Rotatorenmanschettenruptur (Rotatorenmanschettenriss)

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 22. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Rotatorenmanschettenruptur oder der Rotatorenmanschettenriss ist eine meist behandlungsbedürftige Verletzung im Schulterbereich. Zwar ist ein Vorbeugen nur eingeschränkt möglich, eine frühzeitige Therapie kann aber häufig eine volle Funktionsfähigkeit wiederherstellen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Rotatorenmanschettenruptur?

Rotatorenmanschettenruptur
Bei kleineren Rissen kann die Rotatorenmanschettenruptur symptomlos bleiben. Allerdings kommt es vor, dass sich die Schmerzen über einen Zeitraum von circa zwei Tagen langsam entwickeln und verstärken.
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Bei einer Rotatorenmanschettenruptur handelt es sich um einen Riss der sogenannten Rotatorenmanschette. Diese Rotatorenmanschette befindet sich in der Schulter und ist unter anderem mitverantwortlich für die Stabilisation des Schultergelenks.

Von einer Rotatorenmanschettenruptur können vier verschiedene Muskeln mit zugehörigen Sehnen betroffen sein, die zur Rotatorenmanschette gehören; so beispielsweise der Ober- oder Untergrätenmuskel oder der Unterschulterblattmuskel. Die Beschwerden, die mit einer Rotatorenmanschettenruptur einhergehen, sind unter anderem abhängig vom Ausmaß der Ruptur; allerdings führen nicht selten kleinere Rupturen zu größeren Schmerzen, als dies schwerere Risse tun.

Charakteristische Anzeichen für eine vorliegende Rotatorenmanschettenruptur sind vor allem Schulterschmerzen, die in Abhängigkeit von verschiedenen Belastungen und Positionen der Rotatorenmanschette variieren. Typischerweise kommt es bei einer Rotatorenmanschettenruptur etwa zu Schmerzen bei einem seitlichen Armheben. Von einer Rotatorenmanschettenruptur betroffen sind vorwiegend Männer, die das 30. Lebensjahr bereits vollendet haben. Mit steigendem Lebensalter nimmt die Häufigkeit dann deutlich zu, weil die Sehnen mit den Jahren verschleißen; bei älteren Menschen finden sich Risse nicht selten sogar ohne jede Beschwerden.

Ursachen

Einer Rotatorenmanschettenruptur können verschiedene Ursachen zugrunde liegen. Dabei kommt es in den meisten Fällen nur dann zu einer Ruptur der Rotatorenmanschette, wenn entsprechende Sehnen bereits Vorschädigungen aufweisen. Eine mögliche Ursache einer Rotatorenmanschettenruptur liegt beispielsweise in einer sogenannten Degeneration, also in einem Verschleiß der Rotatorenmanschette.

Ein solcher Verschleiß kann beispielsweise begünstigt werden durch langjährige berufliche Tätigkeiten, die viele Überkopfarbeiten einschließen oder auch durch sogenannte Überkopfsportarten; zu diesen Sportarten zählen beispielsweise Tennis, Handball oder Volleyball.

Eine weitere Ursache einer Rotatorenmanschettenruptur kann in einer Beeinträchtigung der Sehnen liegen, die durch einen Platzmangel entsprechender Sehnen im Schulterbereich hervorgerufen wird. Und schließlich können auch Unfälle zu einer Rotatorenmanschettenruptur führen, bei denen es etwa zu Stürzen auf Schulter oder Arm gekommen ist.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Rotatorenmanschettenruptur ist durch das Auftreten verschiedener Symptome gekennzeichnet. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Schmerzen in der Schulter. Diese können je nach Ausmaß des Risses plötzlich erscheinen oder sich allmählich entwickeln. Meist sind die Schmerzen positions- oder belastungsabhängig.

Außerdem treten sie häufig nachts auf, wenn der Patient auf der betroffenen Körperseite liegt. Beim seitlichen Anheben des betroffenen Arms gegen Widerstand kommt es in der Regel ebenfalls zu Schmerzen im Oberarm oder in den Schultern. Besonders heftig tut es weh, wenn der Abspreizwinkel zwischen 60 und 120 Grad liegt.

Bei kleineren Rissen kann die Rotatorenmanschettenruptur aber sogar symptomlos bleiben. Allerdings kommt es hier auch vor, dass sich die Schmerzen über einen Zeitraum von circa zwei Tagen langsam entwickeln und verstärken. Ältere Menschen leiden oft an sehr langsam zunehmenden Schmerzen über einen längeren Zeitraum. Dadurch kann bei ihnen die Diagnose der Erkrankung erschwert sein. Insgesamt führen die Symptome zu einer Abnahme der Kraft im Arm.

Dadurch können die Betroffenen bestimmte Tätigkeiten nicht mehr ausführen. Die Symptome sind unter anderem davon abhängig, ob der Riss vor oder nach einer Sehnenentzündung entstand, die Manschette teilweise oder vollständig gerissen ist und in welchem Zeitraum sich die Veränderungen entwickelt haben. In schweren Fällen treten die Schmerzen auch im Ruhezustand auf.

Diagnose & Verlauf

Schulterschmerzen
Rotatorenmanschettenruptur

Zu einer Verdachtsdiagnose Rotatorenmanschettenruptur kann es zunächst bereits auf der Grundlage typischer schmerzhafter Beschwerden an der Schulter kommen; auch eine charakteristische Schwächung der Muskulatur, die mit einer Rotatorenmanschettenruptur einhergeht, kann eine Verdachtsdiagnose erhärten.

Sowohl eine Muskelschwächung als auch eine Beeinträchtigung von Bewegungsabläufen können von einem Diagnostiker im Rahmen einer körperlichen Untersuchung mithilfe verschiedener Tests näher bestimmt werden. Zur detaillierten Diagnose können bei Bedarf in einem weiteren Schritt sogenannte bildgebende Verfahren genutzt werden; zu diesen zählen beispielsweise Röntgen- oder Ultraschalluntersuchungen.

Grundsätzlich hängt der Verlauf einer Rotatorenmanschettenruptur unter anderem ab von der Ausprägung der Ruptur. Wird eine Rotatorenmanschettenruptur allerdings frühzeitig erkannt und, falls notwendig, medizinisch behandelt, kann in den meisten Fällen eine volle Funktionsfähigkeit zurückgewonnen werden.

Komplikationen

Je nachdem wie stark ausgeprägt die Rotatorenmanschettenruptur ausfällt, sind verschiedene Komplikationen möglich. Dieses Risiko gilt als besonders hoch, wenn keine fachgerechte Behandlung des Risses stattfindet. Zu den denkbaren Folgeerscheinungen eines Risses der Rotatorenmanschette zählt der Gelenkverschleiß (Omarthrose) der Schulter.

In der Medizin wird diese Arthroseform auch als Defektarthropathie bezeichnet. Als mögliche Auswirkung gilt außerdem die sogenannte Frozen Shoulder (Schultersteife). Dabei zeigen sich zunehmende Bewegungseinschränkungen des Schultergelenks, die sich nur langsam und oft erst über Monate bis Jahre wieder zurückbilden. Ist die Rotatorenmanschettenruptur verschleißbedingt, was bei den meisten Patienten der Fall ist, können die betroffenen Sehnen wiederholt in einem späteren Moment wieder reißen.

Je größer das Ausmaß des Vorschadens ausfällt, umso wahrscheinlicher ist auch ein erneuter Riss. Bei starken Beeinträchtigungen liegt die Häufigkeit wiederholter Rupturen bei rund 70 Prozent. Nach Berücksichtigung der Schweregrade kommt es durchschnittlich bei jedem vierten Patienten im Laufe seines Lebens zu einer erneuten Rotatorenmanschettenruptur.

Wird der Rotatorenmanschettenriss operativ behandelt, besteht ebenfalls das Risiko von Komplikationen. Dazu zählen in erster Linie Wundheilungsstörungen, Infektionen, Einschränkungen der Beweglichkeit, eine weitere Rotatorenmanschettenruptur sowie ein dauerhaftes Defizit der Kraft. Außerdem können Restbeschwerden zurückbleiben. Bei Verletzungen der Nerven drohen Lähmungserscheinungen oder Sensibilitätsstörungen.

Bis der Patient nach der Operation keine Beschwerden mehr spürt, kann es vier bis sechs Monate dauern. Tätigkeiten, die die Schulter belasten, dürfen erst wieder nach drei bis vier Monaten erfolgen, um negative Auswirkungen zu vermeiden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine Rotatorenmanschettenruptur sollte immer von einem Arzt untersucht und behandelt werden. Es kann bei dieser Krankheit in der Regel nicht zu einer Selbstheilung kommen, sodass der Patient immer auf eine ärztliche Behandlung angewiesen ist. Dadurch können weitere Komplikationen verhindert werden. Ärztliche Behandlung bedeutet dabei allerdings nicht zwangsläufig Operation: Gerade verschleißbedingte Teilrisse bei älteren Menschen werden häufig erfolgreich ohne Eingriff behandelt, vor allem mit Krankengymnastik. Der gerissene Sehnenanteil wächst dann zwar nicht wieder zusammen, die übrigen Muskeln der Schulter können seine Aufgabe aber oft so weit übernehmen, dass der Arm wieder schmerzarm und belastbar wird. Ein Arzt ist bei Rotatorenmanschettenruptur dann aufzusuchen, wenn der Betroffene an starken Schmerzen in der Schulter leidet.

Diese Schmerzen breiten sich nicht selten auch in andere Regionen des Körpers aus und können dort zu Beschwerden führen. Auch in der Nacht können diese Schmerzen auftreten und dabei den Schlaf des Betroffenen stören. In den meisten Fällen treten die Schmerzen dann auf, wenn der Betroffene seine Schulter stark dreht oder anwinkelt. Weiterhin kann auch eine Abnahme der Kraft in den Armen auf eine Rotatorenmanschettenruptur hindeuten und sollte untersucht werden.

In erster Linie kann die Rotatorenmanschettenruptur durch einen Allgemeinarzt untersucht werden. Bei der weiteren Behandlung ist in einigen Fällen auch ein operativer Eingriff notwendig.

Behandlung & Therapie

Meist macht eine Rotatorenmanschettenruptur eine medizinische Behandlung notwendig. Dabei richtet sich eine gezielte Therapie der Rotatorenmanschettenruptur nach verschiedenen Faktoren: Eine Rolle spielt zunächst die Schwere der vorliegenden Rotatorenmanschettenruptur; so kann beispielsweise ein vollständiger Riss, aber auch lediglich ein Anriss einer oder mehrerer Sehnen vorliegen.

Des Weiteren richtet sich eine angepasste Therapie unter anderem nach der Ausprägung der Schmerzen, nach dem Alter des Patienten und dem Grad der notwendigen Belastbarkeit der Rotatorenmanschette. Im Rahmen einer erfolgenden Therapie sollen Kraft und Funktionsfähigkeit der betroffenen Schulter wiederhergestellt und eine Schmerzfreiheit erzielt werden.

Die Behandlung einer Rotatorenmanschettenruptur kann entweder operativ oder konservativ (ohne den Einsatz chirurgischer Maßnahmen) erfolgen. Eine chirurgische Therapie der Rotatorenmanschettenruptur ist häufig mithilfe einer sogenannten Arthroskopie (einer Gelenkspiegelung) möglich; diese Methode, die auch als Schlüssellochchirurgie bezeichnet wird, macht eine sogenannte offene Operation mit großem Hautschnitt verzichtbar.

Mögliche Bausteine einer konservativen Behandlung der Rotatorenmanschettenruptur sind beispielsweise entzündungs- und schmerzhemmende Medikamente oder Injektionen sowie physiotherapeutische (krankengymnastische) Maßnahmen.


Vorbeugung

Einer Rotatorenmanschettenruptur vorzubeugen, ist nur eingeschränkt möglich. Bei Vorschädigungen der Sehnen stellen langfristige Überkopftätigkeiten ein Risiko für das Erleiden einer Rotatorenmanschettenruptur dar. So kann es beispielsweise für Hobbysportler, die bereits eine Rotatorenmanschettenruptur erlitten haben, sinnvoll sein, einen Sport auszuüben, bei dem Arme und Schultern nur eingeschränkt belastet werden. Berufe, die häufige Überkopfarbeiten erfordern, sind beispielsweise die der Maler und Lackierer.

Nachsorge

Die Nachsorge ist vor allem bei einer operativen Behandlung der Rotatorenmanschettenruptur notwendig. Im Anschluss an den Eingriff benötigt die Rotatorenmanschette genügend Ruhe für ihre Abheilung. Bis die genähte Sehne wieder fest verheilt ist, vergehen in der Regel sechs bis acht Wochen. Zur Schonung wird dem Patienten ein Spezialkissen angelegt. Dieses muss er für einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen konsequent tragen.

Das Kissen sollte er allenfalls zum Anziehen oder zur Reinigung des Körpers abnehmen. Außerdem darf er den behandelten Arm weder in die seitliche, noch in die vordere Richtung bewegen. Sonst besteht das Risiko eines erneuten Rotatorenmanschettenrisses. Die Ruhigstellung des behandelten Arms kann auch durch eine Schlinge (Orthese) vorgenommen werden.

Die Mobilisation der Schulter läuft passiv ab und erfolgt im Rahmen einer Physiotherapie. Das bedeutet, dass der Patient seinen Arm nicht selbst bewegen darf. So finden die Bewegungen ausschließlich durch die Therapeuten statt. An die passive Mobilisation schließt sich später die aktive Mobilisation an.

Dabei lässt sich die Schulter wieder eigenständig bewegen. Auch das Stärken der Muskeln spielt eine wichtige Rolle. Die Schulter sollte jedoch für etwa drei bis vier Monate nicht stark belastet werden. Durch die physiotherapeutische Nachbehandlung lässt sich die Funktionstüchtigkeit der Schulter für den Alltag wiederherstellen, was bis zu sechs Monate dauern kann.

Das können Sie selbst tun

Diese schmerzhafte Erkrankung gehört in die Hände eines Arztes. Der Hausarzt überweist dazu in der Regel an einen Orthopäden, der entscheidet, ob im vorliegenden Fall eine konservative oder eine operative Behandlung vonnöten ist. Von allein wird die gerissene Sehne nicht wieder zusammenwachsen, zudem führt eine Rotatorenmanschettenruptur häufig zu weiteren Rupturen.

Dies ist der Grund, warum Sportarten mit starker Schulterbelastung wie Klettern, Golf oder Tennis erst nach abgeschlossener Nachbehandlung und nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt wieder aufgenommen werden sollten. Selbst wenn es den Patienten nach erfolgreicher Behandlung wieder möglich ist, den Arm schmerzfrei über den Kopf zu heben, kann eine zu frühe oder zu heftige Belastung einen neuen Riss auslösen. Dies gilt auch für Menschen mit Berufen, die ein Über-Kopf-Arbeiten voraussetzen, wie beispielsweise Maler und Lackierer. Hier wird empfohlen umzuschulen.

Eine Rotatorenmanschettenruptur kann zu einem Gelenkverschleiß und damit zu einer Omarthrose, also einer bestimmten Arthroseform führen. Um dies zu verhindern, ist den Patienten anzuraten, die verordnete Behandlung konsequent bis zum Ende durchzuführen. Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen lindern dabei nicht nur die Schmerzen, sondern hemmen auch die Entzündung. Wegen der Nebenwirkungen an Magen und Nieren sollten sie allerdings nur so hoch dosiert und so lange eingenommen werden, wie der Arzt es angeordnet hat; einem Gelenkverschleiß beugen sie nicht vor.

Die Alternativmedizin empfiehlt zudem noch verschiedene Nahrungsergänzungsmittel und Phytotherapeutika, denen antientzündliche Eigenschaften zugesprochen werden. Dazu gehören bestimmte Enzyme wie Bromelain, aber auch Glucosamin, Chondroitin, Krallendorn (Cat’s Claw), Boswellia Serrata (Weihrauch) und die Schwefelverbindung Methylsulfonylmethan, kurz MSM. Für die meisten dieser Mittel fehlt bislang ein überzeugender Wirksamkeitsnachweis; eine ärztliche Behandlung können sie nicht ersetzen. Nähere Informationen zu deren Einnahme und Wirksamkeit geben Ärzte mit naturheilkundlichem Hintergrund oder entsprechend spezialisierte Heilpraktiker.

Quellen

  • Niethard, F. U., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Duale Reihe Orthopädie und Unfallchirurgie.
    ISBN: 9783132443150
  • Grifka, J., Kuster, M. (Hrsg.): Orthopädie und Unfallchirurgie.
    ISBN: 9783662716083
  • Wirth, C. J., Mutschler, W., Kohn, D., Pohlemann, T. (Hrsg.): Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie.
    ISBN: 9783131406439
  • Harrasser, N., Eisenhart-Rothe, R. von, Biberthaler, P. (Hrsg.): Facharztwissen Orthopädie Unfallchirurgie.
    ISBN: 9783662625354
  • Engelhardt, M. (Hrsg.): Sportverletzungen.
    ISBN: 9783437240935

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