Strahlenkrankheit

Unter der Strahlenkrankheit versteht man eine Erkrankung durch hohe Strahlung. Betroffene leiden unter diversen Beschwerden und müssen sich einer langwierigen Behandlung unterziehen. Vorbeugen lässt sich der Erkrankung nur in begrenztem Umfang.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Strahlenkrankheit?

Die Ursache der Strahlenkrankheit liegt in einer erhöhten Belastung durch verschiedene radioaktive Stoffe.
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Die Strahlenkrankheit ist eine Erkrankung, welche nach kurzzeitiger, starker Bestrahlung durch ionisierende Strahlung auftritt. Der Fall ist dies etwa nach Kernwaffenexplosionen oder Strahlungsunfällen sowie nach dem direkten Kontakt mit radioaktiven Stoffen. Je nachdem, wie lange und intensiv der Kontakt besteht, kann es zu leichten bis schweren Symptomen und im schlimmsten Fall zum sofortigen Tod kommen.

Eine erfolgversprechende Behandlung ist nur bei leichten bis mittleren Erkrankungen möglich und konzentriert sich auf Reduzierung des Strahlengehalts im Körper. Da die Strahlenkrankheit meist plötzlich auftritt, kann ihr nur schwerlich vorgebeugt werden. Es ist allerdings möglich, die Beschwerden durch ein schnelles Handeln zumindest zu reduzieren.

Ursachen

Die Ursache der Strahlenkrankheit liegt in einer erhöhten Belastung durch verschiedene radioaktive Stoffe. Zu einer solchen Überdosierung kommt es beispielsweise bei einem Reaktorunglück, beim direkten Kontakt mit radioaktiven Materialien oder beim dauerhaften Kontakt mit Radio- oder Gammastrahlen. Die sogenannten leicht flüchtigen Stoffe sind ebenfalls ein Auslöser der Strahlenkrankheit.

Dazu zählen Jod-131, Jod-133, Cäsium-13 und Cäsium-137. Bei einem atomaren Unfall können diese Stoffe sich über die Luft verbreiten und dadurch größere Landstriche und die Menschen, die sich im gefährdeten Gebiet aufhalten, kontaminieren. Je nachdem, wie hoch die Strahlenbelastung ausfällt, kommt es zu leichten, mittleren oder schwerwiegenden Symptomen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome, die im Zuge der Strahlenkrankheit auftreten, hängen von der Dosis der Röntgen- und Gammastrahlen ab. Je höher die Dosis, desto schneller treten die Symptome auf und desto länger bleiben sie bestehen. Auch die dauerhaften Auswirkungen sowie die Überlebenschancen hängen von der erhaltenen Äquivalentdosis ab.

Bei kleinen Dosen kann es zu Spätfolgen wie Krebs oder Erbgutveränderungen kommen, wobei diese stochastischen Strahlenschäden keine direkten Symptome sind. Bei leicht höheren Dosen von 0,2 bis 0,5 Sv (Sievert) kommt es zu einer Reduktion der roten Blutkörperchen im Körper. Ein erster Strahlenkater kann bei 0,5 bis 1 Sv auftreten. Es kommt zu Kopfschmerzen, einem erhöhten Infektionsrisiko und einer temporären Sterilität beim Mann.

Von einer leichten Strahlenkrankheit spricht man ab 1 bis 2 Sv. Zu den typischen Symptomen zählen hier unter anderem Übelkeit, Appetitlosigkeit, Ermüdung und ein dauerhaftes Unwohlsein. Außerdem ist die Genesung anderer Verletzungen stark beeinträchtigt. Auch hier kommt es zu temporärer Unfruchtbarkeit beim Mann. Bei einer Belastung von 2 Sv bis 3 Sv spricht man von einer schweren Strahlenkrankheit.

Die Symptome reichen von Haarausfall über ein hohes Infektionsrisiko bis hin zu permanenter Sterilität. Stärkere Strahlenwerte erhöhen die Stärke der genannten Beschwerden und führen im Falle der schwersten Strahlenkrankheit, welche ab 6 Sv vorliegt, zu einem raschen Tod.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Strahlenkrankheit kann im Regelfall anhand der Symptome und der jeweiligen Krankengeschichte diagnostiziert werden. Da die Erkrankung meist in Folge eines atomaren Unglücks auftritt, ist die Ursache leicht auszumachen. Der Arzt hat dann die Aufgabe, die Schwere der Erkrankung festzustellen, was anhand verschiedener Tests und Untersuchungen möglich ist.

So werden zunächst Blutdruck, Puls, Gewicht und Größe festgestellt, anschließend werden die wichtigen Organe untersucht und abgetastet. Im Labor werden durch ein Blutbild Entzündungswerte wie etwa der CRP ermittelt. Auch eine Chromosomenzählung findet statt. Hat der behandelnde Arzt dann bereits eine Vermutung, folgt eine Punktion des Knochenmarks, anhand welcher die Schwere der Strahlenkrankheit festgestellt werden kann. Ultraschalluntersuchungen gehören ebenso zum Standard bei der Diagnostik der Strahlenkrankheit.

Komplikationen

Der Verlauf der Strahlenkrankheit ist von der empfangenen Strahlendosis abhängig. Im besten Fall kommt es zu geringen Langzeitschäden, im schlimmsten Fall tritt innerhalb weniger Minuten der Tod ein. Werden mittlere Dosen aufgenommen, kommt es innerhalb der ersten Stunden und Tage zu Veränderungen des Blutbildes, Hautschäden und inneren Blutungen, die auf lange Sicht ebenfalls zum Tod führen können.

Mit welchen Komplikationen bei der Stahlenkrankheit zu rechnen ist, hängt von der Intensität der Strahlung ab, die der Betroffene ausgesetzt war. Allerdings können schon geringe Strahlendosen schwere Spätfolgen wie eine Erbgutveränderung oder Krebs bedingen. Bei mittleren Dosen können schwere Kopfschmerzen und Appetitlosigkeit zu einem rapiden Gewichtsverlust führen, der wiederum sehr ernsthafte Kreislaufprobleme bis hin zum Kollaps nach sich ziehen kann.

Außerdem ist bei einer höheren Strahlendosis mit dem Verlust der Körperhaare, insbesondere der Kopfhaare, zu rechnen. Bei Männern kommt es nicht selten zu einer Sterilität, die dauerhaft sein kann. Des Weiteren steht eine Störung der Wundheilung zu befürchten, so dass sich auch kleinere Verletzungen entzünden können und das Risiko einer Sepsis signifikant ansteigt.

Bei hohen Strahlendosen kommt es oftmals zu einer Zerstörung der Darmschleimhaut. In diesen Fällen können Darmbakterien ins Blut gelangen. Der Körper ist meist nicht mehr im Stande, die Krankheitserreger effektiv abzuwehren, da die Zellen im Knochenmark angegriffen sind und nicht mehr genug weiße Blutkörperchen produzieren.

Die Krankheitserreger können sich deshalb innerhalb kürzester Zeit sehr stark vermehren, was zu einer schweren Sepsis und einem daraus resultierendem Versagen eines oder mehrerer Organe führen kann. In diesem Fall besteht akute Lebensgefahr für den Patienten. Sehr hohe Strahlendosen führen in der Regel zeitnah zum Tod des Betroffenen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Menschen, deren Arbeits- oder Wohnumfeld einer hohen Strahlung ausgesetzt ist, erleiden im Verlaufe der Zeit häufig verschiedene körperliche wie seelische Beschwerden. Kopfschmerzen, Übelkeit, ein allgemeines Unwohlsein oder eine Abnahme der körperlichen sowie geistigen Leistungsfähigkeit, sind Hinweise, die weiter verfolgt werden sollten. Veränderungen des Körpergewichtes, Haarausfall oder Unregelmäßigkeiten des weiblichen Monatszyklus sind einem Arzt vorzustellen.

Kommt es bei Männern zu Störungen der Erektion, ist eine Abklärung der Ursache notwendig. Bleibt ein vorhandener Kinderwunsch über mehrere Monate unerfüllt, ist eine Ursachenforschung angezeigt. Müdigkeit trotz eines erholsamen Nachtschlafes und einer guten Schlafhygiene gilt als Warnhinweis. Halten die Beschwerden über mehrere Wochen oder Monate an, wird ein Arzt benötigt. Bei einer Zunahme der Unregelmäßigkeiten ist unverzüglich ein Arztbesuch anzuraten. Da eine hohe Strahlenbelastung zu einem vorzeitigen Ableben des Betroffenen führt, sollte bereits bei den ersten Störungen und Auffälligkeiten die Rücksprache mit einem Arzt gesucht werden.

Veränderungen des Hautbildes, Schwellungen, Wucherungen oder ein diffuses Schmerzempfinden gehören ebenfalls zu den Beschwerden die näher untersucht werden sollten. Nimmt das Infektionsrisiko zu, kommt es vermehrt zu Entzündungen oder einem allgemeinen Krankheitsgefühl, sollte eine Ursachenforschung betrieben werden. Mattigkeit und ein Rückzug aus der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sind ebenfalls Anzeichen einer vorhandenen Unregelmäßigkeit.

Therapie & Behandlung

Die Strahlenkrankheit wird in erster Linie durch Bluttransfusionen oder Stammzelltransplantation behandelt. Dadurch ist es möglich, die Schäden im Blut und in den Zellen zu beheben und zu verhindern, dass es zu Begleiterkrankungen kommt. Außerdem werden im Verlauf der Therapie Vitaminpräparate verabreicht, um die Blutregeneration zu beschleunigen.

Weiterhin wird der Flüssigkeits- und Elektrolytverlust ausgeglichen, was ebenfalls durch entsprechende Präparate und Infusionen geschieht. Entstandene Hautschäden müssen frühzeitig behoben werden, da der Organismus nach einer Bestrahlung besonders anfällig für Infektionskrankheiten ist. Aus diesem Grund werden Patienten in der Regel mit verschiedenen Medikamenten wie Antibiotika und Schmerzmitteln behandelt.

Da starke Strahlung die Darmschleimhaut schädigen oder sogar zerstören kann, was wiederum dazu führt, dass Darmbakterien in die Blutbahn gelangen, konzentriert sich die Therapie zu wesentlichen Teilen auch auf die Wiederherstellung der Darmaktivität. Die Gabe von Medikamenten kommt hierfür ebenso in Frage wie Operationen und Transplantationen.

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Vorbeugung

Einer Strahlenkrankheit lässt sich vorbeugen, indem der Kontakt mit radioaktiven Stoffen vermieden wird. Kommt es zu einem Kontakt, kann eine sofortige Dekontamination, also eine Entfernung der radioaktiven Verunreinigung, zu einer schnelleren Genesung führen. Außerdem wird Iod verabreicht, um die Schilddrüse zu entlasten und zu verhindern, dass sich radioaktives Iod festsetzen kann. Weitere Möglichkeiten, der Strahlenkrankheit vorzubeugen, existieren nicht.

Nachsorge

Die Strahlenkrankheit selbst kann tödlich verlaufen und richtet sich nach der Dosis der einwirkenden Röntgen- oder Gammastrahlung auf den Patienten. Die Nachsorge ist vor allem darauf ausgerichtet, langfristige Auswirkungen auf den Körper des Betroffenen festzustellen, diese entsprechend zu behandeln und eine Verschlechterung des Allgemeinzustandes zu verhindern. Ist die Strahlendosis verhältnismäßig gering, kann nach der akuten Strahlenkrankheit auch von einer relativ geringen Langzeitfolge oder sogar der vollständigen Genesung ausgegangen werden.

Je höher die Strahlendosis war, desto länger dauert die Erholungsphase. Auch sinkt hier die Chance einer vollständigen Heilung. Die Gabe von Vitaminpräparaten und Aufbauprodukten in der Nachsorgephase kann langfristig erfolgen. Bei schwerer bis schwerster Strahlenkrankheit ist eine Nachsorge nicht möglich, hier ist nur noch eine palliative (also symptomlindernde) Behandlung denkbar, da der Patient innerhalb einer bestimmten Zeitspanne verstirbt.

Bei leichter Strahlenkrankheit ist eine kontinuierliche Nachsorge erforderlich, die eine regelmäßige Kontrolle der Blutparameter einschließt. Außerdem sind Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen, die Langzeitfolgen, wie etwa Krebserkrankungen, frühzeitig aufzeigen und eine adäquate Behandlung des Patienten ermöglichen.

Der Patient kann langfristig an so genannter "Fatigue" leiden, dies ist ein Erschöpfungszustand, der infolge der Strahlenkrankheit auftritt und oft über Jahre anhält. Begleitende Therapiemaßnahmen sind hier in der Nachsorge der Strahlenkrankheit selbst zu ergreifen.

Das können Sie selbst tun

Im Alltag sollte darauf geachtet werden, dass Umgebungen oder Regionen nicht aufgesucht werden, in denen eine erhöhte Strahlung auftritt. Bei Unklarheiten sind entsprechende Messgeräte zu verwenden, damit keine Komplikationen auftreten. Sobald sich gesundheitliche Beeinträchtigungen zeigen, die sich auf eine Strahlung zurückführen lassen, ist die Zusammenarbeit mit einem Arzt nötig.

Bei einer diagnostizierten Strahlenkrankheit sollte der Betroffene verschiedene Maßnahmen ergreifen, um seinen Organismus bestmöglich bei der Bewältigung der Krankheit zu unterstützen. Situationen von körperlicher oder psychischer Überanstrengung sind daher grundsätzlich zu vermeiden. Diese wirken sich negativ auf die Funktionsfähigkeit des Körpers aus. Bei sportlichen Aktivitäten ist ebenfalls auf die Vorgaben des Körpers zu achten. Bemerkt der Betroffene, dass er an seine Grenzen stößt, ist ausreichende Ruhe und Schonung wichtig.

Zur Stärkung des Wohlbefindens sollte eine gesunde und ausgewogene Ernährung stattfinden. Mit einer vitaminreichen Kost und der Vermeidung von stark fetthaltigen Mahlzeiten kann das Eintreten von Übergewicht vermieden werden. Der Konsum von Schadstoffen wie Alkohol und Nikotin ist bei dem Gesundheitszustand des Betroffenen zu unterlassen. Förderlich hingegen ist eine optimale Gestaltung von Freizeitaktivitäten und der Aufbau von Lebensfreude. Da der Betroffene unter einem erhöhten Infektionsrisiko leidet, ist insbesondere bei einem Wechsel der Jahreszeiten auf einen ausreichenden Schutz zu achten.

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

Dieser Artikel wurde unter Maßgabe der aktuellen medizinischen Fachliteratur und fundierter wissenschaftlicher Quellen verfasst.
Qualitätssicherung durch: Dr. med. Nonnenmacher
Letzte Aktualisierung am: 22. Juli 2020

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