Trennungsangst

Trennungsangst ist ein Gefühl, das Betroffene, ihre Partner und ihre Familien sehr belasten kann. Der Weg zur Bewältigung dieser Angst führt über die Bewusstwerdung der emotionalen Vorgänge und das Erlernen neuer Verhaltensmuster.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Trennungsangst?

Viele Kinder reagieren mit offenen Unmutsäußerungen, mit Weinen und Schreien, wenn es zu einer „Trennung“ kommen soll. Auch die Angst vor dem Einschlafen kann eine Ausprägung der Trennungsangst sein.
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Trennungsangst ist eine große (in den meisten Fällen) faktisch unbegründete Angst, unter der sowohl Kinder als auch Erwachsene leiden können. Die Angst, die wichtigste Bezugsperson zu verlieren, taucht zum Beispiel bei Kindern häufig auf, wenn sie das erste Mal in den Kindergarten gebracht werden und dort bleiben sollen.

Dauern die gezeigten Ängste jedoch viel länger als gewöhnlich an, sodass das soziale Leben damit entscheidend beeinträchtigt wird, gilt Trennungsangst als patholgisch. Ärzte stufen ein solches Verhalten mit der kinder- und jugenpsychiatrischen Diagnose "Emotionale Störung des Kindesalters" mit Trennungsangst.

Trennungsangst ist in diesem Lebensabschnitt nicht ungewöhnlich und vergeht in den meisten Fällen schnell wieder. Es existieren aber auch Fälle, in denen die Trennungsangst über einen längeren Zeitraum bestehen bleibt und auch in der Schulzeit immer noch auftritt. Im Erwachsenenalter hat das Thema Trennungsangst in zwischenmenschlichen Beziehungen ebenfalls Relevanz.

Besonders bei sehr konfliktarmen Beziehungen ist häufig ein (oder auch beide) Partner von Trennungsangst betroffen. Sobald sich der Partner stärker selbst verwirklichen möchte, fühlt sich der Partner mit größerer Trennungsangst bedroht. Selbst wenn die Treue oder der Abbruch der Beziehung kein Thema ist, kann es zu Eifersucht und Panik kommen.

Ursachen

Einen zuverlässigen Auslöser für Trennungsangst festzumachen, ist schwer möglich. Einer Angststörung liegt immer eine komplexe Wechselwirkung zwischen der Umwelt und den Emotionen einer Person zugrunde. Sehr schüchterne und introvertierte Kinder beziehungsweise Erwachsene haben ein höheres Risiko Ängste zu entwickeln.

Nicht selten haben Menschen mit Trennungsangst auch im frühen Kindesalter stark „gefremdelt“. Kinder, die von Trennungsangst betroffen sind, befürchten häufig, dass den Eltern während der Abwesenheit etwas zustoßen könnte. Wenn die Eltern aus Unwissenheit diese Situationen nicht kompetent lösen, sondern Angst einflößende Situationen einfach vermeiden, kann der Nachwuchs nicht lernen, wie er mit seiner Angst vor dem alleine sein umgehen kann.

Natürlich können auch Erfahrungen von Ablehnung und tatsächlichem Verlust traumatisch wirken und so zur Entstehung einer Trennungsangst beitragen. Wenn die Trennungsangst in Beziehungen unter Erwachsenen anzutreffen ist, dann ist die Ursache dafür häufig das Gefühl, als alleinstehende Person nicht für sich sorgen zu können. Durch die Verlustangst entsteht emotionale Abhängigkeit.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Wenn Kinder unter Trennungsangst leiden und morgens nicht in den Kindergarten oder die Schule gehen möchten, dann geben sie sehr wahrscheinlich nicht den wahren Grund (ihrer Angst) an, sondern entwickeln psychosomatische Übelkeit, Kopfschmerzen oder Bauchschmerzen.

Viele Kinder reagieren auch mit offen Unmutsäußerungen, mit Weinen und Schreien, wenn es zu einer „Trennung“ kommen soll. Auch die Angst vor dem Einschlafen kann eine Ausprägung der Trennungsangst sein. Um die nächtlichen Dramen zu vermeiden, ist das Schlafen im Elternbett eine kurzfristige Lösung, die die Wurzel der Trennungsangst aber nicht erreicht.

Gleiches gilt für Beziehungen unter Erwachsenen, in denen Trennungsangst ein Thema ist. Entweder wird die Angst nicht offen gezeigt. In diesen Fällen versucht meistens die Person mit Trennungsangst, den Konflikt zu vermeiden, um die Beziehungen auf jeden Fall aufrechtzuerhalten.

Die Person, die von Trennungsangst betroffen ist, gesteht es sich nicht zu, offen für die eigenen Gefühle und Wünsche einzutreten. Wird die Trennungsangst offen gezeigt, kann es wiederum zu Szenen kommen, die den anderen unter Druck setzten und zum Nachgeben bewegen sollen. Beides ist denkbar.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Erkannt wird Trennungsangst in Situation, in denen eine (sehr kurze) Trennung angesagt ist und das Gegenüber (Kind oder Erwachsener) unverhältnismäßig reagiert. Angst ist ein intensives menschliches Gefühl. Durch Angst können wir Bedrohungen erkennen und damit das Überleben sichern.

Personen, die von Trennungsangst betroffen sind, haben ein irrationales Bedürfnis nach Sicherheit, das eigentlich bereits gewährleistet ist. Wenn die Hilfe nun darin besteht, nachzugeben, verfestigt sich das Verhalten.

Komplikationen

Eine ausgeprägte Trennungsangst stellt sowohl für den Betroffenen als auch für seine Angehörigen und Freunde eine große Belastung dar. Betroffene Kinder entwickeln häufig psychosomatische Beschwerden wie Übelkeit, Kopfschmerzen oder Bauchschmerzen. Wird die Trennungsangst nicht therapeutisch aufgearbeitet, entstehen oftmals auch psychische Leiden, die bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben können und den Betroffenen in seiner Lebensgestaltung erheblich einschränken.

Erwachsene, die unter Trennungsangst leiden, rufen dadurch beim Partner Stress und Ängste hervor. Auf lange Sicht leidet die Partnerschaft darunter und es entstehen immer wieder neue Konflikte, die in den meisten Fällen zur Trennung führen. Für die betroffene Person ist ein solcher Einschnitt eine traumatische Erfahrung.

Ohne psychologische Hilfe kann es zur Bildung von psychischen Störungen (zum Beispiel Minderwertigkeitskomplexe oder soziale Ängste) kommen. In Einzelfällen besteht Suizidgefahr – nicht nur durch den emotionalen Schmerz, den der Betroffene verspürt, sondern oft auch als eine Art Trotzreaktion auf die Trennung. Die medikamentöse Behandlung einer Trennungsangst kann mit kurzfristigen oder dauerhaften Persönlichkeitsveränderungen verbunden sein. Abgeschlagenheit und Gefühllosigkeit sind typische Nebenwirkungen von Antidepressiva, die die Lebensqualität zumindest zeitweilig erheblich einschränken.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Die Angst vor dem Verlust eines liebgewonnen Menschen gilt als ein natürliches Empfinden. Trennen sich die Wege zweier Menschen durch einen Umzug, das Ende einer Beziehung oder durch ein mögliches Ableben, stehen viele der Entwicklung hilflos gegenüber. In den meisten Fällen kann durch die Unterstützung des sozialen Umfeldes eine Überwindung der Ereignisse erreicht werden. Ein Arzt oder Therapeut wird nicht benötigt. Gespräche, der Prozess des Verstehens und Annehmens der Situation führen nach einigen Wochen oder Monaten zu einer Linderung der Beschwerden. Es handelt sich hierbei um ein natürlicher Prozess, der ohne eine medizinische Versorgung auskommt.

Treten jedoch massive Beschwerden oder Probleme auf, ist die Inanspruchnahme einer therapeutischen Hilfe angezeigt. Bei Verhaltensauffälligkeiten, Gewichtsänderungen, einem Rückzugsverhalten oder Teilnahmslosigkeit ist die Rücksprache mit einem Arzt zu empfehlen. Ein depressives Auftreten, panische Reaktionen oder hysterische Verhaltenszüge gelten als besorgniserregend. Kommt es zu einer Schlafstörung, vegetativen Unregelmäßigkeiten, Konzentrationsstörungen oder Kopfschmerzen, sollte ein Arzt konsultiert werden.

Bei einer inneren Unruhe, dem Erleben eines anhaltenden Leids oder dem Zittern der Gliedmaßen benötigt der Betroffene Hilfe. Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder eine innere Anspannung sind Anzeichen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung und mit einem Arzt zu besprechen. Können die gewohnten Verpflichtungen nicht mehr wahrgenommen werden, sollte ein Arztbesuch erfolgen.

Behandlung & Therapie

Trennungsangst tritt auf, wenn Trennungen befürchtet werden. Da diese Befürchtungen, verlassen zu werden, in der Regel unbegründet sind, ist es wichtig, das Thema anzusprechen und die diffusen Ängste so in die Klarheit zu holen. Nachgeben und Vermeiden sind keine guten Ideen. Das gilt sowohl für Kinder als auch für den von Trennungsangst betroffenen Partner.

Vielmehr geht es darum, positive neue Erfahrungen schaffen, um neue Konditionierungen zu entwickeln. Eltern können lernen, Notwendigkeiten für die Kinder zu schaffen, sich Herausforderungen zu stellen. Sie können dem Kind vermitteln, dass sie ihm zutrauen, mit der „Trennung“ umzugehen. In Beziehungen unter Erwachsenen sind ebenfalls viele klärende Gespräche hilfreich, wenn Trennungsangst erkannt wird.

Sofern die Beziehung eine Basis hat, die auf Treue und Ehrlichkeit beruht, dann wird die Trennungsangst eines Partners keine Gefahr darstellen. In den wenigsten Fällen wird professionelle Hilfe durch einen Therapeuten benötigt. Sollte dass der Fall sein, dann wird in der Therapie versucht werden, die Ursache für die Angst zu ergründen.

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Vorbeugung

Vorbeugende Maßnahmen, um Trennungsangst zu vermeiden, sind der Erwerb von Kompetenzen, die auf die Selbständigkeit eines Menschen abzielen. Das kann bei Kindern das Einkaufen beim Bäcker oder das Übernachten bei den Freunden sein. Erwachsene sollten lernen, auf eigenen Beinen zu stehen. In einer Beziehung sollte jeder Partner, den Raum haben, sich selbst zu verwirklichen und eigene Erfahrungen zu machen.

Nachsorge

Nach einer Therapie von Trennungsangst ist eine konsequente Nachsorge wichtig, um ein Wiederaufflammen der Symptomatik möglichst nachhaltig zu verhindern. Die Nachsorge kann mit dem behandelnden Therapeuten abgestimmt werden. Auch der Besuch einer Selbsthilfegruppe kann sehr sinnvoll sein: Menschen, die die gleichen Probleme mit Trennungsangst haben oder hatten, können sich gegenseitig unterstützen und hilfreiche Tipps geben.

Gespräche mit dem Partner sind in der Nachsorge oft ebenfalls ein Mittel, gegen die Trennungsangst vorzugehen. Zweifel an der Treue und Loyalität des Partners können so oft von Anfang an bewältigt werden, ehe es zur Ausbildung der starken Trennungsangst kommt. Wichtig für Personen mit Trennungsangst sind zwei weitere Aspekte, die als Säulen der Nachsorge besonders integriert werden sollten.

Zum einen ist das Selbstvertrauen der Patienten so zu stärken, dass ihnen das Alleinsein keine Angst macht und sie für den Fall einer wirklichen Trennung das Gefühl entwickeln, auf sich gestellt gut zurechtzukommen. Die mindert Trennungsangst in vielen Fällen. Zudem ist es auch ganz entscheidend, soziale Kontakte außerhalb der Partnerschaft zu leben und diese in der Nachsorge wieder zu reaktivieren oder sogar auszubauen. So ist der Fokus nicht auf den Partner alleine gerichtet. Sich in einem sozialen Netz aufgehoben zu fühlen kann Trennungsangst dann ebenfalls gut verhindern helfen.

Das können Sie selbst tun

Trennungsangst ist ein Phänomen, bei dem der Betroffene durch Selbsthilfe im Alltag seine Situation oft spürbar verbessern kann. Den Grund für die Trennungsangst zu kennen, ist in diesem Zusammenhang besonders hilfreich.

Liegt die Ursache in einem mangelnden Selbstwertgefühl oder dem Gefühl, nicht alleine sein zu können, sind Mittel oft hilfreich, die das Selbstvertrauen stärken. Hobbys und Gesellschaft mit Freunden sind geignet, die sozialen Kontakte auf eine breitgefächerte Basis zu stellen. Die Fixierung auf den Partner als häufige Ursache der Trennungsangst kann auf diese Weise verringert werden.

Ist die Ursache der Trennungsangst im Partner selbst begründet, sind Gespräche oft ein richtiger Weg, wenn es darum geht, die Angst vor der Trennung zu besprechen. Auch Freunde und andere Vertraute sind oft hilfreiche Gesprächpartner für das Besprechen dieser sehr pesönlichen Problematik. Wenn das Problem nicht nur an den aktuellen Partner gebunden ist, sondern auch schon in früheren Partnerschaften aufgetreten ist, kann diese Systematik eventuell auch zielführend in einer speziellen Selbsthilfegruppe für Partnerschaftsprobleme besprochen werden.

Gelassenheit und Grundvertrauen sind wichtige Faktoren im Hinblick auf eine entspannte Beziehung ohne Trennungsangst. Hilfreich können hier klassische Entspannungsmethoden wie die PMR (Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen) oder das Autogene Training sein. Auch das regelmäßigen Üben von Yoga kann helfen.

Quellen

  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015
  • Morschitzky, H.: Angststörungen – Diagnostik, Konzepte, Therapie, Selbsthilfe. Springer, Wien 2009
  • Möller, H.-J., Laux, G., Deister, A.: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2015

Dieser Artikel wurde unter Maßgabe der aktuellen medizinischen Fachliteratur und fundierter wissenschaftlicher Quellen verfasst.
Qualitätssicherung durch: Dr. med. Nonnenmacher
Letzte Aktualisierung am: 11. November 2020

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