Skiaskopie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 4. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
Sie sind hier: Startseite Behandlungen Skiaskopie
Die Skiaskopie dient der Ermittlung von objektiver Refraktion und kommt vor allem an Kindern zum Einsatz. Das Herzstück des Skiaskops ist ein lichtdurchlässiger Spiegel, der ein Bild auf den Augenhintergrund wirft. Vor der Skiaskopie wird der Ziliarmuskel medikamentös gelähmt.
Inhaltsverzeichnis |
Was ist die Skiaskopie?
Die Refraktion ist der Brechwert von optischen Korrekturen, die dem Auge ganz ohne eine Akkommodation scharfe Bilder aus unendlichem Abstand von einem betrachteten Objekt zur Verfügung stellen. Damit handelt es sich bei der Refraktion um den Kehrwert der sogenannten Brennweite.
Von einer Normalsichtigkeit oder Emmetropie ist in diesem Zusammenhang immer dann die Rede, wenn die Refraktion Null beträgt. Bei anderen Werten spricht der Augenarzt von einer Ametropie. Diese Formen der Fehlsichtigkeit werden von einer Refraktionsanomalie oder einer Achsenlängenveränderung verursacht. Mittels Skiaskopie lässt sich die Refraktion des menschlichen Auges ermitteln. Der Vorgang wird auch als Schattenprobe bezeichnet und kommt insbesondere bei Kindern zur Refraktionsermittlung zum Einsatz. Herzstück der Skiaskopie ist ein Skiaskop mit einem lichtdurchlässigen Spiegel.
Über diesen Spiegel beleuchtet der Untersucher die Pupille der Augen. Wenn er den Spiegel bewegt, wandern die Schatten. Bei der Bewegung des Lichtstrichs beobachtet der Arzt die Schattenwanderung innerhalb der Pupille. Die Skiaskopie ermittelt einen objektiven Refraktionswert und unterscheidet sich dadurch vom sogenannten Abgleich oder Brillenabgleich, bei dem die subjektive Refraktion bestimmt wird. Die subjektive Bestimmung der Refraktion ist wesentlich weniger aufwändig als die objektive Bestimmung.
Der Name des Verfahrens geht auf das griechische skia für Schatten und skopein für betrachten zurück; die deutsche Entsprechung Schattenprobe benennt genau das, was der Untersucher beobachtet. Geläufig ist außerdem der Begriff Retinoskopie, der nicht den Schatten, sondern die betrachtete Struktur hervorhebt, nämlich die Netzhaut.
Das Prinzip beruht auf einer einfachen Beobachtung. Der Untersucher sitzt dem Patienten in einem festgelegten Abstand gegenüber und wirft mit dem Skiaskop einen schmalen Lichtstreifen in dessen Auge. Ein Teil dieses Lichts kehrt von der Netzhaut zurück und erscheint in der Pupille als rötlich leuchtender Reflex. Bewegt der Untersucher den Lichtstreifen, so wandert auch dieser Reflex, und zwar je nach Brechkraft des Auges in dieselbe oder in die entgegengesetzte Richtung. Durch eine Öffnung im lichtdurchlässigen Spiegel verfolgt der Untersucher diese Bewegung.
Vor das Auge des Patienten werden nun der Reihe nach Gläser unterschiedlicher Stärke gehalten. Mit jedem Wechsel ändert sich das Verhalten des Reflexes, bis ein Punkt erreicht ist, an dem er die Pupille auf einmal ganz ausfüllt und sich nicht mehr in eine Richtung bewegt. Dieser Umkehrpunkt ist das eigentliche Messergebnis. Aus dem dort eingesetzten Glas und dem Abstand, in dem der Untersucher gearbeitet hat, ergibt sich der gesuchte Brechwert, denn der Arbeitsabstand geht als eigener Wert in die Rechnung ein und wird verrechnet.
Weil ein Auge in verschiedenen Schnittebenen unterschiedlich stark brechen kann, wird die Prüfung in mehreren Richtungen wiederholt. Verhält sich der Reflex in der Waagerechten anders als in der Senkrechten, spricht das für eine Hornhautverkrümmung; Lage und Ausmaß lassen sich aus dem Unterschied zwischen den Schnittebenen ableiten. Damit erfasst die Skiaskopie nicht nur Kurzsichtigkeit und Weitsichtigkeit, sondern auch den astigmatischen Anteil einer Fehlsichtigkeit.
Die frühen Skiaskope arbeiteten mit einer außen stehenden Lampe, deren Licht über den Spiegel ins Auge gelenkt wurde. Heutige Geräte tragen die Lichtquelle selbst und erzeugen statt eines Flecks einen Strich, dessen Ausrichtung sich drehen lässt. Das erleichtert vor allem die Beurteilung der einzelnen Schnittebenen. Am Prinzip der Untersuchung hat sich dadurch nichts geändert.
Funktion, Wirkung & Ziele
So entsteht ein sichtbares und messbares Bild, das vom Arzt mittels verstellbaren Linsen scharf gestellt werden kann. Die Skiaskopie ist in Zusammenhang mit der objektiven Refraktionsbestimmung auch als Retinoskopie oder Schattenprobe bekannt. Das abzubildende Objekt entspricht bei diesem Verfahren einer virtuell unendlichen Lichtquelle. Wenn dieses Bild scharfgestellt wird, tritt eine gleichmäßige Beleuchtung des ganzen Augenhintergrundraums ein. Zur Skiaskopie werden lediglich einfache Mittel benötigt, so vor allem das Skiaskop und bestimmte Messgläser und Messglasleisten.
Der Zeitaufwand des Verfahrens ist relativ groß. Außerdem ist große Erfahrung vom Untersucher gefordert. Neben dem Skiaskop gibt es weitere Instrumente zur Bestimmung der objektiven Refraktion. Eins davon ist das Autorefraktometer. Diese Apparate projizieren das Bild automatisch selbst und stellen es anschließend über Photosensoren scharf, sind also zu selbstständiger Bildverarbeitung in der Lage. Bei der Arbeit mit diesen Geräten ist vom Untersucher weitaus weniger Erfahrung gefordert als bei der Arbeit mit Skiaskopen. Ein weiterer Vorteil der Autorefraktometer ist ihre Schnelligkeit. Nachteilig ist demgegenüber der hohe Preis der Geräte. Skiaskope sind deutlich weniger kostspielig.
Neben diesen Instrumenten können manuelle Refraktometer der objektiven Refraktionsbestimmung dienen. Sie stellen die Bildmarken nicht automatisch scharf und sind weitaus kostengünstiger als automatische Geräte. Das Resultat von manuellen Refraktometern ist relativ genau. Allerdings wird es die Instrumente vermutlich in absehbarer Zeit nicht mehr geben, da die automatischen Geräte sie zunehmend ersetzen. Bei jeder objektiven Refraktionsmessung stellt die Akkommodation des Auges eine mögliche Fehlerquelle dar.
Eine Akkommodation könnte die Ergebnisse mitunter stark verfälschen. Daher wird vor der Bestimmung der objektiven Refraktion in der Regel eine Zykloplegie durchgeführt. Dabei handelt es sich um die vollständige Lähmung des Ziliarmuskels, die dem Auge die Akkommodationsfähigkeit nimmt. Die Lähmung des Muskels wird medikamentös herbeigeführt. Die mit diesem Ziel verabreichten Zykloplegika entsprechen Medikamenten aus der Gruppe der Parasympatholytika. Sie hemmen den Parasympathikus und bewirken damit neben der Ziliarlähmung eine Vergrößerung der Pupille.
Für den Patienten läuft die Untersuchung unspektakulär ab. Sie findet in einem abgedunkelten Raum statt, damit der Reflex gut zu erkennen ist und sich die Pupille von selbst weitet. Der Untersuchte sitzt und schaut an dem Untersucher vorbei in die Ferne; bei Kindern übernimmt ein Bild oder ein Spielzeug an der gegenüberliegenden Wand diese Aufgabe. Der Blick in die Ferne ist kein Beiwerk, sondern verhindert, dass sich das Auge auf die Nähe einstellt und den Messwert verfälscht. Das Auge wird nicht berührt, das Licht ist nicht unangenehm hell, und die Messung nimmt je Auge nur wenige Minuten in Anspruch.
Vorgeschaltet ist bei Kindern die medikamentöse Ruhigstellung der Naheinstellung. Die Tropfen werden vom Personal eingegeben, danach vergeht eine Wartezeit, bis die Wirkung eingetreten ist. In dieser Zeit wird die Pupille weit und das Sehen in der Nähe verschwommen; beides bildet sich je nach verwendetem Wirkstoff über Stunden bis über den Tag hinaus zurück. Lesen, Schreiben und Bildschirmarbeit sind währenddessen mühsam, helles Licht wird als blendend empfunden, und eine Sonnenbrille hilft. Erwachsene dürfen in diesem Zustand kein Fahrzeug führen und sollten sich abholen lassen.
Warum gerade Kinder von der Skiaskopie profitieren, hat mehrere Gründe. Ihre Fähigkeit, die Brechkraft des eigenen Auges zu verändern, ist außergewöhnlich stark ausgeprägt und kann eine Weitsichtigkeit vollständig verbergen; ohne Ruhigstellung fiele der Messwert zu schwach aus. Zugleich lässt sich mit einem kleinen Kind kein Gespräch über schärfere und unschärfere Bilder führen, auf das die subjektive Bestimmung angewiesen ist. Und schließlich hat die Frage Gewicht: Eine unentdeckte einseitige Fehlsichtigkeit kann dazu führen, dass das Gehirn das schlechtere Auge zurückstellt, woraus sich eine Amblyopie entwickelt. Früh erkannt, lässt sie sich meist gut behandeln, nach Abschluss der Sehentwicklung dagegen kaum noch. Aus demselben Zusammenhang heraus gehört die Skiaskopie zur Abklärung des Schielens.
Über die Untersuchung von Kindern hinaus ist das Verfahren überall dort im Vorteil, wo automatische Geräte an Grenzen stoßen. Bei unruhigen oder nicht ansprechbaren Patienten, bei unwillkürlichen Augenbewegungen, bei sehr kleinen Pupillen und bei Trübungen der brechenden Medien liefert das Autorefraktometer häufig keinen verwertbaren Wert, während ein geübter Untersucher am Verhalten des Reflexes noch etwas ablesen kann. Auch bei einer unregelmäßig geformten Hornhaut gibt der Reflex Hinweise, die eine automatische Messung nicht abbildet: Er wirkt dann verzerrt oder scherenförmig geteilt.
Das Ergebnis der Skiaskopie ist selten das letzte Wort. Bei älteren Kindern und bei Erwachsenen dient es als Ausgangswert, der anschließend im Gespräch verfeinert wird, sobald die Wirkung der Tropfen abgeklungen ist. Bei kleinen Kindern entscheidet der Augenarzt anhand des gemessenen Werts, ob eine Brille nötig ist, und richtet sich dabei nach dem für das jeweilige Alter üblichen Maß, denn eine leichte Weitsichtigkeit ist in den ersten Lebensjahren normal und gleicht sich im Wachstum häufig von selbst aus.
Auch innerhalb der augenärztlichen Untersuchung steht die Skiaskopie nicht für sich. Ihr voraus geht die altersgerechte Prüfung der Sehschärfe, ihr folgen die Beurteilung der Augenbewegungen, die Betrachtung des Augenhintergrunds, die bei weiter Pupille ohnehin gut gelingt, und bei Verdacht auf ein Schielen der Abdecktest. Erst das Zusammenspiel dieser Schritte ergibt ein Bild, aus dem sich ableiten lässt, ob und auf welche Weise behandelt werden muss.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Diese Mundtrockenheit tritt allerdings vor allem bei der Anwendung als Tablette oder Spritze auf, bei der sich der Wirkstoff im ganzen Körper verteilt. Vor einer Skiaskopie werden die Mittel als Augentropfen gegeben, sodass Wirkungen auf den ganzen Körper deutlich seltener sind. Die verwendeten Substanzen stammen entweder aus der Untergruppe der tertiären Amine oder aus der Untergruppe der quartären Ammoniumverbindungen. Bei quartären Ammoniumionen liegt eine positive Ladung vor. Das unterscheidet sie von den tertiären Aminen, die sich anders als quartäre Ammoniumionen lipophil statt hydrophil verhalten. Lipophile Medikamente können durch die Blut-Hirn-Schranke treten und auf diese Weise in den Liquorraum vorstoßen. Dadurch können sie im zentralen Nervensystem Nebenwirkungen hervorrufen.
Zu diesen zentralnervösen Nebenwirkungen der Substanzen zählen vor allem Schlafstörungen. Hinzu kommen Gedächtnisstörungen, aber auch Halluzinationen und Verwirrtheitszustände sind mögliche Konsequenzen der Einnahme. Bei quartären Ammoniumverbindungen mit hydrophilen Eigenschaften und positiver Ladung stellt die Blut-Hirn-Schranke eine unüberwindbare Barriere dar. Wenn ein Patient allerdings von vornherein an Schädigungen der Blut-Hirn-Schranke leidet, gelangen auch diese Substanzen in nennenswertem Umfang in das zentrale Nervensystem.
Tertiäre Amine unterliegen im Vergleich einer höheren Resorption aus dem Magen-Darm-Trakt. Da die wirkstoffabbauenden Leberenzyme von vielen Substanzen in ihrer Aktivität stimuliert oder gehemmt werden können, kann bei einer gleichzeitigen Einnahme von Parasympatholytika und anderen Medikamenten ein wirkungsverstärkender oder wirkungsreduzierender Effekt eintreten.
Neben diesen körperweiten Wirkungen stehen die örtlichen, die der Patient unmittelbar bemerkt. Die Tropfen brennen beim Eingeben kurz, das Auge kann sich röten und tränen. Die weite Pupille lässt mehr Licht einfallen, sodass Tageslicht als blendend empfunden wird, und die aufgehobene Naheinstellung macht Lesen für einige Stunden unmöglich. Alle diese Erscheinungen gehen von selbst zurück.
Eine ernste, wenn auch seltene Gefahr betrifft eine bestimmte Gruppe von Patienten. Ist der Winkel zwischen Hornhaut und Regenbogenhaut anlagebedingt eng, kann die erweiterte Pupille den Abfluss des Kammerwassers verlegen und einen Anfall von akutem Engwinkelglaukom auslösen. Der Augeninnendruck steigt dann innerhalb kurzer Zeit stark an. Anzeichen sind heftige Schmerzen in Auge und Kopf, ein hartes, gerötetes Auge, verschwommenes Sehen mit farbigen Ringen um Lichtquellen sowie Übelkeit und Erbrechen. Ein solcher Anfall ist ein Notfall und muss sofort augenärztlich behandelt werden. Vor der Gabe pupillenerweiternder Mittel wird deshalb geprüft, wie weit der Kammerwinkel angelegt ist. Beim Grauen Star besteht dieses Hindernis nicht; die Verwechslung der beiden Erkrankungen ist verbreitet, trifft in der Sache aber nicht zu.
Bei kleinen Kindern verdienen die körperweiten Wirkungen besondere Aufmerksamkeit. Zwar gelangt aus Augentropfen nur wenig Wirkstoff in den Kreislauf, doch verteilt sich diese geringe Menge auf ein kleines Körpergewicht. Beobachtet werden dann gerötete Wangen, ein trockener Mund, Unruhe, ein beschleunigter Herzschlag und gelegentlich eine erhöhte Temperatur. Verringern lässt sich die Aufnahme, indem nach dem Eintropfen für kurze Zeit ein Finger auf den inneren Lidwinkel gedrückt und das Lid geschlossen gehalten wird, sodass weniger Flüssigkeit über den Tränenkanal in die Nase abläuft. Eltern werden auf diese Erscheinungen hingewiesen, damit sie sie einordnen können.
Von den Medikamenten abgesehen bringt die Skiaskopie selbst keine körperliche Belastung mit sich. Ihre Schwäche liegt anderswo: Sie hängt in hohem Maß vom Untersucher ab. Ein falsch eingeschätzter Arbeitsabstand, ein übersehener Rest an Naheinstellung oder eine ungenau beurteilte Schnittebene verschieben das Ergebnis. Aus diesem Grund wird der Wert, wo immer es geht, gegen eine zweite Messung oder gegen die Angaben des Patienten gehalten, und eine Brillenverordnung stützt sich nie allein auf einen einzigen Messvorgang.
Quellen
- Lang, G. K., Lang, S. J. (Hrsg.): Augenheilkunde.
ISBN: 9783132454446
- Grehn, F.: Augenheilkunde.
ISBN: 9783662591536
- Salmon, J. F.: Kanskis Klinische Ophthalmologie.
ISBN: 9783437234859
- Abegg, M., Dysli, M.: Strabismus.
ISBN: 9783456861159
- Walter, P., Plange, N.: Basiswissen Augenheilkunde.
ISBN: 9783662528006
