Stromunfall


Aktualisiert am 15. April 2019 von Dr. med. Nonnenmacher

Wenn ein Stromunfall oder Elektrounfall passiert, kann dies für den Betroffenen tödlich ausgehen. Leichte Stromschläge hinterlassen hingegen in den meisten Fällen keine schlimmen Verletzungen. Im Haushalt ist die Gefahr, einen Stromschlag zu erleiden, besonders groß.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Stromunfall?

Von einem Stromunfall spricht man, wenn ein Mensch mit Elektrizität in Berührung kommt und dadurch Verletzungen erleidet. Wenn der Betroffene gleichzeitig einen stromführenden Gegenstand und die Erde berührt, gerät er in den Stromkreis und erleidet einen elektrischen Schlag.

Das bedeutet: Strom fließt durch den menschlichen Körper und richtet dabei Schäden an, die im schlimmsten Fall zum Tod führen können. Der Strom sucht sich einen Weg durch den Körper (z.B. von der Hand zum Fuß oder von der rechten Hand zur linken Hand).

Wie hoch diese gesundheitlichen Schäden tatsächlich sind, ist von mehreren Faktoren abhängig. Eine entscheidende Rolle spielen die Stromstärke und die Dauer des Vorfalls. Besonders kritisch ist ein Stromunfall, wenn wichtige Körperteile wie das Herz oder das Gehirn im Stromfluss liegen.

Ursachen

Der Haushalt birgt viele Gefahrenquellen für einen Stromunfall. Die Benutzung kaputter Elektrogeräte (z.B. fehlende Isolierung am Netzkabel) und das Hantieren an elektrischen Leitungen ohne Fachkenntnisse können zu einem elektrischen Schlag führen. Stark gefährdet sind Kleinkinder, die in der Nähe ungesicherter Steckdosen spielen.

Auch in der freien Natur lauern Gefahren. Wer während eines Gewitters vom Blitz getroffen wird, erleidet einen Stromschlag. Besondere Vorsicht ist in der Nähe von Überlandstromleitungen geboten. Wird eine solche Leitung durch Sturm oder Schnee beschädigt, können stromführende Leitungen zu Boden fallen.

Der Gefahr eines Stromschlags setzt man sich auch aus, wenn man unter einer solchen Stromleitung einen Drachen steigen lässt. Es gibt auch Waffen, die dem Opfer einen elektrischen Schlag verpassen (Taser-Pistole).

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bei einem Stromunfall hängt die Symptomatik von der Stromspannung ab, welcher der Betroffene ausgesetzt war. Auch Faktoren wie Dauer der Stromeinwirkung, Stromfluss und Konstitution des Patienten wirken sich auf Art und Ausprägung der Symptome aus. Unfälle mit niedriger Spannung, wie sie beispielsweise beim Föhnen im Bad auftreten können, rufen leichte Verbrennungen oder Muskelkrämpfe hervor.

Bei längerer Einwirkung kann Niederspannung zum Tod des Betroffenen führen. Typischerweise kommt es dann zu einem Herzstillstand oder zu schweren Verbrennungen, die zu einem Herz-Kreislauf-Stillstand führen. Unfälle, die sich durch Hochspannung ereignet haben, rufen schwere Verbrennungen und Herzrhythmusstörungen hervor.

Je nach Schwere des Stromschlags kann es dann zu Kammerflimmern oder sogar zu einem vollständigen Kreislaufstillstand kommen. Ein Hochspannungsunfall führt in den meisten Fällen zum Tod des Verunfallten. Ein Blitzschlag ruft schwere Verbrennungen sowie Muskel-, Knochen- und Hautverletzungen hervor. Meist sind auch Gefäße und Nerven betroffen.

Bedingt durch die hohe Spannung ist ein Blitzschlag fast immer tödlich. Neben den akuten Symptomen eines Stromunfalls kann es noch nach Tagen, Wochen oder sogar Monaten zu Herzrhythmusstörungen, Nervenstörungen und neurologischen Ausfallerscheinungen kommen, immer abhängig von der Schwere der Spannung und den unternommenen Therapiemaßnahmen.

Diagnose & Verlauf

Ein Stromunfall kann zu einer Vielzahl von gesundheitlichen Schäden und zum Tod führen. Ebenso ist es möglich, dass der Betroffene ohne nennenswerte Verletzungen davonkommt. Abhängig von der Stromstärke und der Dauer des Vorfalls erleidet der Patient Muskellähmungen unterschiedlichen Ausmaßes.

Auch Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit und ein Atemstillstand sind möglich. Liegt das Herz im Stromfluss, kann es zu einem lebensgefährlichen Herzkammerflimmern oder zu einem Herzstillstand kommen. An jenen Stellen, an denen der Strom in den Körper ein- beziehungsweise ausgetreten ist, entstehen Brandverletzungen (Strommarken).

Bei einem Stromunfall erleidet der Patient manchmal heftige Krampfanfälle, die zu Knochenbrüchen führen können. Oft passieren auch Folgeunfälle. Der Patient stürzt beispielsweise infolge eines elektrischen Schlags und zieht sich dabei weitere Verletzungen zu.

Komplikationen

Komplikationen nach einem Stromunfall betreffen verschiedene Organsysteme. Sehr häufig löst ein Stromschlag Herzrhythmusstörungen aus, die in vielen Fällen sofort, manchmal erst mit einiger Verzögerung auftreten. Zudem kann das Muskelgewebe des Herzens aufgrund von Verbrennungen geschädigt werden, was die Herzfunktion nachhaltig beeinträchtigt.

Eine Verletzung der Atemwege kann, ebenso wie die Lähmung des Atemzentrums, einen lebensbedrohlichen Atemstillstand herbeiführen. Das Nervengewebe weist einen geringen Widerstand auf und wird daher bei einem Stromunfall häufig in Mitleidenschaft gezogen: Die Folge können Lähmungserscheinungen, Empfindungsstörungen und Koordinationsstörungen sein.

Gehirnschäden machen sich unter anderem an Bewusstseinstrübungen, Krampfanfällen, Unruhe und Gedächtnisstörungen bemerkbar, diese Symptomatik kann entweder direkt aufgrund der Stromeinwirkung oder als Folge einer Unterversorgung des Gehirns nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand bedingt sein. Durch unwillkürliche Muskelverkrampfungen können Muskel- und Sehnenrisse sowie Knochenbrüche entstehen, in schweren Fällen kann die Stromeinwirkung die Auflösung von Muskelfasern (Myolyse) zur Folge haben.

Als weitere Komplikationen nach einem Stromunfall sind Verbrennungen der Haut mit Blasen- und anschließender Narbenbildung sowie eine Beeinträchtigung der Nierenfunktion bis hin zum Nierenversagen zu nennen. Ebenso sind Schäden an den Blutgefäßen möglich, die Thrombosen und Embolien nach sich ziehen können. Lebensgefährlich ist eine Blutvergiftung, die als Folge einer bakterielle Infektion oder verbrannten Körpergewebes entstehen kann.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei einem leichten Stromschlag wird im Normalfall kein Arzt benötigt. Der Betroffene braucht einige Zeit der Regeneration und Ruhe, um das Erlebte zu verarbeiten. Meist liegt eine innere Gereiztheit, kurzfristiges Herzrasen sowie eine Aufgeregtheit vor, die sich innerhalb einiger Minuten langsam abgebaut. Treten keine weiteren Beschwerden oder Unannehmlichkeiten auf, ist keine medizinische Versorgung notwendig.

Bei einem starken Stromschlag sollte ein Arzt konsultiert werden. Kommt es zu Verbrennungen, Schmerzen oder Verkrampfungen der Muskulatur, sind weitere Untersuchungen notwendig. Das Ausmaß der Beschädigungen im Organismus muss ermittelt werden, damit im Anschluss ein individueller Behandlungsplan erstellt werden kann. Störungen des Kreislaufs, Unregelmäßigkeiten der Herztätigkeit oder eine Atemnot sind schnellstmöglich einem Arzt vorzustellen. Bei einem Verlust des Bewusstseins, großflächigen Verletzungen am Körper oder starken Schmerzen sollte ein Rettungsdienst alarmiert werden.

Bis zur Ankunft des Notarztes müssen Erste-Hilfe-Maßnahmen ergriffen werden. Dabei ist den Anweisungen des Rettungsteams Folge zu leisten, damit eine bestmögliche Erstversorgung stattfinden kann. Da ein starker Stromschlag in schweren Fällen zu einem vorzeitigen Ableben des Betroffenen führt, besteht bei Störungen der Nerven, diffusen Unregelmäßigkeiten verschiedener Körperfunktionen, Verletzungen der Knochen oder einem Herzstillstand ein sofortiger Handlungsbedarf. Eine intensivmedizinische Betreuung ist notwendig, damit das Leben des Betroffenen gesichert werden kann.

Behandlung & Therapie

Wenn ein Patient einen Stromunfall erlitten hat, sollte der Ersthelfer Schutzmaßnahmen einhalten, um sich nicht selbst in Gefahr zu bringen. Bevor man den Verunfallten berührt, muss man den Körper von der Stromquelle trennen.

Liegt ein stromführendes Kabel in der Nähe, so entfernt man dieses mithilfe eines nicht leitenden Gegenstands (z.B. Holzbesen). Wenn der Patient bewusstlos ist, gilt es unverzüglich Erste-Hilfe-Maßnahmen (Herzmassage, Beatmung) einzuleiten. Ist der Verunfallte bei Bewusstsein, werden die durch den Stromunfall entstandenen Brandverletzungen versorgt.

Wenn die Verletzungen nur klein sind und der Patient über keine weiteren Beschwerden klagt, sollte man trotzdem ein Krankenhaus aufsuchen. Dort wird ein EKG durchgeführt. Manchmal kommt es nämlich noch Stunden nach einem Stromunfall zu Herzrhythmusstörungen. Von der Schwere des Stromunfalls abhängig ist, ob danach noch weitere Behandlungsschritte notwendig sind. Wenn die Verbrennungen sehr stark sind, können Giftstoffe in den Körper gelangen, weil Gewebe verkohlt ist. In diesem Fall wird einer Blutvergiftung mithilfe von Infusionen vorgebeugt.

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Vorbeugung

Um einen Stromunfall im Haushalt zu vermeiden, sollte man einige Sicherheitsmaßnahmen einhalten. Kaputte Elektrogeräte sollten niemals verwendet werden. Für Reparaturen an elektrischen Leitungen ist stets ein Fachmann zu rufen. In Haushalten mit Kleinkindern sollten an den Steckdosen Kindersicherungen angebracht werden. Beim Aufenthalt im Freien gilt es während eines Gewitters einen geschützten Ort aufzusuchen, um einen Blitzschlag zu vermeiden. In der Nähe von Überlandstromleitungen ist besondere Vorsicht geboten.

Nachsorge

Stromschläge verursachen, je nach Stromstärke, unterschiedliche Folgen. Diese reichen von leichten Verbrennungen der Hautoberfläche bis hin zu lebensgefährlichen Verläufen. In manchen Fällen sind keine akuten Verletzungen erkennbar. Der Patient wurde nicht ohnmächtig, empfand weder Schmerzen noch Schwindelgefühle.

Eine weitere Nachsorge scheint nicht erforderlich zu sein. Es besteht aber die Gefahr von Spätfolgen, die erst nach einer längeren Zeit ohne Beschwerden auftauchen. In der Fachsprache ist von direkten und indirekten Folgen die Rede. Deshalb muss bei einem Stromunfall immer ärztliche Nachsorge geleistet werden.

Ein schwach ausgeprägter Stromschlag äußert sich durch ein kurzes Schmerzempfinden an den Fingerspitzen. Diese Situation ist alltäglich und entsteht bei der Berührung von elektrostatisch aufgeladenen Oberflächen. Hier ist keine nachsorgende Behandlung sinnvoll. Die Stromstärke ist zu gering, um bleibende Schäden hervorzurufen.

Stromunfälle gehen über dieses Maß hinaus. Sie erfordern den Notruf und sofortige ärztliche Betreuung. Besonders das Herz ist häufig von direkten und indirekten Schädigungen betroffen. Der Betroffene sollte den Rat des (Not-) Arztes unbedingt ernst nehmen und sich auch über das Unfallgeschehen hinaus medizinisch betreuen lassen. Ein Kardiologe kontrolliert mithilfe des EKG die Herzfrequenz. Er leitet weitere Behandlungswege ein, wenn sich Spätfolgen einstellen.

Das können Sie selbst tun

Im Alltag sollte insbesondere im Haushalt darauf geachtet werden, dass keinerlei Verletzungen durch einen Kontakt mit Strom stattfinden können. Dabei sind Steckdosen, Lichtschalter oder andere Quellen aus denen Strom bezogen werden kann gut abzudecken und vor einem Defekt zu schützen. Sobald es zu Auffälligkeiten kommt, sollte der Kontakt zu einem Elektriker gesucht werden. Offene Kabel aus der Wand, dem Fußboden oder der Decke sollten verdeckt werden.

Darüber hinaus ist darauf zu achten, dass eine entsprechende Stromzufuhr über den Sicherungskasten ausgeschlossen werden kann. Im Umgang mit elektrischen Geräten ist ebenfalls Vorsicht geboten. Gibt es Schäden an den Kabeln der genutzten Haushaltsgeräte, sollten sie nicht verwendet werden. Aufenthalte im Freien sind bei einem Gewitter grundsätzlich zu vermeiden. Mit dem Eintreten eines Gewitters ist Schutz in geschlossenen Gebäuden zu suchen. Das Unterstellen unter einem Baum oder in einem Waldgebiet ist nicht anzuraten.

Kommt es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einem Stromunfall, wird bei schweren Verletzungen ein Arzt benötigt. Die körperlichen Belastungen sind auf ein Mindestmaß zu reduzieren und eine ausreichende Schonung ist nötig. Der Organismus benötigt alle Kraft, im Heilungsprozess um Verbesserungen zu erzielen. Wichtig sind zusätzlich eine ausgewogene und gesunde Ernährung sowie eine gute Schlafhygiene. Dies ist für den Körper hilfreich, um möglichst schnell zu genesen.

Quellen

  • Classen, M., Diehl, V., Kochsiek, K. (Hrsg.): Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2009
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013


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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

VmBb9390 kommentierte am 04.02.2014

Mein Freund hatte vor etwa sechs Wochen einen Stromunfall. Er ist Straßenbauer und stützte sich versehentlich an einem Kuhzaun ab. Dieser war geladen und die Kleidung meines Freundes war nass. Er bekam einen Schlag in den rechten Arm und das linke Bein. Danach hatte er zwei Wochen Muskelkrämpfe und Verspannungen. Seit seiner Kindheit hat er Beschwerden mit dem Herzen und der Lunge. Diese waren nach dem Unfall stärker. Außerdem hatte er die ersten Tage stechende Kopfschmerzen. Die Ärzte stellten keine bleibenden Schäden fest. Gestern ging es meinem Freund aber wie am Tag des Unfalls. Ich sorge mich. Was kann ich machen?

Wimhelm kommentierte am 25.11.2015

Ich hatte einen Stromunfall mit einem Fernsehgerät. Beim Verschieben habe ich mit meinem Oberarm den Bildschirmrahmen berührt und mit dem Unterarm in den Bildschirm gefasst. Dabei versetzte mir der Fernseher einen elektrischen Schlag, sodass ich auf den Hintern fiel und für eine Zeit, die ich nicht mehr genau
weiss, war ich ohnmächtig. Einige Stunden danach, als ich mich wieder etwas erholt hatte, hatte ich jedoch unbeschreiblich starke Schmerzen im rechten Arm. Ich rief im Krankenhaus in der Notaufnahme an und schilderte es der Ärztin. Dort wurde mir nicht geholfen, sodass ich erst am nächsten Tag selbst ins Krankenhaus fuhr. Der Herzarzt hat mir gesagt, er könne den Stromschlag anhand des Muskelschwunds feststellen, jedoch ist kein nennenswerter Schaden am Herzen entstanden. Die Neurologin hat dann einen Bizepssehnenriss am Ultraschall festgestellt. Später war dann auf dem Roentgenbild eine deutliche Einblutung festzustellen. Drei Tage später sah man dann deutlich die Abdräcke des Fernsehrahmens an meinem rechten Arm. Vierzehn Tage später wurde bei einer Operation die Bizepssehne wieder zusammengenäht. Laut Ärzte sollte dann der Arm wieder hundertprozentig einsatzfähig sein. Neun Monate später hatte ich immer noch starke Schmerzen im Knochen vom Ober- in den Unterarm. Dazu konnte ich mit den Fingern nichts mehr richtig festhalten und auch keine Faust schließen. Der kleine Finger steht immer nach außen weg und wenn ich den Arm enspanne, winkeln sich die Finger selbständig an. Die Haut kribbelt und ist manchmal taub. Ich kann den Arm nur waagerecht heben und kann ihn nicht mehr zum Hintern führen. Alles was ich mit rechts mache, schmerzt stark. Nun 16 Monate nach dem Unfall werden die Schmerzen im Knochen schlimmer, sodass ich ohne Tabletten nicht mehr schmerzfrei leben kann. Mein Hausarzt hat die kleinen Brandblasen an den Füßen und am rechten Arm als Allergie diagnostiziert. Dabei hat mir der Neurologe bestätigt, dass es eindeutig Brandblasen sind, die dadurch entstehen, wenn der Strom an der Haut entlang läuft. Was kann ich machen?