen lässt sich das Bewegungsausmaß aber auch nach der entgegengesetzten Reihenfolge angeben. Bei Gelenken mit mehreren Bewegungsachsen hält der Orthopäde für jede Achse einen eigenen Code fest. Da die Verschriftlichung standardisiert ist, lässt sich das Bewegungsausmaß eines Gelenks in Befunden und Briefen so unmissverständlich veranschaulichen. Damit kann der Schweregrad einer Bewegungseinschränkung institutionsunabhängig verständlich gemacht werden.

Der Name des Verfahrens erklärt sich aus seinem Ausgangspunkt. „Neutral“ bezeichnet die festgelegte Grundstellung, aus der heraus jede Messung beginnt, „Null“ den Winkel, der dieser Grundstellung zugeordnet wird. Alles, was gemessen wird, ist eine Abweichung von dieser Null - und weil die Grundstellung für jedes Gelenk verbindlich beschrieben ist, bedeutet dieselbe Zahl bei zwei verschiedenen Untersuchern dasselbe. Genau darin liegt der Wert der Methode: Sie ersetzt Beschreibungen wie „gut beweglich“ oder „deutlich eingeschränkt“, die jeder anders auslegt, durch eine Angabe, die sich vergleichen lässt.

Angewendet wird das Verfahren nicht allein in der Orthopädie und der Unfallchirurgie. Es gehört ebenso zum Handwerkszeug der Physiotherapeuten und Ergotherapeuten, der Rheumatologie, der Sportmedizin, der Handchirurgie und der Rehabilitation. Überall dort geht es um dieselbe Frage: Wie weit lässt sich ein Gelenk bewegen, und wie verändert sich dieser Umfang im Laufe einer Behandlung?

Gemessen wird mit einem Winkelmesser, dem sogenannten Goniometer. Es besteht aus zwei beweglichen Schenkeln und einer Gradskala. Der Drehpunkt des Geräts wird an der Drehachse des Gelenks angelegt, die beiden Schenkel werden an festgelegten Bezugspunkten der angrenzenden Körperabschnitte ausgerichtet - etwa an der Längsachse eines Knochens. Anschließend liest der Untersucher den Winkel in Grad ab. Neben dem klassischen Winkelmesser sind Neigungsmesser und digitale Hilfsmittel gebräuchlich; das Messprinzip bleibt dasselbe.

Für die verschiedenen Bewegungsrichtungen sind feste Begriffspaare üblich, die jeweils gegenläufige Bewegungen bezeichnen und deshalb gemeinsam in einem Code stehen: Streckung und Beugung, Abspreizen und Heranführen, Auswärts- und Einwärtsdrehung. Am Unterarm heißen die Drehbewegungen Auswärts- und Einwärtsdrehung der Handfläche, am Handgelenk spricht man von der Bewegung zur Speichen- beziehungsweise zur Ellenseite, am Sprunggelenk vom Heben und Senken des Fußes. Weil ein Gelenk je nach Bauart in einer, zwei oder drei Achsen beweglich ist, entstehen entsprechend viele Codes: Das Kniegelenk wird im Wesentlichen in einer Achse beurteilt, das Hüftgelenk und das Schultergelenk dagegen in mehreren.

Wichtig ist außerdem die Unterscheidung zwischen aktiver und passiver Beweglichkeit. Aktiv bewegt der Patient das Gelenk aus eigener Kraft; passiv führt der Untersucher die Bewegung, während der Patient die Muskulatur entspannt. Beide Werte können deutlich voneinander abweichen. Ist die passive Beweglichkeit gut, die aktive aber gering, spricht das eher für ein Problem der Muskeln oder Sehnen; ist auch passiv kein größerer Umfang zu erreichen, liegt die Ursache eher im Gelenk selbst oder in verkürzten Bändern und Kapselanteilen. Zu einer vollständigen Dokumentation gehört deshalb der Vermerk, auf welche Weise gemessen wurde.

Aussagekräftig wird ein Messwert schließlich erst im Vergleich. Weil die Beweglichkeit von Mensch zu Mensch erheblich schwankt und mit dem Lebensalter abnimmt, wird nach Möglichkeit die nicht betroffene Gegenseite mitgemessen. Sie liefert den individuellen Bezugspunkt, an dem sich ablesen lässt, wie groß das Defizit tatsächlich ist. Bei beidseitigen Beschwerden entfällt dieser Vergleich, und die Beurteilung stützt sich stärker auf den Verlauf über die Zeit.

Funktion, Wirkung & Ziele

Der Neutral-Null-Methode kommt vor allem in Zusammenhang mit einer gutachterlichen Stellungnahme Bedeutung zu. Eine solche Stellungnahme kann zum Beispiel im Rahmen der gesetzlichen Unfallversicherung erforderlich werden.

Auch private Unfallversicherungen und sozialgerichtliche Gutachten arbeiten mit den Messblättern der gesetzlichen Unfallversicherung. In diesen Messblättern werden die Ergebnisse der Neutral-Null-Methode an den oberen und unteren Extremitäten festgeschrieben. Allerdings spielt das Dokumentations- und Bewertungsverfahren auch auf rein klinischer Ebene eine Rolle, da sich über den Index das krankheits- oder unfallbedingte Ausmaß der Bewegungseinschränkung im Alltag feststellen lässt.

Auch die Erfolge einer laufenden Bewegungstherapie lassen sich unter Umständen anhand der Neutral-Null-Methode nachvollziehen. Dazu findet vor der Therapie eine erste Beurteilung der Bewegungsfähigkeit statt, die im Anschluss an die abgeschlossene Therapie mit den neuen Daten verglichen wird. Um die Neutral-Null-Methode anzuwenden, lässt der Arzt den aufrecht stehenden Patienten mit entspannt hängenden Armen, parallel zueinander stehenden Beinen und nach vorne gerichteten Daumen zunächst die Neutral-Null-Position aller Gelenke einnehmen.

Danach fordert er den Patienten zur Streckung, Beugung, Innendrehung, Außendrehung, Abspreizung oder Heranführung der jeweiligen Extremität beziehungsweise der relevanten Gelenke auf. Unter Umständen gibt er ihm die gewünschte Bewegung in Hilfestellung auch aktiv vor. Für die Verschriftlichung der Beweglichkeit eines jeden Gelenks existieren schließlich Referenzwinkelwerte. Für das Schultergelenk entspricht der Referenzindex bei der Abduktion und Adduktion so zum Beispiel dem Code 180-0-20 bis 40.

Wenn das Schultergelenk nun aber beispielsweise in der Abduktion beeinträchtigt ist und sich so statt in die senkrechte Hebung nur in die waagrechte Position bringen lässt, hält der Arzt statt einer uneingeschränkten Beweglichkeit von 180 Grad ein eingeschränktes Bewegungsausmaß von 90 Grad fest. Der Index entspräche dann 90-0-20 bis 40. Die Winkelzeichen werden im Index der Neutral-Null-Methode in der Regel nicht festgehalten, da sie sich von selbst verstehen.

Damit die abgelesene Zahl belastbar ist, muss die Untersuchung sorgfältig vorbereitet werden. Die zu messende Körperregion wird so weit freigemacht, dass die Bezugspunkte für den Winkelmesser sichtbar und tastbar sind; einengende Kleidung verfälscht das Ergebnis. Der Patient wird in eine Ausgangsstellung gebracht, in der er sicher steht, sitzt oder liegt, denn Ausweichbewegungen entstehen häufig aus dem Bemühen, das Gleichgewicht zu halten. Vor der eigentlichen Messung wird die Bewegung meist ein- oder zweimal probeweise ausgeführt, damit der Patient weiß, was von ihm erwartet wird.

Die häufigste Fehlerquelle sind eben diese Ausweichbewegungen. Wer den Arm nicht mehr weit genug heben kann, neigt den Rumpf zur Gegenseite; wer die Hüfte nicht mehr strecken kann, gleicht dies mit einem Hohlkreuz aus. In beiden Fällen sieht die Bewegung größer aus, als sie im Gelenk tatsächlich ist. Der Untersucher hält deshalb den angrenzenden Körperabschnitt fest oder beobachtet ihn genau und bricht die Messung an dem Punkt ab, an dem die Ausweichbewegung beginnt. Ein zweiter Endpunkt ist der Schmerz: Gemessen wird bis zu der Stelle, an der die Bewegung schmerzhaft wird, nicht darüber hinaus. Auch das gehört in die Dokumentation, denn ein Bewegungsausmaß, das nur unter Schmerzen erreicht wird, ist im Alltag nicht nutzbar.

Der eigentliche Zweck der Zahlenreihe liegt im Vergleich über die Zeit. Nach einem Knochenbruch, nach dem Einsetzen einer Endoprothese, nach einer Arthroskopie oder nach einer Verletzung von Bändern und Sehnen ist die Beweglichkeit zunächst eingeschränkt und soll im Verlauf der Nachbehandlung zurückkehren. Die Neutral-Null-Methode macht sichtbar, ob das geschieht, ob es schneller oder langsamer geschieht als erwartet und wann ein Stillstand eintritt. Bleibt die Beweglichkeit trotz konsequenter Behandlung hinter dem Erwarteten zurück, ist das ein Anlass, die Ursache zu suchen - etwa eine sich ausbildende Kontraktur, eine Verwachsung oder ein mechanisches Hindernis im Gelenk.

Auch bei Erkrankungen, die sich über lange Zeiträume entwickeln, ist die Methode gebräuchlich. Bei einer Arthrose oder bei einer rheumatoiden Arthritis wird das Bewegungsausmaß bei jeder Kontrolle erneut festgehalten, sodass sich der Verlauf über Jahre nachzeichnen lässt. In der Rehabilitation nach einem Schlaganfall dient die Messung dazu, drohende Einsteifungen früh zu erkennen und die Lagerung sowie die Übungsbehandlung darauf einzustellen.

Für den Patienten ist vor allem die Übersetzung in den Alltag von Belang. Welchen Bewegungsumfang jemand tatsächlich braucht, hängt davon ab, was er tun will: Sich die Haare zu kämmen, in eine Jacke zu schlüpfen, einen Reißverschluss am Rücken zu schließen, sich die Schuhe zu binden, eine Treppe zu steigen oder aus einem tiefen Sessel aufzustehen setzt jeweils bestimmte Bewegungen in bestimmten Gelenken voraus. Aus diesem Grund werden Behandlungsziele häufig in dieser Form vereinbart: Nicht ein abstrakter Gradwert wird angestrebt, sondern die Bewegung, die eine bestimmte Verrichtung wieder möglich macht.

Über den Bewegungsapparat hinaus hat die Methode praktische Folgen. Der dokumentierte Bewegungsumfang fließt in Berichte an Kostenträger ein, wenn eine Fortsetzung der Behandlung, Hilfsmittel oder eine Anschlussheilbehandlung beantragt werden. Er ist Bestandteil von Entlassungsberichten und begründet die Empfehlungen, die ein Arzt zur beruflichen Belastbarkeit ausspricht. Zwischen Behandlern verschiedener Einrichtungen ersetzt die Zahlenreihe eine ausführliche Beschreibung, weil sie in der Fachwelt ohne weitere Erläuterung verstanden wird.


Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Die Neutral-Null-Methode ist für den Patienten in der Regel nicht mit Risiken oder Nebenwirkungen verbunden. Sie lässt sich daher ohne Probleme ambulant durchführen. Lediglich das Bewegen eines geschädigten oder entzündeten Gelenks kann vorübergehend Schmerzen auslösen. Besonderheiten ergeben sich bei dem Verfahren vor allem dann, wenn die Neutral-Null-Position des Gelenks aufgrund einer Schädigung nicht erreicht werden kann.

In diesem Fall steht die Null nicht in der Mitte des Index, sondern rückt an die Seite, auf der ein Defizit im Bewegungsausmaß besteht. Die Winkelzahl gibt dann das Defizit an, wobei die 0 anzeigt, dass in diese Richtung über die erreichte Stellung hinaus keine Bewegung möglich ist. Für statistische Auswertungen lässt sich das Verfahren der Neutral-Null-Methode nicht einsetzen. Dazu extrahiert man aus dem Index eher die Winkelangaben zu den einzelnen Bewegungen, addiert sie und errechnet einen Durchschnitt des allgemeinen Bewegungsausmaßes.

Die Neutral-Null-Methode ist auch international gebräuchlich; die Form der Dokumentation ist jedoch nicht überall einheitlich geregelt. Eine Sonderposition nimmt die Neutral-Null-Methode in Deutschland im Rahmen der Spastik ein. Bei schnellen Bewegungen kontrahiert ein spastischer Muskel deutlich früher und reduziert so das Bewegungsausmaß im Alltag. Bei diesem klinischen Bild unterscheidet der Arzt während der Methode daher zwischen dem Bewegungsausmaß bei passiv langsamer Bewegung und passiv schneller Bewegung, um dem Umfang der spastisch eingeschränkten Bewegung zu entsprechen.

Dass die Messung an sich ungefährlich ist, bedeutet allerdings nicht, dass sie in jeder Situation uneingeschränkt durchgeführt werden darf. Nach frischen Verletzungen und nach Operationen legt der behandelnde Arzt häufig fest, wie weit ein Gelenk in den ersten Wochen überhaupt bewegt werden darf. Werden diese Vorgaben bei einer passiven Messung überschritten, können eine Naht, eine Bandrekonstruktion oder eine noch nicht durchbaute Knochenbruchstelle Schaden nehmen. In solchen Fällen wird nur innerhalb des freigegebenen Bereichs gemessen und im Befund vermerkt, dass der erhobene Wert die Vorgabe und nicht die tatsächliche Grenze der Beweglichkeit wiedergibt. Ebenso ist Vorsicht geboten bei erheblicher Knochenentkalkung, bei Gelenkinstabilität und bei Patienten, die den Schmerz nicht zuverlässig mitteilen können.

Die wichtigste Schwäche der Methode ist jedoch nicht ein körperliches Risiko, sondern die Streubreite der Messung selbst. Das Ergebnis hängt davon ab, wie genau der Winkelmesser angelegt wurde, wie kräftig der Untersucher bei der passiven Bewegung nachdrückt, wie gut der Patient mitarbeitet, wie warm die Muskulatur ist und wie stark das Gelenk am Untersuchungstag schmerzt. Zwei Untersucher kommen deshalb selten auf exakt denselben Wert, und derselbe Untersucher misst am Morgen mitunter anders als am Abend. Für Verlaufskontrollen folgt daraus eine praktische Regel: möglichst dieselbe Person, dieselbe Ausgangsstellung, dasselbe Messgerät und eine vergleichbare Tageszeit. Kleine Unterschiede zwischen zwei Terminen sollten nicht überbewertet werden; erst eine deutliche Veränderung ist ein verwertbares Signal.

Hinzu kommt, dass sich nicht jede Körperregion gleich gut erfassen lässt. An der Wirbelsäule überlagert sich die Bewegung vieler kleiner Gelenke, sodass ein einzelner Winkel dort wenig aussagt; ergänzend werden deshalb Abstandsmaße und Messungen mit dem Bandmaß herangezogen. Am Ellenbogen und an den Fingern ist die Messung dagegen vergleichsweise gut reproduzierbar. Bei ausgeprägter Schwellung, bei starkem Übergewicht oder bei einliegenden Verbänden lassen sich die knöchernen Bezugspunkte schlechter tasten, was die Genauigkeit zusätzlich mindert.

Eine Gefahr eigener Art liegt in der Überschätzung des Ergebnisses. Ein Bewegungsausmaß sagt nichts darüber aus, wie kraftvoll, wie ausdauernd, wie schmerzfrei und wie sicher ein Gelenk benutzt werden kann. Ein Knie mit gutem Bewegungsumfang kann instabil sein, eine Schulter mit unauffälligem Code kann bei Belastung sofort schmerzen. Wer die Zahlenreihe für sich genommen liest, kommt deshalb leicht zu einem falschen Bild. Sie muss mit der Krankengeschichte, der Prüfung von Kraft und Stabilität und der Beobachtung alltäglicher Bewegungsabläufe zusammengeführt werden.

Besondere Bedeutung hat dieser Punkt in der Begutachtung. Weil an das Ergebnis finanzielle Folgen geknüpft sein können, prüft der Gutachter die erhobenen Werte auf ihre innere Stimmigkeit: Passt das gemessene Bewegungsausmaß zu dem, was während des Gesprächs und beim Aus- und Ankleiden beiläufig beobachtet wurde? Stimmt es mit dem Zustand der Muskulatur und der Haut überein, die bei längerer Schonung Veränderungen zeigen? Weichen aktive und passive Messung ungewöhnlich stark voneinander ab, ohne dass sich dafür ein körperlicher Grund findet? Solche Beobachtungen ersetzen die Messung nicht, ordnen sie aber ein - und sie sind der Grund, weshalb eine Begutachtung mehr umfasst als das Ablesen einer Gradskala.

Quellen

  • Niethard, F. U., Biberthaler, P., Pfeil, J.: Orthopädie und Unfallchirurgie.
    ISBN: 9783132443136
  • Grifka, J. (Hrsg.): Orthopädie, Unfallchirurgie.
    ISBN: 9783662605196
  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., et al.: Klinikleitfaden Orthopädie Unfallchirurgie.
    ISBN: 9783437224775
  • Füeßl, H., Middeke, M.: Anamnese und klinische Untersuchung.
    ISBN: 9783132443099
  • Pschyrembel, W.: Pschyrembel Klinisches Wörterbuch.
    ISBN: 9783110783346

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